Thyreoglobulin

Von , Student der Humanmedizin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Lukas von Kunhardt

Lukas v. Kunhardt studiert Humanmedizin an der LMU München. Seit 2022 ist er Teil der NetDoktor-Redaktion und verfasst dort unter anderem medizinische Fachtexte. Er interessiert sich sehr für die Belange von Patienten und möchte ihnen durch seine Artikel den Zugang zur Medizin erleichtern.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Das Thyreoglobulin ist ein Eiweiss der Schilddrüse. Als Laborwert dient es vor allem der Verlaufskontrolle bei Schilddrüsenkrebs. Lesen Sie hier, welche Aufgabe das Thyreoglobulin im Körper hat, welche Messwerte als normal gelten und was veränderte Thyreoglobulin-Werte bedeuten können!

Was ist Thyreoglobulin?

Thyreoglobulin ist ein Eiweiss, das in der Schilddrüse gebildet wird. Es bindet die Schilddrüsenhormone T3 und T4 und speichert sie.

Im Bedarfsfall spalten sich die Hormone wieder vom Thyreoglobulin ab und können dann ihre Aufgaben erfüllen. Sie sind an der Regulierung vieler wichtiger Körperfunktion beteiligt. Unter anderem beeinflussen die Schilddrüsenhormone das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel.

Wann misst man Thyreoglobulin?

Mediziner nutzen Thyreoglobulin in erster Linie als Tumormarker im Rahmen der Schilddrüsenkrebs-Nachsorge: Lässt sich nach operativer Entfernung der Schilddrüse weiterhin oder erneut Thyreoglobulin im Blut finden, ist noch oder wieder (entartetes) Schilddrüsengewebe vorhanden.

Die zweite Fragestellung, bei der dieser Blutwert eine Rolle spielt, ist der Verdacht auf Athyreose bei Neugeborenen. Mediziner verstehen darunter das angeborene, komplette Fehlen der Schilddrüse.

Was sind die Normwerte für Thyreoglobulin?

Bei gesunden Menschen ist nur wenig Thyreoglobulin im Blut zu finden. Wie viel als normal gilt, hängt von der verwendeten Messmethode im Labor ab.

Oft gibt man bei gesunden Erwachsenen einen Normbereich von drei bis 40 Nanogramm pro Milliliter (ng/ml) Blut an. Dies gilt für Menschen mit einer Schilddrüse.

Nach einer Entfernung von Schilddrüsengewebe ist normalerweise weniger oder gar kein Thyreoglobulin mehr nachweisbar - je nachdem, ob nur ein Teil oder die gesamte Schilddrüse entfernt wurde. Die noch vorhandene Produktion an Thyreoglobulin sollte proportional zum Umfang des verbliebenen Schilddrüsengewebes sein.

Stimulation mit rhTSH

Um möglichst aussagekräftige Werte zu erhalten, misst man Thyreoglobulin häufig nach einer Stimulierung mit rhTSH (rekombinantes humanes Thyrotropin). rhTSH regt die Produktion von Thyreoglobulin an, falls noch Schilddrüsengewebe vorhanden ist. Der Test ist somit sensibler als ohne Stimulierung.

Wann ist Thyreoglobulin erhöht?

Thyreoglobulin ist besonders dann erhöht, wenn Schilddrüsengewebe zunimmt (wächst) oder entzündet ist. Daher ist der Laborwert vor allem bei Schilddrüsenkrebs erhöht (besonders beim papillären und follikulären Schilddrüsenkarzinom).

Aber auch bei manchen gutartigen Erkrankungen der Schilddrüse kann der Thyreoglobulin-Wert im Blut erhöht sein.

Da verschiedene Krankheiten erhöhte Thyreoglobulin-Spiegel verursachen können, stellen Mediziner allein anhand dieses Messwertes keine Diagnose.

