Spondylolisthesis

Von , Arzt
und , Medizinredakteurin und Biologin
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Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Bei einer Spondylolisthesis (Spondylolisthese, Wirbelgleiten, Gleitwirbel) sind die Wirbelgelenke instabil. Dadurch verschieben sich die Wirbel leicht, insbesondere im Lendenbereich. Betroffene leiden unter Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, die sich aber gut lindern lassen. Nur in schweren Fällen ist eine Operation erforderlich. Lesen Sie hier mehr über Spondylolisthesis.

Spondylolisthesis

Kurzübersicht

  • Prognose: In einigen Fällen Stabilisierung von alleine; Therapie verhindert Voranschreiten; konservative Therapie lindert oft die Symptome; in schweren Fällen nach Operation Symptomlinderung
  • Symptome: Zunächst oft ohne Symptome; mit zunehmender Schwere Rückenschmerzen, unter Umständen Bewegungs- und Sensibilitätsstörungen bis in die Beine
  • Ursachen und Risikofaktoren: Angeborene oder erworbene Spaltbildung zwischen Wirbelgelenken; Überlastung oft bei Risikosportarten wie Kunstturnen oder Speerwerfen; nach Operationen; Verletzungen der Wirbelsäule
  • Diagnose: Krankengeschichte, körperliche Untersuchung, Röntgen, Magnetresonanztomografie, Einteilung der Spondylolisthesis in Meyerding-Grade
  • Behandlung: Meist konservative Behandlung mit Physiotherapie, Krankengymnastik, Elektrotherapie sowie Gabe von Schmerzmitteln; Operation in schweren Fällen meist mit Versteifung der betroffenen Wirbel
  • Vorbeugen: Keine Vorbeugung bei angeborener Form; bei ersten Anzeichen Risikosportarten vermeiden, rückenschonendes Arbeiten und Tragetechniken

Was ist Spondylolisthesis?

Wenn ein Wirbel aus seiner eigentlichen Position rutscht, spricht der Arzt von einer Spondylolisthesis oder von Wirbelgleiten. Ein solcher sogenannter Gleitwirbel verschiebt sich im Verhältnis zu den anderen Wirbeln nach vorn ("ventrale Spondylolisthesis" oder "Ventrolisthesis") und nach hinten ("dorsale Spondylolisthesis" oder "Retrolisthesis").

Die Wirbelsäule – Aufbau und Funktion

Die Wirbelsäule trägt die Last des Körpers und überträgt sie auf die Beine. Sie besteht aus 33 Wirbelkörpern und 23 Bandscheiben. Einige Wirbel sind miteinander verwachsen. Ein starker Muskel- und Bandapparat stärkt die Wirbelsäule.

Je zwei Wirbel bilden zusammen mit der dazwischenliegenden Bandscheibe ein sogenanntes Bewegungssegment. Sie sind über Bänder, Muskeln und Gelenke verbunden. Sind diese Verbindungen geschwächt, ist es möglich, dass der Wirbel nach vorn oder auch nach hinten rutscht. Meist befinden sich die betroffenen Wirbel im Lendenbereich. Da der unterste Lendenwirbel fest mit dem Becken verbunden ist, betrifft die Spondylolisthesis vor allem den vorletzten Lendenwirbel (L4).

Was ist Spondylolisthesis bei LWS?

Die Wirbelsäule gliedert sich in die Halswirbelsäule HWS (mit sieben Wirbeln), die Brustwirbelsäule BWS (mit zwölf Wirbeln) und die Lendenwirbelsäule LWS (mit fünf Wirbeln) (sowie die miteinander verwachsenen Wirbel des Kreuzbeins und des Steissbeins). Die Diagnose Spondylolisthesis LWS bedeutet also, dass es sich um ein Wirbelgleiten im Bereich der Lendenwirbelsäule handelt — die häufigste Form. Häufigster Gleitwirbel ist der unterste Lendenwirbel, der direkt über dem Kreuzbein (Os Sacrum) liegt. Das ist das Segment L5 S1.

Die weltweit weitaus am häufigsten betroffene Ethnie sind die Inuit. Rund 40 Prozent von ihnen haben Gleitwirbel. Ausserhalb dieser Ethnie leiden besonders Leistungssportler, deren Wirbelsäule besonders durch Überstrecken belastet wird, unter Spondylolisthesis. Dazu zählen zum Beispiel Speerwerfer oder Ringer. Auch sportliche Übungen wie Trampolinspringen, Turnen oder Delfinschwimmen zählen als "Risikosportarten" für das Wirbelgleiten.

