Erythrozytenindizes: MCH, MCHC, MCV und RDW

Erythrozyten, rote Blutkörperchen
Funktionsüberprüfung der roten Blutkörperchen: Routine, aber wichtig. (luchschen )

Diese zunächst verwirrenden Abkürzungen stellen Laborwerte dar, die der Funktionsüberprüfung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten) dienen.

Die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) sind für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Sie werden im Knochenmark produziert und leben etwa 120 Tage, bevor sie unter anderem in der Milz abgebaut werden. Aufgrund der zentralen Funktion der Erythrozyten beim Sauerstofftransport werden diese Werte routinemäßig bestimmt.

Zu einem roten Blutbild gehören weiters:

  • die Zahl der Erythrozyten pro µl (ein Mikroliter ist ein Millionstel Liter; zum Vergleich: ein Tropfen Blut enthält etwa 50 µl),
  • der Hämatokrit (der Anteil der roten Blutkörperchen am gesamten Blutvolumen; wird meist in % angegeben) und
  • der Hämoglobingehalt (die Menge an rotem Blutfarbstoff; meist in Gramm pro Deziliter angegeben).
Überprüfung von Eigenschaften der roten Blutkörperchen und des Blutfarbstoffs im Labor
MCV engl.: mean corpuscular volume beschreibt das mittlere Volumen des Einzel-Erythrozyten, ist daher ein Maß für die Größe der Erythrozyten. Ist das MCV erhöht, spricht man von Makrozytose, ist es erniedrigt, spricht man von Mikrozytose.
MCH engl.: mean corpuscular haemoglobin repräsentiert den mittleren Hämoglobingehalt, also den Gehalt an rotem Blutfarbstoff des Einzel-Erythrozyten. Ist das MCH erhöht, spricht man von hyperchromen Erythrozyten, ist es vermindert, handelt es sich um hypochrome Erythrozyten.
MCHC engl.: mean corpuscular haemoglobin concentration ist als mittlerer zellulärer Hämoglobingehalt definiert
RDW engl.: red cell distribution width zeigt die Verteilungshäufigkeit der Erythrozytenvolumina. Ist die RDW höher als normal, ist das ein Anzeichen dafür, dass es viele unterschiedlich große Erythrozyten im Blut gibt.

In welchen Fällen werden MCH-, MCHC-, MCV- und RDW-Werte bestimmt?

Die Werte werden routinemäßig bei der Untersuchung der roten Blutkörperchen berechnet und dienen zur Feststellung verschiedener Blutbildungsstörungen.

Woraus werden MCH-, MCHC-, MCV- und RDW-Werte bestimmt?

Die Bestimmung wird aus dem (EDTA-)Blut vorgenommen. Für die Berechnung dieser Werte werden das Gesamtvolumen, die Hämoglobinkonzentration, der Hämatokrit und die Anzahl der roten Blutkörperchen herangezogen.

Referenz- / Normalwerte
    Einheit
Erwachsene MCH 28 - 33 pg/Zelle
Erwachsene MCHC 33 - 36 g/dl
Erwachsene MCV 80 - 96 fl
Erwachsene RDW 15,8 % ± 2,9 %

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Bedeutung der Erythrozytenindizes

Die Bedeutung der Erythrozytenindizes besteht vor allem in der Abklärung von Anämien. Sonst sind sie eher von untergeordneter Bedeutung.

MCV und MCH

Beide Werte sind in der Regel parallel erhöht, was einer bestimmten Logik folgt: Steigt das Erythrozytenvolumen, können diese mehr Hämoglobin transportieren. Umgekehrt enthalten kleine Erythrozyten weniger Hämoglobin.

MCV erhöht und MCH erhöht

Die häufigsten Ursachen sind:

MCV vermindert und MCH vermindert

Die häufigsten Ursachen sind:

MCHC

Das MCHC beschreibt, wie konzentriert das Hämoglobin im roten Blutkörperchen ist ("wie rot es ist"). MCHC ist eine sehr stabile Größe, nur bei wenigen Erkrankungen ist es verändert. Niedrige Werte werden besonders bei schwerer Eisenmangelanämie, erhöhte Werte bei der erblichen Kugelzellanämie (hereditäre Sphärozytose) festgestellt.

Da das MCHC bei den meisten Erkrankungen nicht verändert ist, wird es im Laborbereich gewissermaßen als Kontrolle des Hämatologiegeräts verwendet: Ist das MCHC zu hoch oder zu niedrig, ist ein Fehler bei der Bestimmung wahrscheinlicher als das Vorliegen einer der genannten Erkrankungen.

RDW

Das RDW beschreibt, ob die roten Blutkörperchen gleichmäßig groß sind (normales RDW) oder sich in der Größe stark unterscheiden (hohes RDW).

Erhöhte Werte finden sich bei Eisenmangelanämien, während sie bei Thalassämien meist normal sind. Wenn sowohl das MCHC als auch das RDW erhöht sind, sollte auch an eine erbliche Kugelzellanämie (hereditäre Sphärozytose) gedacht werden.

Im Allgemeinen wird RDW im klinischen Alltag aber kein wirklich großer Stellenwert beigemessen, da die anderen Erythrozytenindizes meist aussagekräftiger sind.

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Autoren:

Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Georg Endler
Redaktionelle Bearbeitung:
Oliver Maric, Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Markus Vieten: Laborwerte verstehen leicht gemacht. Trias, Stuttgart 2009.
 

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