Zytomegalie

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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Zytomegalie (auch Cytomegalie, CMV-Infektion) ist eine Infektionskrankheit, die durch Viren ausgelöst wird. Vor allem Personen, die bereits an einer Grunderkrankung leiden, sind gefährdet. Während der Schwangerschaft wird das Virus häufig von der Mutter auf das Kind übertragen. Lesen Sie hier mehr zur Zytomegalie.

Virusinfektion Zytomegalie

Kurzübersicht

  • Symptome: Überwiegend symptomlose Infektion, bei Neugeborenen unter anderem Gelbsucht, Netzhautentzündung, Organschwellungen mit Schwerbehinderung als Folge möglich, bei Immunsupprimierten schwere Symptome möglich
  • Ursachen und Risikofaktoren: Infektion mit dem humanen Zytomegalie-Virus HCMV (HHV-5); Übertragung durch alle Körperflüssigkeiten; Risiko für Schwangere und Abwehrgeschwächte
  • Diagnose: Krankengeschichte, anhand der Symptome, Antikörpernachweis im Blut, PCR-Untersuchung auf Virus-Erbgut
  • Behandlung: Meist keine Behandlung notwendig; in schweren Fällen virushemmende Medikamente (Virostatika); Gabe von Antikörpern
  • Prognose: In über 90 Prozent der Fälle folgenlos; schwere Folgen bei Infektion vor der Geburt mit bleibenden Schäden möglich; unbehandelt bei Abwehrschwäche tödlicher Verlauf möglich
  • Vorbeugung: Keine Impfung möglich; Abwehrschwache und nichtinfizierte Schwangere vermeiden Kontakt mit Kleinkindern (unter anderem Berufsverbot für Erzieherinnen); Gabe von Antikörpern

Was ist Zytomegalie?

Zytomegalie ist eine Infektionskrankheit, deren Auslöser das Zytomegalie-Virus (CMV — auch HCMV, humanes CMV) ist. Es zählt zur Familie der Herpesviren und wird auch humanes Herpesvirus 5 (HHV-5) genannt.

Nach Ausheilen der CMV-Infektion verbleiben diese Viren ein Leben lang im Körper. Das bezeichnen Experten als Latenz oder Persistenz. Wird das Immunsystem zum Beispiel durch eine andere schwere Krankheit stark geschwächt, ist es möglich, dass die Viren aus ihrer Latenz reaktiviert werden. Dann ist es möglich, dass sie ein symptomatisches Krankheitsbild der Zytomegalie auslösen. In der überwiegenden Zahl der Fälle verläuft eine Infektion mit dem CM-Virus aber vollkommen ohne Symptome.

Die Zytomegalie-Viren sind weltweit verbreitet. Dabei gibt es einen Zusammenhang zwischen der Durchseuchung und dem Wohlstand in der Bevölkerung. In sogenannten Entwicklungsländern weisen über 90 Prozent der Bevölkerung Antikörper gegen Zytomegalie-Viren auf. In den Industriestaaten der westlichen Welt liegt die Durchseuchungsrate bei Kindern bis zum sechsten Lebensjahr zwischen fünf und 30 Prozent und steigt ab der Pubertät mit Zunahme der Sexualkontakte auf bis zu 70 Prozent im Erwachsenenalter an.

Die Zytomegalie-Viren übertragen sich über praktisch alle Körperflüssigkeiten und werden von Infizierten damit ausgeschieden. Sie sind in Speichel, Tränenflüssigkeit, Samenflüssigkeit, Gebärmutterhalssekret, Muttermilch und Blut enthalten und übertragen sich ausserdem durch Blutprodukte, bei Organtransplantationen sowie über die Plazenta (Mutterkuchen). Etwa 35 Prozent der Säuglinge von zytomegalie-positiven Müttern werden durch das Stillen angesteckt. Eine Übertragung ist auch über die Atemwege möglich (Tröpfcheninfektion).

Was ist Zytomegalie in der Schwangerschaft?

Mit 0,3 bis 1,2 Prozent betroffener Neugeborener ist die Zytomegalie die häufigste angeborene Virusinfektion. Die Übertragung erfolgt dabei bereits über die Plazenta von der Mutter auf das Kind. Das geschieht allerdings hauptsächlich, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft erstmals mit dem Erreger infiziert. Ausserdem dann, wenn eine latente Infektion durch Schwächung des Immunsystems während der Schwangerschaft reaktiviert wird. Im Fall der Erstinfektion ist das Übertragungsrisiko wesentlich höher (20 bis 40 Prozent im ersten und zweiten Trimenon, 40 bis 80 Prozent im dritten gegenüber ein bis drei Prozent bei einer Reaktivierung).

