Speiseröhrenkrebs

Von , Ärztin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

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Ein Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) wird meist erst spät entdeckt, da der Krebs erst im fortgeschrittenen Stadium Symptome wie Schluckbeschwerden verursacht. Wie bei fast jeder Krebserkrankung verschlechtert eine späte Diagnose die Überlebenschancen – im Falle eines Ösophaguskarzinoms sogar erheblich. Die beiden häufigsten Formen von Speiseröhrenkrebs sind das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom, die sich aus unterschiedlichen Zelltypen entwickeln. Hier lesen Sie alles Wichtige über das Krankheitsbild Speiseröhrenkrebs.

Speiseröhrenkrebs: Brustkorb mit Speiseröhre

Kurzübersicht

  • Prognose: Abhängig davon, in welchem Stadium der Tumor entdeckt wird, in frühem Stadium gut operierbar
  • Behandlung: Operation, meist in Kombination mit Chemotherapie und Bestrahlung, alleinige Radiochemotherapie in speziellen Fällen (wie nicht-operabler Tumor), palliative (beschwerdenlindernde) Therapie bei nicht mehr heilbarem Tumor
  • Ursachen: Risikofaktoren wie übermässiger Alkohol- und Nikotinkonsum, vorangegangene Strahlentherapie, Kopf- oder Halstumore, Refluxkrankheit, Barrett-Ösophagus, starkes Übergewicht, Achalasie (nicht-intakter Speiseröhrenschliessmuskel), dauerhafter Konsum heisser Getränke, vernarbte Speisröhre (durch Verätzung)
  • Diagnose: Krankengeschichte (Anamnese), körperliche Untersuchung, Speiseröhrenspiegelung (Ösophagoskopie), Ultraschall (Endosonografie), bildgebende Verfahren, ergänzende Diagnostik wie Bronchoskopie

Was ist Speiseröhrenkrebs?

Speiseröhrenkrebs (Ösophaguskarzinom) ist in der westlichen Welt eine eher selten vorkommende Krebserkrankung, die Zahl der Neuerkrankungen nimmt allerdings seit den 1980er-Jahren kontinuierlich zu. Das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 66 Jahren. Speiseröhrenkrebs in jüngeren Jahren (vor dem 40. Lebensjahr) ist selten.

Ärzte gehen davon aus, dass die stetig zunehmenden Erkrankungsfälle von Speiseröhrenkrebs in den letzten Jahrzehnten auf Lebensstilfaktoren wie übermässiges Essen sowie den Konsum von Alkohol und Nikotin zurückzuführen sind. Diese Faktoren begünstigen die sogenannte Refluxkrankheit. Reflux bedeutet, dass saurer Magensaft in die Speiseröhre gelangt und dort die Schleimhaut schädigt. Die Refluxkrankheit ist massgeblich an der Entstehung eines Adenokarzinoms der Speiseröhre beteiligt.

Das Adenokarzinom ist derzeit zwar nur die zweithäufigste Form von Speiseröhrenkrebs, insgesamt kommt diese Form aber immer öfter vor und hat erheblichen Anteil an den insgesamt steigenden Zahlen von Speiseröhrenkrebs.

Ein Speiseröhrenkrebs tritt grundsätzlich an jeder Stelle der Speiseröhre (Ösophagus) auf. Etwa zehn Prozent befinden sich im oberen Drittel der Speiseröhre, 30 Prozent im mittleren und 60 Prozent im unteren Drittel. Besonders in drei Bereichen der Speiseröhre entwickelt sich der Krebs häufiger.

Dabei handelt es sich um Abschnitte, in denen andere Organstrukturen die Speiseröhre etwas einengen: der Eingang der Speiseröhre direkt hinter dem Schlund, in dem Bereich, an dem die Speiseröhre am Aortenbogen vorbeiführt, sowie beim Durchtritt der Speiseröhre durch das Zwerchfell. Abhängig von der entarteten Zellart wird Speiseröhrenkrebs in verschiedene histologische Formen eingeteilt.

Plattenepithelkarzinom (etwa 60 Prozent)

Bei einem Plattenepithelkarzinom entwickeln sich die Tumorzellen aus Zellen der Schleimhaut (Plattenepithel) der Speiseröhre. Diese Krebsart ist in allen Abschnitten der Speiseröhre zu finden. Ein Plattenepithelkarzinom wird durch starken Alkoholkonsum, heisse Getränke, Rauchen und Pilzgifte begünstigt.