Krankheitsverlauf und Prognose

Nicht jede Spondylolisthesis schreitet voran. Es ist möglich, dass sich das Wirbelgleiten von alleine stabilisiert.

Das Fortschreiten einer diagnostizierten Spondylolisthesis lässt sich ausserdem durch eine konsequente Therapie verhindern. Verschlimmert sich eine Spondylolisthesis, nehmen in der Regel die Beschwerden, Bewegungs- und Nervenstörungen zu. Wenn die Probleme sich schnell verschärfen, ist ein entschlossenes therapeutisches Eingreifen notwendig.

Stärkere Beschwerden schränken die Lebensqualität oft sehr ein. Daher ist es wichtig, Betroffenen früh Möglichkeiten zur Abhilfe aufzuzeigen und konsequent zu therapieren. Allerdings sollte eine operative Therapie nicht vorschnell erfolgen. Bereits eine Anpassung der körperlichen Belastung und unterstützende Physiotherapie lindern meist die Symptome.

Durch eine dreimonatige, intensive konservative Therapie der Spondylolisthesis bessern sich die Beschwerden in den allermeisten Fällen deutlich. 

Wie lange ist man bei Spondylolisthesis arbeitsunfähig?

Ob man infolge einer Spondylolisthesis arbeitsunfähig ist, hängt vom Einzelfall ab. Zum einen davon, wie ausgeprägt die Symptome sind, und zum anderen welcher Tätigkeit der Betroffene nachgeht.

Lassen sich mit konservativer Therapie die Symptome lindern, ist der Zeitraum der Krankschreibung und Arbeitsunfähigkeit unter Umständen kürzer. Nach einer Operation ist man je nach beruflicher Tätigkeit in der Regel zwischen zwei und zwölf Wochen krank geschrieben.

Symptome

Eine Spondylolisthesis verläuft oft ohne Beschwerde. Andere Betroffene wiederum leiden unter Schmerzen, die vor allem unter Belastung und bei bestimmten Bewegungen auftreten. Die durch eine Spondylolisthesis verursachten Schmerzen breiten sich dann oft gürtelförmig von hinten nach vorne aus. Hinzu kommt ein Gefühl der Instabilität in der Wirbelsäule.

Besonders am Morgen, wenn die Rückenmuskulatur entspannt ist, sind die Schmerzen stark. In schweren Fällen kommen Reflexausfälle, Sensibilitäts- und Motorikstörungen hinzu, die sich unter Umständen bis in die Beine erstrecken. Diese Symptome treten auf, wenn der Wirbel durch eine Spondylolisthesis eine Nervenwurzel quetscht.

Spezielle Gleitwirbel-Symptome gibt es allerdings nicht, da die Beschwerden denen anderer Rückenprobleme, wie zum Beispielen Bandscheibenvorfällen, oft ähneln. Manche Betroffene berichten von einem "Knacken".

Bei der angeborenen Form der Spondylolisthesis haben die Betroffenen zumeist keine oder nur leichte Symptome, da es sich um einen langsam fortschreitenden Prozess handelt. So haben die Nerven die Gelegenheit, sich den veränderten Verhältnissen anzupassen.

Ursachen und Risikofaktoren

Damit der betroffene Wirbel die Möglichkeit hat, nach vorne zu gleiten, muss sich in der sogenannten Interartikularportion ein Spalt bilden. Dies ist der Bereich zwischen den Gelenkfortsätzen der Wirbel nach oben und unten, die eine flexible Verbindung zwischen den Wirbeln bilden. Wenn diese Gelenkverbindungen geschädigt sind, ist der Wirbel beweglicher, rutscht somit möglicherweise aus der Wirbelsäulenachse – eine Spondylolisthesis entsteht.

Die häufigste Ursache für Wirbelgleiten sind abnutzungsbedingte (degenerative) Schäden der Wirbel. Dies betrifft vor allem den Lendenwirbelbereich. Im Laufe des Lebens verlieren die Bandscheiben durch Flüssigkeitsverlust an Höhe. Dadurch nähern sich die Wirbelkörper an, was die Funktion des Band- und Muskelapparats stört. Bei wenig trainierten Menschen kompensieren die Muskeln Bandscheibenschäden zudem schlechter. Dann haben die Wirbel noch weniger Halt.

