Guaifenesin

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Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Guaifenesin wird zur Behandlung von produktivem Husten, also Husten mit Schleimbildung in den unteren Atemwegen, eingesetzt. Der Wirkstoff wirkt sowohl sekretverflüssigend als auch auswurffördernd, weshalb er nicht vor dem Schlafengehen eingenommen werden sollte. Hier lesen Sie alles Wissenswerte zu Guaifenesin: Anwendung und Wirkung, Neben- und Wechselwirkungen.

So wirkt Guaifenesin

Guaifenesin gehört zur Gruppe der Expektoranzien, es wirkt also schleimlösend und auswurffördernd. Wie Guaifenesin seine Effekte genau vermittelt, ist nach wie vor nicht im Detail geklärt. Experten gehen aber davon aus, dass es durch eine Art Reflexreaktion nach Reizung der Magenschleimhaut die Drüsen der Lunge anregt, vermehrt Flüssigkeit abzusondern. Dadurch verflüssigt sich der Schleim und kann leichter abtransportiert werden.

Bei durch Viren oder Bakterien verursachten Atemwegsinfekten versucht der Körper, die über den Luftweg eingedrungenen Keime durch die vermehrte Produktion von Sekret aus der Lunge hinaus zu befördern. Kleine Flimmerhärchen (sog. Cilien) auf der Oberfläche der Lungenschleimhaut unterstützen den Abtransport des Schleims aus der Lunge.

Da sich die Oberfläche von den Bronchien zur Luftröhre hin stark verkleinert, sammelt sich dort, in der Nähe des Kehlkopfes, vermehrt der Schleim an. Er löst daraufhin einen Hustenreiz aus und wird entweder ausgehustet oder geschluckt. So werden die eingedrungenen Erreger mit entfernt.

Oftmals ist der Schleim aber zu zäh, um einfach abgehustet zu werden. Dies kann besonders bei trockener Luft und mangelnder Flüssigkeitszufuhr der Fall sein. Dann kann ein Expektorans wie Guaifenesin helfen.

Damit Expektoranzien optimal wirken können, muss man dem Körper ausreichend Flüssigkeit zuführen (Tee, Wasser, Brühe etc.).

Guaifenesin Protocol bei Fibromyalgie

Das sogenannte "Guaifenesin Protocol" ist ein alternativmedizinisches Behandlungskonzept zur Behandlung von Fibromyalgie mit Guaifenesin:

Fibromyalgie (wörtlich "Faser-Muskel-Schmerz") ist ein schwer zu definierendes Syndrom, im Zuge dessen unter anderem Schmerzen, Schlafstörungen, Erschöpfung, Konzentrationsproblemen und Abgeschlagenheit auftreten können. Bislang gibt es noch keine befriedigende Behandlungsoption.

Guaifenesin wird seit den 1990er Jahren als Teil eines eigenen Behandlungskonzepts Anwendung bei diesem Krankheitsbild eingesetzt.

Dass Guaifenesin tatsächlich gegen Fibromyalgie-Symptome wirkt, konnten Placebo-kontrollierte klinische Studien bislang nicht nachweisen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach seiner Einnahme entfaltet Guaifenesin seine expektorierende Wirkung vermutlich bereits im Magen. Der Wirkstoff tritt aus dem Darm ins Blut über, das es zur Leber transportiert. Diese baut den Stoff wieder ab.

Die Abbauprodukte werden grösstenteils über die Nieren, also mit dem Urin ausgeschieden. Bereits eine Stunde nach Erreichen des maximalen Blutspiegels ist die Wirkstoff-Konzentration im Blut wieder um die Hälfte gesunken.

Wann wird Guaifenesin eingesetzt?

Der Schleimlöser Guaifenesin ist zugelassen zur:

  • Linderung des Hustens und Förderung des Abhustens bei Erkrankungen der Atemwege, die mit vermehrter Schleimbildung einhergehen

Guaifenesin besitzt keine Zulassung für die Anwendung bei Fibromyalgie.

So wird Guaifenesin angewendet

Guaifenesin wird meist als Sirup, Saft oder Trinklösung angewendet. Üblicherweise werden abhängig von der Schwere des Hustens vier- bis sechsmal täglich 100 bis 200 Milligramm Guaifenesin eingenommen.

