Losartan

Von Lisa Hein
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Losartan ist ein Arzneistoff aus der der Gruppe der Sartane undgehört zu den wichtigsten Mitteln gegen Bluthochdruck. Der Wirkstoff wurde im Jahr 1995 in den USA zugelassen und ist inzwischen in zahlreichen Medikamenten enthalten. Seine Verträglichkeit ist in der Regel sehr gut. Hier lesen Sie alles Wichtige über Losartan, seine Wirkung und Nebenwirkungen!

So wirkt Losartan

Als Vertreter der sogenannten AT1-Hemmer ("Sartane") blockiert Losartan die Andockstellen des Botenstoffes Angiotensin II an den Gefässwänden. Dadurch kann der gefässverengende Botenstoff seine Wirkung nicht mehr übermitteln - die Blutgefässe weiten sich, und der Blutdruck sinkt langsam ab.

Sartane wie Losartan unterdrücken zudem den unerwünschten strukturellen Umbau des Herz- und Nierengewebes infolge einer Überaktivierung des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS). Sie zählen deshalb - wie die sogenannten ACE-Hemmer - zu den Standard-Medikamenten nach einem Herzinfarkt, bei Herzschwäche und chronischer Nierenfunktionsstörung.

Der Körper besitzt mit dem RAAS ein ausgereiftes System zur Regulierung des Blutdrucks: Benötigt er mehr Energie, wird der Blutdruck automatisch gesteigert. In Ruhephasen dagegen wird er nach unten reguliert. Ist dieses System gestört, kann es zu einem erhöhten Blutdruck kommen. Die Betroffenen merken meist nichts davon, und schleichend verschlimmert er sich.

Besonders die kleinen Gefässe, wie man sie im Auge und in der Niere findet, werden durch den ständig erhöhten Druck geschädigt. Bleibt ein Bluthochdruck lange unerkannt und unbehandelt, kann er schlimme Folgen wie Verlust des Sehvermögens und Nierenfunktionsstörungen nach sich ziehen.

Um solchen Folgeschäden vorzubeugen, muss der Blutdruck normalisiert werden. Manchmal genügen dazu eine Gewichtsreduktion und mehr Bewegung und Sport. In anderen Fällen müssen Betroffene zusätzlich auch noch blutdrucksenkende Medikamente einnehmen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach der Aufnahme über den Mund (per oral) wird der Wirkstoff nur teilweise aus dem Darm ins Blut aufgenommen. Nach seiner Verteilung im Organismus wird er dann in der Leber abgebaut. Unter anderem entsteht dabei ein Abbauprodukt, das immer noch eine blutdrucksenkende Wirkung aufweist.

Circa zwei Stunden nach der Einnahme (sieben Stunden beim Abbauprodukt) ist die Hälfte der Wirkstoffmenge abgebaut. Die Abbauprodukte werden über die Niere ausgeschieden.

Wann wird Losartan eingesetzt?

Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Losartan gehören:

  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Nierenerkrankung bei Patienten mit Hypertonie oder Diabetes Typ 2
  • chronische Herzschwäche (chronische Herzinsuffizienz)
  • Reduktion des Schlaganfallrisikos bei Patienten mit Hypertonie und linksventrikulärer Hypertrophie (Vergrösserung der linken Herzkammer)

So wird Losartan angewendet

Der Wirkstoff wird üblicherweise in Form von Tabletten angewendet. Durch den schnellen Abbau im Körper kann es nötig sein, Losartan zweimal am Tag einzunehmen. So wird eine gleichmässige Wirkung sichergestellt. Oft reicht aber auch eine einmal tägliche Gabe aus.

Die übliche Dosierung beträgt zwischen 12,5 und 100 Milligramm pro Tag und sollte 150 Milligramm nicht überschreiten. Kinder, Jugendliche und Patienten mit Nierenfunktionsstörungen erhalten eine reduzierte Dosis.

Welche Nebenwirkungen hat Losartan?

Häufig, das heisst bei einem bis zehn Prozent der Behandelten, ruft Losartan Nebenwirkungen in Form von Schwindel, Müdigkeit und Kreislaufbeschwerden hervor. Um dem entgegen zu wirken, beginnt man die Behandlung mit einer niedrigen Dosierung, die man dann langsam und schrittweise bis zur gewünschten Wirkung steigert.

