Buspiron

Von , Apotheker, Arzt
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Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Buspiron ist ein angstlösender Arzneistoff. Er greift in den Stoffwechsel des Nervenbotenstoffs Serotonin im Gehirn ein. Im Gegensatz zu anderen angstlösenden Medikamenten wirkt Buspiron erst nach einigen Wochen, macht dafür aber weder müde noch - nach längerer Einnahme - abhängig. Hier lesen Sie alles Wissenswerte zu Wirkung und Anwendung von Buspiron, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen.

So wirkt Buspiron

Buspiron gehört zur Gruppe der Anxiolytika (angstlösende Medikamente). Es vermittelt seine Wirkung, indem es an einen bestimmten Typ von Andockstellen (Rezeptoren) des Nervenbotenstoffes Serotonin bindet (5-HT1A-Rezeptoren). Im Gegensatz zu anderen Anxiolytika wirkt der Wirkstoff weder sedierend noch muskelentspannend oder krampflösend.

In bestimmten Situationen Angst zu haben, ist eine vollkommen natürliche Reaktion des Körpers. Evolutionär gesehen ist Angst ein wichtiger Schutz- und Überlebensmechanismus, der uns in die Lage versetzt, uns in potenziell gefährlichen Situationen angemessen zu verhalten.

Bei Angststörungen aber leidet ein Patient an einer anhaltenden Angst, die sich auf viele Bereiche des Lebens beziehen kann und meist nicht begründet ist. Die ständigen Ängste und Sorgen können sich zum Beispiel auf soziale Beziehungen, die Arbeit, die Gesundheit, Geld oder anderes beziehen. Begleitet werden sie meist von körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Unruhe, Zittern, Herzrasen, Schwindel, Verspannungen, Kopfschmerzen und Schlafstörungen.

Angstlösende Medikamente wie Benzodiazepine (z.B. Diazepam, Lorazepam) lindern schnell und zuverlässig die psychischen und körperlichen Beschwerden von Angstpatienten. Sie können aber schnell (meist schon nach einigen Wochen) zu einer Abhängigkeit führen. Werden sie abgesetzt, kann es sein, dass die ursprünglichen Symptome schwerer als zuvor wieder auftreten.

Buspiron wirkt in dieser Hinsicht anders. Wird der Wirkstoff über mehrere Wochen eingenommen, beginnen die komplexen neuronalen Gehirnstrukturen, die Angststörungen auslösen können, sich neu zu organisieren:

Indem Buspiron bestimmte Andockstellen (Rezeptoren) des Nervenbotenstoffes Serotonin aktiviert, ändert sich die "Verschaltung" von Nervenzellen, wie Studien zeigen. Dieser Umstand erklärt auch die erst verzögert einsetzende Wirkung des Angstlösers.

Eine ergänzende Psychotherapie hilft Betroffenen, die Angstbeschwerden besser und längerfristig unter Kontrolle zu bekommen.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach seiner Einnahme wird der Wirkstoff schnell und vollständig über die Darmwand ins Blut aufgenommen. Vom Darm gelangt er mit dem Blut in die Leber, wo er zu über 95 Prozent deaktiviert wird ("first-pass-Metabolismus").

Der Buspiron-Blutspiegel, der eine bis eineinhalb Stunden nach der Einnahme sein Maximum erreicht, ist daher nach etwa zwei bis drei Stunden schon wieder auf die Hälfte gesunken. Die Abbauprodukte von Buspiron werden etwa zu zwei Dritteln mit dem Urin und zu einem Drittel mit dem Stuhl ausgeschieden.

Wann wird Buspiron eingesetzt?

Buspiron ist zugelassen zur symptomatischen Behandlung von Angstzuständen, die sich besonders durch Angst, innere Unruhe und Spannungszustände auszeichnen.

So wird Buspiron angewendet

Die Einnahme von Buspiron erfolgt in Tablettenform. Die Tagesgesamtdosis wird aufgeteilt auf drei Einzeldosen, die unabhängig von den Mahlzeiten mit einem Glas Wasser eingenommen werden.

Der Behandlungsbeginn erfolgt einschleichend: Man startet mit einer niedrigen Dosis, und zwar meist mit dreimal täglich fünf Milligramm Buspiron. Dann erhöht man die Dosis langsam - in Abhängigkeit von der Wirkung und dem Auftreten von Nebenwirkungen - bis auf dreimal täglich zehn Milligramm.