Von einer Einnahme direkt vor dem Schlafengehen wird dabei abgeraten: Der verflüssigte Schleim führt zu vermehrtem Abhusten, was in liegender Position unangenehm sein und den Schlaf stören kann.

Die Wirkung des Schleimlösers wird nicht vermindert, wenn Flüssigkeit nachgetrunken wird.

Welche Nebenwirkungen hat Guaifenesin?

Nach der Einnahme des Wirkstoffs kann es zu Wärmegefühl, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Magenunverträglichkeit, Sodbrennen, Schmerzen, Hautausschlag, Juckreiz und allergischen Reaktionen kommen.

In sehr hohen Dosierungen können Sedierung, Verwirrungszustände und Entspannung/Erschlaffung der Muskulatur (Muskelrelaxation) als Nebenwirkungen hinzukommen.

Was ist bei der Einnahme von Guaifenesin zu beachten?

Gegenanzeigen

Guaifenesin darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • schweren, chronischen Erkrankungen der Magen-Darm-Schleimhaut

Wechselwirkungen

Die gleichzeitige Einnahme von Guaifenesin und beruhigenden, schlaffördernden und muskelentspannenenden Arzneistoffen (wie etwa Benzodiazepinen) kann deren Wirkung in unvorhersehbarer Weise verstärken.

Die kombinierte Einnahme mit einem Hustenstiller oder Hustenblocker (wie Codein, Dihydrocodein, Pentoxyverin, Dextromethorphan) kann zu einem Sekretstau führen und ist daher nicht sinnvoll. Man kann jedoch, um einen erholsamen Schlaf zu ermöglichen, einen Hustenstiller zur Nacht einnehmen und tagsüber den Husten mit Guaifenesin behandeln.

Guaifenesin sollte nicht bei schwerer Muskelschwäche (Myasthenia gravis) oder eingeschränkter Nierenfunktion eingenommen werden, ohne zuvor einen Arzt aufgesucht zu haben.

Fahrtüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Viele Zubereitungen mit Guaifenesin enthalten geringe Mengen Alkohol. Dies und die potenziellen Nebenwirkungen wie Schwindel oder Muskelrelaxation können die Reaktionsfähigkeit unter Umständen einschränken.

Altersbeschränkung

Das Alter, ab dem Guaifenesin zum Einsatz kommt, ist präparateabhängig (u.a. wegen Alkoholgehalt und weiteren Inhaltsstoffen). Der Einsatz bei Kindern unter sechs Jahren wird nicht empfohlen.

Schwangerschaft und Stillzeit

In einer US-amerikanischen Datenbank wurden 141 Neugeborene identifiziert, deren Mütter im ersten Schwangerschaftsdrittel Guaifenesin eingenommen hatten. Es ergab sich kein Anhaltspunkt für einen Zusammenhang mit einer erhöhten Rate angeborener Missbildungen.

Aufgrund der unzureichenden Datenlage raten die Hersteller jedoch davon ab, Guaifenesin in der Schwangerschaft und auch in der Stillzeit zu verwenden. Es sind hier besser untersuchte Expektoranzien verfügbar (wie Bromhexin und Ambroxol).

So erhalten Sie Medikamente mit Guaifenesin

Präparate zur Behandlung von Husten sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Seit wann ist Guaifenesin bekannt?

Guaifenesin ist ein Abkömmling des Naturstoffes Guajacol, einem sekundären Pflanzenstoff aus den Guajak-Bäumen, die im tropischen und subtropischen Amerika wachsen. Das ausgekochte Holz des Baumes wurde schon in der Maya-Kultur als Arzneimittel genutzt, um die Geschlechtskrankheit Syphilis zu behandeln.

Der Wirkstoff Guaifenesin wurde erstmals 1952 in den USA von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA als Arzneimittel zugelassen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Friese, K. et al.: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 8. Auflage, 2016.
  • Lüllmann, H. et al.: Pharmakologie und Toxikologie, Georg Thieme Verlag KG, 17. Auflage, 2010.
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