Übergewicht bei Kindern

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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In den sogenannten Industrienationen ist Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen ein ernstes Gesundheitsproblem. Die Betroffenen nehmen die überschüssigen Kilos meist mit ins Erwachsenenalter – zusammen mit all den Beschwerden und Folgeerkrankungen, die sich durch das Übergewicht ergeben. Lesen Sie hier mehr zum Thema Behandlung, Symptome und Ursachen von Übergewicht bei Kindern!

Übergewichter Junge

Kurzübersicht

  • Behandlung: Ernährungsumstellung und Bewegungsprogramm beispielsweise im Rahmen einer Ernährungs- und Verhaltenstherapie, bei schwerem Übergewicht durch Medikamente
  • Diagnose: Bestimmung des BMI-Wertes und der Perzentile sowie des Taillen-Hüft-Umfangs, körperliche Untersuchungen, gegebenenfalls Ultraschall und Blutuntersuchung, Verhaltensdiagnostik
  • Ursachen: Übermässige und ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, genetische Veranlagung, psychosoziale Faktoren, Erkrankungen der Schilddrüse und Nebennieren, Medikamente
  • Symptome: Verminderte Belastbarkeit, stärkeres Schwitzen, Gelenk- und Rückenschmerzen, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit bis Atemnot, soziale Isolation (Betroffene ziehen sich zurück)
  • Verlauf und Prognose: Übergewicht begünstigt die Entwicklung von Folgeschäden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes mellitus sowie psychische Erkrankungen und mindert die Lebenserwartung von Betroffenen
  • Vorbeugen: Regelmässige Bewegung, gesunde Ernährung, ausgewogene familiäre Verhältnisse, Pflegen von Hobbys

Übergewicht bei Kindern ist sehr häufig

In den Industrienationen leiden immer mehr Menschen an Übergewicht. Kinder sind davon ebenfalls betroffen. In der Schweiz ist die Zahl an übergewichtigen Kindern und Jugendlichen auch seit Jahren hoch. 15 Prozent von ihnen sind mässig bis stark übergewichtig (adipös).

Weltweit sind rund zehn Prozent der Kinder zwischen fünf und 17 Jahren übergewichtig. In Europa ist sogar jedes fünfte Kind zu dick. Besonders weit verbreitet ist das Übergewicht bei Kindern in den USA: Dort bringen mehr als 30 Prozent der Kinder und Jugendlichen zu viele Kilos auf die Waage.

Was tun bei übergewichtigen Kindern?

Ob und wie Übergewicht bei Kindern behandelt wird, hängt vom Ausmass der überschüssigen Fettpolster, eventuellen Begleiterkrankungen sowie dem Alter des Betroffenen ab – Übergewicht bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren wächst sich manchmal aus. Daher empfehlen Ärzte hier, das Gewicht mit gesunder, ausgewogener Ernährung und viel Bewegung möglichst zu halten. So besteht die Möglichkeit, dass die Kinder mit dem Älterwerden aus den Fettpolstern „herauswachsen“.

Liegt bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren eine Adipositas (starkes Übergewicht) ohne Begleiterkrankungen vor, empfehlen Experten ebenfalls, das Gewicht möglichst zu halten. Wegen der Folgeerkrankungen, die ein starkes Übergewicht verursacht, ist langfristig gesehen eine Verminderung des Gewichts günstiger.

Übergewicht bei Kindern über sechs Jahren und bei Jugendlichen erfordert in jedem Fall eine Gewichtsabnahme, wenn Begleiterkrankungen bestehen oder sich der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes durch das Übergewicht verschlechtert.

Bei Adipositas in dieser Altersgruppe ist stets eine Gewichtsabnahme anzustreben – unabhängig davon, ob Begleiterkrankungen bestehen oder nicht.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Behandlung von Übergewicht bei Kindern folgt in der Regel einem multidisziplinären Konzept, das eine Ernährungsberatung und -umstellung, regelmässige Bewegung und Sport sowie gegebenenfalls psychologische Unterstützung umfasst. In bestimmten Fällen von starkem Übergewicht bei Kindern ist mitunter eine stationäre Behandlung im Rahmen eines langfristigen Therapieprogramms sinnvoll.