Adenokarzinom (etwa 40 Prozent)

Bei einem Adenokarzinom entsteht der Tumor aus veränderten Drüsenzellen. Es bildet sich in 95 Prozent der Fälle im unteren Abschnitt der Speiseröhre. Ursache dafür ist vor allem die Refluxkrankheit, bei der immer wieder saurer Mageninhalt in die Speiseröhre gelangt. Sie schädigt die Schleimhaut, was zunächst zu Zellveränderungen, einem sogenannten Barrett-Ösophagus, führt, aus dem sich schliesslich ein Barrett-Karzinom (Adenokarzinom) entwickelt. Adenokarzinome haben in den letzten Jahrzehnten exponentiell zugenommen.

Undifferenziertes Karzinom (sehr selten)

Ist die ursprüngliche Zellart, aus der sich der Tumor entwickelt hat, nicht mehr sicher zu bestimmen, bezeichnen Mediziner dies als "undifferenziertes Ösophaguskarzinom". Es handelt sich um die seltenste Form von Speiseröhrenkrebs.

Ist Speiseröhrenkrebs heilbar?

Speiseröhrenkrebs wächst schnell in die umgebenden Organstrukturen ein. Wie schnell das Wachstum ist, lässt sich nicht generell beantworten. Wird der Tumor nicht entdeckt, dehnt er sich in die äusseren Wandschichten der Speiseröhre aus. Durchdringt der Tumor die Wand, gelangen die Tumorzellen in die Lymphbahnen und streuen meist zunächst in die Lymphknoten.

Über die Blutbahnen ist eine weitere Verbreitung der Krebszellen möglich, so dass sie sich auch in der Leber, der Lunge, im Gehirn oder in Knochen ansiedeln. Solche Metastasen sind keine Seltenheit bei Speiseröhrenkrebs. Das bedeutet, dass im Speiseröhrenkrebs-Endstadium mitunter auch der Lungenmantel, der Herzmantel, das Zwerchfell, die Hauptschlagader (Aorta), die Wirbelkörper oder die Luftröhre betroffen sind.

Lebenserwartung und Heilungschancen hängen davon ab, wie weit der Krebs fortgeschritten ist, wenn er entdeckt wird. Meist wird Speiseröhrenkrebs erst bemerkt, wenn der Tumor schon relativ gross ist und in die Lymphknoten gestreut hat. Das ist bei 90 Prozent der Patienten der Fall. Je fortgeschrittener die Erkrankung ist, desto schlechter ist die Prognose. In einem sehr frühen Stadium ist es möglich, dass der Tumor im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung oder im Rahmen einer Operation abgetragen und geheilt wird.

In der aktuell gültigen Leitlinie zum Ösophaguskarzinom wird die relative Fünf-Jahres-überlebensrate mit 22 bis 24 Prozent angegeben. Tritt der Krebs nach einer Operation wieder auf (Rezidiv), ist die Überlebenszeit nach einem örtlich begrenzten und behandelten Rezidiv vergleichbar mit der nach einer Erstbehandlung von Speiseröhrenkrebs. Studien ergaben, dass etwa 14 bis 45 Prozent der Patienten nach fünf Jahren noch leben.

Für Patienten mit erhöhtem Risiko empfiehlt es sich, sich regelmässig von einem Internisten untersuchen zu lassen, damit er einen Speiseröhrenkrebs rechtzeitig erkennt.

Wie wird Speiseröhrenkrebs behandelt?

Für die Behandlung von Speiseröhrenkrebs stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Operation, Bestrahlung oder Chemotherapie – welche Therapieoption zu Einsatz kommt, richtet sich danach, wie gross der Tumor ist, ob er sich im Körper ausgebreitet hat und wie der Allgemeinzustand des Patienten ist. Häufig werden verschiedene Verfahren kombiniert.

Spezialfälle sind Patienten, deren Speiseröhre durch den Tumor so verengt ist, dass eine Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist. In dem Fall dehnt der Arzt die Speiseröhre (Bougierung) und setzt eine Metallröhre (Stent) ein, die den Weg für die Nahrung offenhält.

