Antikörper (Immunglobuline, Gammaglobulin, Ig, AK)

Antikörper im Blut
(mashuk / iStockphoto)

Antikörper, auch bekannt als Immunglobuline, sind vom Immunsystem gebildete Eiweißmoleküle zur Bekämpfung von Krankheitserregern und anderen Fremdstoffen. Es gibt verschiedene Arten von Antikörpern, die in unterschiedlichen Regionen des Körpers zu finden sind und dort spezielle Aufgaben erfüllen.

Welche Funktion haben Antikörper?

Sobald der Körper mit Oberflächenstrukturen (sogenannten Antigenen) eines Fremdstoffes in Berührung kommt, werden die Antikörper produziert und freigesetzt. Sie verbinden sich dann an ihrem einen Ende mit dem zu bekämpfenden Fremdkörper.

Am anderen Ende docken sie an körpereigene Zellen an, die dadurch die Fremdkörper unschädlich machen und den Organismus so vor Infektionen schützen. Fremdstoffe, die zur Antikörperbildung führen, sind meistens Bakterien, Viren, Pilze oder Parasiten und von ihnen produzierte Stoffe.

Antikörper in der Medizin

Die Wirkung der Antikörper hat man sich in der Medizin zu Nutze gemacht. Krankheiten können so diagnostiziert und therapiert werden. Außerdem dienen Antikörper in Form von Impfungen der Vorbeugung bestimmter Krankheiten.

++ Mehr zum Thema: Antikörper und ihr medizinischer Nutzen ++

Wo werden Antikörper gebildet?

Antikörper kommen im Blut und in anderen Körperflüssigkeiten vor. Sie werden von den B-Lymphozyten (weiße Blutkörperchen) gebildet. Alle Antikörper haben im Grunde denselben „Bauplan“, der allerdings immer ein klein wenig vom Bauplan des anderen abweicht, sodass 100 Millionen verschiedene Kombinationen möglich sind.

Das ist wichtig, denn jeder Antikörper passt zu einem bestimmten Antigen wie ein Schlüssel in ein Schloss. Nur wenn beide ineinanderpassen, kann die Maschinerie des Immunsystems in Gang kommen und eine Infektion verhindert werden.

Welche Arten von Antikörpern gibt es?

Abhängig von ihrer Struktur, werden Antikörper in fünf Klassen eingeteilt. Je nach Klassenzugehörigkeit kommen sie an einem bestimmten Ort des Körpers vor, wo sie festgelegte Funktionen erfüllen. Folgende Antikörperklassen unterscheidet man:

  • Immunglobulin M (IgM)
  • Immunglobulin G (IgG)
  • Immunglobulin E (IgE)
  • Immunglobulin A (IgA)
  • Immunglobulin D (IgD)

IgM (Immunglobulin M)

Bei der Erstinfektion mit einem Erreger wird sofort IgM gebildet. Es ist somit das Zeichen einer frischen Infektion. Besonders wirksam ist diese Antikörper-Klasse bei Infektionen durch Viren und tropische Parasiten (zum Beispiel Malaria). IgM unterscheidet außerdem im Falle einer Bluttransfusion zwischen Blut von verträglichen und unverträglichen Blutgruppen.

Ein weiteres individuelles Blutmerkmal ist der Rhesusfaktor, auf den besonders im Falle einer Schwangerschaft routinemäßig geachtet wird. Ig M entscheidet auch hier über die Verträglichkeit des Rhesusfaktors.

IgG (Immunglobulin G)

IgG ist der Antikörper, der mengenmäßig am häufigsten im Blut vorkommt. Immunglobuline der Klasse G befinden sich überwiegend im Plasma und bestehen aus mehreren Untertypen. Man findet IgG bei chronischen Infektionen oder wenn solche bereits durchgemacht wurden.

Er wird erst etwa drei Wochen nach Infektionsbeginn gebildet – das ist die Entwicklung des sogenannten „immunologischen Gedächtnisses“. Kommt der Körper dann ein weiteres Mal mit dem gleichen Erreger in Kontakt, werden von B-Lymphozyten sofort wieder die passenden Antikörper gebildet, die vor einer Infektion schützen. Dieses immunologische Gedächtnis ist auch dafür verantwortlich, dass man Kinderkrankheiten wie Masern nur einmal im Leben bekommt.

