Spinalkanalstenose

Von , Ärztin
und , Medizinjournalistin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Alle NetDoktor.ch-Inhalte werden von medizinischen Fachjournalisten überprüft.

Bei einer Spinalkanalstenose (Spinalstenose, spinale Stenose, Wirbelkanalstenose) ist der Kanal in der Wirbelsäule verengt, durch den das Rückenmark verläuft. Der entstehende Druck auf Rückenmark, Nerven und Blutgefässe verursacht Rückenschmerzen und bleibende Nervenschädigungen. Lesen Sie hier mehr über die Spinalkanalstenose.

Spinalkanalstenose der Ledenwirbelsäule

Kurzübersicht

  • Behandlung: Meist konservativ, Kombination aus Physiotherapie, Rückenschule, Wärmetherapie, Elektrotherapie, Stützkorsett (Orthese), Schmerzbewältigung und -therapie; selten Operation
  • Ursachen und Risikofaktoren: Oft Verschleiss (Degeneration), selten angeboren, Risiko Wirbelsäulenoperationen, Bandscheibenvorwölbung oder -vorfall, hormonelle Veränderungen, Knochenerkrankungen wie Morbus Paget
  • Symptome: Oft erst symptomlos; später etwa Rückenschmerzen mit Bein-Ausstrahlung, Bewegungseinschränkung; Gefühlsstörungen der Beine, Hinken, Blasen- und Mastdarmstörungen, gestörte Sexualfunktion; sehr selten Lähmungen
  • Diagnostik: Anhand der Symptome, bildgebende Verfahren (Kernspintomografie, Computertomografie)
  • Verlauf und Prognose: Ohne Therapie meist sehr langsamer Verlauf; mit konservativer Therapie gut zu behandeln
  • Vorbeugen: Nicht konkret möglich; im Übrigen rückenschonendes Verhalten etwa beim Tragen schwerer Lasten

Was ist eine Spinalkanalstenose?

Unter einer Spinalkanalstenose versteht man eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanals), durch den das Rückenmark mit Nerven und Blutgefässen verläuft.

Betroffen sind häufig Menschen im höheren Lebensalter durch Verschleiss der beweglichen Teile der Wirbelsäule. Es gibt allerdings auch angeborene Formen. Diese sind aber selten.

Die Erkrankung äussert sich unterschiedlich stark mit typischen Schmerzempfindungen meist in Rücken und Beinen sowie Einschränkungen der Beweglichkeit.

Welche Formen der Spinalkanalstenose gibt es?

Die häufigste Form der Spinalkanalstenose ist die der Lendenwirbelsäule (LWS) — die lumbale Spinalkanalstenose.

Weitere Formen sind die zervikale Spinalkanalstenose, bei der die Halswirbelsäule (HWS) betroffen ist, sowie selten die thorakale Spinalkanalstenose, die die Brustwirbelsäule (BWS) betrifft.

Als eigenständiges Krankheitsbild ist die Spinalkanalstenose erst seit 1996 definiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO widmet ihr mehrere Diagnose-Codes je nach Ausprägung: die Codes M48 (Sonstige Spondylopathien), M99 (Biomechanische Funktionsstörungen, anderenorts nicht klassifiziert) sowie G55 (Kompression von Nervenwurzeln und Nervenplexus bei anderenorts klassifizierten Krankheiten).

Gradeinteilung der Spinalkanalstenosen

Als ein Kriterium für den Schweregrad einer Spinalkanalstenose misst der Arzt mit bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomografie, wie sehr der Wirbelkanal verengt ist. Die Mediziner unterscheiden zwischen:

  • Relativer Spinalkanalstenose mit einem Kanal-Durchmesser von weniger als zwölf Millimetern
  • Absoluter Spinalkanalstenose mit einem Kanal-Durchmesser von weniger als zehn Millimetern

Allerdings führen Verengungen nicht zwangsläufig zu Symptomen. Auf der anderen Seite ist diese Gradeinteilung nur sehr grob, da bereits bei einer relativen Spinalkanalstenose Symptome möglich sind, wenn etwa Nerven am Rand des Wirbelkanals eingeengt sind, der Kanal insgesamt aber noch relativ weit ist.

