Alprazolam

Von Karina Suchowski
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Der Wirkstoff Alprazolam dient der Behandlung von Angstzuständen und Panikstörungen. Er wirkt vor allem angstlösend und beruhigend. Alprazolam wird in Tablettenform angewendet. Aufgrund seines hohen Suchtpotenzials sollte es nur kurzzeitig eingenommen werden. Hier lesen Sie alles Wichtige über Anwendung, Wirkung und Nebenwirkungen von Alprazolam. 

So wirkt Alprazolam

Alprazolam gehört der Gruppe der sogenannten Benzodiazepine an - eine sehr häufig verordnete Arzneistoffgruppe mit nachgewiesener beruhigender und angstlösender (anxiolytischer) Wirksamkeit. Der Wirkstoff verstärkt die Wirkung eines hemmenden Nervenbotenstoffes (GABA) im Gehirn. Dadurch sind die Nervenzellen weniger erregbar – ein beruhigender und angstlösender Effekt stellt sich ein.

Die Alprazolam-Wirkung wird zum Beispiel für die Behandlung einer generalisierten Angststörung genutzt. Darunter versteht man eine lang anhaltende Angst, die sich nicht auf konkrete Situationen oder Objekte bezieht. Die Patienten machen sich vielmehr ständig Sorgen, leiden unter körperlicher Unruhe, Spannungskopfschmerz und Zittern. Das Benzodiazepin kann hier die Ängste lindern und für die nötige Entspannung sorgen.

Im Gegensatz zu anderen Benzodiazepinen wirkt Alprazolam in therapeutischer Dosierung vor allem angstlösend und beruhigend, weniger krampflösend und muskelentspannend.

Aufnahme, Abbau und Ausscheidung

Der Wirkstoff wird als Tablette eingenommen und im Darm nahezu vollständig in die Blutbahn aufgenommen. In der Leber wird die Substanz in ihre eigentliche Wirkform (α-Hydroxyalprazolam) überführt.

α-Hydroxyalprazolam erreicht schnell das zentrale Nervensystem, wo es seine Wirkung entfaltet. Diese hält zwischen 12 und 15 Stunden an.

Wann wird Alprazolam eingesetzt?

Das Benzodiazepin Alprazolam wird zur symptomatischen Behandlung von akuten und chronischen Spannungs-, Erregungs- und Angstzuständen eingesetzt. 

Ein weiteres Anwendungsgebiet sind Panikstörungen mit oder ohne phobischem Vermeidungsverhalten (Agoraphobie).

So wird Alprazolam angewendet

Der Wirkstoff wird mehrmals am Tag in Form von Tabletten eingenommen, und zwar in einer individuell vom Arzt festgelegten Dosierung. In der Schweiz sind zudem Sublingualtabletten (Tabletten, welche sich unter der Zunge auflösen) im Handel.

Weil der Wirkstoff recht rasch abhängig machen kann, darf er nur vorübergehend angewendet werden. Bei längerer Einnahme besteht zudem die Gefahr einer Toleranzentwicklung: Der Körper spricht dabei zunehmend weniger auf den Wirkstoff an. Die Alprazolam-Dosierung müsste dann sukzessive gesteigert werden, um die gewohnte Wirkung hervorzurufen, was die Gefahr schwerer Nebenwirkungen (einschließlich einer Abhängigkeit) birgt.

Der Wirkstoff darf zum Beenden der Therapie nicht abrupt abgesetzt werden, sondern die Dosis muss langsam und schrittweise über mehrere Wochen verringert werden. Anderenfalls kann es zu Entzugssymptomen und einem verstärkten Wiederauftreten der ursprünglichen Beschwerden (Rebound-Effekt) kommen.

Welche Nebenwirkungen hat Alprazolam?

Häufig ruft Alprazolam Nebenwirkungen hervor wie:

  • Müdigkeit und Schläfrigkeit am Tag
  • Sturzgefahr (durch Schwindel und Gangstörungen, vor allem bei Älteren)

Seltene Alprazolam-Nebenwirkungen sind zum Beispiel:

  • Beeinträchtigung der Atmung (Atemdepression)
  • Leberfunktionsstörungen

Eine weitere Alprazolam-Wirkung ist die Aktivierung des Belohnungszentrums im Gehirn. Aus diesem Grund besteht ein hohes Suchtpotenzial.

