Hyaluronsäure

Von , Apotheker, Arzt
und , Apotheker und Pharmazie-Journalist
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Mag. pharm. Christopher Waxenegger

Christopher Waxenegger studierte Pharmazie an der Universität Wien. Es folgten die erfolgreiche Fachprüfung für den Apothekerberuf sowie die freie Mitarbeit in einer Arztpraxis mit dem Schwerpunkt Medikationsanalyse. Seit 2020 widmet er sich dem Fachjournalismus und verfasst Sachtexte zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Im Urlaub erkundet Christopher gerne die schottischen Highlands und genießt die Ruhe der Natur.

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Hyaluronsäure ist ein Mehrfachzucker, der beim Menschen fast überall im Körper vorkommt. In größeren Mengen ist er vor allem in der Haut, in den Knochen, Knorpeln, in der Gelenksflüssigkeit und im Glaskörper des Auges zu finden. Als medizinischer Wirkstoff wird er zur Behandlung von Arthrose eingesetzt. Lesen Sie mehr über Wirkung, Anwendung und Nebenwirkungen der Hyaluronsäure.

Pipette mit Hyalurongel

So wirkt Hyaluronsäure

Hyaluronsäure ist eine natürlich im Körper vorkommende Verbindung mit wasserbindenden, glättenden, wundheilungsfördernden und "schmierenden" (viskoelastischen) Eigenschaften. Sie findet sich vor allem im Bindegewebe, der Haut, den Knochen, der Gelenksflüssigkeit (Synovialflüssigkeit), den Knorpeln und dem Glaskörper des Auges.

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Mehrfachzucker (Polysaccharid), genauer gesagt ein Glykosaminoglykan, das durch körpereigene Enzyme aus einzelnen Bausteinen zu einem komplexen Gebilde zusammengefügt wird. Diese Bausteine sind D-Glukuronsäure und N-Acetyl-D-Glukosamin. Das Enzym Hyaluronidase wiederum ist in der Lage Hyaluronsäure selektiv aufzuspalten und zu inaktivieren.

Aufgrund seiner räumlichen Struktur kann Hyaluronsäure Wasser binden und so zur Stabilität und reibungsfreien Mechanik der Gelenke beitragen. Im Bereich der Haut sorgt die Hyaluronsäure beispielsweise für die natürliche Elastizität und Straffheit des Bindegewebes.

Im Alter geht ihr natürlicher Anteil im Körper zurück. Der Verlust kann durch bestimmte Präparate künstlich ersetzt werden.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Über den Mund eingenommene Hyaluronsäure wird aufgrund ihres hohen Molekulargewichtes schlecht resorbiert. Im Körper erfolgt der Abbau durch spezielle Enzyme, sogenannte Hyaluronidasen.

Die daraus entstehenden Stoffwechselprodukte werden entweder wiederverwertet oder über die Niere ausgeschieden.

Wann wird Hyaluronsäure eingesetzt?

Hyaluronsäure wird vor allem zur Behandlung von Arthrose (Gelenkverschleiß) in der orthopädischen Medizin eingesetzt. Seit Mitte der 80er Jahre bieten viele Mediziner zudem eine Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure an.

Darüber hinaus werden Injektionen mit dem Wirkstoff auch zur Brust- oder Lippenvergrößerung eingesetzt. Hyaluronsäure findet sich zudem in zahlreichen Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetika, meist mit dem Ziel die Straffheit und Feuchtigkeit der Haut zu verbessern.

Weiters enthalten viele Augentropfen und -gele, die zur Behandlung von trockenen Augen verwendet werden, den Wirkstoff in unterschiedlichen Mengen. Je höher die Menge, desto fester und zähflüssiger sind die Tropfen beziehungsweise die Gele.

So wird Hyaluronsäure angewendet

Allgemeinmedizin

Der Wirkstoff wird in zahlreichen Darreichungsformen angeboten. Es gibt unter anderem Hyaluronsäure-Spritzen, Hyaluronsäure-Ampullen, Hyaluronsäure-Creme, Hyaluronsäure-Gel, Hyaluronsäure-Augentropfen und Hyaluronsäure-Kapseln.

Als Injektion wird der Wirkstoff in erster Linie zur direkten Behandlung von Arthrose verwendet. Bei der sogenannten Viskosupplementation wird der Wirkstoff vom Arzt direkt in die Zwischenräume der Gelenke gespritzt.

Da Hyaluronsäure natürlicher Bestandteil der Gelenkschmiere (Synovia) ist, wird auf diese Weise die Beweglichkeit des Gelenks unterstützt. Die verschiedenen Präparate, die auf dem Markt sind, unterscheiden sich in der Anzahl der notwendigen Injektionen.

Eine lokale Behandlung mit dem Wirkstoff kann auch die Funktion der Nasenschleimhaut unterstützen. Viele der handelsüblichen Nasensprays enthalten heute Hyaluronsäure, was einer Austrocknung der Nasenschleimhaut vorbeugt.