Behandlung

In den meisten Fällen lässt sich die spinale Stenose gut mit konservativen Therapieverfahren behandeln. Nur selten (in sehr schweren Fällen) ist ein operativer Eingriff nötig.

Konservative Behandlung

Zu den konservativen Therapieformen bei Spinalkanalstenose zählen:

  • Physiotherapie (Bewegungstherapie, Bäder, muskelentspannende Behandlungen und andere) zur Entlastung und Stabilisierung der Wirbelsäule
  • Wärmetherapie zur Entspannung der Rückenmuskulatur
  • Elektrotherapie zur Schmerzbehandlung und Muskelentspannung
  • Stützkorsette (Orthesen) zur Entlastung der Wirbelsäule
  • Rückenschule (gezieltes Kräftigungstraining für die Rücken- und Bauchmuskulatur, Tipps für rückenschonende Haltungen, Verhaltenstipps)
  • Psychologisches Schmerzbewältigungstraining
  • Schmerztherapie

Meist kombiniert man mehrere der genannten Massnahmen miteinander. Man spricht dann von einem modularen Therapiekonzept.

Medikamente

Eine effektive Schmerzbehandlung ist ein Grundpfeiler der konservativen Stenose-Therapie. Je nach Intensität der Schmerzen setzen die Ärzte unterschiedliche Wirkstoffe ein.

Bei leichten Schmerzen helfen oft bereits nicht-opioide Schmerzmittel wie Ibuprofen, Paracetamol oder Diclofenac. Sie haben eine schmerzstillende und entzündungshemmende Wirkung (letztere ist bei Paracetamol aber nur sehr gering). Bei mittelstarken Schmerzen kommen leichte Opioide zum Einsatz, oft in Kombination mit leichten (nicht-opioiden) Schmerzmitteln. Starke Schmerzen werden dagegen mit starken Opioiden behandelt.

Manche Schmerzmittel reizen bei längerer Einnahme die Magenschleimhaut. Deshalb verschreiben Ärzte oft begleitend sogenannte Protonenpumpenhemmer. Diese Medikamente sorgen als "Magenschutz" dafür, dass der Körper weniger Magensäure produziert.

Zusätzlich zu den klassischen Schmerzmitteln ist es möglich, dass der Arzt leichte Antidepressiva verschreibt. In geringer Dosierung helfen diese bei chronischen Schmerzen, da sie auf der Ebene der Neurotransmitter wirken.

Manchmal helfen bei einer Spinalkanalstenose muskelentspannende Medikamente. Bei sehr starken Schmerzen kommt eventuell eine hochdosierte Kortisontherapie infrage: Kortison lässt die Weichteile, die auf den Wirbelkanal drücken, abschwellen. So ist im Kanal wieder etwas mehr Platz.

Die verschiedenen Wirkstoffe mit schmerzstillender, entzündungshemmender, lokal betäubender und/oder abschwellender Wirkung lassen sich oftmals nicht nur über den Mund (als Tablette, Kapsel oder ähnliches) verabreichen. Oft lassen sie sich direkt in den betroffenen Bereich der Wirbelkanalverengung spritzen.

Diese Injektionstherapie ist vor allem dann angezeigt, wenn eine Nervenwurzel stark entzündet ist. Die Kombination aus entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Kortison und Schmerzmitteln bekämpft die Entzündung und lindert zugleich die schmerzbedingten Beschwerden. Gehen die Schmerzen dagegen von den kleinen Wirbelgelenken aus, helfen unter Umständen lokale Injektionen mit schmerzstillenden Präparaten.

