Eisen (Ferrum, Fe, Fe2+, Fe3+)

Eisenwerte
Insgesamt verfügt der Mensch im Durchschnitt über 4 Gramm Eisen. (PeopleImages / iStockphoto)

Natürlicherweise kommt Eisen in zwei geladenen Formen vor, von denen der Organismus nur eine verwerten kann. Insgesamt verfügt der Mensch im Durchschnitt über 4 Gramm Eisen. Eisen gehört zu den Spurenelementen. Darunter versteht man Stoffe, die der Körper zwar nur in niedriger Konzentration, dafür aber dringend für entscheidende Funktionen benötigt. Die täglich benötigte Menge von rund 0,5 Milligramm Eisen nimmt der Mensch in der Regel mit der Nahrung auf.

Was ist Eisen?

Im menschlichen Körper kommt Eisen vor allem als Baustein des für den Sauerstofftransport zuständigen Hämoglobins vor. Zudem ist es Bestandteil des Muskeleiweißes Myoglobin, von Enzymen und anderen Proteinen. Es wird vor allem in Leber, Milz und Knochenmark gespeichert.

Blutungen, verschiedene Stoffwechselstörungen oder einseitige Ernährung können zu einem Eisenmangel führen. Da alle Körpergewebe auf den lebensnotwendigen Sauerstoff angewiesen sind und dieser nur mithilfe des Eisens gebunden und transportiert werden kann, kann ein Mangel zu einer Störung in einer Reihe von Organsystemen führen.

Chronischer Eisenmangel ist relativ häufig: Etwa 20% der Bevölkerung haben einen Eisenmangel. Bei Frauen tritt er etwas häufiger auf als bei Männern. Symptome eines Eisenmangels können Blässe der Haut und Schleimhäute oder allgemeine Leistungsschwäche sein, aber auch Müdigkeit, Kopfschmerzen, Haarausfall, erhöhte Infektanfälligkeit sowie brüchige Nägel.

Im Labor wird je nach Vorkommen des Eisens zwischen Serum- und Speichereiweiß unterschieden, dem Transferrin und dem Ferritin. Der spezielle Eiweißstoff Transferrin ist für den Transport des Eisens im Blut bis ins Gewebe zuständig. Im Gewebe wird das Eisen schließlich als Ferritin gespeichert. Zur Beurteilung des Eisenhaushalts ist es wichtig, die Konzentration beider Eisenstoffe zu kennen.

Bei Eisenmangel wird entsprechend mehr Transferrin gebildet, um auch die letzten Eisenreserven zu mobilisieren. Zur Untersuchung des Eisenmangels kann sowohl die Transferrin-Konzentration im Blut als auch die Beladung des Transferrins mit Eisen bestimmt werden. Andererseits stimmt die im Blut nachweisbare Menge an Ferritin in etwa mit den Eisenvorräten des Körpers überein. Ist die Menge an Ferritin im Blut niedriger als üblich, gilt dies als Zeichen für einen Eisenmangel.

In welchen Fällen wird Eisen bestimmt?

Wenn typische Symptome des Eisenmangels – wie Anämie (Blutarmut), Haarausfall, Infektanfälligkeit, Müdigkeit, körperliche Schwäche und kleine Einrisse an den Lippen oder Brennen auf der Zunge – auftreten, sollte eine Untersuchung vorgenommen werden. Diese Symptome, die häufig verkannt werden, sollten auf jeden Fall ernst genommen werden.
 

Neben einem Blutbild werden folgende Marker bei Verdacht auf Eisenmangel bestimmt:

Ferritin (Speichereisen)

Vor allem in der Leber, aber auch im Knochenmark wird Eisen in Form von Ferritin gespeichert. Ein Teil des Ferritins wird auch ins Blut abgegeben und ist daher der zuverlässigste Marker für einen Eisenmangel. Allerdings kann Ferritin bei Entzündungen ansteigen.

Welche Referenzwerte finden sich typischerweise bei Erwachsenen?

  • Frauen: 15–150 ng/ml
  • Männer: 30–400 ng/ml

Werte unter 15 ng/ml belegen einen Eisenmangel. Erhöhte Werte finden sich bei Entzündungen und Leberschädigungen, selten bei Eisenüberladung.

