Levodopa

Von , Apotheker, Arzt
und , Apotheker und Pharmazie-Journalist
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Mag. pharm. Christopher Waxenegger

Christopher Waxenegger studierte Pharmazie an der Universität Wien. Es folgten die erfolgreiche Fachprüfung für den Apothekerberuf sowie die freie Mitarbeit in einer Arztpraxis mit dem Schwerpunkt Medikationsanalyse. Seit 2020 widmet er sich dem Fachjournalismus und verfasst Sachtexte zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Im Urlaub erkundet Christopher gerne die schottischen Highlands und genießt die Ruhe der Natur.

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Levodopa ist eine Vorstufe des Botenstoffs Dopamin im Gehirn. Als sogenanntes „Prodrug“ wird der Wirkstoff erst im Gehirn zum wirksamen Dopamin umgewandelt. Dabei ist er durch die Kombination mit weiteren Wirkstoffen wie Benserazid oder Carbidopa vor einem vorzeitigen Abbau geschützt. Hier lesen Sie alles Wissenswerte zu Wirkung und Anwendung von Levodopa, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

Levodopa Molekül

So wirkt Levodopa

Levodopa bessert die verlangsamte Beweglichkeit und Steifigkeit bei Patienten mit Parkinson, indem es als Vorstufe von Dopamin dessen Konzentration im Gehirn erhöht.

Der Botenstoff Dopamin dient im Gehirn zur Signalübermittlung zwischen Nervenzellen – vor allem solchen, die an der Steuerung der Bewegung beteiligt sind. Eine wichtige Region dafür ist die „Substantia nigra“ (lateinisch für „schwarze Substanz“) im Mittelhirn. Sterben dort Dopamin-produzierende Nervenzellen ab, kommt es zur Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson).

Die Produktion von Dopamin im Körper erfolgt aus der natürlichen Aminosäure (Eiweissbaustein) Tyrosin. Diese wird in die Zwischenstufe Levodopa umgewandelt und dann weiter in Dopamin.

Dopamin selbst wird Parkinson-Patienten nicht verabreicht, weil es die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden kann. Zudem würde es zu sehr vielen peripheren (den Körper betreffenden) Nebenwirkungen führen.

Diese beiden Problematiken werden bei der Therapie mit Levodopa umgangen. Es ist eine Vorstufe, wirkt also zunächst nicht, kann die Blut-Hirn-Schranke überqueren und wird dann schnell im Gehirn zu Dopamin umgewandelt.

Würde Levodopa allein verabreicht, käme es bereits vor Erreichen des Gehirns zur Umwandlung in Dopamin. Dies wird verhindert, indem der Wirkstoff in Kombination mit Carbidopa oder Benserazid eingenommen wird. Diese Arzneistoffe, sogenannte Decarboxylase-Hemmer, hemmen die Umwandlung von Levodopa in Dopamin, indem sie das verantwortliche Enzym blockieren.

Da beide Substanzen selbst nicht die Blut-Hirn-Schranke überwinden können, gelangt Levodopa allein ins zentrale Nervensystem und wird dort in Dopamin überführt.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Levodopa wird nach der Einnahme im oberen Abschnitt des Dünndarms ins Blut aufgenommen. Nach etwa einer Stunde sind die höchsten Blutspiegel erreicht, wenn die Einnahme auf leeren Magen (nüchtern) erfolgt.

Über den Blutstrom gelangt Levodopa ins Gehirn, wird dort in Dopamin umgewandelt und kann an dessen Andockstellen (Rezeptoren) wirken. Daraufhin wird es wie natürliches Dopamin abgebaut.

Bei Arzneimitteln, die neben Levodopa und Benserazid auch noch Entacapon zugesetzt haben, wirkt letzteres einem Abbau von Dopamin entgegen. Dadurch verlängert sich die Wirkdauer des Medikaments.

Levodopa wird schnell abgebaut und ausgeschieden. Etwa eineinhalb Stunden nach der Einnahme hat bereits die Hälfte des eingenommenen Wirkstoffs den Körper wieder verlassen. Daher muss der Wirkstoff über den Tag verteilt eingenommen werden.

Wann wird Levodopa eingesetzt?

