Dextromethorphan

Von Felix Hintermayer
Aktualisiert am
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Dextromethorphan ist ein Mittel zur Hustenstillung. Der Wirkstoff ist vom chemischen Aufbau her mit dem Opioid Morphin verwandt, seine 3D-Struktur unterscheidet sich jedoch von den Opioiden. Dextromethorphan wird hauptsächlich zur Behandlung des trockenen Reizhustens eingesetzt. Hier lesen Sie alles Wichtige zu seiner Anwendung und Wirkung sowie seinen Nebenwirkungen!

So wirkt Dextromethorphan

Dextromethorphan unterdrückt den Hustenreflex, indem es das Hustenzentrum im Stammhirn dämpft. Dies geschieht durch Blockade (Antagonismus) der sogenannten NMDA-Rezeptoren und durch Signalauslösung (Agonismus) an Sigma-1-Rezeptoren.

Durch die Interaktion mit NMDA-Rezeptoren kann Dextromethorphan die Schmerzwahrnehmung unterdrücken. Deshalb ist der Wirkstoff seit 2013 in einigen Ländern auch zur Behandlung bestimmter schmerzhafter Nervenerkrankungen (Neuropathien) zugelassen.

In Verbindung mit Chinidinsulfat wird Dextromethorphan auch zur Behandlung der pseudobulbären Affektstörung eingesetzt. Man versteht darunter eine emotionale Instabilität, die sich in unwillkürlichen und plötzlichen Episoden von Lachen und/oder Weinen äussert.

Hintergrund

Husten ist ein wichtiger Reflex, um Fremdkörper aus den Atemwegen zu befördern. Dazu gehören Bakterien, Viren oder Rauchpartikel, welche die Bronchialschleimhaut schädigen können. Solche Fremdstoffe werden mit etwas Schleim umhüllt und durch kräftige Hustenstösse nach aussen befördert (produktiver Schleim).

Trockener Reizhusten dagegen hat keinen besonderen physiologischen Nutzen. Er wird nach einer Schleimhautreizung durch eine übersteigerte Aktivität des Hustenzentrums im Stammhirn ausgelöst.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Der Wirkstoff wird nach der Aufnahme über den Mund (oral) im Magen-Darm-Trakt sehr schnell in den Blutkreislauf aufgenommen. Die Wirkung tritt deshalb schon nach 15 bis 30 Minuten ein und hält drei bis sechs Stunden an.

Nach seiner Verteilung im Körper wird Dextromethorphan in der Leber abgebaut. Die entstehenden Stoffwechselprodukte verlassen den Körper hauptsächlich über die Nieren (also mit dem Urin).

Wann wird Dextromethorphan angewendet?

Dextromethorphan ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz zur Behandlung von trockenem Reizhusten zugelassen.

In einigen Ländern wird der Wirkstoff zur Behandlung neuronaler Schmerzen und in Kombination mit Chinidinsulfat zur Therapie der pseudobulbären Affektstörung eingesetzt. Diese Anwendungsgebiete fallen in Deutschland, Österreich und der Schweiz unter den Begriff "Off-Label-Use" (Anwendung ausserhalb der Zulassung).

So wird Dextromethorphan angewendet

Der Wirkstoff kann in unterschiedlichen Darreichungsformen (wie Saft, Kapsel, Lutschtablette) und verschiedenen Wirkstoffkonzentrationen eingenommen werden. Die empfohlene Dosierung richtet sich vor allem nach dem jeweiligen Präparat und dem Alter des Patienten.

Nicht-retardierte Darreichungsformen (Präparate mit sofortiger Wirkstofffreisetzung) werden in der Regel drei- bis viermal täglich eingenommen, retardierte Zubereitungen (Präparate mit verzögerter Wirkstofffreisetzung, z.B. Retard-Tabletten) nur ein- bis zweimal pro Tag.

Welche Nebenwirkungen hat Dextromethorphan?

Häufige Nebenwirkungen von Dextromethorphan sind Symptome im Bereich des Verdauungstraktes wie Übelkeit, Magen-Darm-Beschwerden und Erbrechen. Ebenso sind nach der Einnahme Müdigkeit und leichte Schwindelgefühle möglich.

Sehr selten wurden Halluzinationen und Bewusstseinsstörungen bei Patienten beobachtet (vor allem bei einer Überdosierung). Bei Missbrauch des Wirkstoffes kann sich eine Abhängigkeit entwickeln.

Überdosierung

Dextromethorphan kann bei zu hoher Dosis zu deutlichen Wahrnehmungsstörungen, Euphorie und unbeabsichtigter Dämpfung führen und verstärkt die Suchtgefahr. Gleichzeitig sind Atembeschwerden, Blutdruckabfall, eine Störungen von Bewegungsabläufen (Ataxie) und Muskelkrämpfe möglich.

