Wie entstehen Allergien?

Allergie, Entstehung
Wie entstehen Allergien eigentlich? (Sasiistock / iStockphoto)

Wieso nimmt die Zahl der Allergiker immer weiter zu? Warum hält ihr Immunsystem harmlose Stoffe für eine Bedrohung? Und: Welche Rolle unsere Gene und die Hygiene bei der Entwicklung von Allergien spielen.

Schuld an Allergien ist eine Fehlschaltung in unserer körpereigenen Abwehr. Normalerweise schützt uns das Immunsystem vor schädlichen Fremdkörpern wie Viren, Pilzen oder Bakterien. Bei einer Allergie leitet der Körper allerdings Abwehrmaßnahmen gegen normalerweise harmlose Stoffe aus unserer Umwelt (z.B. Blütenpollen) ein. Dabei werden spezielle Abwehrstoffe (sog. Antikörper) gebildet, die wiederum mit bestimmten Strukturen in der Haut sowie in den Schleimhäuten reagieren und diese veranlassen, verschiedene Gewebshormone – allen voran Histamin – freizusetzen. Diese Hormone sind letztlich für die allergischen Reaktionen des Körpers verantwortlich und verursachen bei Allergikern je nach Form der Allergie unterschiedliche Beschwerden wie Schnupfen, Juckreiz oder Durchfall.

Wie entwickelt sich eine Allergie?

Allergien entstehen meist nicht von einem Tag auf den anderen. Vom Zeitpunkt der ersten Symptome bis hin zur Diagnose dauert es oft einige Jahre: Beim ersten Kontakt mit dem Allergen wird das Immunsystem aktiviert, danach wiederholt es die entsprechenden immunologischen Reaktionen bei jedem weiteren Allergenkontakt. Das bedeutet: Hat das Immunsystem einmal allergisch reagiert, behält es die Erinnerung daran. Somit kommt es bei erneutem Kontakt mit dem betreffenden Stoff sehr schnell – meist innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde – zur allergischen Reaktion.

+++ Mehr zum Thema: Das Immunsystem: unsere körpereigene Polizei +++

Werden Allergien vererbt?

Rund um den Globus versuchen Forscher zu entschlüsseln, warum das Immunsystem mancher Menschen Birkenpollen bekämpft, als seien sie gefährliche Viren. Hinsichtlich der genauen Entstehung von Allergien ist vieles offen. Sicher ist allerdings, dass die genetische Veranlagung einen wesentlichen Faktor darstellt. Die Neigung, eine Überempfindlichkeit zu entwickeln, liegt bei Personen, bei denen beide Elternteile Allergiker sind, zwischen 40 und 60 Prozent.

Immunsystem trainieren

Eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Allergien nehmen neben genetischen Aspekten übertriebene Hygienemaßnahmen ein. Der Kontakt mit Allergenen, Viren und Bakterien ist wichtig, da er das kindliche Immunsystem trainiert. Das bedeutet aber nicht, dass man Kinder nicht impfen sollte, damit sie Kinderkrankheiten durchmachen müssen – das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Welche Allergien kommen häufig vor?

Wie wird die Diagnose gestellt?

Die Allergieaustestung sollte prinzipiell von einem Spezialisten durchgeführt werden. Eine Allergie kann nur dann diagnostiziert werden, wenn auch eine entsprechende Krankengeschichte vorliegt. Anhand der Beschwerden kann der Arzt in den meisten Fällen schon einen ersten Verdacht aussprechen und weiterführende Untersuchungen, wie Hauttests, Bluttests oder einen Provokationstest, einleiten.

+++ Mehr zum Thema: Allergietest +++

Warum gibt es immer mehr Allergiker?

Jeder vierte Österreicher ist Allergiker – Tendenz steigend. Die Gründe dafür liegen – neben der zunehmend keimfreien Umgebung – in verbesserten Diagnosemethoden im Vergleich zu früher. Vieles, was einst als Schnupfen abgetan wurde, wird heute oftmals als Allergie erkannt. Aber auch Umweltverschmutzung (z.B. Dieselabgase), Klimaerwärmung (früherer Blühbeginn) und das vermehrte Auftreten neuer Allergene (z.B. Ragweed) könnten zu einer Zunahme der Allergiehäufigkeit beitragen. Mithilfe verfeinerter Testverfahren könnten Allergologen künftig das Risiko abschätzen, wie schwer jemand auf eine Substanz reagieren wird.

Wie werden Allergien behandelt?

Die einfachste Form der Behandlung besteht in der Meidung des Allergieauslösers (z.B. durch entsprechende Ernährung bei Nahrungsmittelallergie). Meist ist aber eine Behandlung mit Medikamenten wie Antihistaminika, Kortison oder Antiallergika sinnvoll. Auch eine Impfkur (Hyposensibilisierung) ist bei bestimmten Allergieformen vielversprechend. Das Prinzip: Der Körper wird über einen längeren Zeitraum langsam an den Allergieauslöser gewöhnt, sodass das Immunsystem diesen letztlich nicht mehr als Eindringling erkennt und toleriert.

+++ Mehr zum Thema: Behandlung der Allergie +++

Impfung und Bakterien

Bakterien könnten der Schlüssel zur Entwicklung einer Impfung gegen Allergien sein. Die Theorie dahinter: Der Mensch ist gewissen Bestandteilen der Mikroben zu wenig ausgesetzt – mit Folgen für das Immunsystem. Ein aus Bakterienkomponenten hergestellter Impfstoff könnte die Entstehung von Allergien verhindern. Bis es soweit ist, werden laut Experten aber noch mindestens zehn Jahre vergehen.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Christian Müller
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Julia Wild

Aktualisiert am:

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