Quallenstich

Von , Medizinredakteurin und Biologin
und , Notfallsanitäter und Dozent im Rettungsdienst
Aktualisiert am
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Andreas Fromm

Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.

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Ein Quallenstich verursacht mehr oder weniger starke Schmerzen und Hautreaktionen. In schweren Fällen führt die Berührung mit den teils meterlangen Tentakeln einer sehr giftigen Qualle (wie der Portugiesischen Galeere) sogar zum Tode. Warum manche Quallen gefährlich sind, welche Symptome ein Quallenstich verursacht und wie Sie ihn behandeln, lesen Sie hier.

Quallenstich Gefahr im Wasser und am Strand

Kurzübersicht

  • Prognose: Meist schnell abklingende Symptome, eventuell Eiterbläschen, anhaltender Juckreiz über Wochen, Narbenbildung möglich, Stiche sehr giftiger Arten führen unter Umständen unbehandelt zum Tod
  • Behandlung: Tentakelreste mechanisch entfernen, mit Meerwasser und eventuell Essig spülen, Schmerz lindern, bei Stichen giftiger Arten Arzt rufen
  • Symptome: Brennen und Jucken an den betroffenen Hautstellen, allergische Reaktionen bis zum anaphylaktischen Schock möglich; sehr giftige Arten lösen eventuell Herzstillstand aus; Spätfolgen: anhaltender Juckreiz, Narben
  • Ursachen und Risikofaktoren: Berührung mit den giftigen Nesselzellen an den Tentakeln von Quallen und anderen Nesseltieren
  • Diagnose: Sichtbare Anzeichen, Untersuchung auf Anzeichen für allergische Reaktionen oder schwere Vergiftung
  • Vorbeugen: Strandabschnitte mit hohem Quallenaufkommen meiden, örtliche Warnhinweise beachten.

Was ist ein Quallenstich?

Ein Quallenstich (manchmal fälschlich als Quallenbiss bezeichnet) entsteht, wenn die Haut mit den giftigen und oft meterlangen Tentakeln einer Qualle in Berührung kommt. Die Tentakel sind dabei oft mit Tausenden winziger Nesselzellen versehen, die ein Gift normalerweise in Beutetiere injizieren – und beim Quallenstich fälschlicherweise in die menschliche Haut.

Quallen zählen ebenso wie Polypen und Seeanemonen zu den Nesseltieren (Cnidaria). Sie kommen praktisch in allen Weltmeeren vor. Besonders giftig sind:

  • Portugiesische Galeere (Physalia physalis), die überwiegend im westlichen Mittelmeer, nördlichen (atlantischen) Golfstrom und in tropisch-subtropischen Meeren beheimatet ist
  • Würfelqualle oder Seewespe (Chironex fleckeri), gilt weltweit als das giftigste Meerestier: Sie besiedelt den westlichen Pazifik und insbesondere die Nord-Ost-Küste Australiens.

In deutschen Küstenregionen ist es ebenfalls möglich, dass sich Schwimmer Quallenstiche zuziehen: etwa von Cyanea capillata, bekannt als Gelbe Haarqualle oder Feuerqualle. Sie ist in Nord- und Ostsee sowie im kühleren Atlantik und Pazifik verbreitet. Unangenehm ist auch die im Mittelmeer vorkommende Leuchtqualle, die vor allem im Hochsommer oft in Schwärmen auftritt.

Krankheitsverlauf und Prognose

Der Quallenstich einer Feuerqualle ist mit seinen Schmerzen, dem Juckreiz und Ausschlag zwar unangenehm, aber in der Regel nicht gefährlich. Vorsicht ist nur dann geboten, wenn der Patient stark allergisch oder panisch reagiert. Der Quallenstich einer stark giftigen Art wie der Seewespe ist jedoch mitunter sehr gefährlich und in manchen Fällen tödlich.

Welche Spätfolgen kann ein Quallenstich haben?

Manche Patienten leiden noch Monate nach einem Quallenstich unter Beschwerden wie Juckreiz und Sensibilitätsstörungen. Diese werden meist langwierig mit Kortison oder Antihistaminika behandelt.

An den Stellen, an denen die Nesseln der Quallen die Haut verletzt haben, bilden sich in manchen Fällen nach einiger Zeit eitergefüllte Bläschen, die schliesslich aufplatzen. Bei manchen Quallenarten verursachen die Quallenstiche bleibende Vernarbungen.

Was tun bei einem Quallenstich?

Wer einen Quallenstich erleidet, verlässt das Wasser am besten sofort – eventuell mithilfe anderer Menschen. Um die Nesselzellen zu inaktivieren, giesst man nach Möglichkeit Weinessig auf die betroffenen Hautstellen.

Eventuell anhaftende Tentakel oder Tentakelreste entfernt man mechanisch, möglichst ohne sie mit den Händen zu berühren. Dabei vermeidet man starkes Drücken, damit nicht weitere Nesselzellen aktiviert werden.

Das Tragen von Schutzhandschuhen bei dieser Erstversorgung verhindert, dass der Patient beziehungsweise Helfer (weitere) Quallenverbrennungen erleidet.

Steht kein Essig zur Verfügung, lassen sich die Tentakel in den meisten Fällen mit Meerwasser abspülen (ausser in der Würfelquallen-Saison in entsprechenden Gebieten – hier enthält das Meerwasser eventuell Tentakelreste). Keinesfalls sollte man Süsswasser oder Alkohol verwenden, weil dieses eventuell noch vorhandene Nesselzellen aktiviert.

