Röteln - Impfung

Von , Studentin der Humanmedizin
und , Medizinjournalistin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Röteln-Impfung bietet den einzigen zuverlässigen Schutz vor einer Infektion mit Rubella-Viren. Sie besteht aus zwei Impfdosen. Diese sollten möglichst im ersten Lebensjahr verabreicht werden. Wird das verpasst, kann und soll man eine Röteln-Impfung aber auch später noch nachholen – etwa vor einer Schwangerschaft, weil dann eine Infektion das Ungeborene schwer schädigen kann. Lesen Sie hier mehr zur Röteln-Impfung.

röteln

Röteln-Impfung: Empfehlungen

Die Eidgenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfiehlt die Röteln-Impfung allen Personen ab einem Alter von neun Monaten. Für Mädchen ist sie wichtig, um bei einer späteren Schwangerschaft ausreichend vor einer Infektion mit dem Röteln-Virus geschützt zu sein. Denn eine Röteln-Infektion in der Schwangerschaft kann schwere Schäden beim Kind verursachen.

Sowohl für Mädchen als auch für Jungen hat die Röteln-Impfung aber noch eine weitere Bedeutung: Wer nicht an Röteln erkrankt, kann auch keine Schwangere im Umfeld anstecken.

Die EKIF empfiehlt, fehlende Impfungen in jedem Lebensalter nachzuholen.

Röteln-Impfung: Wie oft?

Generell sind für die Röteln-Impfung bei Kindern zwei Impfdosen vorgesehen. Dabei gelten folgende Impfschemata: Die erste ist für Kinder im Alter von neun Monaten empfohlen. Die zweite Impfdosis sollte im Alter von zwölf Monaten erfolgen.

Der Röteln-Impfstoff wird stets in Kombination mit den Impfstoffen gegen Masern und Mumps verabreicht (MMR-Impfung, Mumps-Masern-Röteln-Impfung). Einen Einzel-Impfstoff gegen Röteln (und auch gegen Mumps) gibt es nicht mehr.

Ungeimpfte sollten die Impfung in jedem Lebensalter unbedingt nachholen. Auch hier empfiehlt die EKIF zwei Dosen im Abstand von mindestens vier Wochen. Bei bislang nur einmal geimpften Personen reicht eine weitere Impfdosis.

Wer beide empfohlenen Impfdosen erhalten hat, ist in aller Regel ausreichend gegen den Röteln-Erreger geschützt, und zwar ein Leben lang. Man muss die Röteln-Impfung also nicht auffrischen. Nur ganz selten passiert es, dass jemand bei einer lange zurückliegenden Impfung sich erneut mit Röteln infiziert. Diese sogenannte Reinfektion verläuft meist ohne oder nur mit sehr milden Symptomen (wie Schnupfen).

Manche Kinder und Jugendliche haben in den ersten beiden Lebensjahren nur eine oder gar keine Röteln-Impfdosis erhalten. Bei ihnen sollte die Röteln-Impfung so bald wie möglich vervollständigt beziehungsweise nachgeholt werden.

Röteln-Impfung für Frauen

Manche Frauen im gebärfähigen Alter sind nicht gegen Röteln geschützt: Sie haben weder eine Röteln-Infektion durchlebt noch eine (vollständige) Röteln-Impfung erhalten. Bei anderen Frauen ist der Impfstatus unklar: Sie wissen nicht, ob und wie oft sie als Kind gegen Röteln geimpft wurden.

Ob fehlender, unvollständiger oder unklarer Impfschutz – in allen Fällen sollten die Frauen unbedingt vor Eintritt einer Schwangerschaft eine Röteln-Impfung erhalten. Wer den eigenen Impfstatus nicht kennt und als Kind nicht geimpft wurde, sollte zwei Dosen des MMR-Impfstoffs im Abstand von vier Wochen bekommen. Bei Frauen im gebärfähigen Alter, die in der Kindheit eine Röteln-Impfdosis bekommen haben, genügt eine weitere Dosis. Das vervollständigt den Impfschutz.

Nach der letzten Röteln-Impfung (bzw. MMR-Impfung) sollte mindestens ein Monat vergehen, bis eine Frau schwanger wird. Eine versehentliche Röteln-Impfung bei einer Schwangeren stellt aber keinen Anlass für einen Schwangerschaftsabbruch dar.

