Achillessehnenriss

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Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Ein Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur) wird häufig von einem peitschenartigen Knall begleitet. Der Patient ist dann nicht mehr in der Lage, auf den Zehenspitzen des betroffenen Fusses zu stehen. An diesen Symptomen erkennt ein Arzt meist schon die Ursache – einen Achillessehnenriss. Der Riss wird meist operativ versorgt. Lesen Sie hier alles Wichtige zu Symptomen, Diagnose und Therapie bei einem Achillessehnenriss!

Achillessehnenriss: Arzt tastet Ferse ab

Kurzübersicht

  • Prognose: Mehrmonatige Nachbehandlung nach konservativer oder operativer Therapie (Physiotherapie), normale sportliche Aktivitäten nach etwa drei bis vier Monaten, Leistungssport nach etwa sechs Monaten möglich
  • Therapie: Notfallbehandlung am Unfallort: PECH (= Pause, Eis, Compression, Hochlagern), konservativ mit Unterschenkelgips und anschliessender Schuhorthese, operativ (offen oder minimal-invasiv)
  • Symptome: Peitschenartiger Knall, heftig stechender Schmerz, erschwertes Gehen, mitunter Schwellung und Bluterguss an der betroffenen Stelle
  • Ursachen: Abruptes starkes Anspannen der Sehne (etwa beim Sport), in der Regel ist die betroffene Sehne vorgeschädigt, etwa durch Alterungsprozesse oder Mikroverletzungen
  • Untersuchungen: Körperliche Untersuchung, bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomografie (MRT) oder bei Verdacht auf knöcherne Beteiligung Röntgen

Was ist ein Achillessehnenriss?

Der Achillessehnenriss ist keine seltene Verletzung. Mehr als zehn von 100.000 Menschen erleiden jährlich eine Achillessehnenruptur. Männer sind dabei häufiger betroffen als Frauen. Typischerweise tritt ein Achillessehnenriss im Alter zwischen 20 und 50 Jahren auf. Meist reisst die Achillessehne im schlechter durchbluteten mittleren Bereich und seltener am Knochen- oder Muskelansatz.

Die Achillessehne verbindet den Wadenmuskel „Musculus Triceps Surae“ mit dem Fersenbein. Der Wadenmuskel ermöglicht es uns, die Fussspitze nach unten zu senken (etwa beim Drücken des Gaspedals im Auto oder beim Gang auf den Zehenspitzen). Die Achillessehne hat eine Länge von zehn bis zwölf Zentimetern und ist die kräftigste Sehne des Körpers: Sie wird in Maximalsituationen mit dem zehnfachen Körpergewicht belastet.

Es ist empfehlenswert, nach einem Achillessehnenriss geeignete Schuhe zu tragen. Gutes Schuhwerk weist günstig platzierte Fersenkappen auf und ist nicht aus zu steifem Material.

Wie lange dauert die Heilung?

Die Prognose bei einem Achillessehnenriss ist bei fachgerechter Versorgung sehr gut. In seltenen Fällen kommt es zu Infektionen, Durchblutungsstörungen und/oder einer Verkürzung oder Verlängerung der Sehne.

Sowohl nach konservativer als auch operativer Therapie ist eine mehrmonatige Nachbehandlung nötig. So wird die Sehne in der Physiotherapie zunehmend belastet. Drei bis vier Monate nach dem Achillessehnenriss sind wieder normale sportliche Aktivitäten möglich. Leistungssportler lassen dagegen etwa ein halbes Jahr vergehen, bis sie wieder mit dem Wettkampftraining beginnen.

Manche Patienten leiden nach einem Achillessehnenriss an chronischen Schmerzen.

Wie wird ein Achillessehnenriss behandelt?

Es ist ratsam, am Unfallort eine Notfallbehandlung entsprechend der sogenannten "PECH"-Regel durchzuführen: Pause, Eis, Compression (durch einen entsprechenden Verband), Hochlagerung.  

Konservative Behandlung

Wenn sich die beiden Enden der Achillessehne bei einer Fusssenkung (Spitzfussstellung, Plantarflexion) zusammenbringen lassen (Kontrolle im Ultraschall), wird mitunter konservativ behandelt. Dazu erhält der Patient für zwei Wochen einen Unterschenkelgips in Spitzfussstellung. Danach muss er noch für sechs Wochen eine Schuhorthese tragen, also einen speziell angepassten Schuh, der im Fersenbereich erhöht ist. Diese Steilstellung des Fusses wird sukzessive verringert.