Operation

Wird der Tumor in einem sehr frühen Stadium entdeckt, wird in den meisten Fällen der Tumor im Rahmen einer Speiseröhrenspiegelung (endoskopisch) abgetragen. Ist der Speiseröhrenkrebs etwas weiter fortgeschritten, ist ein grösserer Eingriff notwendig. Dabei wird die gesamte Speiseröhre zusammen mit den zugehörigen Lymphknoten entfernt.

Damit die Nahrungsaufnahme nach der Operation wieder möglich ist, setzt der Arzt ein Stück Dünndarm anstelle der Speiseröhre ein. Alternativ näht er den Magen direkt an den oberen Rest der Speiseröhre an (Magenhochzug).

Wenn es dem Operateur gelingt, den Tumor vollständig zu entfernen und noch keine Metastasen vorhanden sind, reicht dieser Eingriff für eine vollständige Heilung möglicherweise aus.

Chemotherapie und Bestrahlung

Bei einem fortgeschrittenen Speiseröhrenkrebs hat es sich bewährt, zusätzlich zu der Operation eine Chemotherapie oder Bestrahlung durchzuführen. Chemotherapie oder Bestrahlung werden in manchen Fällen schon vor der Operation durchgeführt, um den Tumor zu verkleinern ("Downstaging"). Dadurch soll der operative Eingriff weniger gravierend ausfallen, was das Operationsrisiko für den Patienten verringert.

In wissenschaftlichen Studien wird derzeit getestet, ob die Chemotherapie mit einer Bestrahlung kombiniert werden sollte, um die Speiseröhrenkrebs-Prognose zu verbessern. Diese Therapieform wird Radiochemotherapie genannt.

Eine alleinige Radiochemotherapie ohne operative Massnahmen wird auch dann gewählt, wenn:

  • Der Tumor aufgrund seiner Grösse und Lage nicht operativ zu entfernen ist
  • Der körperliche Zustand des Patienten eine Operation nicht zulässt
  • Der Patient die Operation nach ausführlichem Aufklärungsgespräch ablehnt

Palliative Therapie

Ein weit fortgeschrittener Speiseröhrenkrebs verengt häufig die Speiseröhre und blutet mitunter. Er ist nicht mehr heilbar. Damit der Patient trotzdem möglichst wenig Beschwerden hat, wird eine palliative (beschwerdenlindernde, nicht heilende) Therapie durchgeführt. Sie wird individuell festgelegt und beinhaltet manchmal eine Chemotherapie oder eine Bestrahlung.

Im Speiseröhrenkrebs-Endstadium erhält der Patient durch eine Magensonde zusätzliche Nahrung, wenn die normale Essensaufnahme nicht mehr möglich ist. Zudem werden die Schmerzen und mögliche Blutungen behandelt.

Welche Symptome treten auf?

Alles Wichtige zu den typischen Anzeichen von Speiseröhrenkrebs lesen Sie im Beitrag Speiseröhrenkrebs – Symptome.

Was sind Ursachen und Risikofaktoren?

Für die beiden Hauptformen von Speiseröhrenkrebs (Plattenepithelkarzinom und Adenokarzinom) bestehen unterschiedliche Risikofaktoren.

Risikofaktoren für das Plattenepithelkarzinom sind beispielsweise:

  • Konsum hochprozentigen Alkohols
  • Frühere Strahlentherapie in der Nähe der Speiseröhre (zum Beispiel bei Brustkrebs)
  • Kopf-/Halstumore
  • Dauerhafter Konsum heisser Getränke
  • Nitrosamine (in vielen Nahrungsmitteln enthalten)
  • Aflatoxine (Gift aus Schimmelpilzen)

Risikofaktoren für ein Adenokarzinom:

  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (chronisches Sodbrennen)
  • Barrett-Ösophagus (entwickelt sich mitunter aus Refluxkrankheit: Schleimhautzellen der Speiseröhre wandeln sich in Drüsenzellen um)
  • Starkes Übergewicht (Adipositas)

Fünf Prozent der Menschen mit einer Refluxkrankheit entwickeln einen sogenannten Barrett-Ösophagus, der eine Krebsvorstufe darstellt. In zehn Prozent der Fälle entsteht aus dieser Vorstufe ein Adenokarzinom der Speiseröhre, welches dann auch als Barrett-Karzinom bezeichnet wird.