Ernährungsumstellung

Um Übergewicht bei Kindern zu behandeln, ist eine ausgewogene Ernährung mit regelmässigen Mahlzeiten notwendig. Ein mögliches Verfahren ist das Konzept der sogenannten "Optimierten Mischkost", das das Forschungsinstitut für Kinderernährung (FKE) für Kinder und Jugendliche zwischen einem und 18 Jahren entwickelt hat. Demnach setzt sich der Speiseplan folgendermassen zusammen:

  • Reichlich: kalorienarme oder -freie Getränke, pflanzliche Lebensmittel (Gemüse, Obst, Getreideerzeugnisse, Kartoffeln)
  • Mässig: tierische Lebensmittel (Milch, Milchprodukte, Fleisch, Wurst, Eier, Fisch)
  • Sparsam: fett- und zuckerreiche Lebensmittel (Speisefette, Süsswaren, Knabbereien)

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) macht ähnliche Vorschläge, geht aber noch genauer auf den Ablauf und die Rolle der Eltern bei der Gestaltung der Mahlzeiten ein. Die BZgA rät:

  • Regelmässig, gemeinsam und ungestört essen (z.B. nicht vor dem Fernseher)
  • Mahlzeiten abwechslungsreich gestalten (reichlich pflanzliche und mässig tierische sowie fett- und zuckerreiche Lebensmittel, reichlich Flüssigkeit)
  • Portionsgrössen beachten (z.B. die Menge an Gemüse passt in zwei Handflächen, die Menge an Obst, Fleisch und Brot eher in eine Handfläche)
  • Essen nur bis zum Sattsein (den Teller nicht leeren, wenn man satt ist)
  • Essen nicht als Belohnung einsetzen
  • Verhaltensregeln vereinbaren

Wie viele Kalorien übergewichtige Kinder im Tagesverlauf zu sich nehmen dürfen, hängt unter anderem vom jeweiligen Grad des Übergewichts und dem individuellen Therapieziel ab und sollte in Absprache mit einem Arzt festgelegt werden. Bei der Ernährungsumstellung helfen auch Spezialisten wie ein Diätassistent oder Ernährungsmediziner. Holen Sie sich bei Unsicherheiten Rat und Unterstützung oder sprechen Sie mit ihrem behandelnden Arzt.

Bewegungsprogramm

Regelmässige körperliche Aktivität ist unerlässlich, um Übergewicht bei Kindern zu bekämpfen. Besonders geeignet sind Ausdauersportarten wie Schwimmen, Radfahren und Tanzen. Viele Kinder und Jugendliche sind aber nicht motiviert genug, allein ihr Sportprogramm durchzuziehen. Dann sind Sportgruppen zu empfehlen: Wer gemeinsam mit anderen Übergewichtigen in die Pedale tritt oder im Wasser plantscht, hat meist viel mehr Spass.

Auch im Alltag sollten übergewichtige Kinder sich viel bewegen, indem sie etwa die Treppe anstelle des Aufzugs nehmen und für den Schulweg das Fahrrad oder die eigenen Füsse benutzen, anstatt ins Auto oder in den Bus zu steigen.

Therapeutische Hilfe

Vor allem bei Adipositas (also starkem Übergewicht) bei Kindern empfehlen Experten, dass die Therapie auch eine psychologische Unterstützung beinhaltet, etwa in Form einer Verhaltenstherapie oder einer Familientherapie. Die Betroffenen erhalten dabei nicht nur Hilfe bei der Änderung ihres Ernährungs- und Bewegungsverhaltens, sondern auch bei eventuellen psychischen Problemen (wie Depressionen oder Minderwertigkeitskomplexen).

Andere Therapieformen

Wenn sich Adipositas (starkes Übergewicht) bei Kindern durch die herkömmlichen Therapiemassnahmen nicht erfolgreich behandeln lässt oder schwerwiegende Begleiterkrankungen bestehen, sind andere Therapieformen in Betracht zu ziehen. Dazu gehören Formula-Diäten sowie Medikamente zur Unterstützung der Gewichtsabnahme. Die Entscheidung dazu sollte ein Therapeut fällen, der Erfahrung auf dem Gebiet der Adipositas im Kindes- und Jugendalter hat.

Ab wann ist ein Kind übergewichtig?

Wie viel Gewicht ist zu viel?

Der Kinderarzt ist der erste Ansprechpartner, um Übergewicht bei Kindern abzuklären. Er holt zuerst im Gespräch mit den Eltern und eventuell den Kindern selbst wichtige Informationen ein. Sie betreffen vor allem die Ernährungsgewohnheiten, die körperliche Aktivität, eventuelle Beschwerden, Grunderkrankungen und psychische Belastungen des Kindes sowie die Einnahme von Medikamenten (wie Kortison). Ausserdem erkundigt sich der Arzt, ob bereits andere Familienmitglieder an Übergewicht oder Adipositas leiden.

