Donepezil

Von , Apotheker, Arzt
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Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Donepezil wird zur symptomatischen Behandlung von leichten bis mittelschweren Formen der Alzheimer-Demenz eingesetzt. Der Wirkstoff verbessert das Erinnerungs- und Merkvermögen, verhindert aber nicht das Fortschreiten der Erkrankung. Hier lesen Sie alles Interessante zu Donepezil: Wirkung, Anwendung sowie mögliche Wechsel- und Nebenwirkungen.

So wirkt Donepezil

Donepezil ist ein Antidementivum, also ein Mittel gegen Demenz. Die häufigste Form von Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Bei dieser sterben nach und nach Nervenzellen (Neuronen) im Gehirn ab. Meist ist schon ein grosser Teil der Nervenzellen abgestorben, bevor die ersten Symptome auftreten und die Krankheit entdeckt wird.

Zur Kommunikation mit anderen Neuronen kann eine Nervenzelle Botenstoffe (Neurotransmitter) ausschütten. Diese übertragen ihr Signal, indem sie an speziellen Andockstellen (Rezeptoren) in der Membran benachbarter Nervenzellen andocken.

Einer der wichtigsten Nervenbotenstoffe, die an Gedächtnis, Merkfähigkeit und Erinnerung beteiligt sind, ist das Acetylcholin. Es wirkt wie die anderen Botenstoffe durch Andocken an seine Rezeptoren in der Membran anderer Nervenzellen. Danach wird Acetylcholin durch ein Enzym (Acetylcholinesterase) in Acetat und Cholin gespalten, die nicht mehr an den Rezeptoren wirken, wodurch das Signal beendet wird. Die zwei Spaltprodukte werden wieder in die erste Nervenzelle aufgenommen, verknüpft und können dann bei Bedarf wieder ausgeschüttet werden.

Da Nervenzellen nicht nur Eins-zu-Eins-Verbindungen haben, sondern eine Nervenzelle meist mit vielen tausend weiteren Nervenzellen in Kontakt steht, merkt man bei Alzheimer-Patienten ein Absterben der Zellen erst, wenn ein Schwellenwert überschritten ist. Die verbleibenden Zellkontakte reichen dann nicht mehr aus, um Signale weiterzuleiten - das Gehirn kann den Verlust nicht länger kompensieren.

Um die Symptomatik der Alzheimer-Krankheit zu mildern und die Gedächtnisleistung zu verbessern, wird Donepezil als selektiver Hemmstoff des Enzyms Acetylcholinesterase eingesetzt. Es hemmt also das Enzym, sodass Acetylcholin länger an den Rezeptoren der nachgeschalteten Nervenzellen verbleibt - sein Signal wird sozusagen stärker.

Trotz des Verlusts an Gehirnzellen können die noch verbliebenen Nervenzellen also noch mit normaler Intensität kommunizieren, was das Erinnerungs- und Merkvermögen der Alzheimer-Patienten verbessert. Damit lässt sich der Zeitpunkt ein Stück hinauszögern, an dem ein Patient betreuungsbedürftig wird.

Klinische Studien zur Donepezil-Anwendung bei Alzheimer bestätigen ein Stabilisierung der kognitiven Leistung (Funktionen des Menschen, die mit Wahrnehmung, Lernen, Erinnern, Denken und Wissen in Zusammenhang stehen) über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Donepezil gelangt nach der Einnahme als Tablette über den Darm ins Blut und von dort aus über die Blut-Hirn-Schranke in das zentrale Nervensystem. Dort entfaltet es seine Wirkung.

In der Leber wird Donepezil zum Teil zu wirksamen und nicht wirksamen Abbauprodukten verstoffwechselt. Diese werden grösstenteils über den Urin, zu einem kleineren Teil über den Stuhl ausgeschieden. Etwa 70 Stunden nach der Einnahme hat der Wirkstoff zur Hälfte den Körper wieder verlassen.

Wann wird Donepezil eingesetzt?

Donepezil ist zur symptomatischen Behandlung der leichten bis mittelschweren Alzheimer-Demenz zugelassen.

Ausserhalb des Zulassungsbereichs ("Off-Label") wird es auch bei der schweren Alzheimer-Demenz als palliatives Medikament angewendet.

Es muss dauerhaft eingenommen werden, um die Wirkung aufrecht zu erhalten. Der Effekt ist dosisabhängig, weshalb die höchste verträgliche Dosierung angestrebt wird.

