Brustsoor

Von , Medizinredakteurin
Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

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Brustsoor ist eine Infektion der weiblichen Brust mit Hefepilzen, meist Candida albicans. Eine Soor-Infektion der Brust kommt vor allem in der Stillzeit vor. Als Symptome treten brennende, schmerzempfindliche Brustwarzen, Hautrisse und weissliche Beläge auf. Zugleich zeigt das Baby oft Symptome von Mundsoor. Erfahren Sie hier, wie Sie Brustsoor erkennen und was dagegen hilft!

Mutter stillt ihr Kind

Kurzübersicht

  • Symptome: Jucken und Brennen an den Brustwarzen, evtl. kleine Bläschen, rötlich, glänzende Haut, kleine Risse an der Brustwarze, Schmerzen beim Stillen, ggf. gleichzeitig Symptome von Mundsoor oder Windelsoor beim Baby
  • Behandlung: Salben mit Antipilzmittel (Antimykotikum) zum Auftragen auf die betroffenen Stellen der Brust, gleichzeitige Behandlung des Stillkinds, bei anhaltenden Beschwerden Antimykotika zum Einnehmen
  • Vorbeugen: Hygienemassnahmen rund um das Stillen und in der Säuglingspflege, Handhygiene
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Bei entsprechender Behandlung verschwinden die Beschwerden und die Stillfähigkeit bleibt erhalten. Seltener sind hartnäckige oder wiederkehrende Verläufe.
  • Ursachen und Risikofaktoren: Hefepilzinfektion, meist durch den Erreger Candida albicans, Übertragung vom Baby (z.B. bei Mundsoor oder Windelsoor) auf die Mutter und umgekehrt möglich, erhöhtes Risiko durch bestimmte Medikamente (z.B. Antibiotika, Kortison)
  • Diagnose: Anhand der Beschwerden und des Aussehens (klinisches Bild), ein Erregernachweis durch Abstrich von der Brustwarze gelingt meist nicht.

Woran erkenne ich Brustsoor?

Oft treten die Symptome von Brustsoor plötzlich nach einer längeren problemlosen Stillphase auf. Betroffene Frauen bemerken dann gerötete, glänzende und manchmal schuppige Stellen an einer oder an beiden Brustwarzen. Ausserdem treten bei Brustsoor folgende Symptome auf:

  • brennende, juckende Brustwarzen
  • ggf. kleine Hautrisse an der Brustwarze oder am Warzenhof
  • rötliche Bläschen, wie Hautausschlag
  • evtl. weissliche Beläge
  • ggf. helle (depigmentierte Hautstellen)
  • stechende Schmerzen während des Stillens

Da die Hefepilze, die den Brustsoor auslösen, ansteckend sind, treten mitunter auch beim Baby Symptome auf. Die Anzeichen lassen sich etwa im Mund des Säuglings erkennen, etwa in Form von weisslichen Belägen auf der Wangenschleimhaut oder Zunge. In diesem Fall sprechen Ärzte von Mundsoor.

Auch besteht die Möglichkeit, dass parallel zu den Brustsoor-Beschwerden der Mutter beim Baby Windelsoor-Symptome bestehen. Es handelt sich dann um den gleichen Erreger, der zwischen Mutter und Kind übertragen wird.

Manchmal bemerken Frauen mit Brustsoor gleichzeitig Anzeichen von Scheidenpilz.

Wie wird Brustsoor behandelt?

Brustsoor lässt sich mit Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika, behandeln. Meist verschreibt der Arzt zur Therapie von Brustsoor eine Salbe zum Auftragen auf die betroffenen Stellen. Während der Behandlung des Soor an der Brust ist Stillen weiterhin möglich.

Die Brustsoor-Salben enthalten in der Regel Wirkstoffe wie Nystatin oder Miconazol. Seltener kommen Salben zum Einsatz, die eine Kombination aus Antimykotikum und einem leichten Kortison enthalten. Verschwinden die Beschwerden nicht, verordnet der Arzt in seltenen Fällen ein Antipilzmittel zum Einnehmen.