In Studien zur Injektionstherapie erhielten Patienten statt echter Medikamente wirkungslose Substanzen (Placebo), häufig einfaches Kochsalz. Trotz dieser Scheinbehandlung hatten viele Patienten anschliessend weniger Schmerzen. Die Forscher entdeckten, dass die Placebo-Injektionen körpereigene "Schmerzmittel" (Endorphine) freisetzten.

Wie verläuft eine Operation?

Fast allen Patienten mit Spinalkanalstenose hilft bereits eine konservative Therapie. Eine Operation ist nur selten nötig – meist dann, wenn wichtige Nerven ausfallen. Ausserdem operieren die Ärzte, wenn die konservative Behandlung versagt oder der Patient einen starken Leidensdruck hat und in seinem Alltagsleben deutlich eingeschränkt ist.

Der chirurgische Eingriff zielt immer darauf ab, die Region zu entlasten, in der das Rückenmark gequetscht wird. Dafür stehen verschiedene Methoden zur Verfügung:

  • Die Druckentlastung (Dekompression) der eingeengten Nerven gilt als Methode der Wahl. Hierfür wird der Wirbelbogen an der Stenosestelle einseitig oder beidseitig zusammen mit dem Dornfortsatz entfernt (Hemi-/Laminektomie). Manchmal entfernt man auch nur Teile des Wirbelbogens (Mikrodekompression).
  • Fusion (Spondylodese): Einzelne Wirbel werden durch Material aus dem Beckenkamm oder durch Schrauben miteinander verbunden und versteift. Das verhindert, dass sie ineinander rutschen und den Spinalkanal einengen.
  • Interspinöse Implantate verbinden die Dornfortsätze der Wirbelkörper und verhindern so die Vor- oder Rückwärtsneigung der Wirbelsäule in dem betroffenen Gebiet.

Welche Methode im Einzelfall am besten geeignet ist, entscheidet der Arzt. Alle drei Verfahren sind in der Regel minimalinvasiv oder mikrochirurgisch durchführbar. Das heisst, der Mediziner braucht keinen grossen Schnitt, um die betroffene Region zu erreichen. Mehrere kleine Schnitte genügen, durch die der Chirurg eine winzige Kamera mit Lichtquelle und die feinen OP-Instrumente einführt.

Mit jeder Operation sind gewisse Risiken verbunden. Beispielsweise ist es möglich, dass bei dem Eingriff Nerven geschädigt werden. Zudem wird in einigen Fällen die "Haut" rund um das Rückenmark verletzt, sodass Rückenmarks-Flüssigkeit austritt (Liquorfistel). Bevor man eine Spinalkanalstenose operiert, wird der Arzt deshalb sorgfältig den zu erwartenden Nutzen und die potenziellen Risiken gegeneinander abwägen.

Nach der Spinalkanal-OP

Die Nachsorge nach einer Spinalkanal-OP richtet sich nach der Art und Schwere der Operation. In der Regel ist es nach minimalinvasiven Verfahren möglich, bereits nach kurzer Zeit, in einigen Fällen noch am OP-Tag, das Krankenhaus zu verlassen.

Nach der OP empfehlen Ärzte eine Zeit lang körperliche Schonung – in der Regel rund sechs Wochen. Verschiedene leichtere Tätigkeiten sind bereits früher wieder möglich.

Je nach Einzelfall empfehlen die Mediziner Nachsorge mit ambulanter Physiotherapie oder einen stationären Aufenthalt in einer Reha-Klinik. Die Dauer und Art ist dabei ebenfalls vom einzelnen Fall abhängig.

Sitzende Tätigkeiten wie Autofahren sind in der Regel früher wieder normal möglich als schwere körperliche Arbeit. Daher richtet sich auch die Dauer der Krankschreibung oder der Berufsunfähigkeit zum einen nach dem Schweregrad der Spinalkanalstenose und der Art der Operation sowie nach der Art der Tätigkeit. In der Regel sind sitzende Tätigkeiten bereits nach rund vier Wochen wieder möglich, schwere körperliche Arbeit erst nach rund drei Monaten.

