Ampicillin

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Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

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Ampicillin ist ein Breitspektrum-Antibiotikum aus der Gruppe der Aminopenicilline. Der Wirkstoff kann bei einer Vielzahl von bakteriellen Infektionen eingesetzt werden und ist gut verträglich. Bei Patienten mit einer Penicillin-Allergie löst er allerdings schwere allergische Reaktionen aus. Hier lesen Sie alles Wichtige über die Wirkung von Ampicillin, Dosierung und Anwendung sowie über mögliche Nebenwirkungen.

So wirkt Ampicillin

Wie auch andere Penicilline beeinträchtigt Ampicillin die Bildung der Zellwand von Bakterien:

Um sich teilen und vermehren zu können, müssen Bakterien stetig ihre Zellwand stellenweise auflösen und neu bilden. Ampicillin bindet zielgerichtet an die bakteriellen Enzyme, welche die Zellwand neu aufbauen und für deren Festigkeit sorgen.

Dadurch werden die Bakterien in ihrer Teilung und Vermehrung behindert, was man als bakteriostatischen Effekt bezeichnet. Das Immunsystem kann so den teilungsunfähigen Eindringlingen Herr werden und sie letztendlich abtöten.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Nach der Einnahme von Ampicillin werden lediglich 30 bis 60 Prozent der Wirkstoffmenge über die Darmschleimhaut ins Blut aufgenommen. Die maximalen Blutspiegel werden bis etwa zwei Stunden nach der Einnahme erreicht.

Das Antibiotikum wird überwiegend unverändert über den Urin ausgeschieden. Etwa eine Stunde nach der Einnahme hat die Hälfte des Wirkstoffs auf diesem Weg den Körper wieder verlassen.

Wann wird Ampicillin eingesetzt?

Ampicillin wird zur Behandlung vieler bakterieller Infektionen eingesetzt, etwa bei Infektionen:

  • im Bereich von Hals, Nasen und Ohren (HNO-Bereich)
  • der Nieren und ableitenden Harnwege
  • des Magen-Darm-Traktes
  • der Augen
  • der Atemwege

Nehmen Sie Antibiotika immer genau nach ärztlicher Anweisung ein. Setzen Sie sie nicht vorzeitig ab, auch wenn die Symptome der Infektion schon abgeklungen sind. Sonst können im Körper verbliebene Bakterien unempfindlich (resistent) gegen das verwendete Antibiotikum werden.

So wird Ampicillin angewendet

Ampicillin wurde früher sowohl in Form von Tabletten und Kapseln als auch intravenös (direkt in eine Vene) verabreicht. Aufgrund der deutlich schlechteren Resorption verglichen mit dem sehr ähnlichen Amoxicillin, wird Ampicillin mittlerweile aber kaum noch für die orale Einnahme verordnet. Wenn doch, sieht die Anwendugn wie folgt aus:

Die Tabletten oder Kapseln werden aufgrund der schnellen Ausscheidung des Wirkstoffes drei- bis viermal täglich eingenommen. Nur so lässt sich ein stetiger Wirkstoffspiegel im Körper zu erzielen.

Die Dosierung ist abhängig von Alter, Körpergewicht und anderen Parametern und reicht von zwei bis maximal acht Gramm Ampicillin. Die Dauer der Therapie beträgt meist sieben bis zehn Tage, sollte jedoch mindestens noch zwei bis drei Tage nach dem Abklingen der Symptome fortgesetzt werden.

Auch bei der intravenösen Therapie richtet sich die Dosierung nach dem Alter, Körpergewicht und anderen Parametern und wird individuell angepasst.

Oft wird Ampicillin mit einem sogenannten Betalactamase-Inhibitor wie Sulbactam kombiniert. Das verstärkt die Wirkung des Antibiotikums bei Bakterienstämmen, die Penicilline zu unwirksamen Stoffwechselprodukten abbauen können.

Welche Nebenwirkungen hat Ampicillin?

Bei mehr als jedem zehnten Patienten löst das Antibiotikum Übelkeit, Magenschmerzen, Erbrechen, Durchfall und Hautreaktionen mit Juckreiz und Rötung auf. Da letzteres auf eine allergische Reaktion hindeutet, müssen Patienten bei Auftreten dieser Nebenwirkung unbedingt einen Arzt verständigen.

