Beclometason

Von Lisa Hein
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Beclometason gehört zu den wichtigsten Wirkstoffen gegen allergisches Asthma und allergischen Schnupfen. Der Vertreter der sogenannten Kortikosteroide besitzt antiallergische, entzündungshemmende und immunsuppressive Eigenschaften. Hier erfahren Sie alles über Wirkungen, Nebenwirkungen und Anwendungsmöglichkeiten von Beclometason!

So wirkt Beclometason

Beclometason ist ein stark wirksames Kortikosteroid, das im Körper unter anderem die Bildung von entzündungsvermittelnden Signalstoffen (wie Prostaglandinen) hemmt. Gleichzeitig wird die Neubildung von Zellen des Immunsystems vermindert. So werden Entzündungsprozesse gestoppt und Immunreaktionen unterdrückt.

Der menschliche Körper verfügt über ein effizientes Abwehrsystem, das den Organismus vor dem Eindringen von fremden Erregern schützt. Bei manchen Krankheiten ist dieses komplexe System allerdings ständig aktiviert.

In solchen Fällen reagiert das Immunsystem überschiessend auf eigentlich harmlose Reize, was zu Entzündungsprozessen und allergischen Reaktionen wie Asthma oder Schnupfen führt. Dies kann grossen Schaden im Gewebe anrichten. Meist ist es dann notwendig, das Immunsystem zu unterdrücken, um die Symptome der Entzündungen zu lindern - beispielsweise mit Beclometason.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Beclometason wird nur lokal an der Nasenschleimhaut und in der Lunge angewendet. Dort wird es durch bestimmte Enzyme (sogenannte Esterasen) aktiviert und wirkt dann praktisch nur an der behandelten Stelle.

Die geringe Wirkstoffmenge, die dennoch in den Blutkreislauf gelangt, wird sehr schnell in der Leber abgebaut. Die Abbauprodukte werden über den Stuhl und den Urin ausgeschieden.

Wann wird Beclometason eingesetzt?

Zu den Anwendungsgebieten (Indikationen) von Beclometason gehören:

  • Behandlung von Asthma bronchiale
  • Behandlung eines allergischen Dauerschnupfens (allergische Rhinitis)
  • Akutbehandlung nach Bränden und Unfällen, bei denen giftige Gase freigesetzt wurden (um ein sogenanntes Lungenödem zu verhindern)

So wird Beclometason angewendet

Beclometason wird entweder als Dosieraerosol (Spray zur Inhalation), als Pulverinhalator (Pulver zur Inhalation) oder als Beclometason-Nasenspray angewendet - je nachdem, ob der Arzneistoff im Lungengewebe oder an der Nasenschleimhaut wirken soll.

Bei Erwachsenen beträgt die Normdosis zur Inhalation zwischen 0,4 und 0,6 Milligramm pro Tag. Kinder und Jugendliche unter 12 Jahren erhalten eine verringerte Dosis.

Die richtige Anwendung eines Dosieraerosols beziehungsweise Pulverinhalators muss gut und regelmässig geübt werden. Lassen Sie sich vom Arzt oder Apotheker zeigen, wie der Inhalator richtig und sicher benutzt wird.

Beim Beclometason-Nasenspray gelten 200 Mikrogramm pro Tag als Richtwert. Es sollte so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig an Wirkstoff eingesetzt werden. Für jeden Patienten muss eine individuell passende Dosierung gefunden werden.

Welche Nebenwirkungen hat Beclometason?

Häufig, das heisst bei einem bis zehn Prozent der Behandelten, ruft inhaliertes Beclometason Nebenwirkungen in Form von erhöhte Infektneigung (durch das unterdrückte Abwehrsystem), Magen-Darm-Beschwerden und Pilzinfektionen im Mund-und Rachenraum hervor. Durch die richtige Anwendung des Medikaments können diese Nebenwirkungen deutlich minimiert werden.

Als Nasenspray verabreichtes Beclometason ist in der Regel sehr gut verträglich. Trockenheitsgefühl, Nasenbluten, Irritationen im Rachen und Kopfschmerzen sind als mögliche Nebenwirkungen zu nennen.

Was ist bei der Anwendung von Beclometason zu beachten?

Vor allem beim Inhalieren sehr hoher Kortikosteroid-Dosen kann es zu systemischen Kortikoid-Nebenwirkungen kommen - also Nebenwirkungen im ganzen Körper. Konkret können etwa Nierenfunktionsstörungen, Wachstumsstörungen, Fettumverteilungen und Verhaltensveränderungen auftreten.

Diesen Nebenwirkungen kann man durch die richtige Anwendung und möglichst niedrige Dosierung des Betomeclason-Medikaments vorbeugen.

Wechselwirkungen

Beclometason kann die Wirksamkeit von Beta-2-Sympathomimetika ("Bronchodilatatoren", also Bronchien-erweiternde Mittel) verstärken. Das ist meist erwünscht und wird durch die Kombination dieser Wirkstoffe gezielt angestrebt.

Altersbeschränkungen

Dosieraerosole mit Beclometason sollten nicht bei Kindern unter fünf Jahren angewendet werden. Pulverinhalatoren sind in Deutschland und Österreich bereits ab sechs Jahren, in der Schweiz erst ab zwölf Jahren zugelassen.

Die in Deutschland registrierte Lösung für Vernebler eignet sich auch für Kinder unter fünf Jahren. Nasensprays mit Beclometason sind ab einem Alter von sechs Jahren zugelassen.

Schwangerschaft und Stillzeit

Klinische Studien haben gezeigt, dass von Schwangeren oder Stillenden angewendetes Beclometason keine Gefährdung für das Ungeborene bzw. den gestillten Säugling darstellt. Beclometason darf deshalb während der Schwangerschaft und Stillzeit eingesetzt werden.

So erhalten Sie Medikamente mit Beclometason

Medikamente mit Beclometason zur Inhalation sind in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig und nur mit einem Rezept vom Arzt in der Apotheke erhältlich.

Beclometason-haltige Nasensprays sind in Deutschland bis zu einer Tagesmaximaldosis von 400 Mikrogramm für Erwachsene ab 18 Jahren von der Rezeptpflicht befreit.

In der Schweiz finden sich Nasensprays mit dem Wirkstoff in der Abgabekategorie B. Sie können ohne ärztliches Rezept durch einen Apotheker persönlich abgegeben werden.

In Österreich unterliegen sämtliche Beclometason-haltigen Arzneimittel, einschliesslich Nasensprays, der Rezeptpflicht.

Seit wann ist Beclometason bekannt?

Beclometason ist ein relativ junger Vertreter der Kortikosteroide. Erst im Zielgewebe (Nasenschleimhaut oder Lunge) wird der Wirkstoff aktiviert und kann so genau dort wirken, wo er gebraucht wird. Durch die praktisch örtlich begrenzte Wirkung von Beclometason lassen sich Nebenwirkungen effektiv minimieren.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Quellen:
  • Geisslinger, G. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen - Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 11. Auflage, 2020.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Beclometason, unter: www.embryotox.de (Abruf: 28.12.2021).
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