Minocyclin

Von Felix Hintermayer
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Minocyclin ist ein Breitbandantibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline. Der Wirkstoff hemmt die Vermehrung von verschiedenen bakteriellen Krankheitserregern, hat also eine bakteriostatische Wirkung. Darüber hinaus vermittelt Minocyclin entzündungshemmende Effekte. Aus diesem Grund zählt neben bakteriellen Infektionen zum Beispiel auch entzündliche Akne zu den Anwendungsgebieten. Erfahren Sie hier mehr über Anwendung, Wirkung und mögliche Nebenwirkungen von Minocyclin.

So wirkt Minocyclin

Minocyclin hemmt die Proteinsynthese und damit das Wachstum beziehungsweise die Vermehrung von Bakterien: Sein Angriffspunkt sind die Ribosomen – kleine Zellorganellen, die aus zwei Untereinheiten bestehen und Proteinbausteine (Aminosäuren) zu fertigen Proteinen zusammensetzen.

Minocyclin bindet an die kleinere Untereinheit der Ribosomen und bewirkt dort den Abbruch der Aminosäurekette. Dadurch bleibt das Protein unvollständig und funktionslos. Für die Proteinbiosynthese beim Menschen birgt das Antibiotikum keine Gefahr, da es sehr spezifisch auf Bakterien wirkt.

Minocyclin besitzt darüber hinaus auch entzündungshemmende Eigenschaften.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Der Wirkstoff wird in der Regel über den Mund (oral) eingenommen und nahezu vollständig über die Darmwand ins Blut aufgenommen. Er bindet zu 75 Prozent an Plasmaproteine, verteilt sich im gesamten Körper und tritt gut ins Gewebe über.

Seine Verweildauer im Körper ist recht lang. Erst 15 Stunden nach der Einnahme hat die Hälfte des Wirkstoffes den Körper wieder verlassen (Halbwertszeit). Dies geschieht hauptsächlich mit der Galle und dem Stuhl, zum Teil auch mit dem Urin.

Wann wird Minocyclin angewendet?

Minocyclin wird in Deutschland und Österreich bei verschiedenen bakteriellen Infektionskrankheiten eingesetzt, die empfindlich auf Minocyclin reagieren, zum Beispiel bei Syphilis (wenn Penicillin nicht vertragen wird). Manchmal kommt es auch bei Lepra und bei anderen durch Mykobakterien verursachten Infektionskrankheiten zum Einsatz.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist Nocardiose, eine bakterielle Infektion, die vor allem bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem (wie Aids-Patienten) auftritt.

Zudem kann Minocyclin Akne lindern (bereits in niedriger Dosierung). Es ist deshalb bei schweren Formen der Akne zugelassen (in Deutschland, Österreich und der Schweiz).

Die anti-entzündliche Wirkung des Antibiotikums wird zum Teil auch in der Behandlung von Rosazea (Rosacea) genutzt. Dieser Gebrauch geschieht in allen drei genannten Ländern allerdings "Off-Label", also ausserhalb der zugelassenen Anwendungsgebiete.

So wird Minocyclin angewendet

Die Dosierung des Antibiotikums richtet sich nach der Art und Schwere der Erkrankung.

Soweit nicht anders verordnet, erhalten Erwachsene mit bakteriellen Infektionskrankheiten in der Regel anfangs eine erhöhte Dosis von 200 Milligramm Minocyclin und danach alle zwölf Stunden weitere 100 Milligramm. Bei Kindern ab acht Jahren wird die Dosis an das Körpergewicht angepasst: Die Behandlung wird meist mit vier Milligramm Minocyclin pro Kilogramm Körpergewicht begonnen. Danach werden alle zwölf Stunden zwei Milligramm pro Kilogramm gegeben.

Akne-Patienten nehmen zweimal täglich 50 Milligramm des Antibiotikums ein.

Minocyclin sollte optimalerweise nüchtern, also auf leeren Magen eine Stunde vor beziehungsweise frühestens zwei Stunden nach einer Mahlzeit eingenommen werden. Bei Magen-Darm-Beschwerden ist gegebenenfalls nach ärztlicher Rücksprache auch die Einnahme zu einer Mahlzeit möglich.

Welche Nebenwirkungen hat Minocyclin?

Die häufigsten Nebenwirkungen sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Manche Patienten reagieren allergisch auf das Antibiotikum (Hautjucken, schmerzhafte entzündliche Rötungen der Haut, Nesselsucht).