Erhöhte Werte bei Schilddrüsenkrebs

Nachdem bei Schilddrüsenkrebs-Patienten die komplette Schilddrüse mit dem Tumor operativ entfernt wurde (Thyreoidektomie), dient die Thyreoglobulin-Bestimmung der Kontrolle des Therapieerfolgs:

Nach der OP sollte die Thyreoglobulin-Produktion dauerhaft ausgeschaltet sein. Findet der Arzt trotzdem noch Thyreoglobulin im Blut des Patienten, sind womöglich noch Reste des bösartigen Schilddrüsentumors vorhanden. Steigen die Messwerte erst einige Zeit nach der operativen Entfernung der Schilddrüse wieder an, deutet dies auf einen Rückfall hin.

Verfälschte Werte durch Thyreoglobulin-Antikörper

Zu beachten ist, dass manche Schilddrüsenkrebs-Patienten Antikörper gegen Thyreoglobulin (TG-Antikörper, Tg-AK) bilden. Diese eliminieren das Thyreoglobulin im Blut. In solchen Fällen findet man also auch dann kein Thyreoglobulin im Blut, wenn nach der Operation noch Krebsgewebe vorhanden ist. Deshalb untersucht der Arzt das Blut zusätzlich auf TG-Antikörper.

Erhöhte Werte bei gutartigen Erkrankungen

Der Blutspiegel von Thyreoglobulin kann beispielsweise bei einem der Kropf (Struma) und bei Morbus Basedow (Basedow-Krankheit) erhöht sein. Das Gleiche gilt bei einem autonomen Schilddrüsenadenom. Das ist ein Schilddrüsenknoten, der losgelöst vom körpereigenen Regelmechanismus Schilddrüsenhormone produziert und so eine Schilddrüsenüberfunktion verursacht.

Wann ist Thyreoglobulin zu niedrig?

Erniedrigte Thyreoglobulin-Konzentrationen finden sich zum Beispiel bei Menschen, die eine Schilddrüsenhormontherapie erhalten. Die Produktion von Schilddrüsenhormonen und Thyreoglobulin ist an Feedback-Mechanismen gekoppelt. Durch medikamentös zugeführte Schilddrüsenhormone ist die körpereigene Produktion unterdrückt.

Auch bei angeborenem Fehlen der Schilddrüse (konnatale Athyreose) ist der Thyreoglobulin-Wert gleich Null. Unter Athyreose versteht man das angeborene komplette Fehlen der Schilddrüse.

Lässt sich bei Neugeborenen kein Thyreoglobulin im Blut nachweisen, deutet dies auf eine Athyreose hin.

Was tun bei veränderten Thyreoglobulin-Werten?

Thyreoglobulin ist kein sehr spezifischer Laborwert und weicht bei vielen Erkrankungen der Schilddrüse von den Normwerten ab. Bei veränderten Werten sollten Sie mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin über die mögliche Ursache und das weitere Vorgehen sprechen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Karlheinz Zeilberger
Autoren:
Lukas v. Kunhardt
Lukas von Kunhardt

Lukas v. Kunhardt studiert Humanmedizin an der LMU München. Seit 2022 ist er Teil der NetDoktor-Redaktion und verfasst dort unter anderem medizinische Fachtexte. Er interessiert sich sehr für die Belange von Patienten und möchte ihnen durch seine Artikel den Zugang zur Medizin erleichtern.

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Quellen:
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  • Braun, J. et Dormann, A.: Klinikleitfaden Innere Medizin, Urban & Fischer Verlag / Elsevier GmbH, 15. Auflage, 2022
  • Durante, C. et al.: The Diagnosis and Management of Thyroid Nodules: A Review, in: JAMA 2018; 319(9): 914–924. DOI:10.1001/jama.2018.0898
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  • Latrofa, F. et al.: Effect of Thyroglobulin Autoantibodies on the Metabolic Clearance of Serum Thyroglobulin, in: Thyroid: official journal of the American Thyroid Association 2018; 28(3): 288–294. DOI:10.1089/thy.2017.0052
  • Ralli, M. et al.: Hashimoto's thyroiditis: An update on pathogenic mechanisms, diagnostic protocols, therapeutic strategies, and potential malignant transformation, in: Autoimmunity reviews 2020; 19(10): 102649. DOI:10.1016/j.autrev.2020.102649
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