Was ist bei der Einnahme von Alprazolam zu beachten?

Gegenanzeigen

Nicht angewendet werden darf Alprazolam bei:

  • krankhafter Muskelschwäche (Myasthenia gravis)
  • Störungen der Bewegungskoordination (Ataxie)
  • schwerer Ateminsuffizienz (etwa bei schwerer Lungenerkrankung)
  • akutes oder unbehandeltes Engwinkelglaukom (eine Form von Grünem Star)

Bei schweren Leber- und Nierenerkrankungen, Atemwegserkrankungen sowie nächtlichen Atemaussetzern (Schlafapnoe-Syndrom) darf Alprazolam nur mit großer Vorsicht angewendet werden.

Wechselwirkung

Die dämpfende (sedierende) Wirkung verstärkt sich bei gleichzeitiger Einnahme von weiteren dämpfenden Arzneimitteln oder Alkohol.

Alprazolam kann die Reaktionsfähigkeit im Straßenverkehr beeinträchtigen.

Manche Arzneistoffe können bei gleichzeitiger Anwendung die Alprazolam-Wirkung steigern oder verringern. Beispiele dafür sind das Antibiotikum Erythromycin, die Antidepressiva Fluoxetin, Fluvoxamin und Johanniskraut sowie die krampflösenden Mittel (Antiepileptika) Carbamazepin und Phenytoin.

Altersbeschränkung

Die Sicherheit und Effektivität von Alprazolam bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren ist schlecht untersucht. Der Wirkstoff sollte bei dieser Altersgruppe deshalb nicht angewendet werden.

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Einnahme von Alprazolam während der Schwangerschaft sollte vermieden werden, besonders im ersten Schwangerschaftsdrittel (Trimenon). Nach dem ersten Trimenon kann der Wirkstoff im Notfall kurzzeitig eingenommen werden.

Bei regelmäßiger Einnahme im letzten Trimenon oder hochdosiert während der Geburt kann es zu schweren Nebenwirkungen beim Kind kommen. Beispiele sind Atemprobleme, Anpassungsstörungen und das sogenannte Floppy-infant-Syndrom. Dabei leidet das Neugeborene unter anderem an Muskel- und Trinkschwäche, Teilnahmslosigkeit, beschleunigter Atmung und Herzrasen (Tachykardie). Entzugserscheinungen sind ebenfalls möglich.

Als Alternative zur angstlösenden Akutbehandlung bei Schwangeren bietet sich das besser untersuchte Promethazin an.

In der Stillzeit kann Alprazolam, wenn notwendig, kurzzeitig und in mäßiger Dosierung angewendet werden. Eine regelmäßige Einnahme ist zu vermeiden. Das Kind sollte in während der Anwendungszeit gut beobachtet werden.

So erhalten Sie Medikamente mit Alprazolam

Aufgrund seines Suchtpotenzials fällt Alprazolam unter das Betäubungsmittelgesetz und ist somit in Deutschland, Österreich und der Schweiz nur nach Vorlage eines speziellen Rezepts in der Apotheke erhältlich. Der Patient muss zudem sorgfältig über die Risiken der Einnahme wie Abhängigkeitsentwicklungen und Entzugssyndrome aufgeklärt werden.

Seit wann ist Alprazolam bekannt?

Bereits 1981 wurde Alprazolam in Amerika zugelassen. In Deutschland ist er seit 1984 auf dem Markt.

Alprazolam zählt zu den am häufigsten verordneten, aber auch missbräuchlich eingenommenen Benzodiazepinen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Quellen:
  • Aktories, W. et al.: Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Urban & Fischer Verlag, 11. Auflage, 2013.
  • Gründer, G. et Benkert, O.: Handbuch der Psychopharmakotherapie, Springer Verlag GmbH, Berlin-Heidelberg, 2. Auflage, 2012.
  • Karow, T. et Lang-Roth, R.: Allgemeine und Spezielle Pharmakologie und Toxikologie, Thomas Karow Verlag, 29. Auflage, 2021.
  • Leucht, S. & Förstl, H.: Kurzlehrbuch Psychiatrie und Psychotherapie, Georg Thieme Verlag, 2012.
  • Pharmakovigilanz und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité-Universitätsmedizin Berlin: Alprazolam, unter: www.embryotox.de (Abruf: 29.06.2021).
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