So wird Donepezil angewendet

Der Wirkstoff wird als Salz (Donepezilhydrochlorid) eingenommen, und zwar in Form von Tabletten oder Schmelztabletten (lösen sich in Sekunden im Mundraum auf). Die Behandlung wird normalerweise mit fünf Milligramm Donepezil einmal täglich begonnen.

Nach einem Monat wird durch den Arzt beurteilt, ob die Dosierung ausreichend ist oder auf zehn Milligramm Donepezil täglich gesteigert werden muss. Höhere Dosierungen werden nicht empfohlen.

Die Therapie sollte nur erfolgen, wenn der Patient in einer Pflegeeinrichtung untergebracht ist oder eine Bezugsperson hat, welche die Einnahme von Donepezil überwacht.

Empfehlenswert ist zudem eine nicht-medikamentöse Unterstützung des Patienten in Form eines regelmässigen Tagesablaufs (Strukturierung), die Einbindung von Angehörigen und das Achten auf bekannte Bezugspersonen und eine bekannte Umgebung.

Welche Nebenwirkungen hat Donepezil?

Mehr als zehn Prozent der Behandelten klagen über Durchfall, Übelkeit und Kopfschmerzen. Diese Nebenwirkungen treten vor allem bei zu rascher Dosissteigerung auf.

Häufig kommt es während der Einnahme von Donepezil ausserdem zu Appetitlosigkeit, aggressivem Verhalten, Erregungszuständen, Schwindel, Schlaflosigkeit, Erbrechen, Verdauungsstörungen, Hautausschlägen, Muskelkrämpfen, Inkontinenz und Müdigkeit.

Bei einem von hundert bis tausend Patienten können als Nebenwirkungen auch Krampfanfälle, verlangsamter Herzschlag und Magen-Darm-Blutungen auftreten.

Was ist bei der Einnahme von Donepezil zu beachten?

Gegenanzeigen

Donepezil darf nicht eingenommen werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber den Wirkstoff.

Wechselwirkungen

Da Donepezil in der Leber hauptsächlich von zwei verschiedenen Enzymen (Cytochrom P450 2D6 und 3A4) abgebaut wird, die auch andere Wirkstoffe abbauen, kann es zu Wechselwirkungen kommen, wenn diese Wirkstoffe kombiniert gegeben werden.

Beispiele hierfür sind viele Antibiotika (wie Erythromycin, Metronidazol, Chloramphenicol), HIV-Medikamente (wie Ritonavir, Indinavir), das Blutdruckmittel Verapamil, Mittel gegen Pilzinfektionen (wie Fluconazol, Ketoconazol, Itraconazol) und viele pflanzliche Mittel (wie Baldrian, Gelbwurzel, Ginseng) sowie Grapefruitsaft.

Einige Wirkstoffe sorgen dafür, dass mehr Enzyme in der Leber gebildet werden, die dann Donepezil schneller abbauen. Darunter leidet seine Wirksamkeit. Dies bewirken beispielsweise Mittel gegen Krämpfe und Epilepsie (wie Phenytoin, Carbamazepin, Oxcarbazepin), das Narkosemittel Phenobarbital und auch einige Lebensmittel (wie Ingwer, Knoblauch, Lakritze).

Patienten mit Atemwegserkrankungen wie Asthma oder COPD sollten Donepezil nur mit Vorsicht einnehmen, da das Risiko einer akuten Verschlechterung unter Umständen steigt.

Wenn zusätzlich zu Donepezil nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR wie ASS, Ibuprofen, Diclofenac) regelmässig eingenommen werden, erhöht sich möglicherweise das Risiko für Magen-Darm-Blutungen.

Altersbeschränkung

Die Einnahme von Donepezil wird bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen. Ebenso sollten erwachsene Patienten mit einer schweren Leberfunktionsstörung wegen mangelnder Erfahrung Donepezil nicht einnehmen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangere und Stillende sollten Donepezil nicht einnehmen, da keine Studien zur Sicherheit der Einnahme und Wirksamkeit vorliegen.

So erhalten Sie Medikamente mit Donepezil

Donepezil kann in Deutschland, Österreich und der Schweiz mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke bezogen werden.

Seit wann ist Donepezil bekannt?

Die Entwicklung von Donepezil begann 1983 in Japan. Seine Erstzulassung erhielt der Wirkstoff in den USA im Jahr 1996. Seit 2010 sind Generika mit dem Wirkstoff Donepezil auf dem Markt.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Friese, K. et al.: Arzneimittel in der Schwangerschaft und Stillzeit, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart, 8. Auflage, 2016.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
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