Bei der Therapie von Brustsoor ist es wichtig, dass sowohl die betroffene Frau als auch das Baby behandelt werden. Denn der Soor an der Brustwarze gelangt beim Stillen auch zum Kind. Manchmal besteht beim Baby zuerst unbemerkt Mundsoor und die Candida-Pilze haben beim Stillen die Brust der Mutter infiziert.

Auch andere Soor-Infektionen, etwa bei einem Windelsoor des Babys oder bei einem Scheidenpilz der Mutter, sind manchmal der Ausgangspunkt. Die Pilze wurden dann zum Beispiel über die Hände auf die Brust übertragen.

Helfen Hausmittel bei Brustsoor?

Grundsätzlich ist es nicht empfehlenswert, Soor an den Brustwarzen alleine mit Hausmitteln zu behandeln. Es sind keine Hausmittel bekannt, die eine Infektion mit Candida-Hefen effektiv bekämpfen. Vor allem beim Baby, das sich oft gleichzeitig beim Stillen mit Soor angesteckt hat, breitet sich die Infektion ohne Behandlung unter Umständen weiter aus und befällt manchmal den Darm.

Manche Frauen mit Brustsoor empfinden es als angenehm, die schmerzenden Brustwarzen zwischen den Stillzeiten zu kühlen.

Zwar raten Hebammen mitunter als Hausmittel bei wunden Brustwarzen dazu, diese mit einem Tröpfchen Muttermilch zu bestreichen. Bei Brustsoor gilt dies jedoch nicht, im Gegenteil: Die Muttermilch sollte nicht auf der Brustwarze eintrocknen.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Wie lässt sich Brustsoor vorbeugen?

Brustsoor lässt sich nicht in jedem Fall durch eine bestimmte Massnahme vorbeugen. Es gibt jedoch einige Hygieneregeln, die das Risiko für Brustsoor (und auch für andere Formen von Soor, wie Mundsoor oder Windelsoor) senken.

Folgende Hygienemassnahmen sind zur Vorbeugung von Brustsoor und zum Schutz vor einer Wiederansteckung sinnvoll:

  • Sorgfältige Handhygiene: Waschen Sie sich vor und nach dem Stillen und Wickeln des Babys Ihre Hände sowie die Hände Ihres Kindes im Rahmen der täglichen Körperpflege.
  • Textilhygiene: Waschen Sie Handtücher, Waschlappen, Spucktücher und BHs bei 60 °C.
  • Hygiene rund um Ihr Baby:Kochen Sie alle Schnuller und Flaschensauger sowie Spielzeug, das Ihr Kind in den Mund nimmt, regelmässig aus oder sterilisieren Sie diese. Wickeln Sie Ihr Baby möglichst häufig, um Infektionen wie Windelsoor zu vermeiden.

Was muss ich beim Stillen beachten?

Neben den allgemeinen Hygienemassnahmen zur Vorbeugung von Soor ist es ausserdem hilfreich, diese Tipps rund um das Stillen zu beachten:

  • Wenn der Arzt bei Ihnen Brustsoor festgestellt hat, verwenden Sie Einwegstilleinlagen. Wechseln Sie diese häufig und vor allem sofort, wenn diese feucht sind.
  • Wenn Sie Muttermilch abpumpen, reinigen und sterilisieren Sie alle Pumpenteile nach jeder Benutzung, gleiches gilt für andere Stillutensilien wie Stillhütchen.
  • Es ist wichtig, dass Sie Muttermilch, die Sie zu Beginn des Brustsoors eingefroren haben, entsorgen. Auch unter der Behandlung ist es ratsam, keine Milch einzufrieren.
  • Waschen Sie die Brust nach dem Stillen mit warmem Wasser und lassen Sie die Haut (sofern möglich) an der Luft trocknen.
  • Tragen Sie die Brustsoor-Salbe anschliessend auf die betroffenen Stellen auf. Drücken Sie die Salbe nicht direkt aus der Tube auf die Stelle an der Brust: Sonst besteht die Gefahr, die Tube mit Hefepilzen zu kontaminieren.
  • Haben Sie durch den Brustsoor Schmerzen, legen Sie Ihr Baby beim Stillen zuerst an die gesunde (oder weniger schmerzhafte) Brust an. Eventuell ist es hilfreich, die Stillzeiten etwas kürzer zu halten.

