Blutzucker

Blutzucker messen
Blutzuckermessung anhand eines Bluttropfens am Finger: Bei Zuckerkranken (Diabetes) ist der Blutzucker durch Insulinmangel zeitweise zu hoch oder bei zu viel Insulin zu niedrig. (04-20-11 © pencap / iStockphoto)

Der Blutzuckerwert gibt den Zuckergehalt des Blutes an, genauer gesagt die Konzentration an gelöstem Traubenzucker (Glukose) im Blut. Der Blutzuckerwert wird in Österreich in Milligramm pro Deziliter (mg/dl) angegeben und beträgt nüchtern etwa 70-100 mg/dl. Normalerweise verändert sich der Blutzuckerwert im Laufe des Tages nur wenig. Nach dem Essen steigt er an, am Morgen nach dem Aufstehen ist er am niedrigsten.

Kurzfassung:

  • Der Blutzuckerwert gibt den Zuckergehalt des Blutes an.
  • Der Blutzuckerwert wird aus Kapillarblut bestimmt.
  • Blutzuckerwerte werden in den Einheiten mg/dl (Milligramm pro Deziliter) oder mmol/l (Millimol pro Liter) angegeben.

 


Welche Aufgabe hat Blutzucker im Körper?

Durch den Blutzucker wird die Energieversorgung der Zellen sichergestellt. Er gelangt unter Einwirkung von Insulin aus der Blutbahn in die Fett- und Muskelzellen, die daraus durch eine Kette von chemischen Reaktionen Energie gewinnen können. Ohne Insulin kann Blutzucker nicht richtig in die Zellen eindringen und verbleibt deshalb im Blut.

Bei Zuckerkranken ist der Blutzucker durch Insulinmangel zeitweise zu hoch, während gleichzeitig in den Zellen die Glukose dringend gebraucht wird. Dieser Zustand wird als Hyperglykämie oder Überzucker bezeichnet.

Umgekehrt kann es durch zu hohe Insulinspiegel im Rahmen eine Diabetesbehandlung zum Unterzucker oder zur Hypoglykämie kommen. Ein auf nahezu  normale Blutzuckerwerte eingestellter Diabetes verringert das Risiko von weiteren Erkrankungen (diabetische Komplikationen) wie Nerven-, Augen- und Nierenleiden sowie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Wann wird der Blutzuckerwert bestimmt?

Der Blutzuckerwert wird bestimmt bei Verdacht auf:

sowie

  • zur Kontrolle des Blutzuckerspiegels bei bekanntem Diabetes
  • bei Fehl- und Mangelernährungszuständen
  • bei Neugeborenen
  • bei bekannten Stoffwechselstörungen des Kohlenhydrathaushalts, beispielsweise durch einen bestimmten Enzymmangel

Blutzuckertagesprofil

Bei einem so genannten Blutzuckertagesprofil wird der Blutzucker drei- bis sechsmal täglich bestimmt. Auf diese Weise kann die Reaktion des Blutzuckerspiegels auf die Nahrungszufuhr und gegebenen Falls Medikamente bzw. eine Insulintherapie gemessen werden.

Bei einem oralen Glukose-Toleranz-Test (OGTT) trinkt man eine definierte Menge an Glukose, anschließend wird der Blutzucker nach einer bzw. zwei Stunden mittels venöser Blutabnahme bestimmt. . Der OGTT ist Teil der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen in der Schwangerschaft.

Wie wird der Blutzuckerwert gemessen?

Der Blutzuckerwert wird aus Kapillarblut bestimmt. Dazu benutzt man üblicherweise ein Blutzuckermessgerät-Set, das aus einem Messgerät, einem Teststreifen und einer Stechhilfe mit wechselbaren Lanzetten (kleine, zweischneidige Stechinstrumente) besteht.

Das Kapillarblut kann mittels Stechhilfe durch einen Stich in den Finger– bei Babys in die Ferse – gewonnen werden. Ein Teststreifen wird in das Blutzuckermessgerät geschoben und mit dem Kapillarblut in Kontakt gebracht. Nach ca. 5-30 Sekunden zeigt das Gerät den Blutzuckerwert an.