Seltenere Nebenwirkungen sind Veränderungen der Leberenzymwerte, Schwindel, Kopfschmerzen und andere unspezifische Beschwerden.

Was ist bei der Einnahme von Ampicillin zu beachten?

Gegenanzeigen

Bei bekannter Überempfindlichkeit gegenüber Penicillinen ("Penicillin-Allergie") darf Ampicillin nicht eingesetzt werden.

Wechselwirkungen

Einige andere Wirkstoffe können bei gleichzeitiger Anwendung in Wechselwirkung mit Ampicillin treten.

So kann die gleichzeitige Einnahme von Medikamenten gegen Gicht (wie Probenecid, Allopurinol) zu höheren Ampicillin-Blutspiegeln und somit einem erhöhten Risiko für Hautreaktionen führen.

Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (wie Phenprocoumon, Warfarin) können verstärkt wirken, wenn sie mit Ampicillin kombiniert werden.

Das Medikament Methotrexat, das man bei rheumatoider Arthritis, verschiedenen Krebsarten und Autoimmunerkrankungen einsetzt, wird in seiner Ausscheidung gehemmt, wenn man es mit Ampicillin kombiniert. Dadurch erhöhen sich die Methotrexat-Spiegel im Körper, was auch die unerwünschten Arzneimittelwirkungen dieses Wirkstoffes verstärken kann.

Eine weitere wichtige Wechselwirkung besteht zwischen Ampicillin und dem hormonellen Verhütungsmittel "Pille". Werden diese Arzneimittel zusammen angewendet - auch wenn dies zeitlich versetzt erfolgt -, ist die empfängnisverhütende Wirkung der Pille nicht sichergestellt. Es sollte daher zusätzlich auf nicht-hormonelle Weise verhütet werden, beispielsweise mit einem Kondom.

Bei gleichzeitiger Einnahme von Digoxin (Mittel gegen Herzschwäche) ist eine verstärkte Aufnahme von Digoxin möglich.

Altersbeschränkung

Ampicillin kann auch bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen in entsprechend reduzierter Dosierung zur Behandlung bakterieller Infektionen eingesetzt werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Verfügbare Daten lassen nicht auf Nebenwirkungen von Ampicillin auf die Schwangerschaft oder die Gesundheit des Kindes schliessen. Ampicillin gehört daher zu den Antibiotika der Wahl in der Schwangerschaft.

Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über. Bei Auftreten von Nebenwirkungen beim Kind wie Durchfall muss für die Dauer der Behandlung mit Ampicillin das Stillen womöglich unterbrochen werden (nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt). Die meisten Kindern haben jedoch keine Symptome. Ampicillin gehört somit zu den Antibiotika der Wahl in der Stillzeit.

So erhalten Sie Medikamente mit Ampicillin

Medikamente mit Ampicillin unterliegen in Deutschland und Österreich der Rezeptpflicht. In der Schweiz sind keine Präparate mit diesem Wirkstoff mehr im Handel.

Seit wann ist Ampicillin bekannt?

Ampicillin wurde 1961 auf den Markt gebracht. Davor waren mit Penicillinen nur sogenannte grampositive Bakterien behandelbar. Zudem mussten die Wirkstoffe als Spritze oder Infusion verabreicht werden.

Der Wirkstoff Ampicillin dagegen ist als Breitbandantibiotikum auch gegen gramnegative Bakterien wirksam und lässt sich oral (etwa in Form von Tabletten) anwenden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Benjamin Clanner-Engelshofen
Benjamin Clanner-Engelshofen

Benjamin Clanner-Engelshofen ist freier Autor in der NetDoktor-Medizinredaktion. Er studierte Biochemie und Pharmazie in München und Cambridge/Boston (USA) und merkte dabei früh, dass ihm die Schnittstelle zwischen Medizin und Naturwissenschaft besonders viel Spaß macht. Deshalb schloss er noch ein Studium der Humanmedizin an.

Quellen:
  • Aktories, K. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, 11. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2013.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Ampicillin, unter: www.embryotox.de (Abruf: 13.01.2022).
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