Übergewicht bei Kindern lässt sich jedoch nicht so leicht feststellen wie bei Erwachsenen.

Der Kinderarzt ermittelt zunächst — wie bei Erwachsenen — den Body-Mass-Index (BMI), also das Verhältnis zwischen dem Körpergewicht (in Kilogramm) und dem Quadrat der Körpergrösse (in Quadratmeter). Den berechneten Wert vergleicht er zusätzlich mit den Werten geschlechts- und altersspezifischer Wachstumskurven (Perzentilkurven). Mediziner bezeichnen den Wert auch als BMI-Perzentile. So ist es möglich zu beurteilen, ob der BMI eines Kindes Übergewicht oder sogar Adipositas bedeutet.

Demnach liegt Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen vor, wenn der errechnete BMI über der alters- und geschlechtsspezifischen 90. Perzentile liegt (90. Perzentile bedeutet, dass 90 Prozent aller Kinder gleichen Geschlechts und Alters einen niedrigeren BMI aufweisen).

Bei einem BMI oberhalb der 97. beziehungsweise der 99,5. Perzentile besteht sogar Fettsucht (Adipositas) beziehungsweise extreme Fettsucht (extreme Adipositas).

Die BMI-Tabelle für Kinder und Jugendliche sieht entsprechend folgendermassen aus:

Übergewicht: BMI-Perzentile > 90 — 97

Adipositas: BMI-Perzentile > 97 — 99,5

Extreme Adipositas: BMI-Perzentile > 99,5

Es folgt in der Regel eine körperliche Untersuchung. Sie umfasst unter anderem eine Blutdruckmessung sowie die Messung von Körpergrösse und Gewicht des Kindes. Bei Jugendlichen ermittelt der Kinderarzt auch das Verhältnis von Hüft- zu Taillenumfang, um die Körperfettverteilung zu bestimmen. Anhand dieser Verteilung unterscheiden Mediziner zwei Typen:

  • Androider Typ: Fettpolster vor allem am Körperstamm
  • Gynoider Typ: Fettpolster vor allem an Gesäss und Oberschenkeln

Weitere Untersuchungen

Grunderkrankung wie eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) verursachen in manchen Fällen auch Übergewicht bei Kindern. In Verdachtsfällen klärt der Kinderarzt daher solche ursächlichen Erkrankungen durch zusätzliche Methoden wie Blutuntersuchungen ab.

Anhand spezifischer Untersuchungen ist es auch möglich, Folgeerkrankungen von Übergewicht und vor allem Adipositas (wie Fettstoffwechselstörungen, Diabetes, Gallensteine) frühzeitig zu entdecken. Dazu dienen etwa die Messung von Blutfettwerten und Blutzucker sowie Ultraschalluntersuchungen von Leber und Gallenblase.

Liegt Adipositas (also starkes Übergewicht) bei Kindern vor, empfehlen Ärzte eine zusätzliche psychologische, psychosoziale und Verhaltensdiagnostik. Möglicherweise leidet der Betroffene an einer schwerwiegenden psychiatrischen Grunderkrankung (wie Depression, Essstörung). Manchmal bestehen auch schwere psychosoziale Belastungen wie Verhaltens- und Entwicklungsstörungen oder extreme Belastungssituationen in der Familie. Für die Wahl der Therapieform ist es wichtig, diese Faktoren abzuklären und zu berücksichtigen.

Was sind Ursachen für das Übergewicht?

Übergewicht bei Kindern hat verschiedene Ursachen, die meist in Kombination auftreten. So sind es sowohl biologische beziehungsweise körperliche Voraussetzungen als auch Umwelt und psychosoziale Faktoren, die das Essverhalten und damit das Risiko für Übergewicht beeinflussen.

Vererbung

Übergewicht bei Kindern bedeutet in vielen Fällen, dass auch die Eltern und/oder Grosseltern zu viele Kilos auf die Waage bringen. Die Erbanlagen sind einer von mehreren Faktoren, die das Körpergewicht mitbestimmen. Das heisst aber nicht, dass übergewichtige Eltern zwangsläufig übergewichtige Kinder haben. Das hängt von weiteren Faktoren wie der Ernährung oder dem Lebensstil ab. Ausserdem ist die Gewichtsentwicklung bei Kindern laut Experten nur zu 50 Prozent durch die Gene festgelegt. Veränderungen in den Genen schreiten langsam voran, weshalb Fachkreise vermuten, dass andere Faktoren eine ebenso grosse Rolle bei der Entstehung von Übergewicht spielen.

