Captopril

Von , Apotheker, Arzt
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Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Captopril ist ein Blutdrucksenker aus der Klasse der ACE-Hemmer. Als erster ACE-Hemmer, der entwickelt wurde, ist der Wirkstoff am längsten erforscht, hat jedoch auch Nebenwirkungen, die bei neueren Wirkstoffen dieser Klasse nicht auftreten. Hier lesen Sie alles Wichtige über Captopril: Wirkung und Anwendung, Neben- und Wechselwirkungen.

So wirkt Captopril

Der Blutdrucksenker Captopril blockiert als ACE-Hemmer das Enzym ACE (Angiotensin konvertierendes Enzym). Dadurch entsteht weniger vom Hormon Angiotensin II - der Blutdruck sinkt.

Der Blutdruck ist im menschlichen Körper einem streng und aufwendig kontrollierten Regelkreis unterworfen. Dieser passt den Blutdruck an die jeweiligen Erfordernisse an, zum Beispiel bei Lageveränderung (etwa beim Aufstehen aus dem Liegen) sowie bei körperlichen Anstrengungen wie Sport.

Gesteuert wird der Blutdruck hauptsächlich über ein hormonelles System namens RAAS (Renin-Angiotensin-Aldosteron-System). Hierbei wird in der Leber ein Eiweiss (Angiotensinogen) gebildet, das über zwei Stufen in das blutdrucksteigernde Hormon Angiotensin II überführt wird:

Zuerst entsteht mithilfe des Enzyms Renin, das in der Niere gebildet und dann ins Blut ausgeschüttet wird, die Verbindung Angiotensin I. Diese wird dann vom Enzym ACE in Angiotensin II umgewandelt. Das Enzym sitzt unter anderem auf der Oberfläche der Zellen, die Lunge und Niere auskleiden. Diese beiden Organe haben extrem feine Blutgefässe und sind deshalb besonders auf einen stabilen Blutdruck angewiesen - ein zu hoher Druck würde schnell die feinen Gefässe beschädigen.

Angiotensin II bewirkt, dass sich die Blutgefässe verengen, weniger Salze und Wasser über die Nieren ausgeschieden werden und löst ein Durstgefühl sowie Salzhunger aus. Alle Effekte lassen den Blutdruck ansteigen.

Besonders im höheren Alter kann die Steuerung des RAAS entgleisen, wodurch dauerhaft ein zu hoher Blutdruck besteht. Grundsätzlich spricht man ab einem Blutdruck von 140/90 Millimeter Quecksilbersäule (mmHg) von Bluthochdruck. Liegt der Blutdruck dauerhaft über diesen Werten, kann das langfristig das Herz-Kreislauf-System und innere Organe schädigen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach der Einnahme als Tablette löst sich der Wirkstoff im Magensaft auf und gelangt über die Darmwand ins Blut. Die höchsten Blutspiegel werden nach etwa einer Stunde erreicht. Über das Blut gelangt Captopril zum Enzym ACE in der Lunge und den Nieren und hemmt es.

Der Wirkstoff wird zur Hälfte unverändert und zur Hälfte als inaktives Stoffwechselprodukt über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Zwei Stunden nach der Einnahme ist der Blutspiegel wieder um etwa die Hälfte gesunken.

Wann wird Captopril eingesetzt?

Captopril ist zugelassen zur:

  • Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Behandlung von Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
  • Akutbehandlung und Langzeitprophylaxe nach Herzinfarkt (Myokardinfarkt)
  • Behandlung von Diabetes-bedingter Nierenschädigung (diabetische Nephropathie)

Captopril muss dauerhaft eingenommen werden.

So wird Captopril angewendet

Captopril wird als Tablette unabhängig von einer Mahlzeit mit einem Glas Wasser eingenommen. Begonnen wird meist mit einer Tagesdosis von 25 Milligramm Captopril verteilt auf zwei Gaben (Einnahme morgens und abends).

Anschliessend wird die Dosis, wie vom Arzt vorgegeben, langsam gesteigert, bis der Blutdruck stabil im Normbereich ist. Dabei sollte die Tageshöchstdosis nicht mehr 150 Milligramm Captopril betragen.

Wenn Captopril allein den Blutdruck nicht ausreichend senken kann, wird meist zusätzlich ein zweiter Blutdrucksenker wie Hydrochlorothiazid (HCT) verschrieben. Es gibt auch Tabletten, die beide Wirkstoffe enthalten, sodass Patienten nicht zwei verschiedene Präparate einnehmen müssen.

In Kombination mit einem weiteren Wirkstoff muss Captopril unter Umständen auch nur einmal täglich eingenommen werden.

Welche Nebenwirkungen hat Captopril?

Die meisten Nebenwirkungen treten besonders zu Beginn der Behandlung auf und klingen im weiteren Verlauf ab, weshalb die Therapie nicht vorschnell abgebrochen werden sollte.