Eines der Anwendungsgebiete von Levodopa ist die Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung). Sie geht mit Zittern (Tremor), Muskelstarre (Rigor) und Bewegungsarmut (Bradykinese) beziehungsweise Bewegungslosigkeit (Akinese) einher.

Diese Parkinson-Symptome können auch durch Vergiftungen, Hirnentzündungen und „Gefässverkalkung“ (Arteriosklerose) hervorgerufen werden. Auch solche Fälle können mit dem Antiparkinsonmittel behandelt werden.

Dagegen dürfen Parkinson-Symptome, die als Folge der Behandlung mit Arzneistoffen wie Neuroleptika (Antipsychotika) auftreten, nicht mit Levodopa behandelt werden. Stattdessen wird bei starkem Leidensdruck der verursachende Wirkstoff nach Möglichkeit gewechselt.

Das zweite Anwendungsgebiet von Levodopa ist das Restless-Legs-Syndrom (RLS), wobei aber zuvor ein Eisenmangel oder andere Auslöser ausgeschlossen werden müssen.

Da die Beschwerden in beiden Fällen nur symptomatisch gelindert werden, erfolgt die Behandlung immer längerfristig.

Ein weiteres Anwendungsgebiet ist zum Beispiel die sehr seltene Erbkrankheit Segawa-Syndrom, eine den ganzen Körper betreffende Bewegungsstörung aufgrund eines Gen-Defektes. Die Behandlung erfolgt jedoch ausserhalb der Zulassung ("Off-Label-Use").

So wird Levodopa angewendet

Der Wirkstoff wird üblicherweise als Tablette angewendet. Die Gesamttagesmenge darf 800 Milligramm Levodopa (in Kombination mit Benserazid oder Carbidopa) nicht überschreiten und wird auf vier Gaben über den Tag verteilt gegeben, um möglichst gleichbleibende Blutspiegel zu erreichen.

Die Dosierung wird „einschleichend“ gesteigert, also langsam erhöht bis die individuell optimale Wirkstoffmenge gefunden ist. So werden auch die zu Beginn verstärkt auftretenden Nebenwirkungen vermindert.

Die Gabe erfolgt spätestens eine halbe Stunde vor oder eine Stunde nach einer Mahlzeit. Die gleichzeitige Einnahme mit proteinreichen Mahlzeiten oder Eisenpräparaten sollte wegen der verminderten Levodopa-Aufnahme vermieden werden.

Auch zur Behandlung des Restless-Legs-Syndroms wird die Dosierung individuell festgelegt.

Welche Nebenwirkungen hat Levodopa?

Die ausgeprägten Nebenwirkungen von Levodopa auf das Herz-Kreislauf-System und den Magen-Darm-Trakt werden durch die Kombination mit Benserazid oder Carbidopa vermindert.

Es treten dennoch bei über zehn Prozent der Patienten Appetitlosigkeit, Schlafstörungen, Depressionen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und eine Veränderung der Leberenzymwerte auf. Nach längerer Behandlung kann sich ein sogennantes „ON-OFF-Phänomen“ einstellen, bei dem die durch Levodopa bewirkte Beweglichkeit des Patienten sich rasch zur Unbeweglichkeit wandelt. 

Derartige "ON-OFF-Phänomene" werden üblicherweise nach rund fünf Jahren Levodopa-Therapie beobachtet und sind höchstwahrscheinlich auf ein Fortschreiten der Erkrankung zurückzuführen.

Was ist bei der Einnahme von Levodopa zu beachten?

Gegenanzeigen

Levodopa darf nicht eingenommen werden bei:

  • noch nicht abgeschlossener Skelettentwicklung
  • schwerer Endokrine Funktionsstörung (wie Schilddrüsenüberfunktion oder Cushing-Syndrom)
  • schwerer Stoffwechsel-, Leber-, oder Knochenmarkserkrankungen
  • schweren Nierenerkrankungen
  • schweren Herzerkrankungen
  • Psychosen oder Schizophrenie
  • Engwinkelglaukom

Wechselwirkungen

Die Einnahme von Levodopa mit weiteren Wirkstoffen kann zu Wechselwirkungen führen, die die Wirksamkeit der Behandlung beeinflussen.