Gelegentlich (bei weniger als einem Prozent der Behandelten) kommt es durch die Einnahme zu Magen-Darm-Beschwerden und Herzstolpern.

Die Nebenwirkungen können bei einer engmaschigen Therapiekontrolle durch den Arzt sehr gut begrenzt werden.

Was ist bei der Einnahme von Losartan zu beachten?

Gegenanzeigen

Losartan darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • schwerer Leberfunktionsstörung
  • gleichzeitiger Einnahme von Aliskiren (Blutdruckmedikament) bei Patienten mit Diabetes Typ 2 oder eingeschränkter Nierenfunktion
  • Schwangerschaft im 2. oder 3. Trimenon (Schwangerschaftsdrittel)

Wechselwirkungen

Durch die gleichzeitige Einnahme von Losartan mit anderen Medikamenten kann es zu Wechselwirkungen kommen. So können bestimmte Medikamente die blutdrucksenkende Wirkung von Losartan verstärken. Dazu gehören unter anderem:

  • andere blutdrucksenkende Medikamente (Antihypertonika)

Bestimmte Schmerzmittel (wie Ibuprofen, Acetylsalicylsäure) können die Wirkung von Losartan vermindern. Diese Wechselwirkung ist insbesondere bei Patienten mit Nierenfunktionsstörungen zu beachten. Bei einer gleichzeitigen Einnahme kann es zu einer weiteren Verschlechterung der Nierenfunktion kommen.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Losartan mit Lithium (u.a. bei bipolarer Störung) wurde über einen Anstieg der Lithium-Konzentration berichtet. Die Dosierung von Lithium muss womöglich angepasst werden.

Losartan kann den Blutspiegel von Kalium erhöhen - besonders, wenn es mit bestimmten anderen Arzneistoffen kombiniert angewendet wird. Hierzu zählen zum Beispiel kaliumsparende Diuretika (wie Spironolacton, Triamteren) sowie andere Arzneimittel, die den Kaliumspiegel erhöhen können (wie Heparin und Trimethoprim).

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Da nach der Einnahme Schwindel und Kreislaufbeschwerden auftreten können, sollte insbesondere zu Beginn der Behandlung auf die individuelle Reaktionsfähigkeit geachtet werden. Am besten entscheiden Patienten dann gemeinsam mit ihrem Arzt, ob sie weiterhin aktiv am Strassenverkehr teilnehmen oder schwere Maschinen bedienen können.

Altersbeschränkung

Der Wirkstoff ist in Deutschland und Österreich bereits bei Kindern ab einem Alter von sechs Jahren zugelassen. Diese erhalten eine verringerte Dosis, die an das Körpergewicht angepasst ist.

In der Schweiz wird die Anwendung von Losartan bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren gemäss Fachinformation nicht empfohlen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Losartan ist im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft wie alle Sartane kontraindiziert, da Arzneistoffe dieser Gruppe zu Erkrankungen beim Fetus führen können.

Im ersten Drittel der Schwangerschaft und in der Stillzeit sollte der Wirkstoff nur nach strenger ärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung eingesetzt werden. Als Alternative stehen besser erprobte Blutdrucksenker (Antihypertensiva) zur Verfügung wie beispielsweise Alpha-Methyldopa oder Metoprolol.

So erhalten Sie Medikamente mit Losartan

Medikamente mit Losartan sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig.

Seit wann ist Losartan bekannt?

Im Jahr 1995 wurde der Wirkstoff Losartan in den USA als Mittel gegen Bluthochdruck zugelassen. Er war der erste Vertreter der sogenannten AT1-Hemmer.

Losartan wirkt genauso gut einem Bluthochdruck entgegen wie die beliebten ACE-Hemmer (Captopril, Enalapril, Ramipril, Lisinopril). Diese lösen als Nebenwirkung aber häufig Reizhusten aus, was bei Losartan und anderen Sartanen nicht der Fall ist.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Herdegen, T.: Kurzlehrbuch Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Losartan, unter: www.embryotox.de (Abruf: 26.02.2022).
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