IgG als Infektionsschutz für Neugeborene

IgG tritt als einziges Immunglobulin von der mütterlichen Blutbahn in den Blutkreislauf des ungeborenen Kindes und gewährt so einen wichtigen Infektionsschutz für das Neugeborene. Dieses besitzt noch kein eigenständiges, voll funktionstüchtiges Immunsystem. Sogar nach der Geburt schützt mütterliches IgG das Baby, bis dessen eigene Antikörperproduktion anläuft.

++ Mehr zum Thema: Spezifische Abwehr ++

IgE (Immunglobulin E)

IgE ist im Blut nur in sehr geringer Konzentration vorhanden. Kommt es mit einem Allergie auslösenden Stoff in Kontakt – z.B. Gräserpollen – hat das binnen Minuten eine typische Allergiereaktion zur Folge, die von einer simplen Hautrötung bis hin zu schwerer Atemnot und zum allergischen Schock reichen kann. Auch bei Infektionen mit Würmern und anderen Parasiten ist das IgE im Blut erhöht.

IgA (Immunglobulin A)

IgA kommt in den Sekreten der Schleimhäute, z.B. des Magen-Darm-Traktes (Speichel, Magen- und Darmsaft), des Atmungstraktes und der Augen, vor. So dient es an den Eintrittspforten des Körpers vor allem der örtlichen Abwehr von Fremdkörpern. Außerdem wird es über die Brustdrüse in die Muttermilch abgegeben und schützt so das Neugeborene.

IgD (Immunglobulin D)

IgD findet sich nur in geringen Mengen im Blut und dient hauptsächlich der Signalübertragung bei der Immunabwehr.

In welchen Fällen wird der Antikörper-Wert bestimmt?

Antikörper werden bestimmt bei:

  • Erhöhter Infektanfälligkeit
  • Verdacht auf Antikörper-Mangel-Syndrome
  • Zur Verlaufskontrolle bei chronischen Infektionen
  • Auto-Immunerkrankungen
  • Lebererkrankungen

++ Mehr zum Thema: Antikörper und Krankheiten ++

Woraus wird der Antikörper-Wert bestimmt?

Antikörper werden im Blutserum bestimmt. Bei bestimmten Fragestellungen werden IgA in Speichel oder Tränenflüssigkeit gemessen.

Referenz- und Normalwerte

  IgG in g/l im Blut IgM in g/l im Blut IgA in g/l im Blut IgE
Erwachsene 6,8-15,3 0,40-1,89 0,75-3,74 24 µg/l
Kinder ab 7 Jahre 6,0-15,3 0,34-1,47 0,33-1,99 48 µg/l
Kinder bis 1 Jahr 1,7-6,8 0,13-0,67 0,08-0,58 3,6 µg/l
Neugeborene
in der 1. Woche
6,0-17,0 0,13-0,20 0,08-0,58 bis 1 µg/l

Ig D ist klinisch kaum relevant auf Grund der geringen Menge im Blut und der bisher ungeklärten Funktion.

++ Mehr zum Thema: Was sind Normalwerte, was ist der Referenzbereich? ++

In welchen Fällen ist der Antikörper-Wert zu niedrig?

Eine verminderte Bildung der Antikörper ist zu beobachten bei:

In welchen Fällen ist der Antikörper-Wert zu hoch?

IgG IgA IgM IgE
Plasmozytom Durch Alkohol bedingter Leberzirrhose

Akuten Virusinfektionen

Allergischen Erkrankungen

Auto-Immunerkrankungen Multiplem Myelom

Biliärer Zirrhose

Parasitenbefall
Atemwegs- und Lungeninfektionen Infektionen an Haut Morbus Waldenström  
Chronischen Infektionen Darminfektion Infektionen von Neugeborenen während der Schwangerschaft  
Nephrotischem Syndrom Infektionen der Atemwegen     
Einer minimal-change Nephritis Infektionen der Nieren    
Multipler Sklerose      
Hepatitis      

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Autoren:
,
Medizinisches Review:
Dr. med. Lisa Demel
Redaktionelle Bearbeitung:
Stefanie Rachbauer, Oliver Maric

Stand der medizinischen Information:
Quellen

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Pschyrembel Klinisches Wörterbuch. 261. Aufl. Berlin/New York: Walter de Gruyter 2007

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