Nur eins von zehn Kindern, die mit einer bereits angeborenen Zytomegalie-Infektion auf die Welt kommen, zeigen dabei Symptome. Vier bis sechs von zehn symptomatisch infizierten Kindern erleiden aber mitunter schwerwiegende Spätfolgen bis hin zu Schwerbehinderungen.

Bei einer Infektion in den ersten beiden Schwangerschaftsdritteln sind allerdings Fehlbildungen möglich, ausserdem erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt.

Daher ist eine CMV-Infektion eine der Erkrankungen, die während einer Schwangerschaft möglichst verhindert und gezielt überwacht wird. Für die ansonsten gesunde Schwangere selbst verläuft eine CMV-Infektion meist harmlos und zeigt maximal grippeähnliche Symptome (wenn keine schwere Abwehrschwäche vorliegt).

Welche Symptome treten auf?

Bei der Zytomegalie sind die Symptome individuell sehr verschieden. Dabei ist vor allem die Abwehrstärke des körpereigenen Immunsystems entscheidend. So zeigen immungesunde Infizierte in den meisten Fällen überhaupt keine Krankheitszeichen. Bei einer angeborenen Zytomegalie-Infektion sind in der Folge teilweise schwere Behinderungen möglich.

Man unterscheidet also je nach Zeitpunkt der Infektion und dem Alter des Betroffenen:

Angeborene (konnatale) Zytomegalie-Symptome

Infizieren sich ungeborene Kinder im Mutterleib mit der Zytomegalie, sind 90 Prozent von ihnen bei der Geburt symptomlos.

Es gibt allerdings das Risiko, besonders bei einer Infektion in den ersten beiden Trimenons der Schwangerschaft, dass es zu schweren Missbildungen beim Fötus kommt. Das betrifft etwa das Herz-Kreislauf-System, das Skelett und andere Bereiche. Auch das Risiko einer Frühgeburt erhöht sich bei einer CMV-Infektion in der Schwangerschaft.

In zehn Prozent der Fälle zeigen sich bereits ab Geburt Symptome, in einigen Fällen erst Wochen oder Monate nach der Geburt. Zehn bis 15 Prozent aller konnatal CMV-Infizierten zeigen erst im Laufe des Lebens Spätschäden wie Hörstörungen.

Symptome bei infizierten Neugeborenen sind etwa:

  • Geringes Geburtsgewicht
  • Gelbsucht (Ikterus)
  • Vergrösserte Leber und Milz (Hepatosplenomegalie)
  • Gerinnungsstörungen
  • Wasserkopf (Hydrozephalus)
  • Netzhautentzündung (Retinitis)
  • Mirkocephalie (zu kleiner Schädel)
  • Einblutungen im Gehirn

Im späteren Verlauf haben die Kinder häufig geistige und körperliche Behinderungen wie Lernstörungen oder Hörprobleme. Auch Sehbehinderungen sind mögliche bleibende Folgen.

Symptome bei gesunden Kindern

Bei gesunden Kindern verläuft eine CMV-Infektion meist asymptomatisch. Das bedeutet, dass in der Regel gar keine Krankheitszeichen auftreten.

Symptome bei gesunden Erwachsenen

Bei ansonsten gesunden Erwachsenen verläuft die Zytomegalie-Infektion in über 90 Prozent der Fälle symptomlos oder die Patienten beklagen uncharakteristische, grippeähnliche Symptome wie zum Beispiel:

Symptome bei Immunschwachen

Haben Patienten ein geschwächtes Immunsystem aufgrund einer Erkrankung (wie Krebs, AIDS, SCID = schwerer kombinierter Immundefekt) oder einer immunsuppressiven Therapie nach einer Organtransplantation, verläuft eine Zytomegalie-Infektion häufig schwer. Dabei entwickeln die Patienten unter anderem folgende Beschwerden:

Ursachen und Risikofaktoren

Auslöser der Zytomegalie ist das Cytomegalie-Virus (CMV). Es ist ein Erreger, der ausschliesslich aus einer Hülle mit darin enthaltener Kapsel und Erbgut besteht. Gelangt das Virus über Schmierinfektionen, Sexualkontakte, Blutprodukte oder über die Atemwege in den Körper, dringt es in einzelne Zellen ein und vermehrt sich in diesen. Dabei werden diese Zellen geschädigt und entwickeln sich zu Riesenzellen. Dadurch entstand der Name der Krankheit: Das griechische Wort "cytos" bedeutet "Zelle", und "megalo" steht für "gross".