Es gibt daneben weitere Faktoren, die alle Formen von Speiseröhrenkrebs begünstigen. Dazu zählen:

  • Rauchen
  • Achalasie: Wenn der untere Speiseröhrenschliessmuskels nicht ausreichend erschlafft, damit die Nahrung problemlos passiert
  • Verengende Vernarbung (Stenose) der Speiseröhre durch Säure- oder Laugenverätzung
  • Infektion mit Papillomaviren HPV 16 (auch beteiligt am Gebärmutterhalskrebs)
  • Genetisch bedingte Hornhautverdickung an Händen und Füssen (Tylosis palmaris und plantaris)
  • Plummer-Vinson-Syndrom: Eine seltene Erkrankung, die durch Eisenmangel ausgelöst wird

Neben den aufgeführten möglichen Ursachen von Speiseröhrenkrebs gibt es auch schützende Faktoren. Menschen, die über eine längere Zeit Acetylsalicylsäure oder andere Wirkstoffe aus der Gruppe der nichtsteroidalen Schmerzmittel einnehmen, scheinen Studien zufolge seltener an Speiseröhrenkrebs zu erkranken. Dennoch ist es nicht ratsam, solche Medikamente vorbeugend einzunehmen, da sie eventuell selbst schwere Nebenwirkungen wie beispielsweise Magengeschwüre verursachen.

Welche Untersuchungen führen zur Diagnose?

Der richtige Ansprechpartner bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs ist ein Facharzt für Innere Medizin, der auf Erkrankungen des Verdauungstraktes spezialisiert ist (Gastroenterologe). Der Arzt erkundigt sich zunächst nach Ihren aktuellen Beschwerden und eventuellen Vorerkrankungen (Anamnese). Grundsätzlich treten die Beschwerden bei Speiseröhrenkrebs erst in einem weit fortgeschrittenen Erkrankungsstadium auf ("stummer Krebs"). Ihr Arzt stellt Ihnen bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs zum Beispiel folgende Fragen:

  • Haben Sie in den letzten Wochen und Monaten ungewollt an Gewicht verloren?
  • Leiden Sie unter Appetitlosigkeit und Übelkeit?
  • Haben Sie Schmerzen beim Schlucken oder ein Druckgefühl im Hals oder hinter dem Brustbein?
  • Mussten Sie erbrechen?
  • Nehmen Sie Medikamente ein?

Auch wenn sich bei Ihnen bereits ein Speiseröhrenkrebs entwickelt hat, treten solche Symptome oft nur vereinzelt oder gar nicht auf. Ihr Arzt versucht im Gespräch ausserdem, die oben genannten Risikofaktoren für ein Ösophaguskarzinom abzuklären. Sollten im Rahmen einer Untersuchung oder in der Krankengeschichte Verdachtsmomente für Speiseröhrenkrebs auftauchen, überweist Ihr Arzt Sie an einen Gastroenterologen.

Auf die Anamnese folgt die körperliche Untersuchung. Dabei prüft der Arzt, ob Lymphknoten vergrössert sind oder an anderer Stelle Knoten zu tasten sind. Da die Speiseröhre von aussen nur sehr eingeschränkt beurteilbar ist, sind bei Verdacht auf Speiseröhrenkrebs in der Regel weitere Untersuchungen notwendig.

Der Zustand der Speiseröhre und die Fähigkeit zu schlucken lassen sich aufgrund verschiedener Untersuchungen beurteilen. Mithilfe bildgebender Verfahren ermittelt der Arzt die Ausbreitung des Tumors im Körper ("Staging" = Stadieneinteilung). Diese Einteilung richtet sich nach der Ausdehnung und Grösse des Karzinoms, der Anzahl der befallenen Lymphknoten und ob Fernmetastasen in anderen Organen wie Lunge und Leber vorhanden sind. Abhängig vom Resultat des Stagings wählt der Arzt die passende Therapie aus.

Nachfolgend werden unterschiedliche Untersuchungsmethoden beschrieben.

