Waschzwang

Von , Masterstudium in Psychologie
Aktualisiert am
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

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Menschen mit einem Waschzwang "müssen" ihren Körper und vor allem ihre Hände immer wieder exzessiv reinigen. Das ständige Waschen soll Bakterien und mögliche Krankheiten fernhalten. Der Waschzwang nimmt häufig so viel Zeit in Anspruch, dass die Personen in ihrem beruflichen und sozialen Leben mehr oder weniger stark eingeschränkt sind. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Waschzwang.

Waschzwang: zwanghaftes Einseifen der Hände

Was ist ein Waschzwang?

Der Waschzwang ist eine sehr verbreitete Form der Zwangsstörung. Die Betroffenen leiden unter der Angst, dass sie sich durch die Berührung mit Objekten mit einer Krankheit anstecken oder sich schmutzig machen. Die Angst vor Bakterien sowie Ekelgefühle sind gross. Die Betroffenen vermeiden es zum Beispiel, Türklinken mit der blossen Hand anzufassen oder anderen die Hand zu geben. Kommen sie dennoch in Kontakt mit einem gefürchteten Objekt, waschen sie wiederholt und gründlich ihre Hände, ihren ganzen Körper und manchmal sogar ihre Kleidung.

Dabei folgen sie stets einem ganz bestimmten Ritual, das sie penibel einhalten. Ein einziger Fehlgriff reicht aus, um die unangenehmen Gedanken erneut auszulösen – die Zwangshandlung wird dann von Neuem in Gang gesetzt.

Menschen mit Waschzwang ist bewusst, dass ihre Ängste übertrieben sind, und sie schämen sich daher für ihre Zwänge. Etliche ziehen sich von Freunden und Familie zurück.

Zwangsstörungen wie der Waschzwang beginnen oftmals bereits in der Kindheit oder im Teenageralter. Unbehandelt nehmen sie meist schleichend in ihrer Schwere zu. Studien geben Hinweise darauf, dass eine Zwangserkrankung häufig im Alter von zwölf bis 14 Jahren und im Alter von 20 bis 22 Jahren beginnt.

Mehr zu Ursachen, Diagnose und Behandlung von Zwangsstörungen wie dem Waschzwang erfahren Sie im Beitrag Zwangsstörungen. Dort lesen Sie auch, welche Selbsthilfe möglich ist.

Zuviel Sauberkeit ist häufig ungesund

Die Angst vor Bakterien ist weit verbreitet. Auch viele Menschen ohne Waschzwang empfinden den Gedanken an Bakterien unangenehm und putzen und waschen sich teilweise übertrieben oft. Sauberkeit wird oft intuitiv mit Gesundheit verbunden.

Bis zu einem gewissen Mass stimmt das auch. Unser Immunsystem ist aber darauf ausgerichtet, mit gängigen Krankheitserregern fertig zu werden. Tatsächlich schadet übertriebene Hygiene möglicherweise sogar. Durch das ständige Waschen und oft zusätzlich Desinfizieren wird die Haut stark beansprucht – sie trocknet aus und wird rissig. Über diese kleinen Wunden dringen Krankheitserreger, die immer und überall vorhanden sind, leicht in den Körper ein, wo sie mitunter Entzündungen (Hautekzeme) mit Juckreiz und Schmerzen auslösen.

Wie wird ein Waschzwang therapiert?

Es ist wichtig, dass sich Personen mit einem Waschzwang professionelle Hilfe suchen. Denn aus eigener Kraft lassen sich die Zwänge nur selten besiegen.

Wie bei allen Zwangsstörungen empfehlen Experten die kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontationsübungen, bei denen der Patient mit seinen Ängsten konfrontiert wird. Er bekommt beispielsweise die Aufgabe, möglichst viele Gegenstände zu berühren, ohne sich anschliessend die Hände zu waschen. Diese Übungen sind für Betroffenen zunächst eine äusserst grosse Herausforderung. Mit der Zeit lernen die Patienten allerdings, dass ihnen trotz dieses Kontakts mit Bakterien nichts Schlimmes passiert. Die Angst wird dadurch langsam abgebaut.

Der Therapeut begleitet die Patienten bei ihrer Konfrontation, bis die Betroffenen in der Lage sind, die Übungen allein durchzuführen. Zusätzlich werden in der Therapie von Zwangsstörungen Medikamente, etwa selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), eingesetzt.

Was sind die Ursachen?

Ein Waschzwang entwickelt sich in der Regel schleichend. Experten vermuten als Ursache eine Kombination aus genetischen Faktoren, einer ängstlichen Persönlichkeit und einem traumatischen Erlebnis oder ungünstigen Erziehungsmethoden. Bei Kindern tritt oft ein Waschzwang nach einem Todesfall in der Familie, nach Krankheit oder nach der Scheidung der Eltern auf. Dann wird der Waschzwang zur Möglichkeit, das verlorene Gefühl der Sicherheit zurückzugewinnen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Nina Buschek, Christiane Fux
Autor:
Julia Dobmeier
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

ICD-Codes:
F42
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Blanz, B. et al.: Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter. Schattauer Verlag, 1. Auflage 2005
  • Goodman, R. & Scott, S.: Kinder- und Jugendpsychiatrie. Schattauer Verlag, 3. Auflage 2016
  • Hellstern, G. et al.: Kurzlehrbuch Pädiatrie. Thieme Verlag, 1. Auflage, 2012
  • Margraf, J. & Schneider, S.: Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2. Springer-Verlag, 4. Auflage, 2018
  • Neurologen und Psychiater im Netz: Was sind Zwangserkrankungen?, unter: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Abruf: 22.04.2022)
  • S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): Zwangsstörungen (Stand: 2013, in Überarbeitung), unter: www.awmf.org (Abruf: 22.04.2022)
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