Das Zytomegalie-Virus befällt nahezu alle Organe, bevorzugt die Speicheldrüsen. An welchem Ort im Körper die Viren lebenslang verbleiben, ist noch nicht abschliessend geklärt. Wahrscheinlich überlebt ein Teil von ihnen in blutbildenden Stammzellen.

Die Viren werden über sämtliche Körperflüssigkeiten (unter anderem Urin, Speichel, Samenflüssigkeit) von Infizierten ausgeschieden. Häufig geschieht dies nur während der ersten Wochen der Primärinfektion, also wenn sich der Patient zum ersten Mal mit Zytomegalie angesteckt hat. Jedoch kommt es vor, dass Kinder, die sich während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt angesteckt haben, noch bis zum dritten Lebensjahr die Viren ausscheiden.

Da das Virus bei Infizierten in der Regel lebenslang im Körper bleibt, ist es grundsätzlich jederzeit möglich, dass Viren ausgeschieden und so übertragen werden. Die genauen Mechanismen der Viruslatenz sind noch nicht abschliessend geklärt.

Risikofaktoren für Cytomegalie

Schwangerschaft ist eine besondere Risikosituation: Wenn sich eine Frau während der Schwangerschaft zum ersten Mal mit dem Zytomegalie-Virus infiziert, steckt sich das Ungeborene in 40 Prozent der Fälle an. Zwar sind 90 Prozent der betroffenen Kinder bei der Geburt symptomlos. Zehn bis 15 Prozent dieser Kinder entwickeln aber im Laufe ihres Lebens Spätschäden wie zum Beispiel Hörstörungen. Die verbleibenden zehn Prozent der mit Zytomegalie geborenen Kinder zeigen bei der Geburt zur Hälfte unspezifische, leichte Symptome, zur anderen Hälfte schwere Krankheitszeichen.

Ebenfalls zur Risikogruppe für Zytomegalie zählen Patienten mit Abwehrschwäche, wie sie zum Beispiel bei AIDS, Krebserkrankungen, angeborenen Immunschwächen oder Organtransplantationen vorliegt. Eine solche Abwehrschwäche begünstigt nicht nur eine Erstinfektion, sondern auch das Reaktivieren der Viren aus ihrer Latenzzeit nach einer bereits früher erfolgten Infektion. Gleiches gilt für Schwangere. Bei etwa zehn Prozent der Frauen, die sich bereits früher mit CMV infiziert haben, bricht die Zytomegalie während der Schwangerschaft erneut aus.

Untersuchungen und Diagnose

Um die Diagnose Zytomegalie zu stellen, befragt Ihr Arzt Sie ausführlich zu Ihrer Krankengeschichte (Anamnese). Er stellt Ihnen zum Beispiel folgende Fragen:

  • Seit wann fühlen Sie sich krank?
  • Sind Sie schwanger?
  • Leiden Sie an einer Grunderkrankung wie zum Beispiel Krebs oder AIDS?
  • Bekommen Sie gut Luft?
  • Verspüren Sie Druck im oberen Bauch?

Bei der anschliessenden körperlichen Untersuchung hört der Arzt Ihre Lunge ab und tastet die Lymphknoten am Hals sowie Ihren Bauch ab. Ausserdem wird Ihr Augenhintergrund gespiegelt (Fundoskopie/Ophthalmoskopie), um eine eventuelle Netzhautentzündung zu erkennen.

Proben-Untersuchung

Darüber hinaus entnimmt der Arzt eine Probe Ihrer Körperflüssigkeit, die auf die Zytomegalie-Viren hin im Labor untersucht wird. Dafür eignen sich Blut, Urin, Bronchialflüssigkeit, Fruchtwasser oder Nabelschnurblut. Man untersucht, ob sich darin Erbgut oder Oberflächeneiweisse der Zytomegalie-Viren beziehungsweise Antikörper gegen diese befinden. Der Nachweis des Viruserbguts erfolgt dabei per PCR (Polymerasekettenreaktion) im Labor.

