Fürsorge für Luisa, Entlastung für den Papa

MOKI - Mobile Kinderkrankenpflege
MOKI - Mobile Kinderkrankenpflege (Axel Beer / netdoktor)

Kinderzimmer statt Spitalsbetten: Die Mobile Kinderkrankenpflege (kurz: MOKI) ermöglicht eine liebevolle Pflege in vertrauter Umgebung. Sowohl Kinder als auch Eltern profitieren.

Luisa grinst bis über beide Ohren, als Sonja Müller sie vom Kinderzimmerbett hebt. Sie kann wieder durchatmen und genießt sichtlich die Luft, die in ihre Lunge strömt. Liebevoll streichelt Müller ihr über die Wange. "Jetzt geht’s wieder viel besser, gell, Mausi?", fragt sie die Kleine, die mit einem breiten Lachen bestätigt. Müller ist diplomierte Kinder- und Gesundheitskrankenschwester und kümmert sich bereits seit einigen Jahren mehrmals die Woche um Luisa, bis ihr Papa von der Arbeit nach Hause kommt. Ein normaler Kindergarten käme für Luisa nicht infrage. Sie ist seit ihrer Geburt schwer beeinträchtigt und braucht rund um die Uhr Pflege. Dafür ist Müller da: Sie kümmert sich um Babys und Kinder, die im familiären Setting zu Hause Unterstützung benötigen. Müllers Schützlinge befinden sich in den unterschiedlichsten Lebenssituationen: Von "pumperlg’sunden" Frühchen, bis hin zu todkranken Kindern.

Schicksalsschlag

MOKI - Mobile Kinderkrankenpflege
(Axel Beer / netdoktor)

Luisas Mama, die mit Zwillingen schwanger war, ist knapp eine Woche vor dem angesetzten Geburtstermin ganz plötzlich verstorben: Ein Aneurysma in einer Hirnarterie war gerissen. Keiner hatte es kommen sehen, am allerwenigsten Luisas Papa. Die Babys wurden so schnell wie möglich geholt, für einen der beiden Zwillinge war es wegen der fehlenden Sauerstoffversorgung jedoch zu spät. Die kleine Luisa, schon immer eine echte Kämpfernatur, überlebte knapp. Bis heute kann die mittlerweile Fünfjährige weder aufrecht sitzen noch sprechen. Essen und Trinken erhält sie über eine Magensonde. Ihre Lunge produziert aufgrund einer Entwicklungsstörung zu viel Schleim. Damit sie daran nicht erstickt, muss daher immer jemand da sein, der erkennt, wann es kritisch wird und ihr mit einem kleinen Schläuchlein über die Nase das überschüssige Sekret absaugt. Wie das geht, hat Luisas Papa im Spital gelernt, bevor er das erste Mal mit seiner Tochter nach Hause durfte. Wenn er gerade bei der Arbeit ist, übernimmt das Müller.

Intensive Pflege

Die Absaug-Prozedur ist unangenehm, Luisa zuckt dabei ein, zwei mal. Normalerweise wird der Schlauch bei Kindern in Luisas Alter über den Mund in die Luftröhre eingebracht, bei ihr ist jedoch die Gefahr noch zu groß, dass sie dabei erbricht. Sie erträgt den Vorgang tapfer, da sie weiß, dass es ihr danach besser geht. Sobald der Schlauch wieder draußen ist, strahlt sie: Das starke Rasseln in der Atmung ist weg, sie bekommt wieder gut Luft. Etwa eine halbe Stunde hat sie nun ihre Ruhe, bevor der Vorgang wiederholt werden muss – vormittags ist es noch besonders schlimm. Je später am Tag, desto besser wird es. Nachts schläft sie meistens sogar durch, sehr zur Freude des Papas. Dafür, dass auch der Papa beruhigt schlafen kann, sorgt ein Monitor, der in der Nacht Luisas Atmung überwacht.

MOKI - Mobile Kinderkrankenpflege
(Axel Beer / netdoktor)

Aller Anfang ist schwer

Viele Eltern haben anfangs Schwierigkeiten damit, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Vor allem Mütter hätten oft das Gefühl, sie müssten sich rund um die Uhr für ihre Kinder aufopfern. Dieses Denken kann jedoch dazu führen, dass sich Eltern überfordert und ausgebrannt fühlen. Der erste Schritt sei immer noch der schwierigste, meint auch Müller. "Die meisten nehmen anfangs eher weniger Wochenstunden von uns in Anspruch. Wenn sie dann merken, dass es gut funktioniert, sind sie froh über die große Entlastung. Wir bekommen da unglaublich viele positive Rückmeldungen."