Eine hohe Belastung der Wirbelsäule, verbunden mit starkem Überstrecken nach hinten, führt gegebenenfalls zu einer isthmischen Spondylolisthesis. Zu den Risikosportarten zählen Speerwerfen, Kunstturnen und Gewichtheben. Oft gibt es dabei eine genetische Veranlagung.

Auch schwere Verletzungen (Traumata) der Wirbelsäule mindern die Stabilität erheblich und münden so unter Umständen in eine Spondylolisthesis.

In Verbindung mit bestimmten Erkrankungen des Knochens, wie der Glasknochenkrankheit, ist es möglich, dass eine sogenannte pathologische Spondylolisthesis auftritt. Diese ist jedoch sehr selten.

Auch nach Operationen an der Wirbelsäule ist eine Spondylolisthesis als Komplikation möglich (postoperative Form).

Manchmal hat eine Spondylolisthesis jedoch angeborene Ursachen. Dies ist vor allem bei Fehlbildungen (Dysplasien, Spondylolyse) des Wirbelbogens der Fall. Die Auslöser dafür sind fast immer unklar. Verwandte ersten Grades von Betroffenen haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für angeborene Fehlbildung. Bei Jungen treten diese Schäden drei- bis viermal häufiger als bei Mädchen auf. Bei Mädchen ist die Spondylolisthesis jedoch meist stärker ausgeprägt.

Eine sogenannte Pseudospondylolisthesis verursacht ähnliche Symptome wie eine Spondylolisthesis. Dabei handelt es sich um das leichte Vor- oder Rückwärtsgleiten eines Wirbels aufgrund einer Bandscheibenabnutzung.

Untersuchungen und Diagnose

Wenn Sie unter starken Rückenbeschwerden leiden, wenden Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt. Dieser wird Sie bei Verdacht auf eine Erkrankung der Wirbelsäule, gegebenenfalls eine Spondylolisthesis, an einen Orthopäden überweisen. Bei starken Schmerzen, schweren Störungen der Motorik oder Sensibilität sowie Problemen beim Stuhlgang oder Wasserlassen sollten Sie jedoch umgehend eine Klinik aufsuchen.

Eine Spondylolisthesis ist jedoch nur in seltenen Fällen ein Notfall. Zumeist ist somit der niedergelassene Orthopäde der richtige Spezialist, der unter anderem folgende Fragen stellen wird:

  • Sind die Schmerzen abhängig von Belastung oder Bewegung?
  • Haben Sie Sensibilitäts- oder Motorikstörungen?
  • Fühlt sich Ihre Wirbelsäule instabil an?
  • Treiben Sie Sport?
  • Haben Sie sich an der Wirbelsäule verletzt?
  • Gibt es ähnliche Beschwerden in Ihrer Familie?
  • Waren Sie wegen Ihrer Beschwerden schon bei anderen Ärzten?
  • Haben Sie schon irgendwelche Behandlungen gegen Ihre Beschwerden versucht?

Körperliche Untersuchung

Nach dem Gespräch schliesst sich die körperliche Untersuchung an. Der Arzt wird darauf achten, wie die Wirbelsäule verläuft und wie sich der Patient bewegt und abstützt, um so Erkenntnisse über die Art der Wirbelsäulenprobleme zu gewinnen. Dabei fallen in der Regel offensichtliche Fehlstellungen der Wirbelsäule auf, wie zum Beispiel eine Skoliose. Darunter verstehen Mediziner einen S-förmigen Verlauf der Wirbelsäule.

Es ist möglich, dass bereits beim Betrachten der Wirbelsäule ein Höcker im Verlauf der Wirbelsäule sichtbar ist (Schanzenphänomen). Solche Stufen findet der Arzt auch durch Abtasten der hinteren Fortsätze der Wirbel (Dornfortsätze). Ausserdem erfasst er so den Muskelstatus um die Wirbelsäule und definiert die Position des Beckens. Durch Klopfen und Drücken identifiziert er schmerzhafte Regionen.