Brustsoor ist kein Grund abzustillen. Sie dürfen Ihr Baby auch unter der Behandlung weiterhin stillen.

Wann tritt bei Brustsoor eine Besserung ein?

Normalerweise dauern die Beschwerden bei einer Infektion mit Brustsoor nicht über den Behandlungszeitraum hinweg an. Unter der richtigen Behandlung bessern sich die Beschwerden meist und der Brustsoor verschwindet. Wichtig ist, dass sowohl die Mutter als auch das Baby gegen Soor behandelt werden, um eine erneute gegenseitige Ansteckung zu verhindern.

In seltenen Fällen ist Brustsoor hartnäckig. Der Arzt überprüft dann die Wirksamkeit der Therapie und schliesst andere Gründe aus, die eventuell für die anhaltenden Beschwerden verantwortlich sind. Unter Umständen verschreibt er ein Antipilzmittel zum Einnehmen.

Was ist die Ursache von Brustsoor?

Die Ursache von Brustsoor ist ein Befall einer oder beider Brustwarzen mit einem bestimmten Hefepilz. Fast immer handelt es sich dabei um Candida albicans. Candida-Pilze kommen in geringer Zahl als normale Bewohner der Haut oder Schleimhaut vor.

Eine funktionierende Abwehr sorgt normalerweise dafür, dass sich die Hefepilze nicht übermässig vermehren. Sind die Abwehrmechanismen gestört, nutzen die Erreger jedoch ihre Chance und vermehren sich plötzlich massiv. Faktoren wie eine allgemeine Abwehrschwäche, hormonelle Umstellungen, Stress oder bestimmte Medikamente (wie Antibiotika) begünstigen etwa Soor.

Bei Brustsoor kommen folgende Risikofaktoren hinzu:

  • Das feucht-warme Milieu unter den Stilleinlagen bietet Candida albicans ideale Wachstumsbedingungen.
  • Babys infizieren sich aufgrund ihres noch unreifen Immunsystems leichter mit Soor – manchmal übertragen sie dann unbemerkt Mundsoor beim Stillen auf die Mutter und verursachen so Brustsoor.
  • Windelsoor bei Säuglingen ist mitunter eine Infektionsquelle für Brustsoor und wird z.B. bei unzureichender Handhygiene übertragen.

Wie wird Brustsoor festgestellt?

Meist erkennt die Hebamme oder der Arzt Brustsoor aufgrund der typischen Beschwerden und anhand des Aussehens. Liegt gleichzeitig bei einem Baby Soor im Mund oder ein Windelsoor vor, ist auch ein Soor der Brust sehr wahrscheinlich.

Bei anderen Formen von Soor weist der Arzt den Erreger oft mithilfe eines Abstrichs aus dem betroffenen Bereich nach. Dies gelingt bei Brustsoor allerdings meist nicht.

Nicht immer handelt es sich bei geröteten, schmerzenden Brustwarzen um Brustsoor. Manchmal liegen auch Infektionen der Brust (Mastitis) mit anderen Erregern vor oder die Bruswarzen sind wund, weil die Anlegetechnik ungünstig ist. Ein Frauenarzt und/oder eine Hebamme stellen die richtige Diagnose und geben Rat.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Pascale Huber
Pascale Huber

Pascale Huber hat Tiermedizin an der Freien Universität Berlin studiert. Sie arbeitete mehrere Jahre als praktizierende Tierärztin, bis sie im Jahr 2009 in den Medizinjournalismus wechselte. Aktuell ist sie Chefredakteurin von tiermedizinischen Fachkreise- und Laienportalen. Ihr Schwerpunkt ist die Erstellung von human- und tiermedizinischem Content für Fachkreise und Patienten.

ICD-Codes:
B37
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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