Beenden Sie im Fall einer allergischen Hautreaktion die Behandlung und kontaktieren Sie sofort den behandelnden Arzt.

Tetracycline wie Minocyclin machen die Haut empfindlicher gegenüber UV-Strahlung. Sonnenlicht und Besuche im Solarium können daher schnell zu Sonnenbrand führen.

Es empfiehlt sich für die Dauer der Behandlung ausreichend Sonnenschutz aufzutragen und auf Sonnenbäder sowie Solariumbesuche zu verzichten.

Tetracycline lagern sich besonders bei Heranwachsenden in Knochengewebe und Zähnen ab. Das kann das Knochenwachstum vorübergehend beeinträchtigen und die Zähne irreversibel verfärben ("Kreidezähne").

Sollten Sie unter starken Nebenwirkungen oder nicht genannten Beschwerden leiden, suchen Sie bitte Ihren Arzt auf.

Was ist bei der Anwendung von Minocyclin zu beachten?

Gegenanzeigen

Minocyclin darf nicht eingesetzt werden bei:

  • schweren Leberfunktionsstörungen
  • Kindern unter acht Jahren
  • bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Tetracyclinen

Wechselwirkungen

Minocyclin ist in der Lage mit anderen Arzneien zu interagieren. Das kann die Wirkung und Nebenwirkungen des Antibiotikums und/oder der anderen Arzneien verändern.

So verstärkt das Antibiotikum zum Beispiel die Wirkung von Ciclosporin – ein Wirkstoff, der nach einer Organtransplantation zur Vorbeugung von Abstossungsreaktionen verabreicht wird.

Auch die Wirkung von Blutzuckersenkern (Antidiabetika) kann sich durch Minocyclin verstärken, sodass die Gefahr einer Unterzuckerung besteht. Das Antibiotikum steigert zudem die Aufnahme von Digoxin in den Körper (herzstärkendes Mittel).

Antazida (gegen Sodbrennen), Eisen- und Multivitaminpräparate sowie Penicilline verringern generell die Wirkung von Tetracyclinen. Bei gleichzeitiger Einnahme von Tetracyclinen und Theophyllin (Reservemedikament bei COPD), kann es zu Beschwerden im Magen-Darm-Trakt kommen.

Tetracycline wie Minocyclin sollten nicht zusammen mit Milch oder Milchprodukten eingenommen werden. Die in der Milch befindlichen Calcium-Salze bilden mit den Antibiotika Komplexe, die der Körper kaum aufnehmen kann. Die Antibiotika-Wirkung verringert sich dadurch.

Fahrtüchtigkeit und Bedienen schwerer Maschinen

Zu Beginn der Behandlung kann Schwindel auftreten, manchmal begleitet von Benommenheit und Übelkeit. Das beeinträchtigt die Verkehrstüchtigkeit und sollte beim Lenken von Fahrzeugen oder dem Bedienen schwerer Maschinen bedacht werden.

Altersbeschränkung

Minocyclin ist bei Kindern unter acht Jahren kontraindiziert.

Schwangerschaft und Stillzeit

Das Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin empfiehlt, in der Schwangerschaft und Stillzeit generell andere Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Makrolide) zu bevorzugen. Gegebenenfalls kann Minocyclin aber bei entsprechender Indikation (z.B. bakterieller Infektion) bis zur 16. Schwangerschaftswoche eingesetzt werden (als Mittel 2. Wahl). Danach ist es kontraindiziert.

Sind die Antibiotika der Wahl (wie Makrolide) in der Stillzeit ungeeignet, kann unter Minocyclin gestillt werden. Die meisten beobachteten Stillkinder hatten davon keine Beschwerden davongetragen, insbesondere keine Zahnverfärbungen.

In der Schweiz sind Minocyclin-Präparate (zur Akne-Behandlung) generell während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert.

So erhalten Sie Medikamente mit Minocyclin

Minocyclin ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptpflichtig. Es wird normalerweise in oraler Form verschrieben (etwa als Tablette oder Kapsel).

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Quellen:
  • Arzneimittel-Informations-Publikationssystem (AIPS) der Stiftung Refdata: www.swissmedicinfo.ch (Abruf: 29.11.2021).
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Minocyclin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 29.11.2021).
  • Sittler, E. et Piwek, K.: Arzneimittelverabreichung bei alten Menschen, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 2012.
  • Stille, W. et al.: Antibiotika-Therapie, 11. Auflage, Schattauer Verlag, 2005.
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