Bisacodyl

Von Felix Hintermayer
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Bisacodyl ist ein Abführmittel gegen Verstopfung oder für eine erleichterte Darmentleerung, etwa bei Hämorrhoiden. Auch als Vorbereitung auf eine Untersuchung oder Operation im Darmbereich kann der Arzt das Abführmittel verordnen. Der Wirkstoff wird als Tablette oder Dragee eingenommen oder als Zäpfchen in den Enddarm eingeführt. Lesen Sie hier alles Wichtige über Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen von Bisacodyl.

So wirkt Bisacodyl

Bisacodyl ist ein "Prodrug", also eine Vorstufe der eigentlich wirksamen Substanz. Es wird von den Bakterien im Dickdarm in die Wirkform BHPM umgewandelt.

Diese hemmt die Aufnahme von Natrium und Wasser aus dem Stuhl ins Blut und fördert die Abgabe von Wasser und Elektrolyten in den Darm. Das macht den Stuhl weicher. Ausserdem regt BHPM die Darmperistaltik an, sodass die Nahrungsreste schneller in Richtung Ausgang (After) transportiert werden.

Bei länger bestehenden oder stärkeren Beschwerden kann dem Abführmittel noch ein Gleitmittel hinzugefügt werden. Das Gleitmittel sorgt über den "Schmiereffekt" für eine noch leichtere Darmentleerung.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Der abführende Effekt von Bisacodyl tritt bei oraler Anwendung (Einnahme über den Mund) nach sechs bis zwölf Stunden, bei Anwendung als Zäpfchen schon nach 15 bis 30 Minuten ein. Ein Teil des Wirkstoffes wird über den Stuhl, der Rest über den Harn ausgeschieden.

Wann wird Bisacodyl angewendet?

Bisacodyl wird hauptsächlich bei Verstopfung angewendet. Ausserdem kommt es bei Erkrankungen zum Einsatz, bei denen eine erleichterte Darmentleerung erwünscht ist (wie bei Hämorrhoiden).

Abführmittel (Laxantien) wie Bisacodyl werden ausserdem zur Vorbereitung eines Patienten auf eine Röntgenuntersuchung des Verdauungstraktes sowie auf einen therapeutischen Eingriff am Darm angewendet.

Nehmen Sie Bisacodyl ohne Abklärung der Verstopfungsursache nicht täglich oder über einen längeren Zeitraum ein.

So wird Bisacodyl angewendet

Bei der Behandlung akuter Verstopfung wird das Abführmittel als magensäurestabiles Dragee oder Tablette oral eingenommen (zusammen mit reichlich Wasser und am besten abends) oder als Zäpfchen rektal eingeführt.

Die übliche Dosierung beträgt in Deutschland und Österreich bei Erwachsenen und Kindern über zehn Jahren zwischen fünf und zehn Milligramm Wirkstoff bei oraler Anwendung beziehungsweise zehn Milligramm bei Anwendung als Zäpfchen. Kinder von zwei bis zehn Jahren können nach ärztlicher Verordnung fünf Milligramm Bisacodyl einnehmen oder ein Zäpfchen mit fünf Milligramm Wirkstoff erhalten. 

In der Schweiz gelten leicht abweichende Empfehlungen. Hier erhalten Kinder erst ab zwölf Jahren die Dosis für Erwachsene. Ärzte können das Abführmittel zudem erst ab einem Alter von vier Jahren verordnen.

Welche Nebenwirkungen hat Bisacodyl?

Mögliche Nebenwirkungen von Bisacodyl bei Kurzzeitanwendung sind Aufstossen, Blähungen, Durchfall, Übelkeit, Bauchkrämpfe sowie Schmerzen im Bauch und/oder Enddarm.

Wird Bisacodyl längere Zeit angewendet, kann es zu Wasser- und Elektrolytstörungen kommen, vor allem zu einem Mangel an Kalium und Magnesium, was etwa Muskelschwäche nach sich ziehen kann. Auch ein Kalziumverlust mit nachfolgender Osteoporose kann entstehen.

Eine Entzündung des Enddarms (Proktitis) kann ebenfalls die Folge einer längeren Bisacodyl-Anwendung sein. Nicht zuletzt kann sich der Körper an das Abführmittel gewöhnen, wodurch sich die Darmträgheit verstärkt.

Was ist bei der Anwendung von Bisacodyl zu beachten?

Gegenanzeigen

Bisacodyl darf nicht eingesetzt werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff oder einem der anderen Bestandteile des Medikaments
  • akuten Magen-Darm-Erkrankungen
  • Darmverschluss
  • starken Bauchschmerzen zusammen mit Übelkeit und/oder Erbrechen (Zeichen einer schweren Erkrankung)

Patienten mit Nierenfunktionsstörungen, Elektrolytstörungen oder Austrocknung (Dehydration) sollten das Mittel nur unter Aufsicht eines Arztes anwenden, der die Gefahren eines erhöhten Flüssigkeitsverlusts einschätzen kann. Das gilt besonders bei älteren Patienten.

Wechselwirkungen

Die Anwendung von Bisacodyl ist mit einem Kaliumverlust verbunden. Dieser kann die Verträglichkeit von Herzglykosiden beeinträchtigen - vor allem bei gleichzeitiger Anwendung von harntreibenden Mitteln (Diuretika) oder Kortikosteroiden ("Kortison"), die beide ebenfalls den Wasser- und Elektrolythaushalt beeinflussen. Wird der Elektrolythausalt zu sehr aus dem Gleichgewicht gebracht, können Herzrhythmusstörungen die Folge sein.

Durch die abführende Wirkung von Bisacodyl kann die Aufnahme anderer Wirkstoffe beeinträchtigt sein, etwa von Digoxin (Herzmedikament).

Zwischen der Einnahme von Bisacodyl und der Zufuhr von Milch oder Antazida (Mittel gegen Sodbrennen und andere säurebedingte Magenbeschwerden) sollte ein zeitlicher Abstand von mindestens einer halben Stunde liegen. Anderenfalls kann sich der Schutzüberzug des Abführmittels bereits im Magen zersetzen, was Reizungen (Irritationen) der Magenschleimhaut zur Folge haben kann.

Altersbeschränkung

Bisacodyl darf in Deutschland und Österreich bei Kindern unter zwei Jahren, in der Schweiz bei Kindern unter vier Jahren nicht angewendet werden.

Präparate zur Selbstmedikation sind in Deutschland und Österreich ab zehn Jahren in Apotheken freiverkäuflich erhältlich, in der Schweiz ab einem Alter von zwölf Jahren.

Schwangerschaft und Stillzeit

Seit seiner Markteinführung in den 1950iger Jahren sind keine schädlichen Effekte des Abführmittels bei Anwendung in der Schwangerschaft bekannt geworden. Bisacodyl kann deshalb kurzfristig nach ärztlichem Rat in der Schwangerschaft verwendet werden.

Klinische Daten zeigen, dass weder Bisacodyl noch dessen Metabolit in die Muttermilch übertreten. Frauen dürfen also während der Anwendung ohne Einschränkungen weiterstillen.

So erhalten Sie Medikamente mit Bisacodyl

Bisacodyl ist in oraler Form (z.B. Tablette) und in Form von Zäpfchen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ohne Rezept in der Apotheke erhältlich.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Hammer, H.: Therapielexikon Gastroenterologie und Hepatologie, Springer-Verlag, 2005.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Bisacodyl, unter: www.embryotox.de (Abruf: 14.01.2022).
  • Richling, F. et Schneider, D.: Checkliste Arzneimittel A – Z, 6. Auflage, Georg Thieme Verlag, 2013.
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