Antipsychotika (auch Neuroleptika genannt), die eine bestimmte Form von Dopamin-Andockstellen im Gehirn blockieren (D2-Rezeptor), können die Wirkung von Levodopa abschwächen und sogar die Parkinson-Symptomatik verschlechtern. Beispiele für solche D2-Rezeptor-Antagonisten sind Haloperidol und Chlorpromazin.

Auch bestimmte Mittel gegen Depressionen, die den Abbau von körpereigenen Botenstoffen im Gehirn verlangsamen (Monoaminooxidase-/MAO-Hemmer), können zu lebensbedrohlichen Bluthochdruck-Krisen führen. Daher darf die Levodopa-Therapie frühestens zwei Wochen nach Absetzen des MAO-Hemmers begonnen werden.

Ebenso können weitere kreislauf-stimulierende Wirkstoffe (wie Wirkstoffe zur Asthma-Therapie und ADHS-Behandlung) das Herz-Kreislaufsystem überlasten. Die Therapie sollte deshalb engmaschig ärztlich überwacht werden. Gleiches gilt für die Kombination von Bluthochdruckmedikamenten und Levodopa.

Da Levodopa im Darm wie Aminosäuren (Eiweissbausteine) aufgenommen wird, kann die gleichzeitige Einnahme einer proteinreichen Mahlzeit (z.B. Fleisch, Eier) die Wirkstoff-Aufnahme behindern.

Altersbeschränkung

Levodopa und Benserazid Kombinationspräparate sind ab 25 Jahren zugelassen. Levodopa in Verbindung mit Carbidopa ab einem Alter von 18 Jahren.

Schwangerschaft und Stillzeit

In Tierversuchen zeigte Levodopa eine schädigende Wirkung auf den Nachwuchs. Aus bisherigen Beobachtungen am Menschen ergeben sich keine Hinweise auf deutlich erhöhte spezifische Risiken. Ist eine Behandlung eindeutig indiziert, sollte in der Schwangerschaft Levodopa mit Carbidopa kombiniert werden.

Levodopa kann die produzierte Milchmenge vermindern. Hersteller empfehlen in der Fachinformation sowohl bei Levodopa/Benserazid als auch bei Levodopa-Carbidopa aufgrund unzureichender Daten sicherheitshalber ein Abstillen.

In der Praxis ist unter einer moderat dosierten Kombinationstherapie mit Levodopa und Carbidopa Stillen bei guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt akzeptabel. Beim Kind ist auf etwaige Nebenwirkungen und ausreichende Gewichtszunahme zu achten.

So erhalten Sie Medikamente mit Levodopa

Sämtliche Medikamente mit dem Wirkstoff Levodopa sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig.

Seit wann ist Levodopa bekannt?

Levodopa wurde bereits in den 1950er Jahren vom späteren schwedischen Nobelpreisträger Arvid Carlsson zur Behandlung von Tieren mit Parkinson-artigen Krankheiten genutzt. In der darauf folgenden Dekade wurde Levodopa auch an Menschen getestet.

Dabei wurde das Anwendungsgebiet ausgeweitet, beispielsweise auf die Therapie von Mangan-Vergiftungen und der europäischen Schlafkrankheit. Offiziell zugelassen wurde Levodopa 1973 zur Behandlung der Parkinsonkrankheit.

Auch beim Syndrom der unruhigen Beine (Restless-Legs-Syndrom) darf der Wirkstoff eingesetzt werden. Da der Patentschutz mittlerweile ausgelaufen ist, gibt es heute zahlreiche Generika mit Levodopa.

Technische Neuerungen haben es mittlerweile möglich gemacht ein Levodopa-haltiges Gel mithilfe einer speziellen Pumpe direkt in den Dünndarm zu verabreichen. Auf diese Weise lassen sich "ON-OFF-Phänomene" besser behandeln.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Christopher Waxenegger
Mag. pharm.  Christopher Waxenegger

Christopher Waxenegger studierte Pharmazie an der Universität Wien. Es folgten die erfolgreiche Fachprüfung für den Apothekerberuf sowie die freie Mitarbeit in einer Arztpraxis mit dem Schwerpunkt Medikationsanalyse. Seit 2020 widmet er sich dem Fachjournalismus und verfasst Sachtexte zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Im Urlaub erkundet Christopher gerne die schottischen Highlands und genießt die Ruhe der Natur.

Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Levodopa, unter: www.embryotox.de (Abruf: 26.09.2021).
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