Röteln-Impfung in der Schwangerschaft?

Bei der Röteln-Impfung (bzw. MMR-Impfung) handelt es sich um einen Lebendimpfstoff. Dieser besteht aus abgeschwächten, aber noch vermehrungsfähigen Erregern. Solche Lebendimpfstoffe dürfen während einer Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Sie könnten dem Ungeborenen schaden.

Das bedeutet: Wird erst während einer Schwangerschaft festgestellt, dass die Frau nicht immun gegen den Röteln-Erreger ist, ist keine Röteln-Impfung mehr möglich. Sie sollte dann sofort nach der Geburt eine Impfung erhalten. Wichtig: Die MMR-Impfung stellt kein Hindernis für das Stillen dar.

Um frühzeitig über den Impfstatus Bescheid zu wissen, sollte bei allen Schwangeren mit unklarem Impfstatus oder fehlender Röteln-Impfung das Blut auf spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Röteln-Viren untersucht werden (Antikörper-Test). Stellt sich dabei heraus, dass die werdende Mutter tatsächlich nicht ausreichend immun gegen die Erreger ist, muss sie künftig sorgfältig darauf achten, nicht mit Röteln-Infizierten in Kontakt zu kommen.

Wichtig ist ausserdem, dass nahe Kontaktpersonen zur Schwangeren (z.B. Vater, Kinder, Grosseltern) vollständig geimpft sind, um einer möglichen Infektion vorzubeugen.

Hat die Schwangere einen Nachweis für eine oder zwei Impfdosen, ist keine Untersuchung auf Antikörper notwendig.

Röteln-Impfung für sonstige Erwachsene

Menschen, die im Gesundheitsdienst arbeiten, wo sie Kontakt zu Schwangeren, Babys oder Kleinkindern haben, sollten ebenfalls gegen Röteln geschützt sein. Das bedeutet: Wenn solche Mitarbeiter nicht gegen Röteln geimpft sind oder einen unklaren Impfstatus haben, sollten sie die Impfung nachholen.

Wann sollte die Röteln-Impfung nicht stattfinden?

Wie oben erwähnt, darf die Röteln-Impfung nicht während einer Schwangerschaft verabreicht werden. Es gibt aber noch andere Situationen, in denen von der Impfung abgeraten wird:

  • bei Allergie gegen Hühnereiweiss
  • bei schwerer Immunschwäche
  • nach Gabe von Bluttransfusionen und antikörperhaltigen Arzneimitteln
  • bei hohem Fieber

Was passiert bei der Röteln-Impfung?

Der Röteln-Impfstoff enthält abgeschwächte, vermehrungsfähige Viren, die aber keine Erkrankung mehr auslösen können. Er wird in einen Muskel gespritzt (intramuskulär, i.m.), meist direkt in den Oberarm, Oberschenkel oder Po. Als Reaktion darauf beginnt der Körper, spezifische Abwehrstoffe (Antikörper) gegen die Viren zu bilden.

Die Röteln-Impfung ist damit eine aktive Impfung: Der Körper wird durch den Impfstoff angeregt, eigene Antikörper gegen den Erreger zu produzieren. Einige dieser Antikörper verbleiben langfristig im Körper. Kommt es später zu einer echten Röteln-Infektion, schlagen sie sofort Alarm. Das Immunsystem fängt dann umgehend mit der Produktion weiterer Röteln-Antikörper an. So kann der Eindringling schnell und wirksam bekämpft werden, bevor er eine Erkrankung auslösen kann.

Auf diese Weise schützt eine vollständige Röteln-Impfung (zwei Impfdosen) im Allgemeinen lebenslang vor einer Infektion. Man kann den Impfschutz aber auch jederzeit auffrischen lassen.

Röteln-Impfung: Nebenwirkungen

Nach der Röteln-Impfung kann es in seltenen Fällen zu unerwünschten Reaktionen des Körpers kommen. So kann sich die Haut an der Einstichstelle röten und leicht anschwellen. Gelegentlich kommen allgemeine Krankheitszeichen hinzu wie Müdigkeit oder Fieber. All diese Nebenwirkungen der Röteln-Impfung klingen aber nach einigen Tagen wieder ab. 