Operation

Eine Operation hat den Vorteil, dass es seltener zu erneuten Rupturen kommt und die Sehne anschliessend belastbarer und funktionsfähiger ist als nach konservativer Behandlung. Allerdings treten möglicherweise vor allem kleinere Operationskomplikationen auf.

Die Operation wird entweder offen oder minimal-invasiv durchgeführt. Normalerweise werden die beiden Sehnenenden miteinander vernäht. Wenn aber die Sehnenqualität im Bereich des Risses sehr schlecht ist (etwa abnutzungsbedingt), muss der Chirurg entweder spezielle Nahttechniken (wie Griffelschachtelplastik) anwenden oder ein Stück Sehne von einer anderen Körperstelle (etwa der Fusssohle) einarbeiten.

Eine Vollnarkose ist nicht zwingend notwendig – die Operation wird oft mit einer regionalen oder sogar lokalen Betäubung durchgeführt. Der Patient muss für die Operation in Bauchlage mit hängenden Füssen gelagert werden. Der Operateur muss während der Operation immer beide Füsse vergleichen, um ein optimales Ergebnis zu erzielen.

Bei allen Operationsverfahren wird der Arzt gut auf den in der Nähe verlaufenen Nervus suralis achten, damit dieser nicht verletzt wird. Dieser Nerv verläuft rund zehn bis 15 Zentimeter vom Fersenbein entfernt am Unterschenkel an der äusseren Seite der Achillessehne.

Nach der Operation trägt der Patient für vier bis sechs Wochen einen Unterschenkelgips in Spitzfussstellung. Nach jeweils zwei Wochen wird die Steilstellung verringert.

In allen Fällen empfiehlt es sich, eine frühfunktionelle Behandlung anzuschliessen. In der Physiotherapie lernt der Betroffene mithilfe von speziellen Übungen, den Bewegungsspielraum sowie die optimale Kraftübertragung der Sehne zu trainieren, um so wieder schmerzfrei zu laufen.

Welche Symptome treten auf?

Ist die Achillessehne gerissen, treten ganz typische Symptome auf. Betroffene berichten über ein plötzliches Schnappen oder einen peitschenartigen Knall, gefolgt von einem heftig stechenden Schmerz oberhalb der Ferse. Das Gehen ist deutlich erschwert. Vor allem ist kein Zehengang mehr möglich.

Eine Schwellung an der Rückseite des Sprunggelenks und der Wade deutet mitunter ebenfalls auf einen Achillessehnenriss hin. Manchmal ist oberhalb der Ferse ein Bluterguss zu erkennen.

Was sind Ursachen und Risikofaktoren?

Am häufigsten wird ein Achillessehnenriss durch abruptes starkes Anspannen der Sehne verursacht. Typische Risikosportarten sind Fussball, Sprinten, Badminton, Basketball, Tennis und Squash – Aktivitäten, die rasche Stop-and-Go-Bewegungen, Sprints und teilweise auch Absprünge erfordern. Radfahren beispielsweise gilt als schonender für die Achillessehne, wenn das Fahrrad gut auf den Radfahrer eingestellt ist. Insbesondere nach einer Achillessehnenruptur ist auf eine optimale Anpassung der Sattelhöhe und der Pedalstellung zu achten.

In der Regel ist die betroffene Sehne bereits vorgeschädigt – etwa durch Alterungsprozesse oder durch Mikroverletzungen infolge von sportlicher Überbeanspruchung und mangelnder Trainingspausen.

Als Risikofaktoren für einen Achillessehnenriss gelten zum Beispiel:

  • Höheres Lebensalter
  • Muskelfehlfunktionen
  • Männliches Geschlecht
  • Einnahme von (Chinolon-)Antibiotika, Anabolika sowie Kortison
  • Langfristige Überlastung durch Sport oder Übergewicht
  • Diabetes mellitus

Ausserdem begünstigen schlechtes Schuhwerk, Abweichungen der Fussachse und Fussdeformitäten einen Achillessehnenriss.