Alternative Methoden

Insbesondere gegen die Schmerzen bei einer Spinalkanalstenose bieten verschiedene Heilberufler sogenannte alternative Heilmethoden an. Darunter fallen etwa:

  • Akkupunktur
  • Axomera-Therapie
  • Homöopathie

Obwohl viele Patienten berichten, dass sie durch alternative Heilmethoden Linderung erfahren haben, sind die Wirkungsweisen in der evidenzbasierten Medizin nach wissenschaftlich-schulmedizinischen Kriterien bislang nicht belegbar.

Ursachen

Häufigste Ursache der spinalen Stenose ist der Verschleiss (Degeneration) der Wirbelsäule: Mit der Zeit verlieren die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern Flüssigkeit. Sie werden dadurch flacher und federn so schlechter bewegungsbedingten Druck ab – die Wirbelkörper werden also stärker belastet und drücken dann auf den Wirbelkanal (Spinalkanal).

Durch die geschrumpften Bandscheiben sind zudem die Bänder entlang der Wirbelsäule weniger straff gespannt und verlieren an Elastizität. So wird unter Umständen das gesamte Wirbelsäulengefüge latent instabil. Die Wirbelkörper verschieben sich in einigen Fällen gegeneinander (Wirbelgleiten, Spondylolisthesis) und drücken den Wirbelkanal zusammen.

Eine gut trainierte Rückenmuskulatur stabilisiert dann die Wirbelsäule, sodass man trotz Spinalkanalstenose beschwerdefrei ist. Patienten mit schlecht ausgebildeten Rückenmuskeln entwickeln dagegen häufig typische Stenose-Symptome. Denn wenn die Muskeln die instabile Wirbelsäule nicht zu stützen vermögen, bildet der Körper neue Knochenstrukturen an den Wirbelkörpern, um das Rückgrat zu stabilisieren. Diese neu entstandenen knöchernen Gebilde werden Osteophyten genannt. Sie verschlimmern oft eine Spinalkanalverengung nicht nur, sondern verursachen sie.

Das passiert bei einer Spinalkanalstenose
Spinalkanalstenose
Bei einer Spinalkanalstenose verengt sich der Spinalkanal, durch den das Rückenmark verläuft. Meistens ist ein Verschleiss der Wirbelkörper oder Bandscheiben die Ursache.

Auch eine Arthrose der Wirbelgelenke (Facettengelenke) führt eventuell zu knöchernen Neubildungen und begünstigt damit eine spinale Stenose (Facettensyndrom).

Seltenere Ursachen für eine Spinalkanalstenose sind:

  • Angeborene Fehlbildungen wie ein starkes Hohlkreuz, Wirbelgleiten (Spondylolisthesis), Chondrodystrophie (Störungen bei der Umwandlung von Knorpel zu Knochengewebe im Embryonalalter). Die Beschwerden treten in solchen Fällen bereits im Alter von 30 bis 40 Jahren auf.
  • Wirbelsäulenoperationen (die überschiessende Bildung von Narbengewebe verengt dabei eventuell den Spinalkanal)
  • Verletzungen an den Wirbelkörpern
  • Vorwölbungen oder Vorfall von Bandscheibenmaterial in den Wirbelkanal
  • Hormonelle Veränderungen, welche die Knochensubstanz und die Stabilität der Wirbelkörper beeinträchtigen (etwa Morbus Cushing)
  • Knochenerkrankungen (wie Morbus Paget): Dabei kommt es zu einem lokal begrenzten Umbau und Anbau von Knochen. Die Spinalkanalstenose tritt bei dieser Krankheit häufiger in der Lendenwirbel- als in der Halswirbelsäule auf.
  • Von Geburt an verengter Wirbelkanal unbekannter Ursache (idiopathische Spinalkanalstenose)

Symptome

Eine Spinalkanalstenose tritt meist im Lendenwirbelbereich (lumbale Spinalkanalstenose) auf. Sie führt nicht zwangsläufig zu Beschwerden. Solche treten erst auf, wenn der Spinalkanal derart verengt ist, dass Nerven oder Blutgefässe zusammengepresst werden. Welche Beschwerden das konkret sind, wann und wie stark sie auftreten, hängt von mehreren Faktoren ab. Dazu zählen der Schweregrad der Erkrankung, die Körperhaltung des Patienten und das Ausmass der körperlichen Belastung.