Grosse Portionen in der Schwangerschaft

Wenn schwangere Frauen regelmässig „für zwei“ essen, sich wenig bewegen und sehr viel an Gewicht zulegen oder sogar einen Schwangerschaftsdiabetes entwickeln, erhöht sich das Risiko, dass das Kind später ein Übergewicht ausbildet.

Rauchen

Experten beobachten häufiger, dass Übergewicht oft bei Kindern vorkommt, deren Eltern (vor allem Mütter) in der Schwangerschaft geraucht haben. Zudem bergen Aktiv- und Passivrauchen in der Schwangerschaft weitere Gesundheitsrisiken für den Nachwuchs wie Fehlgeburt und plötzlichen Kindstod.

Ungünstige Ernährung

Die Ernährung hat einen grossen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht bei Kindern, und zwar von Geburt an. So zeigen Untersuchungen, dass gestillte Kinder nicht so häufig übergewichtig sind wie Kinder, die Ersatzmilch mit der Flasche erhalten haben.

Wie bei Erwachsenen gilt auch bei Kindern und Jugendlichen: Wer langfristig mehr Energie aufnimmt als er verbraucht, tendiert eher zum Übergewicht. Besonders der regelmässige Genuss von Fast Food (wie Burger, Pizza, Pommes), Süssigkeiten und süssen Getränken (Limo, Cola et cetera) begünstigt Übergewicht bei Kindern.

Das Ernährungsverhalten lernen Kinder zum Grossteil in der Familie: Wenn sich die Eltern oder ältere Geschwister ungesund ernähren, übernimmt das der Nachwuchs in vielen Fällen.

Bewegungsmangel

Stundenlanges Sitzen vor dem Fernseher oder Computer trägt wesentlich zur Entstehung von Übergewicht bei Kindern bei. Das gilt umso mehr, wenn sie nebenbei Süssigkeiten, Chips & Co. konsumieren. Auch hier kommt die Vorbildfunktion der Eltern zum Tragen: Wenn diese ihre Freizeit häufig auf der Couch verbringen und zudem Ungesundes essen, ahmt der Nachwuchs es ihnen bald nach.

Psychosoziale Faktoren wie Stress

Ärger oder Überforderung in der Schule, Streit in der Familie, Vernachlässigung durch die Eltern, hohe gesellschaftliche Erwartungen – manche Kinder sind auf unterschiedlichen Ebenen schon früh Stress ausgesetzt, und es fällt ihnen schwer, damit umzugehen. Viele suchen dann Trost im Essen. Zusätzlich stehen gestresste Kinder und Jugendliche ständig unter Strom und entspannen sich nicht richtig. Auch dies trägt zur Entstehung von Übergewicht bei Kindern bei.

Schlafmangel

Experten beobachten seit einigen Jahren, dass auch unter Kindern und Jugendlichen Schlafstörungen zunehmen. Sie stellten fest, dass Kinder, die eher weniger schlafen, an Gewicht zunehmen. Sie vermuten daher, dass diese Kinder ein höheres Risiko haben, ein Übergewicht zu entwickeln.

Kommerzielle Einflüsse

Werbung ist überall präsent. Viele Lebensmittel, insbesondere solche, die eher als ungesund gelten, werden stark in den verschiedenen Medien beworben. Kinder, die beispielsweise überdurchschnittlich viel vor dem Fernseher sitzen, sehen entsprechend häufig die zahlreichen TV-Werbespots. Aber auch in anderen Medien wie Social-Media-Kanälen erscheint Werbung, die Kinder ebenso wie Erwachsene beiläufig oder auch bewusst wahrnehmen. Diese beeinflussen offen und unterbewusst das Konsumverhalten, was dazu führt, dass mehr ungesunde Nahrungsmittel gekauft und gegessen werden.

Andere Erkrankungen

Es besteht die Möglichkeit, dass das Übergewicht organische Ursachen hat. Erkrankungen der Nebennieren oder eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) sind die häufigsten Auslöser. Bei Kindern und Jugendlichen kommen diese Erkrankungen jedoch seltener vor.

Wie äussert sich das Übergewicht bei Kindern?

Übergewichtige Kinder leiden – je nach Ausmass der überschüssigen Fettpolster – unter diversen Beschwerden. Sie sind oft weniger körperlich belastbar und ermüden bei Bewegung und Sport schneller als normalgewichtige Altersgenossen. Manche Kinder sind bei Belastung kurzatmig und bekommen Atemnot im Schlaf oder sogar kurze nächtliche Atemaussetzer (Schlaf-Apnoe). Am stärksten sind diese Beschwerden bei starkem Übergewicht.