In schweren Fällen kann der Arzt auch bis zu dreimal 20 Milligramm pro Tag verordnen.

Der Effekt von Buspiron tritt nicht sofort, sondern mit zeitlicher Verzögerung ein.

Welche Nebenwirkungen hat Buspiron?

Die häufigsten Nebenwirkungen umfassen Schwindel, Kopfschmerzen und Schläfrigkeit.

Nebenwirkungen wie Brustschmerzen, Alpträume, Zorn, Feindseligkeit, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, Ohrensausen, Halsentzündung, verstopfte Nase, verschwommenes Sehen, Muskelschmerzen, Missempfindungen, Hautausschläge und vermehrtes Schwitzen zeigen sich bei einem von zehn bis hundert Patienten.

Nebenwirkungen treten vor allem zu Beginn der Behandlung auf und verringern sich nach einiger Zeit wieder oder verschwinden ganz.

Was ist bei der Einnahme von Buspiron zu beachten?

Gegenanzeigen

Buspiron darf nicht eingenommen werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • schwerer Nieren- oder Leberfunktionsstörung
  • Epilepsie
  • akuter Vergiftung (Intoxikation) mit Alkohol oder bestimmten Medikamenten (Antipsychotika, Analgetika oder Hypnotika)

Wechselwirkungen

Obwohl in klinischen Studien keine Wechselwirkungen zwischen Alkohol und Buspiron beobachtet werden konnten, wird allgemein empfohlen, während der Behandlung mit Psychopharmaka keinen Alkohol zu trinken.

Buspiron wird über das Enzym CYP3A4 abgebaut. Substanzen, die das Enzym in seiner Wirkung hemmen oder aber seine Produktion steigern, können daher theoretisch die Wirkung von Buspiron verstärken oder abschwächen.

Es gibt keine Untersuchungen über mögliche Wechselwirkungen zwischen Buspiron und anderen Psychopharmaka (wie Antipsychotika, Antidepressiva). Vor der gleichzeitigen Anwendung sollte daher stets ein erfahrener Arzt zu Rate gezogen werden.

Das Gleiche gilt für Kombinationen mit hormonellen Verhütungsmitteln, Gerinnungshemmern, Mitteln gegen Diabetes und anderen Wirkstoffen.

Mittel gegen Depressionen aus der Klasse der Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) sollten nicht mit Buspiron kombiniert werden, da dies zu akuten Bluthochdruckkrisen führen kann.

Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen

Möglicherweise wird durch die Einnahme von Buspiron das Reaktionsvermögen beeinträchtigt. Daher sollten Patienten während der Behandlung keine schweren Maschinen bedienen und keine Fahrzeuge fahren, bis die individuelle Verträglichkeit bekannt ist.

Altersbeschränkung

Buspiron sollte aufgrund mangelnder Daten nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren eingesetzt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Es liegen keine Erfahrungen zur Anwendung von Buspiron in der Schwangerschaft vor. In tierexperimentellen Studien zeigten sich weder direkte noch indirekte schädliche Auswirkungen auf das Ungeborene. Die Entscheidung, ob die Buspiron-Therapie in der Schwangerschaft fortgeführt werden kann, wird individuell getroffen.

Es ist nicht bekannt, ob Buspiron oder seine Abbauprodukte (Metaboliten) in die Muttermilch übertreten. Experten sind der Meinung, dass Stillen bei Monotherapie (Behandlung ausschliesslich mit Buspiron und keinem weiteren Arzneistoff) und guter Beobachtung des Säuglings unter Vorbehalt akzeptabel ist.

So erhalten Sie Medikamente mit Buspiron

Präparate mit dem Angstlöser Buspiron sind in Deutschland apotheken- und verschreibungspflichtig. In Österreich und der Schweiz ist Buspiron nicht im Handel.

Seit wann ist Buspiron bekannt?

Buspiron wurde von einem Team aus Wissenschaftlern im Jahr 1972 entdeckt. Es wurde jedoch erst 1975 patentiert und 1986 in den USA auf den Markt gebracht.

In Deutschland erfolgte die Zulassung 1996. Im Jahr 2001 lief der Patentschutz aus. Inzwischen gibt es auch ein Generikum mit dem Wirkstoff Buspiron.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Buspiron, unter: www.embryotox.de (Abruf: 15.01.2022).
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