Hierbei ist es wichtig, herauszufinden, ob es sich um eine erstmalige Ansteckung mit dem Zytomegalie-Virus handelt (Primärinfektion) oder ob eine bereits früher erfolgte und dann ruhende (latente) Infektion reaktiviert wurde. Dafür werden zwei Proben untersucht, die im Abstand von zwei Wochen gewonnen werden. Liegen in der ersten Probe keine spezifischen Antikörper gegen CMV vor (seronegativ) und in der zweiten Probe sowohl Antikörper der Klasse IgG als auch der Klasse IgM (seropositiv), so ist nachgewiesen, dass es sich um eine Primärinfektion handelt.

Hörtests bei Kindern

Kinder, die sich während der Schwangerschaft mit Zytomegalie angesteckt haben, machen idealerweise in regelmässigen Abständen Hörtests, da die Hörstörungen mitunter erst spät diagnostizierbar sind.

Untersuchungen in der Schwangerschaft

Bei schwangeren Frauen, die noch keine CMV-Infektion hatten (also seronegativ sind), ist es möglich, regelmässig während der Schwangerschaft das Blut auf Antikörper zu untersuchen. Das ist allerdings in der Regel eine Zusatzleistung, die nicht von gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird.

Mögliche Fehlbildungen beim Fötus infolge einer CMV-Infektion während der Schwangerschaft sind bei den standardmässigen Ultraschalluntersuchungen erkennbar.

Behandlung

Wie die Zytomegalie behandelt wird, hängt vor allem von der Stärke des Immunsystems und der Schwere der Symptome ab. Gesunden Erwachsenen mit einem gut funktionierenden Abwehrsystem und dementsprechend meist nur uncharakteristischen Krankheitsanzeichen wie Müdigkeit werden in der Regel keine Medikamente verabreicht.

Patienten mit geschwächtem Immunsystem bekommen Virustatika und Hyperimmunglobuline.

Virustatika

Virustatika sind Medikamente, die Viren an der Vermehrung und Ausbreitung hindern. Sie gehen oft mit starken Nebenwirkungen einher und werden deshalb nur in schweren Krankheitsfällen gegeben. Wie alle anderen Herpesviren lässt sich CMV nicht komplett entfernen. Ein Teil der Viren verbleibt trotz antiviraler Therapie lebenslang im Körper.

Die Zytomegalie wird mit dem Virustatikum Ganciclovir behandelt. Es hat starke Nebenwirkungen, denn es wirkt giftig auf die Nieren und das Knochenmark. Je nachdem, wie gut Ganciclovir anschlägt, verwendet man alternativ andere Virustatika. Dazu zählen Valganciclovir, das bevorzugt für die Behandlung der Netzhautentzündung verwendet wird, Cidofovir, Foscarnet und Fomivirsen. Oft kombiniert der Arzt verschiedene Virostatika, um Resistenzbildung zu verhindern.

Schwangere und stillende Mütter werden mit diesen Medikamenten in der Regel nicht behandelt. Neugeborene, die an Zytomegalie erkrankt sind, werden nur in speziellen Einrichtungen behandelt, die Erfahrung mit dem Krankheitsbild haben.

Hyperimmunglobuline

Ein Hyperimmunglobulin besteht aus (biotechnisch hergestellten) Antikörpern, die gegen einen spezifischen Krankheitserreger wirksam sind. Im Fall der Zytomegalie werden CMV-Hyperimmunglobulin-Seren genutzt. Diese werden sowohl bei immungeschwächten Patienten als auch bei Schwangeren eingesetzt, bei denen der Verdacht besteht, sich erstmals mit CMV angesteckt zu haben.

Für die Behandlung bei Schwangeren, bei der es Studien zufolge wahrscheinlich ein Risiko für Frühgeburten gibt, wird der Arzt gemeinsam mit der Betroffenen die Vor- und Nachteile abwägen.

Krankheitsverlauf und Prognose

Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Ausbruch der Zytomegalie (Inkubationszeit) beträgt etwa vier bis acht Wochen. Zytomegalie-Viren verbleiben nach überstandener Krankheit lebenslang im Körper. Deshalb bricht insbesondere bei einer Schwächung des Immunsystems die Krankheit möglicherweise immer wieder erneut aus.

Patienten mit intaktem Abwehrsystem haben eine gute Prognose, und die Zytomegalie heilt in der Regel folgenlos ab. Bei allen anderen Patienten ist der Ausgang der Krankheit abhängig von Art und Schwere der auftretenden Symptome.