In gleicher Weise werden Hyaluronsäure-Augentropfen vor allem zur Behandlung von trockenen Augen eingesetzt. Es bildet sich dabei ein dünner, wasserbindender Film über dem Auge, welcher die Augen länger feucht hält als natürliche oder künstliche Tränenflüssigkeit.

Ästhetische Medizin

Hyaluronsäure-Cremes und Hyaluronsäure-Spritzen werden auch in der ästhetischen Medizin angewendet. Hier steht besonders die Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure im Mittelpunkt.

Die verschiedenen zur Verfügung stehenden Arten von Hyaluronsäure-Gel unterscheidet sich in Bezug auf das Molekulargewicht. Im Allgemeinen hält der erzielte Effekt in etwa sechs bis zwölf Monate an, dann muss eine erneute Faltenunterspritzung erfolgen.

Injiziert wird der Wirkstoff auch zur Formung von Gesäß, Lippen oder Brüsten.

In der Kosmetikindustrie wird auf die Haut aufgetragene Hyaluronsäure-Creme zur Beseitigung leichter Falten angewendet. Der erzielbare Effekt beschränkt sich dabei auf die physikalische Wasserbindung, womit die obersten Hautschichten optisch verjüngt wirken sollen.

Die eingesetzte Hyaluronsäure kann jedoch die tieferen Hautschichten nicht erreichen. Ein Langzeiteffekt auf das Bindegewebe (dauerhafte Faltenglättung) ist daher ausgeschlossen.

Welche Nebenwirkungen hat Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure-Nebenwirkungen sind weitgehend unbekannt, da die Substanz natürlich im menschlichen Körper vorkommt. In seltenen Fällen kommt es zu Unverträglichkeitsreaktionen der Haut oder auch zu Infektionen nach einer Injektion.

Wird der Wirkstoff gespritzt, muss daher sehr sorgfältig auf steriles Arbeiten geachtet werden. Eine Injektions-Behandlung von Arthrose sollte bei einer bestehenden oder beginnenden Entzündung des Gelenkes unterbrochen werden.

Was ist bei der Anwendung von Hyaluronsäure zu beachten?

Hyaluronsäure-Injektionen und die Faltenunterspritzung mit Hyaluronsäure übernimmt in der Regel ein Arzt. Schwangerschaft, Stillzeit sowie das Alter spielen im Allgemeinen bei der Anwendung keine Rolle.

So erhalten Sie Medikamente mit Hyaluronsäure

Manche Produkte mit Hyaluronsäure wie Cremes und Augentropfen werden in Deutschland, Österreich und der Schweiz freiverkäuflich in der Apotheke angeboten. Eine Anwendung zur Befeuchtung von Schleimhäuten (Nase und Augen) sowie zur Hautpflege fällt in den Bereich der Selbstmedikation.

Auch Nahrungsergänzungsmittel und Hyaluronsäure-haltige Kosmetika können ohne ein ärztliches Rezept erworben werden.

Seit wann ist Hyaluronsäure bekannt?

Hyaluronsäure wurde das erste Mal 1934 von Karl Meyer und John Palmer chemisch isoliert. Die erste Generation von Hyaluronsäure-Präparaten wurde 1981 auf den Markt gebracht.

Die verwendete Hyaluronsäure stammt hierbei noch ausschließlich aus tierischen Quellen. Seit dem Jahr 1997 sind Präparate auf dem Markt, bei denen der Wirkstoff fermentativ mithilfe von Bakterien gewonnen wird.

Dadurch wurde das Risiko für Nebenwirkungen aufgrund des allergenen Potentials eventueller Reste von tierischem Eiweiß erheblich reduziert. Auch in der Kosmetikindustrie wird vermehrt Hyaluronsäure eingesetzt.

Hierbei werden aber meist nur kleine Fragmente verwendet, da diese geringfügig besser in die Haut aufgenommen werden, was den Effekt einer Creme steigern soll.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Christopher Waxenegger
Mag. pharm.  Christopher Waxenegger

Christopher Waxenegger studierte Pharmazie an der Universität Wien. Es folgten die erfolgreiche Fachprüfung für den Apothekerberuf sowie die freie Mitarbeit in einer Arztpraxis mit dem Schwerpunkt Medikationsanalyse. Seit 2020 widmet er sich dem Fachjournalismus und verfasst Sachtexte zu verschiedenen Gesundheitsthemen. Im Urlaub erkundet Christopher gerne die schottischen Highlands und genießt die Ruhe der Natur.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 12. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2017.
  • Brandt, F. S., et Cazzaniga, A. (2008). Hyaluronic acid gel fillers in the management of facial aging. Clinical interventions in aging, 3(1), 153–159.
  • Fakhari, A., et Berkland, C. (2013). Applications and emerging trends of hyaluronic acid in tissue engineering, as a dermal filler and in osteoarthritis treatment. Acta biomaterialia, 9(7), 7081–7092.
  • Litwiniuk, M. et al. (2016). Hyaluronic Acid in Inflammation and Tissue Regeneration. Wounds : a compendium of clinical research and practice, 28(3), 78–88.
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