Funktionstest der Wirbelsäule

Dem schliessen sich körperliche Tests an, mit denen sich die Funktion der Wirbelsäule überprüfen lässt. Dazu dient unter anderem das Schober-Zeichen. Der Arzt markiert dazu einen Abstand von zehn Zentimetern ausgehend vom obersten Steissbeinwirbel. Der Patient wird dann gebeten, sich maximal vorzubeugen. Die zuvor definierte Strecke sollte sich um fünf Zentimeter vergrössern. Bei einer eingeschränkten Bewegung oder überstreckter Wirbelsäule bleibt der Abstand geringer.

Anschliessend prüft der Arzt eventuell den sogenannten Stauchungsschmerz. Dieser Schmerz tritt auf, wenn die Wirbelsäule durch leichten Druck gestaucht wird. Die körperliche Untersuchung beinhaltet auch Untersuchungen der Reflexe, der Sensibilität und Motorik. Welche speziellen Untersuchung sich anschliessen, hängt von der Symptomatik ab.

Bildgebende Untersuchungen

Zur anschliessenden Klärung fertigt der Arzt ein Röntgenbild aus verschiedenen Richtungen (Ebenen). In bestimmten Fällen ist es notwendig, diese Bilder durch speziellere Verfahren wie Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT), vor allem zur Beurteilung der Bandscheiben, und Computertomografie (CT) zur genaueren Untersuchung der Knochen zu ergänzen.

Weitere Massnahmen

In Ausnahmefällen ist eine nuklearmedizinische Untersuchung (wie eine Skelett-Szintigrafie) notwendig. Ebenfalls in Einzelfällen sind neurologische elektrophysiologische Untersuchungen sinnvoll, etwa wenn (möglicherweise) durch das Wirbelgleiten eine Nervenwurzel gereizt wird und die Schmerzen ausstrahlen.

Gibt es Hinweise, dass der Patient unter psychischen Begleiterkrankungen (wie Depression) leidet oder die Schmerzen chronisch werden, ist eventuell ein Besuch bei einem Psychotherapeuten angezeigt.

Einteilung in Schweregrade

Die Spondylolisthesis teilt man in verschiedene Schweregrade ein. Diese Klassifikation stammt vom US-Mediziner Henry William Meyerding aus dem Jahr 1932:

  • Grad I: Wirbelgleiten < 25 Prozent
  • Grad II: 25 bis 50 Prozent
  • Grad III: 51 bis 75 Prozent
  • Grad IV: 75 bis 100 Prozent

Bei einem Wirbelgleiten von mehr als 100 Prozent haben die beiden benachbarten Wirbelkörper keinen Kontakt mehr zueinander. Mediziner sprechen dann von einer Spondyloptose. Sie wird manchmal auch als Grad V der Schweregrad-Skala bezeichnet.

Behandlung

Hauptziel der Therapie ist die Verbesserung der Lebensqualität, insbesondere eine Verminderung der Schmerzen. Dies erreicht man vor allem durch Stabilisierung der Wirbel. Die Wirbelgleiten-Therapie basiert auf zwei Pfeilern, der konservativen und der chirurgischen Behandlung. Während in leichten Fällen Beratung und konservative Therapie in der Regel ausreichen, ist manchmal als zweite Stufe eine stationäre Behandlung erforderlich. Nur in schweren Fällen ist eine Operation nötig.

Konservative Therapie

Zu Beginn einer Gleitwirbel-Therapie steht immer eine umfassende Beratung. Dabei erfährt der Patient, wie er seine Wirbelsäule gezielt entlastet. Vermindert er die körperliche Belastung im privaten und beruflichen Rahmen, bessern sich die Beschwerden oft bereits deutlich. Besonders bestimmte Sportarten, die durch häufiges Überdehnen die Wirbelsäule belasten, müssen bei einer Spondylolisthesis vermieden werden.

Tritt besonders bei Kindern, die sich in einer Sportart wie etwa Kunsturnen, Speerwerfen oder anderen Risikosportarten betätigen, eine Spondylolisthesis auf, raten Mediziner, diese Sportarten nicht mehr auszuüben. Entsprechend empfehlen Ärzte dann rückenschonende Sportarten. Dazu zählen etwa Rückenschwimmen oder Kraulen, Radfahren, Yoga und andere.

Patienten mit erhöhtem Körpergewicht rät man im Rahmen der Spondylolisthesis-Therapie, ihr Gewicht zu reduzieren.

Um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, stehen verschiedene Schmerzmedikamente zur Verfügung. Ausserdem helfen oft antientzündliche und muskelentspannende Medikamente. Teilweise werden diese Medikamente bei einer Spondylolisthesis lokal in die schmerzhaften Regionen gespritzt.