So heilt die Zytomegalie bei Neugeborenen oft folgenlos aus, führt in machen Fällen aber zu Blindheit, Hörschäden oder geistigen Behinderungen. Bei immungeschwächten Patienten ist es möglich, dass die generalisierte Infektion (also eine Infektion vieler verschiedener Organsysteme) tödlich ausgeht. Vor allem die Lungenentzündung im Rahmen der Zytomegalie-Infektion ist gefährlich: Sie endet etwa in der Hälfte der Fälle mit dem Tod.

Vorbeugen

Zytomegalie ist weltweit verbreitet. Bei der Vorbeugung ist es deshalb vor allem wichtig, Risikogruppen zu schützen. Dazu zählen Schwangere, die zuvor noch nicht infiziert waren, und abwehrgeschwächte Personen (etwa solche mit Grunderkrankungen oder nach Organtransplantationen). Eine Impfung gibt es derzeit nicht.

Organtransplantation

Ein grosses Risiko der Übertragung von Zytomegalie-Viren besteht bei der Organtransplantation. Um das erhaltene Organ nicht abzustossen, wird das Immunsystem des Organempfängers mithilfe von Medikamenten geschwächt (immunsupprimiert). Dadurch ist es möglich, dass Infektionen wie die Zytomegalie schwerer verlaufen, da das körpereigene Abwehrsystem diese nicht zu bekämpfen vermag.

Um einer solchen Infektion vorzubeugen, werden möglichst seronegative Organspender ausgewählt. Bei einer Blutübertragung lässt sich das Blut filtern, sodass Zellen, die möglicherweise Zytomegalie-Viren enthalten, nicht übertragen werden.

Ausserdem ist es möglich, dass die Organempfänger bereits vor der Transplantation Hyperimmunglobulin-Seren gegen CMV erhalten. Dadurch befinden sich Antikörper gegen die Zytomegalie in ihrem Blut, die eingedrungene Viren unschädlich machen.

Schwangere Frauen

Frauen haben die Möglichkeit, sich zu Beginn einer Schwangerschaft oder bereits im Vorfeld auf ihren CMV-Status testen zu lassen. Dafür wird das Blut auf spezifische Antikörper gegen Zytomegalie geprüft. Wird im Verlauf der Schwangerschaft eine Serokonversion festgestellt, lässt sich dementsprechend handeln.

Schwangeren, die zuvor noch nicht an Zytomegalie erkrankt waren, wird empfohlen, beim Kontakt mit Kleinkindern auf eine strenge Händehygiene zu achten. Kinder scheiden die Zytomegalie-Viren mit dem Urin oder Speichel aus, häufig ohne Krankheitszeichen zu haben. Durch das Waschen der Hände mit Seife oder die alkoholische Händedesinfektion lässt sich das Ansteckungsrisiko minimieren. Ausserdem geben Ärzte seronegativen schwangeren Müttern von infizierten Kleinkindern folgende Tipps:

  • Küssen Sie Ihre Kinder nicht auf den Mund.
  • Benutzen Sie nicht dasselbe Besteck oder Geschirr wie Ihre Kinder.
  • Benutzen Sie nicht dieselben Handtücher oder Waschlappen.
  • Desinfizieren Sie sich die Hände, nachdem Sie Ihrem Kind die Nase geputzt oder Spielzeug angefasst haben, das die Kinder zuvor im Mund hatten.

Mit diesen Massnahmen verringert sich für schwangere Frauen das Risiko einer Ansteckung mit Zytomegalie.

Beschäftigungsverbot für Schwangere

Für schwangere Frauen, die etwa als Erzieherinnen Kinder bis zum vollendeten dritten Lebensjahr betreuen und laut Bluttest keine ausreichende Immunität gegen Zytomegalie besitzen, gilt ein Beschäftigungsverbot für die gesamte Dauer der Schwangerschaft. Das dient dem Schutz des Ungeborenen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
B25P35
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft: Gesundheitsschutz bei schwangeren Erzieherinnen (Stand 2011), unter: www.gew.de (Abruf: 11.03.2022)
  • Goodrum, F., Caviness, K., & Zagallo, P. (2012). Human cytomegalovirus persistence. Cellular microbiology, 14(5), 644–655. https://doi.org/10.1111/j.1462-5822.2012.01774.x
  • Herold, G. et al.: Innere Medizin. Selbstverlag 2022
  • Hof, H. & Dörries, R.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie. Georg Thieme Verlag, 7. Auflage, 2019
  • Robert Koch-Institut: Ratgeber Zytomegalie-Virusinfektion (Stand 2018), unter: www.rki.de (Abruf: 11.03.2022)
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