So geht es auch Luisas Papa: Er ist dankbar, dass es das Angebot gibt, seine Tochter zu Hause von jemandem pflegen zu lassen, der sie mittlerweile sehr gut kennt. Dank MOKI kann er fast Vollzeit arbeiten und weiß, dass Luisa währenddessen in professionellen und vertrauten Händen ist.

Eine Frage der Persönlichkeit

Neben Luisa betreut Müller im Schnitt sieben andere Kinder. Was nach viel klingt, ist im Vergleich zur Arbeit im Spital Luxus, weiß Müller. "Ich habe jahrelang auf Kinderstationen gearbeitet, zwölf Jahre davon im Wiener AKH. So sehr man es auch möchte, man kann sich nicht in dem Ausmaß um die Kinder kümmern, wie man es gerne würde. Dafür sind es zu viele Kinder und zu wenig Zeit." In der Hausbetreuung habe man im Gegensatz dazu immer nur einen Patienten und könne sich zu einhundert Prozent auf ihn einlassen. "Ich hoffe, das bleibt noch lange so."

MOKI - Mobile Kinderkrankenpflege
(Axel Beer / netdoktor)

Die ständige, positive Rückmeldung – bei Luisa etwa ein Lachen, ein vergnügtes Quietschen – sei alle Strapazen des Jobs wert. Jeder Pflegerin oder jedem Pfleger könne sie die mobile Krankenpflege als Beruf dennoch nicht empfehlen. "Dadurch, dass man viel mehr Zeit mit seinen Patienten verbringt, baut man auch schneller eine Beziehung auf. Trotzdem muss man professionell bleiben und sich abgrenzen können. Man muss am Ende eines Dienstes nach Hause gehen können, ohne sich Sorgen zu machen."

Natürlich leide auch sie gelegentlich noch mit den Kleinen mit – trotzdem müsse man aber abschalten können. Ob man das lernen kann, weiß Müller nicht. "Ich denke, das ist auch eine Persönlichkeitsfrage."

Intensive Betreuung

Bis auf die intensive Pflege, die Luisa benötigt, ist ihr Alltag eigentlich ganz normal für ein Mädchen ihres Alters: ein bisschen spielen, ein warmes Bad nehmen, ein Bilderbuch ansehen, ein bisschen Musik hören, am liebsten die Biene Maja. Gekuschelt wird besonders viel. Wie jede Fünfjährige verlangt sie laut und deutlich Aufmerksamkeit, wenn ihr die Erwachsenen zu viel reden.

Dank tragbarer Geräte und Monitore kann sie, wenn es wieder wärmer ist, mit Müller auch wieder nach draußen. Bewegung gehört ebenso zu ihrem Tagesprogramm. Auf der grünen Yogamatte liegt Luisa am Bauch, während Müller ihre kleinen Beine bewegt. Dadurch, dass Luisa sich selbst nicht gut bewegen kann, hat sie meist einen erhöhten Tonus, dem Müller mit Übungen und Bewegungen entgegenwirkt – zusätzlich zur Physiotherapie, die sie zweimal in der Woche bekommt. Luisa blickt währenddessen fasziniert auf Nelly, die Schaukelente. An guten Tagen bringt sie sie selbst zum Wackeln, gerade ist ihr aber nicht danach. Heute lauscht sie lieber aufmerksam den lustigen Geräuschen, die ihr gelber Freund beim Hin- und Herschaukeln macht.

Mobile Kinderkrankenpflege

Die MOKI unterstützt und entlastet Familien zu Hause in ihrem vertrauten Umfeld, in dem sich auch die Kleinen am wohlsten fühlen. Zu den größten Einsatzbereichen gehören die Pflege von Frühchen, die Wundversorgung bei kürzlich operierten Kindern, die Entlastungspflege bei chronisch kranken Kindern, aber auch die Palliativpflege todkranker Kinder in den eigenen vier Wänden.

www.moki.at

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Autoren:

Redaktionelle Bearbeitung:
Nicole Kolisch

Aktualisiert am:
Quellen

Erschienen im netdoktor-Magazin (Ausgabe 1/2017)
 

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