Waschzwang

Von , Masterstudium in Psychologie
Aktualisiert am
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

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Menschen mit einem Waschzwang "müssen" ihren Körper und vor allem ihre Hände immer wieder exzessiv reinigen. Das ständige Waschen soll Bakterien und mögliche Krankheiten fernhalten. Der Waschzwang nimmt häufig so viel Zeit in Anspruch, dass die Personen ihrem beruflichen und sozialen Leben nicht mehr nachgehen können. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Waschzwang.

Waschzwang

Was ist ein Waschzwang?

Der Waschzwang ist eine sehr verbreitete Form der Zwangsstörung. Die Betroffenen leiden unter der Angst, dass sie sich durch die Berührung mit Objekten mit einer Krankheit anstecken oder sich verunreinigen könnten. Die Angst vor Bakterien sowie Ekelgefühle sind groß. Die Betroffenen vermeiden es zum Beispiel, Türklinken mit der bloßen Hand anzufassen oder auch anderen die Hand zu geben. Kommen sie dennoch in Kontakt mit einem gefürchteten Objekt, waschen sie wiederholt und gründlich ihre Hände, ihren ganzen Körper und manchmal auch noch ihre Kleidung.

Dabei folgen sie stets einem ganz bestimmten Ritual, das sie penibel einhalten. Ein einziger Fehlgriff reicht aus, um die unangenehmen Gedanken erneut auszulösen - die Zwangshandlung wird dann von Neuem in Gang gesetzt.

Wie ein Waschzwang entsteht

Ein Waschzwang entwickelt sich in der Regel schleichend. Experten vermuten als Ursache eine Kombination aus genetischen Faktoren, einer ängstlichen Persönlichkeit und einem traumatischen Erlebnis oder auch ungünstige Erziehungsmethoden. Bereits Kinder können unter einem Waschzwang leiden. Oft tritt ein Waschzwang bei Kindern nach einem Todesfall in der Familie, nach Krankheit oder nach der Scheidung der Eltern auf. Dann wird der Waschzwang zur Möglichkeit, das verlorene Gefühl der Sicherheit zurückzugewinnen.

Zunächst werden die Zwangshandlungen nur ab und zu ausgeführt. Mit der Zeit werden die Rituale immer öfter wiederholt, denn die Handlung nimmt nur kurzfristig die Angst. Schnell entstehen wieder Zweifel, ob sich nicht doch Keime am Körper befinden könnten. Die Gedanken der Betroffenen drehen sich nur noch um die Angst vor Krankheitserregern und Ekelgefühle - der Waschzwang nimmt das Leben der Betroffenen zunehmend ein. Viele Betroffene können irgendwann ihren alltäglichen Verpflichtungen, zum Beispiel ihrem Beruf, nicht mehr nachkommen. Sie haben die Kontrolle über ihr Verhalten verloren.

Menschen mit Waschzwang ist bewusst, dass ihre Ängste übertrieben sind, und schämen sich daher für ihre Zwänge. Viele ziehen sich auch von Freunden und Familie zurück.

Sauberkeit, die krank macht

Die Angst vor Bakterien ist weit verbreitet. Auch viele Menschen ohne Waschzwang empfinden den Gedanken an Bakterien unangenehm und putzen und waschen sich teilweise übertrieben oft. Sauberkeit wird oft intuitiv mit Gesundheit verbunden.

Bis zu einem gewissen Maß stimmt das auch. Unser Immunsystem ist aber darauf ausgerichtet, mit gängigen Krankheitserregern fertig zu werden. Tatsächlich kann übertriebene Hygiene sogar schaden. Durch das ständige Waschen und oft auch Desinfizieren wird die Haut stark beansprucht - sie trocknet aus und wird rissig. Über diese kleinen Wunden können Krankheitserreger, die immer und überall vorhanden sind, leicht in den Körper, wo sie Entzündungen (Hautekzeme) mit Juckreiz und Schmerzen auslösen.

Wie behandelt man einen Waschzwang?

Es ist wichtig, dass sich Personen mit einem Waschzwang professionelle Hilfe suchen. Denn aus eigener Kraft lassen sich die Zwänge nur selten bewältigen.

Wie bei allen Zwangsstörungen empfehlen Experten die Kognitive Verhaltenstherapie mit Konfrontationsübungen, bei denen der Patient mit seinen Ängsten konfrontiert wird. Er muss möglichst viele Gegenstände berühren, ohne sich anschließend die Hände zu waschen. Diese Übungen sind für Betroffenen zunächst eine äußerst große Herausforderung. Mit der Zeit lernen die Patienten allerdings, dass ihnen trotz dieses Kontakts mit Bakterien nichts Schlimmes passiert. Die Angst wird dadurch langsam abgebaut. Der Therapeut begleitet die Patienten bei ihrer Konfrontation, bis der Betroffene in der Lage ist, die Übungen alleine durchzuführen.

Zusätzlich können in der Therapie von auch Medikamente eingesetzt werden.

Zwangsstörungen

Mehr zu Ursachen, Diagnose und Behandlung von Zwangsstörungen wie dem Waschzwang erfahren Sie im Beitrag Zwangsstörungen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Nina Buschek, Christiane Fux
Autor:
Julia Dobmeier
Julia Dobmeier

Julia Dobmeier absolviert derzeit ihr Masterstudium in Klinischer Psychologie. Schon seit Beginn ihres Studiums interessiert sie sich besonders für die Behandlung und Erforschung psychischer Erkrankungen. Dabei motiviert sie insbesondere der Gedanke, Betroffenen durch leicht verständliche Wissensvermittlung eine höhere Lebensqualität zu ermöglichen.

ICD-Codes:
F42
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Blanz, B. et al.: Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter, Schattauer Verlag, 1. Auflage 2006
  • Goodman, R. & Scott, S.: Kinder- und Jugendpsychiatrie, Schattauer Verlag, 3. Auflage 2016
  • Hellstern, G. et al.: Kurzlehrbuch Pädiatrie, Thieme Verlag, 1. Auflage, 2012
  • Margraf, J. & Schneider, S.: Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Band 2, Springer-Verlag, 4. Auflage, 2018
  • S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrtie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN): "Zwangsstörungen" (Stand: 2013, zur Zeit in Überarbeitung)
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