Ösophagoskopie

Eine Ösophagoskopie ist eine Speiseröhrenspiegelung. Ähnlich wie bei einer Magenspiegelung muss der Untersuchte dafür nüchtern sein. Er bekommt vor der Untersuchung ein leichtes Schlafmittel verabreicht, sodass er die Untersuchung selbst nicht bewusst erlebt und keine Schmerzen empfindet.

Für die Untersuchung wird ein Schlauch mit einer kleinen Kamera und einem Licht durch den Mund in die Speiseröhre geführt. Auf einem Bildschirm sieht der Arzt, ob die Schleimhaut der Speiseröhre verändert ist oder ob sie an bestimmten Stellen verengt erscheint.

Erscheint ein bestimmtes Areal verändert, entnimmt er mit einer kleinen Zange eine Gewebeprobe (Biopsie). Das erfolgt meist an mehreren Stellen. Die so gewonnenen Proben werden anschliessend unter dem Mikroskop untersucht. Mit der feingeweblichen (histologischen) Untersuchung der Gewebeproben lassen sich auch Krebsvorstufen wie beispielsweise ein Barrett-Ösophagus feststellen.

Endosonografie

Die Endosonografie der Speiseröhre ähnelt der Ösophagoskopie in ihrer Durchführung. Hierbei wird allerdings ein Ultraschallkopf in die Speiseröhre eingeführt. Mithilfe dieser Methode lässt sich die Ausdehnung der befallenen Areale gut abschätzen – eine wichtige Information bei Speiseröhrenkrebs.

Prognose und Therapie hängen massgeblich davon ab, ob der Speiseröhrenkrebs schon tiefe Gewebeschichten befällt und ob er sich bereits in umgebende Strukturen (zum Beispiel Lymphknoten) ausgebreitet hat. Ausserdem lassen sich durch die Endosonografie vergrösserte Lymphknoten entdecken.

Bildgebung

Um die genaue Ausbreitung eines Speiseröhrenkrebs im Körper zu erfassen (Staging), wird meistens eine Computertomografie (CT), Magnetresonanztomografie (MRT) oder Positronen-Emissions-Tomografie (PET) durchgeführt. Jede dieser Untersuchungen hat Vor- und Nachteile. Deswegen entscheidet der Arzt individuell, welches der Verfahren am sinnvollsten ist. Manchmal bekommt der Patient vor dieser Untersuchung ein Kontrastmittel zum Trinken.

Ergänzende Diagnostik

Besteht der Verdacht, dass der Speiseröhrenkrebs bereits in den Kehlkopf oder die Bronchien eingewachsen ist, ist eine Spiegelung dieser Organe notwendig (Bronchoskopie, Laryngoskopie). Die Untersuchung ähnelt einer Magenspiegelung. Allerdings wird dazu ein etwas dünnerer Schlauch verwendet. In anderen Fällen wird ein Ultraschall des Oberbauches durchgeführt.

Zeigen sich bei den bildgebenden Untersuchungen auffällige Strukturen im Knochen, ist eine Knochenszintigrafie sinnvoll. Dafür wird ein Kontrastmittel in die Armvene des Patienten gespritzt, das sich vor allem in besonders stoffwechselaktiven, gut durchbluteten Bereichen im Knochen anlagert. Das trifft auch auf Metastasen zu. Auf Bildern, die eine sogenannte Gammakamera schiesst, erscheinen Tochtergeschwülste (Metastasen) dann als dunkle Flecken.

Nicht empfohlen

Nicht mehr angewandt in der Diagnostik von Speiseröhrenkrebs wird der sogenannte Röntgenbreischluck. Dabei nimmt der Patient ein Kontrastmittel zu sich und der Radiologe röntgt beim Schlucken. Ebenso wird auf eine routinemässige Röntgen-Untersuchung verzichtet. Genauere Ergebnisse liefern heutzutage Verfahren wie Endoskopie, Computertomografie (CT) oder Endosonografie.

Die Bestimmung sogenannter Tumormarker im Blut (biochemische Substanze, die bei manchen Krebsarten vermehrt im Körper auftreten) wird derzeit nicht angeraten. Dies gilt sowohl für die Erstdiagnose als auch für das weitere Überwachen der Erkrankung an Speiseröhrenkrebs. Es liegen keine wissenschaftlichen Daten vor, die den Nutzen belegen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Martin Schäfer
Autor:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

ICD-Codes:
C15
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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