Krankengymnastik in verschiedener Form und Intensität soll die Schmerzen verringern. Eine starke Muskulatur ist ein Garant für eine stabile Wirbelsäule und wirkt dem Wirbelgleiten entgegen. Das lässt sich am besten durch Gymnastik erreichen.

Im Rahmen einer Rückenschule erlernen die Betroffenen Strategien zum Training und Umgang mit der Erkrankung. Die Patienten lernen unter anderem günstige Körperhaltungen und Gleitwirbel-Übungen zur Entlastung. Die Therapie soll vor allem Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Übungen konsequent nach Abschluss der angeleiteten Krankengymnastik fortzuführen, ist für den Therapieerfolg entscheidend.

Auch eine Elektrotherapie hilft oft bei Spondylolisthesis. Dabei vermindern Stromflüsse den Schmerz und aktivieren die Muskulatur.

In manchen Fällen verschreibt der Arzt Hilfsmittel wie Schuheinlagen oder Rumpforthesen, die der Orthopädietechniker individuell anpasst.

Bei Kindern mit Spondylolisthesis liegt der Fokus zunächst auf einem guten Muskeltraining. Bis zum Abschluss des Knochenwachstums werden bei ihnen engmaschige Kontrollen des Krankheitsverlaufs durchgeführt. Eine besondere Belastung der Wirbelsäule sollten die Kinder vermeiden.

Bei schwereren Verläufen ist in manchen Fällen eine Operation zur Versteifung des betroffenen Wirbelsäulenbereichs sinnvoll.

Operative Therapie

Operative Verfahren zur Behandlung einer Spondylolisthesis nennt man Spondylodese. Durch eine Operation stabilisiert der Chirurg die Wirbel in ihrer korrekten Position, versteift sie und entlastet so die Nerven. Diese Stabilisierung ist auch für die Biomechanik der gesamten Wirbelsäule und der richtigen Lastenverteilung von besonderer Bedeutung.

Ein operativer Eingriff ist nicht zwangsläufig notwendig. Faktoren, die für eine Operation sprechen, sind:

  • Die Belastung aufgrund der Spondylolisthesis ist hoch.
  • Die konservative Therapie hilft nicht ausreichend.
  • Das Wirbelgleiten schreitet voran oder ist sehr ausgeprägt.
  • Es tauchen neurologische Symptome auf wie etwa Reflexausfälle, Sensibilitäts- oder Motorikstörungen.
  • Die Patienten sind noch nicht alt.

Gegen eine Operation sprechen ein hohes Alter und eine starke Osteoporose. Diese beiden Faktoren erhöhen das Operationsrisiko und senken die Erfolgswahrscheinlichkeit deutlich. Dennoch ist eine Operation unter Umständen auch in diesen Fällen empfehlenswert. Beispielsweise ist eine operative Versorgung bei anhaltenden, fortschreitenden oder wiederkehrenden Beeinträchtigungen sinnvoll. Eine in der Regel klare Indikation für eine Operation sind Nervenstörungen wie zum Beispiel eine Sensibilitäts- und Motorikstörung.

Risiken einer Operation sind vor allem allgemeine Komplikationen wie Wundheilungsstörungen oder Gefäss- und Nervenverletzungen. Die Beweglichkeit der Wirbelsäule ist im Anschluss an die Operation in manchen Fällen reduziert.

Nach einer Wirbelgleiten-OP erfolgt in der Regel eine krankengymnastische Nachbetreuung. Zudem ist es manchmal nötig, für einige Zeit ein medizinisches Korsett zur Stabilisierung zu tragen.

Vorbeugung

Angeborenen Formen lässt sich nicht vorbeugen. Der häufigen Ursache Überlastung und Abnutzung lässt sich allerdings durch ein rückenfreundliches Verhalten am ehesten vorbeugen. Das umfasst etwa "richtiges" Sitzen bei sitzenden Tätigkeiten (möglichst aufrecht) oder rückenschonende Trage- und Hebetechniken (aus den Knien statt aus der Hüfte).

Treten besonders bei sportlich engagierten Kindern Symptome auf, raten Ärzte, Risikosportarten nicht mehr auszuüben, um eine Verschlimmerung der Spondylolisthesis zu vermeiden.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Katharina Larisch
Autoren:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
M43
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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