Häufig - also bei einem bis zehn Prozent der Behandelten - treten als unerwünschte Wirkungen Schlafstörungen, Geschmacksstörungen, Schwindel, Atemnot, trockener Husten, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, Mundtrockenheit, Juckreiz, Ausschlag und Haarausfall.

Gelegentlich verursacht Captopril auch Herzrasen, Herzenge, Herzstolpern, eine zu starke Blutdrucksenkung, Gesichtsrötung, Blässe, Brustschmerzen, Erschöpfung und Unwohlsein.

Patienten sollten etwaige Nebenwirkungen ihrem Arzt erzählen, da es nötig sein kann, die Therapie zu ändern (etwa bei trockenem Husten).

Was ist bei der Einnahme von Captopril zu beachten?

Gegenanzeigen

Captril darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gebenüber dem Wirkstoff, anderen ACE-Hemmern oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • akuten Haut-/Schleimhautschwellungen (Angioödemen)
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • gleichzeitiger Einnahme von Aliskiren (Mittel gegen Bluthochdruck) bei Patienten mit Diabetes oder Nierenfunktionsstörung
  • gleichzeitiger Einnahme von Sacubitril/Valsartan (Mittel gegen Herzschwäche)

Wechselwirkungen

Captopril kann zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten führen, besonders mit solchen, die ebenfalls auf den Blutdruck wirken. Deshalb sollte die gleichzeitige Behandlung von Captopril und anderen Blutdruckmitteln (einschliesslich Entwässerungsmitteln = Diuretika) niedrigdosiert begonnen und vom Arzt streng überwacht werden.

Die Einnahme von Mitteln gegen Depressionen sowie gegen Psychosen und Wahnvorstellungen (Antipsychotika/Neuroleptika) kann die blutdrucksenkende Wirkung von Captopril verstärken.

Captopril kann die Blutspiegel des Stimmungsstabilisators Lithium erhöhen, wodurch es zu unerwünschten Nebenwirkungen kommen kann.

Das Gicht-Mittel Allopurinol, Krebsmittel und Wirkstoffe zur Unterdrückung des Immunsystems (Immunsuppressiva) können bei gleichzeitiger Anwendung mit Captopril die Anzahl der weissen Blutkörperchen (Leukozyten) erniedrigen.

Schmerzmittel aus der Gruppe der nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen, Diclofenac und Naproxen können die Nierendurchblutung verschlechtern und Elektrolytverschiebungen im Blut begünstigen. Sie sollten daher nur mit Vorsicht zusammen mit dem Blutdrucksenker eingenommen werden.

Durch Captopril wird der blutzuckersenkende Effekt von oralen Antidiabetika und Insulin verstärkt. Dadurch können Diabetiker schneller eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) erleiden.

Die Kombination mit Ciclosporin (Immunsuppressivum), Heparin (Gerinnungshemmer) und kaliumsparenden Diuretika (wie Amilorid, Triamteren, Spironolakton) kann eine Hyperkaliämie (zu hoher Kaliumspiegel im Blut) begünstigen.

Altersbeschränkung

Wenn es notwendig ist, kann Captopril in angepasster Dosierung schon ab der Geburt verabreicht werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Während der Schwangerschaft sollte der Blutdrucksenker nicht eingenommen werfen, weil hierzu nur wenige Daten vorliegen. Speziell im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel ist Captopril streng kontraindiziert.

Der Wirkstoff geht nur in sehr geringen, höchstwahrscheinlich unwirksamen, Mengen in die Muttermilch über. Experten und der Fachinformation zufolge kann Captopril in der Stillzeit daher verordnet werden, wenn Blutdrucksenker der ersten Wahl nicht wirksam oder nicht indiziert sind. Sicherheitshalber ist dann bei den gestillten Säuglingen auf Wasseransammlungen im Gewebe (Ödeme) und den Gewichtsverlauf zu achten (Indikatoren für eine gestörte Nierenfunktion!).

So erhalten Sie Medikamente mit Captopril

Captopril ist in Deutschland und der Schweiz verschreibungspflichtig. In Österreich sind keine Präparate mit dem Wirkstoff mehr im Handel.

Seit wann ist Captopril bekannt?

Captopril wurde im Jahr 1974 entwickelt, und zwar anhand eines Naturstoffes aus dem Gift der Jararaca-Lanzenotter. Im Jahr 1976 wurde er patentiert.

Die Zulassung in Europa erfolgte 1980 und in den USA 1981. Seit Mitte der 1990er Jahre gibt es mehrere Generika mit dem Wirkstoff Captopril auf dem deutschen Arzneimittelmarkt.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Captopril, unter: www.embryotox.de (Abruf: 30.01.2022).
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