Impfung nach Röteln-Kontakt

Im Gegensatz zu Masern ist es nach Kontakt mit Rötelnviren nicht möglich, die Krankheit bei ungeimpften Personen durch eine nachträgliche (postexpositionelle = nach möglichem Kontakt mit Erregern) Impfung abzuschwächen oder zu verhindern. Dies gilt unabhängig davon, wie früh die Impfung nach dem Kontakt zu einer infizierten Person stattfindet. Um eine weitere Ausbreitung der Erkrankung jedoch zu verhindern, sollten ungeimpfte oder unzureichend geimpfte Personen fehlende Impfungen unbedingt nachholen.

Da Schwangeren kein MMR-Impfstoff verabreicht werden darf, sollten diese bei unzureichendem Impfschutz unbedingt darauf achten, den Kontakt zu Infizierten zu vermeiden. Dies gilt auch für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen (z.B. starke Immunschwäche durch Erkrankungen oder Behandlungen) keine Impfung erhalten können.

Röteln trotz Impfung?

Sehr selten erkranken Menschen, die gegen Röteln geimpft wurden, später trotzdem. Der Grund ist meistens, dass die Betreffenden nur eine der beiden empfohlenen Dosen der Röteln-Impfung erhalten haben. Eine einmalige Röteln-Impfung bietet aber nur einen Impfschutz von etwa 95 Prozent. Das bedeutet: Bei etwa fünf von 100 Personen, die nur eine Röteln-Impfdosis erhalten haben, reagiert der Körper nicht mir der Bildung von Antikörpern. Deshalb empfehlen Experten die zweite Impfdosis: Sie soll dafür sorgen, dass auch die restlichen fünf Prozent einen Impfschutz gegen Röteln aufbauen.

So kommt es praktisch nie vor, dass Röteln trotz Impfung mit den beiden empfohlenen Impfdosen auftreten. Wenn doch, wurde der Impfstoff wahrscheinlich nicht korrekt verabreicht. Das ist in Deutschland und bei erfahrenen Ärzten aber höchst unwahrscheinlich. In der Regel bietet die vollständige Röteln-Impfung einen sicheren und lebenslangen Schutz vor einer Infektion.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Petra May
Autoren:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Sabine Schrör
Sabine Schrör

Sabine Schrör ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie studierte Betriebswirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit in Köln. Als freie Redakteurin ist sie seit mehr als 15 Jahren in den verschiedensten Branchen zu Hause. Die Gesundheit gehört zu ihren Lieblingsthemen.

Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
P35B06
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): Empfehlungen zur Prävention von Masern, Mumps und Röteln, unter: www.bag.admin.ch (Letztes Abrufdatum: 16.11.2021)
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): Schweizerischer Impfplan 2021, unter: www.bag.admin.ch (Letztes Abrufdatum: 15.11.2021)
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Impfplan Österreich 2021, unter: www.sozialministerium.at (Letztes Abrufdatum: 15.11.2021)
  • Deutsche Gesellschaft für pädiatrische Infektiologie: DGPI Handbuch: Infektionen bei Kindern und Jugendlichen, Georg Thieme Verlag, 7. Auflage, 2018
  • Doerr, H.W. & Gerlich, W.: Medizinische Virologie: Grundlagen, Diagnostik, Prävention und Therapie viraler Erkrankungen, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2009
  • Gesenhues, S. et al.: Praxisleitfaden Allgemeinmedizin, Elsevier/Urban & Fischer Verlag, 8. Auflage, 2017
  • Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): "Röteln-Impfung bei Erwachsenen", unter www.impfen-info.de (Abruf: 07.04.2020)
  • Informationsportal der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA): "Röteln", unter www.infektionsschutz.de (Abruf: 07.04.2020)
  • Infovac - Die Informationsplattform für Impffragen: Röteln, unter: www.infovac.ch (Letztes Abrufdatum: 15.11.2021)
  • Robert Koch-Institut: "Röteln - RKI Ratgeber", unter www.rki.de (Abruf: 16.11.2021)
  • Suttorp, N.: Infektionskrankheiten: verstehen, erkennen, behandeln, Georg Thieme Verlag, 2004
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