Sollten bei Ihnen in Zusammenhang mit der Anwendung des Wirkstoffes Nebenwirkungen oder nicht genannte Beschwerden auftreten oder haben Sie versehentlich zu viel Dextromethorphan eingenommen, so suchen Sie bitte umgehend Ihren Arzt auf und setzen Sie den Wirkstoff auf dessen Rat gegebenenfalls ab.

Was ist bei der Einnahme von Dextromethorphan zu beachten?

Gegenanzeigen

Dextromethorphan darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • gleichzeitiger Behandlung mit Antidepressiva aus der Gruppe der Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer)
  • Asthma bronchiale
  • Chronisch-Obstruktiver Atemwegserkrankung (COPD)
  • Lungenentzündung (Pneumonie)
  • Atemfunktionsstörung

Wechselwirkungen

Sofern Sie Dextromethorphan gleichzeitig mit anderen Medikamenten einnehmen, kann es zu Wechselwirkungen kommen.

So beeinflusst Dextromethorphan die Wiederaufnahme der Nervenbotenstoffe (Neurotransmitter) Serotonin und Noradrenalin, nachdem diese aus einer Nervenzelle freigesetzt wurden. Der Wirkstoff sollte daher nicht mit Arzneistoffen kombiniert werden, die ebenfalls die Wiederaufnahme dieser beiden Botenstoffe hemmen. Das sind zum Beispiel:

Dextromethorphan wird über das Enzym CYP2D6 verstoffwechselt. Das dabei gebildete 3-Methoxymorphinan ist ein Hemmstoff von CYP2D6. Die gleichzeitige Einnahme von Substanzen, die CYP2D6 hemmen oder seine Aktivität steigern, kann daher zu einer verstärkten oder abgeschwächten Wirkung von Dextromethorphan führen. Umgekehrt kann Dextromethorphan die Wirkung und Nebenwirkungen von Arzneistoffen verstärken, die ebenfalls über CYP2D6 abgebaut werden.

Dies betrifft insbesondere Antidepressiva (wie SSRI, SSNRI, MAO-Hemmer, trizyklische Antidepressiva), Betablocker (wie Metoprolol, Nebivolol), H2-Rezeptorantagonisten (wie Cimetidin und Ranitidin) und einige Antihistaminika (insbesondere Astemizol und Terfenadin).

Erkundigen Sie sich bei Ihrem Arzt oder Apotheker, ob die Einnahme von Dextromethorphan bei Ihnen gefahrlos möglich ist, wenn Sie noch andere Medikamente anwenden.

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Auch bei korrekter Anwendung führt der Wirkstoff oft zu leichter Müdigkeit. Das kann das Reaktionsvermögen soweit beeinträchtigen, dass keine sichere Teilnahme am Strassenverkehr und kein gefahrloses Bedienen von Maschinen möglich sind. Verzichten Sie daher während einer Dextromethorphan-Therapie auf das Autofahren und das Bedienen von Maschinen.

Altersbeschränkung

Das zugelassene Mindesalter ist präparateabhängig. Wenn Sie Dextromethorphan gegen trockenen Reizhusten bei einem Kind anwenden möchten, sollten Sie einen Arzt oder APotheker fragen, welches Präparat für diese Altersgruppe geeignet ist.

Schwangerschaft und Stillzeit

Bislang gibt es keine Berichte über teratogene Effekte, also über Fehlbildungen bei Kindern nach Anwendung von Dextromethorphan in der Schwangerschaft. Auch tierexperimentelle Studien lassen kein Gefährdungspotenzial für den Menschen erkennen. Experten zufolge kann Dextromethorphan daher in allen Phasen der Schwangerschaft als Hustenstiller (Antitussivum) eingesetzt werden. Die Anwendung sollte sich aber auf wenige Tage beschränken.

Obwohl Dextromethorphan und sein Stoffwechselprodukt (Metabolit) nur zu geringen Teilen in die Muttermilch übertreten, raten Hersteller sicherheitshalber von einer Anwendung während der Stillzeit ab.

Experten bewerten die kurzzeitige Behandlung nach dem Versagen von Flüssigkeitszufuhr und Inhalationstherapie in der Stillzeit aber als unproblematisch. Bei Stillkindern mit Neigung zu Atemnot ist jedoch Vorsicht geboten, da eine atemdepressive Wirkung nicht ausgeschlossen werden kann.

So erhalten Sie Medikamente mit Dextromethorphan

Dextromethorphan ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Dextromethorphan, unter: www.embryotox.de (Abruf: 30.01.2022).
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