Zu Beginn der Erkrankung sind die Symptome wenig charakteristisch und vielfältig. Zu diesen unspezifischen Beschwerden zählen:

  • Rückenschmerzen im Lendenbereich (Lumbago), die meist einseitig in die Beine ausstrahlen (Lumboischialgie)
  • Verminderte Beweglichkeit im Lendenwirbelbereich
  • Muskelverspannungen im Lendenwirbelbereich

Schreitet die Stenose weiter fort, sind folgende Beschwerden möglich:

  • Gefühlsstörungen in den Beinen
  • Missempfindungen in den Beinen, etwa Brennen, Ameisenlaufen, Kältegefühl, Wattegefühl unter den Füssen
  • Schwächegefühl in der Beinmuskulatur
  • Schmerzbedingtes Hinken (Claudicatio spinalis)
  • Blasen- und/oder Mastdarmstörungen (Probleme beim Stuhlgang und Wasserlassen oder Inkontinenz)
  • Gestörte Sexualfunktion

Typisch für die Erkrankung ist, dass sich die Beschwerden im Sitzen oder in anderen Positionen, in denen der Rumpf nach vorn gebeugt wird (zum Beispiel beim Fahrradfahren, Bücken, Bergaufgehen oder entsprechend Treppensteigen), meist deutlich bessern.

Das Hinken bei Spinalkanalstenose (Claudicatio spinalis) muss unterschieden werden vom zeitweisen Hinken infolge von Durchblutungsstörungen bei der "Schaufensterkrankheit" (pAVK). Letzteres wird Claudicatio intermittens genannt.

Sehr selten führt die Spinalkanalstenose zu einem sogenannten Querschnittssyndrom: Dabei sind beide Beine gelähmt, und es treten Probleme bei Stuhlgang und Wasserlassen auf.

Manchmal betrifft die Wirbelkanalverengung nicht den Lendenwirbelbereich, sondern den Halswirbelbereich (zervikale Spinalkanalstenose). Die Betroffenen haben oft Nackenschmerzen, die in die Arme ausstrahlen. Mit der Zeit entwickeln sich dann eventuell auch hier Gefühlsstörungen in den Beinen sowie Mastdarm- und Blasenstörungen.

Untersuchungen und Diagnose

Im Erstgespräch (Anamnese) befragt der Arzt den Patienten ausführlich zu seinen Beschwerden und bekannten Vor- oder Grunderkrankungen (Bandscheibenvorfall, Arthrose, Osteoporose und ähnliche). Danach folgt eine körperliche Untersuchung: Unter anderem bittet der Arzt den Patienten meist, den Oberkörper zunächst weit nach hinten und anschliessend nach vorn zu beugen. Liegt eine Spinalkanalstenose vor, schmerzt der Rücken beim Zurücklehnen, während die Symptome bei gebeugtem Rumpf verschwinden.

Weitere Hinweise liefern bildgebende Verfahren. Experten empfehlen hier vor allem eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) ohne Kontrastmittel. Sie stellt Nerven, Bandscheiben, Blutgefässe und andere Strukturen in Schichtaufnahmen sehr detailliert dar.

Alternativ lässt sich die Wirbelsäule durch eine Computertomografie mit Kontrastmittel bildlich darstellen. Diese sogenannte Myelo-CT setzt den Patienten allerdings einer gewissen Strahlenbelastung aus.