Bei Kindern, die zu viel wiegen, werden ausserdem oftmals verstärktes Schwitzen und orthopädische Probleme wie Rücken- oder Knieschmerzen beobachtet. Letzteres ist darauf zurückzuführen, dass ein grosses Körpergewicht auf Dauer die Gelenke stark belastet (vor allem Wirbelsäulengelenke, Hüft-, Knie- und Sprunggelenke) und deren Abnutzung beschleunigt.

Übergewichtige Kinder sind beim Eintritt in die Pubertät oft grösser als normalgewichtige Altersgenossen. Der Wachstumsschub, der sich üblicherweise in der Pubertät einstellt, fällt dafür dann geringer aus. Sind übergewichtige Kinder dagegen kleiner als ihre Altersgenossen, sollte dies gezielt ärztlich abgeklärt werden.

Übergewicht bei Kindern hat mitunter seelische Auswirkungen. Mobbing durch andere Kinder und ständige Ermahnungen der Eltern, weniger zu essen, belasten die Betroffenen meist stark, sodass sich Betroffene häufig sozial zurückziehen und isolieren.

Übergewicht hat Konsequenzen

Bei der Behandlung von Übergewicht bei Kindern sollte man realistische Ziele anstreben und keine schnellen Erfolge erwarten, da diese meist nicht von Dauer sind. Die besseren Chancen auf einen dauerhaften Erfolg ergeben sich durch kleine Schritte in Richtung des Zieles (Gewichtskonstanz oder Gewichtsabnahme).

Übergewicht bei Kindern beeinträchtigt meist die körperliche und seelische Entwicklung. Das gilt vor allem bei starkem Übergewicht (Adipositas). Mögliche Folgen sind:

  • beschleunigtes Längenwachstum und frühere Skelettreife (durch erhöhten Spiegel eines Wachstumsfaktors (IGF), der vermehrt im Fettgewebe und in der Leber gebildet wird)
  • Reissen des Bindegewebes bei schneller oder starker Gewichtszunahme („Schwangerschaftsstreifen“)
  • Insulinresistenz (vermindertes Ansprechen der Körperzellen auf das blutzuckersenkende Hormon Insulin) und in weiterer Folge Diabetes mellitus
  • erhöhte Testosteronwerte bei Mädchen mit Anzeichen einer Vermännlichung (Virilisierung) wie männliche Behaarung; verminderte Testosteronwerte bei Jungen
  • erhöhte Östrogenwerte bei beiden Geschlechtern (bei Jungen vergrössert sich dadurch die Brust, Fachbegriff: Gynäkomastie)
  • früherer Beginn der Pubertät (früher einsetzende erste Regelblutung, früher eintretender Stimmbruch etc.)
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • erhöhte Blutfettwerte
  • Überbeanspruchung von Sehnen, Gelenken und Muskeln mit Folgen wie Rückenschmerzen, Senk- und Spreizfüsse, X- oder O-Beine etc.

Vor allem starkes Übergewicht führt bereits im Kindes- oder Jugendalter zu Bluthochdruck, Diabetes und erhöhten Blutfettwerten. Zusammen begünstigen sie eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose). Diese löst im weiteren Verlauf unter Umständen eine Koronare Herzkrankheit (KHK), einen Herzinfarkt oder Schlaganfall aus. Aus diesem Grund besitzen Betroffene eine niedrigere Lebenserwartung als normalgewichtige Altersgenossen.

Mögliche seelische Folgen von (starkem) Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen sind beispielsweise vermehrter Stress, Ängste und Depressionen. 

Wie dem Übergewicht bei Kindern vorbeugen?

Vorbeugen

Sport und regelmässige Bewegung im Alltag sind entscheidende Faktoren, um Übergewicht vorzubeugen. Ebenso wichtig ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung. Da Stress auch bei Kindern zur Entwicklung von Übergewicht beiträgt, ist darauf zu achten, vorhandenen Stress zu minimieren oder gar nicht erst aufkommen zu lassen. Hobbys sind beispielsweise eine gute Gelegenheit, sich abzulenken oder um Kraft zu tanken.

Ein gesundes familiäres Umfeld bietet starke Stützpfeiler für eine ebenso gesunde Entwicklung des Kindes. Eltern und ältere Geschwister genauso wie Grosseltern sollten möglichst als Vorbilder vorangehen und einen gesunden Lebensstil pflegen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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