In über 70 Prozent der Fälle erfolgt ein Achillessehnenriss im mittleren Bereich der Sehne, da dort die Durchblutung am schlechtesten ist. Dies erschwert auch die Heilung.

Welche Untersuchungen und Diagnosen gibt es?

Die Spezialisten für einen Achillessehnenriss (und andere Sehnenrisse) sind Orthopäden und Unfallchirurgen. Die akuten Symptome veranlassen die meisten Betroffenen, sofort eine Notfallambulanz aufzusuchen.

Zunächst wird der behandelnde Arzt Ihnen verschiedene Fragen stellen wie:

  • Sind Sie in der Lage, normal zu laufen?
  • Sind die Symptome plötzlich aufgetreten?
  • Wie ist der Unfall passiert?
  • Ist Ihnen schon einmal etwas Ähnliches passiert?

Zunächst müssen Durchblutung, Sensibilität und Motorik im Bereich von Unterschenkel und Fuss untersucht werden. Ausserdem tastet der Arzt die Achillessehne ab: Bei einem Achillessehnenriss ist manchmal eine Lücke tastbar.

Eine wichtige Untersuchung bei Verdacht auf einen Achillessehnenriss ist der sogenannte Thompson-Test. Dazu liegt der Patient in Bauchlage auf einer Liege. Seine Füsse hängen frei über den Rand der Liege. Der Arzt drückt dann die Wadenmuskulatur des betroffenen Beines kräftig zusammen, wobei sich der Fuss normalerweise fusssohlenwärts streckt. Bei einem Achillessehnenriss bleibt diese Plantarflexion aus – der Fuss bewegt sich nicht.

Bildgebende Verfahren

Um die Diagnose abzusichern, wird eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Dadurch bestimmt der Arzt die Rupturstelle, sieht die Entfernung der Sehnenenden voneinander und ob sich Blutergüsse gebildet haben. Zusätzlich kontrolliert er, ob die Sehnenhülle als Leitschiene erhalten ist.

In bestimmten Fällen wird eine Magnetresonanztomografie (MRT) durchgeführt, etwa bei unklarem Befund, chronischen Beschwerden und wiederholten Rupturen. Diese Untersuchung ist exakter als die Sonografie und lässt daher bereits diskrete Strukturveränderungen erkennen. Typischerweise hat das muskelnahe Ende der Achillessehne bei einem Riss ein korkenzieherartiges Aussehen und das am Fuss befestigte Ende eine Buckelung. Im Bereich des Risses wird meist Flüssigkeit nachgewiesen.

Eine Röntgen-Untersuchung ist sinnvoll, wenn der Arzt zusätzlich einen Knochenbruch vermutet.

Differenzialdiagnosen

Alternative Diagnosen sind Muskelfaserrisse oder Sehnenentzündungen. Bei einer Fusssenkerschwäche wird der Arzt auch bedenken, dass es sich möglicherweise um ein sogenanntes S1-Syndrom handelt. Ein S1-Syndrom ist durch die Reizung einer Nervenwurzel des Rückenmarks am Steiss bedingt.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Martin Schäfer
Autor:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
S86
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU): DGU-Patienteninformation „Achillessehnenruptur (= Achillessehnenriss)“, Stand: 2012
  • Erickson, B. J. et al.: Is Operative Treatment of Achilles Tendon Ruptures Superior to Nonoperative Treatment? A Systematic Review of Overlapping Meta-analyses, The Orthopaedic Journal of Sports Medicine 2015, 3(4)
  • Grifka, J.: Orthopädie Unfallchirurgie. Springer Verlag, 10. überarbeitete Auflage, 2021
  • Haaker, R.: Sportverletzungen – was tun? Prophylaxe und sportphysiotherapeutische Behandlung. Springer Verlag, 2. überarbeitete Auflage, 1998
  • Hüfner, T. et al.: Achillessehnenruptur – Moderne frühfunktionell konservative und operative Behandlungsmöglichkeiten sowie Rehabilitationsoptionen, Fuß und Sprunggelenk 2007 5(4):269-277
  • Klöppel, G. et al.: Pathologie – Urogenitale und Endokrine Organe, Gelenke und Skelett. Springer Verlag, 2. Auflage 2016
  • Pschyrembel Online: Achillesehnenruptur, unter: www.pschyrembel.de (Abruf: 11.02.2022)
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