Im Krankenhaus kann aus einer ohnehin entnommenen Blutprobe im Labor gleich der Blutzuckerwert mitbestimmt werden.

Welche Referenz-/Normalwerte gelten bei Erwachsenen?

Als Maßeinheit wird meist die Einheit mg/dl (Milligramm pro Deziliter) oder mmol/l (Millimol pro Liter) verwendet. Die Blutzuckerwerte werden aus dem venösen Plasma bestimmt.

 

Normalwert

Frühdiabetes

Diabetes

Nüchternblutzucker

70-99 mg/dl (3,9-5,5 mmol/l)

100-125 mg/dl (5,6-6,9 mmol/l)

≥ 126 mg/dl (7 mmol/l)

HbA1c

bis 5,6 %

5,7-6,5 %

≥ 6,5 %

Blutzucker 2 Std. nach dem Essen

bis 139 mg/dl (7,7 mmol/l)

140-199 mg/dl (7,8-11 mmol/l)

≥ 200 mg/dl (11,1 mmol/l)

Welche Referenz-/Normalwerte gelten bei Kindern?

 

Normalwert

Nüchternblutzucker

65-99 mg/dl (3,6-5,5 mmol/l)

HbA1c

bis 6,05 %

Blutzucker 2 Std. nach dem Essen

80-126 mg/dl (4,5-7 mmol/l)

Wichtig: Die Werte können je nach Literaturquelle und Untersuchungssubstanz wie venöses Plasma, venöses Blut oder kapillares Blut unterschiedlich sein.
 

++ Mehr zum Thema: Normalwerte & Referenzbereich ++

Wann ist der Blutzuckerwert zu niedrig?

Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Blutzuckerwert zu niedrig sein, z.B. durch:

  • Überdosierung des Insulins während der Diabetes-Therapie 
  • Überproduktion von Insulin bei Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse
  • Störungen des Hormonhaushalts durch Unterfunktion der Hypophyse oder der Schilddrüse
  • Morbus Addison
  • nach übermäßiger körperlicher Arbeit ohne ausreichende Nahrungszufuhr
  • Mangelernährung, zum Beispiel bei Alkoholabhängigkeit oder nach übermäßigem Fasten
  • Funktionsstörungen der Leber, zum Beispiel bei Leberzirrhose und Hepatitis
  • Alkoholgenuss auf nüchternen Magen

Bei einer Unterzuckerung (Hypoglykämie, Blutzuckerwert < 70 bzw. 65 mg/dl), also einer zu niedrigen Zuckerkonzentration im Blut, können folgende Symptome auftreten:

Wann ist der Blutzuckerwert zu hoch?

In bestimmten Fällen kann der Blutzucker zu hoch sein, z.B. durch:

Bei einer Überzuckerung (Hyperglykämie), also einer zu hohen Zuckerkonzentration im Blut, können folgende Symptome auftreten:

  • häufiges Wasserlassen
  • starkes Durstgefühl
  • unwillkürlicher Gewichtsverlust
  • Müdigkeit
  • Antriebsschwäche
  • Übelkeit
  • Vermehrte Infektionen (Pilzinfektionen an den Genitalien)

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Autoren:
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Medizinisches Review:
Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik
Redaktionelle Bearbeitung:
Mag. Astrid Leitner

Stand der medizinischen Information:
Quellen

Österreichische Diabetes Gesellschaft: Diabetes mellitus – Leitlinien für die Praxis 2016, https://www.oedg.at/pdf/OEDG_Pocket_Guide_Diabetes_2016.pdf (letzter Zugriff: 22.07.2019)

Definition and Diagnosis of Diabetes Mellitus and Intermediate Hyperglycemia. In: World Health Organization. who.int. S. 36. 2006. Abgerufen am 20. Februar 2011. https://www.who.int/diabetes/publications/Definition%20and%20diagnosis%20of%20diabetes_new.pdf (letzter Zugriff: 22.07.2019)

W. Kerner, J. Brückel: Definition, Klassifikation und Diagnostik des Diabetes mellitus DDG. 1. Oktober 2012

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