Nicht jede Verengung des Wirbelkanals, die im MRT oder durch andere bildgebende Verfahren sichtbar ist, löst tatsächlich Beschwerden aus!

Ergänzend röntgt der Arzt in einigen Fällen den Patienten im Stehen und in bestimmten Körperhaltungen (Funktionsaufnahmen).

Zur Abklärung einer Spinalkanalstenose lassen sich elektrophysiologische Untersuchungen einsetzen. Dazu zählen beispielsweise eine Elektromyografie (EMG) sowie sogenannte evozierte Potenziale. Diese Methoden helfen, die Funktion von Nerven zu beurteilen.

Verlauf und Prognose

Auch wenn sie nicht behandelt wird, schreitet die Spinalkanalstenose meist nur sehr langsam voran. Je nach Ursache verläuft die Erkrankung ausserdem sehr unterschiedlich. Die durch den Druck auf die Nervenbahnen verursachten Schmerzen bleiben in einigen Fällen konstant oder sie nehmen bei bestimmten Bewegungen oder mit der Zeit ab. Auch ein ständiges Kommen und Gehen der Schmerzen ist möglich. Manchmal verringern sich die Symptome sogar im Alter, wenn die Wirbelsäule weniger beweglich wird. Denn dann werden die Nerven seltener gereizt, bewegungsabhängige Schmerzen treten somit seltener auf.

Die Spinalkanalstenose bildet sich damit zwar nicht grundsätzlich zurück, hat aber geringere Auswirkung.

In einigen Fällen verläuft eine Spinalkanalstenose dagegen akut: Wenn sich etwa Bandscheibengewebe verlagert (Protrusion, Prolaps), es bei Arthrose zu einer Kapselschwellung kommt, oder sich Flüssigkeit nahe den Nervenbahnen ansammelt, ist es möglich, dass sich die Symptome der Spinalkanalstenose plötzlich verschlimmern. Dabei ist oft eine Körperseite besonders betroffen.

Insgesamt lässt sich die Spinalkanalstenose in den meisten Fällen gut mit konservativen Therapiemethoden behandeln, so dass die Betroffenen ein relativ beschwerdefreies Leben haben.

Schwerbehindertenstatus bei Spinalkanalstenose?

Wenn eine Spinalkanalstenose nicht behandelbar ist und zu Einschränkungen führt, ist es möglich, das im Sinne einer Anerkennung als Schwerbehinderung ein sogenannter Grad der Behinderung (GdB) festgestellt wird. In der Regel stellt das zuständige Versorgungsamt einen solchen GdB auf Antrag fest.

Bei Schäden an der Wirbelsäule richtet sich das nach dem individuellen Fall, insbesondere nach der Schwere der Bewegungseinschränkung und den Auswirkungen.

Vorbeugen

Eine gezielte Vorbeugung der Spinalkanalstenose ist nicht bekannt. Da es sich aber in der Regel um eine Verschleisserkrankung handelt, lässt sich ihr (wie allgemein den meisten Rückenerkrankungen) durch sogenanntes rückengesundes Verhalten zumindest grundsätzlich vorbeugen.

Das beinhaltet etwa sich viel ausgleichend zu bewegen — also etwa Sport als Ausgleich bei sitzender Tätigkeit zu betreiben. Auch spezielle Trage- und Hebetechniken beim Heben schwerer Lasten oder andere rückenschonende Techniken bei schweren körperlichen Arbeiten helfen oft, spätere Erkrankungen zu vermeiden.

Weiterführende Informationen

Leitlinien:

Autoren- & Quelleninformationen

Jetzt einblenden
Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Katharina Larisch
Autoren:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
M48M51M99
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
Teilen Sie Ihre Meinung mit uns
Wie wahrscheinlich ist es, dass Sie NetDoktor einem Freund oder Kollegen empfehlen?
Mit einem Klick beantworten
  • 0
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0 - sehr unwahrscheinlich
10 - sehr wahrscheinlich