Transferrin

Transferrin transportiert das freie Eisen im Blut zu den Zellen, die es speichern oder dringend benötigen. Bei Eisenmangel ist Transferrin erhöht, bei Entzündungen oder schweren Erkrankungen vermindert.

Welche Referenzwerte finden sich typischerweise bei Erwachsenen?

  • 200–360 mg/dl

Serum-Eisen

Nur ein ganz geringer Teil des Körpereisens wird im Blut an Transferrin gebunden transportiert und ist direkt nachweisbar. Daher sind die Eisenspiegel selbst kein zuverlässiger Marker, um einen Eisenmangel zu diagnostizieren. Außerdem kann der Eisenspiegel je nach Tageszeit und Verfassung um bis zu 50% schwanken. Bei Entzündungen und chronischen Erkrankungen ist das Serum-Eisen oft vermindert.

Welche Referenzwerte finden sich typischerweise bei Erwachsenen?

  • Frauen: 37–170 µg/dl
  • Männer: 49–181 µg/dl

Verminderte Eisenwerte finden sich bei Eisenmangel, aber auch bei Entzündungen und schweren Erkrankungen.

+++ Mehr zum Thema: Was sind Normalwerte, was ist der Referenzbereich? +++

Ein schwerer Eisenmangel äußert sich im Auftreten einer Blutarmut (Anämie). Weitere Mangelsymptome sind Müdigkeit, Kopfschmerzen, verminderte Leistungsfähigkeit sowie Wachstumsstörungen der Haut und der Hautanhangsgebilde (Nägel, Haare).

Wer sollte sich vor allem auf Eisenmangel testen lassen?

Personen mit Blutarmut (Anämie), Haarausfall, chronischer Müdigkeit, Schwäche, bei chronischen Darmerkrankungen sowie Frauen, die unter starken Regelblutungen leiden, aber auch bei Kinderwunsch.

Vor allem Personen, die wenig oder kein Fleisch zu sich nehmen (z.B. Vegetarier), sollten unbedingt auf die ersten Anzeichen eines Eisenmangels achten, da pflanzliches Eisen oft schlechter aufgenommen wird als tierisches (https://www.netdoktor.at/gesundheit/gesunde-ernaehrung/vegetarische-vegane-ernaehrung-5931).

Empfohlene tägliche Zufuhr von Eisen

(Quelle: D-A-CH Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, 2012)

Säuglinge
  • 0 bis unter 4 Monate: 0,5 mg Eisen/Tag
  • 4 bis unter 12 Monate: 8 mg Eisen/Tag
Kinder und Jugendliche
  • 1 bis unter 7 Jahre: 8 mg Eisen/Tag
  • 7 bis unter 10 Jahre: 10 mg Eisen/Tag
  • 10 bis unter 19 Jahre & männlich: 12 mg Eisen/Tag
  • 10 bis unter 19 Jahre & weiblich: 15 mg Eisen/Tag
Erwachsene
  • 19 bis unter 51 Jahre & männlich: 10 mg Eisen/Tag
  • 19 bis unter 51 Jahre & weiblich: 15 mg Eisen/Tag
  • ab 51 Jahren: 10 mg Eisen/Tag
  • Schwangere: 30 mg Eisen/Tag
  • Stillende: 20 mg Eisen/Tag

Die Eisenaufnahme erfolgt hauptsächlich durch den Verzehr von Fleischgerichten. Doch auch in Gemüse, Hülsenfrüchten, Samen, Kernen und Vollkornprodukten ist Eisen enthalten.

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Univ. Prof. Dr. Georg Endler
Redaktionelle Bearbeitung:
Marita Vollborn, Mag. Julia Wild

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Markus Vieten: Laborwerte verstehen leicht gemacht. Trias, Stuttgart 2009.

Walter G. Guder & Jürgen Nolte: Das Laborbuch für Klinik und Praxis. Urban & Fischer, München 2009.

D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, (1. Auflage, 4., korrigierter Nachdruck 2012)

Souci Fachmann Kraut: Die Zusammensetzung der Lebensmittel - Nährwerttabellen, 2000

Ferritin