Das Kühlen mit Eis lindert die Beschwerden. Studien haben allerdings gezeigt, dass etwa durch ein heisses Bad das Gift eher inaktiviert wird und Schmerzen besser zu lindern sind als mit Kälte.

Ausserdem ist es möglich, die betroffenen Hautstellen später mit einem Antihistaminikum ("Allergiemittel") oder Kortison einzureiben.

Für die Behandlung von Quallenstichen durch Würfelquallen steht in Australien ein Antiserum zur Verfügung.

Die Behandlung richtet sich allerdings auch nach der Art der Qualle. So dürfen Stiche durch die Portugiesische Galeere nicht mit Essig behandelt werden, da dies weitere Nesselzellen aktiviert.

Alle Materialien, mit denen man Tentakelreste entfernt hat, sollte man entsorgen, empfehlen Experten. So vermeidet man, sich an Resten von Nesselzellen erneut zu verletzen.

Bei grossen Schmerzen helfen Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen.

Wann sollte man den Arzt rufen?

Bei einem Quallenstich durch die Seewespe, Portugiesische Galeere oder andere stark giftige Quallenarten sollte umgehend der Rettungsdienst alarmiert werden. Das gilt auch für jeden anderen Quallenstich, der starke Beschwerden hervorruft, insbesondere, wenn grössere Hautflächen vom Quallenstich betroffen sind, sehr starke Schmerzen auftreten oder sich Anzeichen eines allergischen Schocks zeigen. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich, sicherheitshalber den Rettungsdienst oder die Wasserwacht zurate zu ziehen.

Symptome

Ein Quallenstich ruft in erster Linie lokale Symptome wie starke Schmerzen und mehr oder weniger schwere entzündliche Hautreaktionen (mit Rötung, Quaddelbildung und Schwellung) hervor – ähnlich Ameisenbissen oder der Reaktion auf Brennnesseln.  Manchmal treten Juckreiz sowie Allgemeinsymptome wie Schwindel, Angst oder Kopfschmerzen auf.

Stammt der Quallenstich von einer der hochgiftigen Arten wie den Würfelquallen (Seewespen), sind sehr schwere Herz-Kreislauf-Reaktionen mit Todesfolge möglich.

Unabhängig davon, ob ein Quallenstich nur harmlose oder schwerwiegende Symptome hervorruft, reagiert in einigen Fällen der Körper allergisch darauf – bis hin zum anaphylaktischen Schock, der unbehandelt auch oft zum Tod führt.

Ursachen und Risikofaktoren

Bei Quallen finden sich auf der Aussenseite ihrer Fangarme (Tentakel) spezielle Zellen, die sogenannten Nesselzellen oder Nesselkapseln (Nematozysten). Diese enthalten einen spiralig aufgewickelten Nesselfaden. Bei Berührung (etwa mit der Haut eines Schwimmers) platzen die Nesselzellen und stossen dabei den Nesselfaden explosionsartig aus. Dadurch injiziert die Qualle ein Giftgemisch (Nesselgift) in die Haut des Opfers – man spricht von einem Quallenstich. Mit ihrem Nesselgift lähmen oder töten Quallen normalerweise kleine Beutetiere.

Das Nesselgift besteht aus verschiedenen Eiweissen (Proteinen), die zellauflösend (zytolytisch) und nervenschädigend (neurotoxisch) wirken. Dieses Gift löst beim Menschen die beschriebenen Quallenstich-Symptome aus. Je nach Quallenart verfügen die Tiere über unterschiedlich toxische Eiweisse.

Manchmal reissen ihre Tentakel auch ab und schwimmen frei im Meer. Das ist vor allem dann unangenehm, wenn betroffene Gemeinden extra Netze im Meer aufbauen, um Quallen von bestimmten Schwimmerzonen fernzuhalten. Die frei treibenden Tentakel sind immer noch in der Lage, Reaktionen auszulösen. Selbst tote Tiere, die am Strand liegen, besitzen oft noch mehrere Tage lang aktive Nesselkapseln. Deswegen empfiehlt es sich, auch in solchen Fällen vorsichtig zu sein.

Untersuchungen und Diagnose

Der Notarzt oder Arzt stellt dem Patienten und den eventuell begleitenden Personen bei Verdacht auf einen Quallenstich zunächst einige allgemeine Fragen, wie:

  • Wann und wo kam es zu dem Quallenstich?
  • Welche Beschwerden haben Sie/hat der Patient?
  • Welche Erste-Hilfe-Massnahmen wurden ergriffen?

Der Arzt wird den Patienten umgehend untersuchen und die Quallenverbrennungen begutachten. Bei typischen Anzeichen einer allergischen Reaktion werden die Vitalfunktionen (wie Blutdruck) überprüft, um einem möglichen Schock frühzeitig entgegenzuwirken.

Quallenstichen vorbeugen

Vollkommen vermeiden lässt sich ein Quallenstich eigentlich nur, indem man erst gar nicht ins Meer geht. Aber natürlich muss man sich den Badespass nicht durch übertriebene Vorsicht verderben lassen.

Es gibt aber Möglichkeiten, zumindest die Wahrscheinlichkeit für einen Quallenstich zu senken. Zum einen ist es ratsam, die örtlichen Warnhinweise und eventuellen Sperrzonen zu beachten. Wer etwa in Australien Urlaub macht, ist gut beraten, nicht an Stränden zu baden, an denen vor dem Jellyfish – der hochgiftigen Würfelqualle – ausdrücklich gewarnt wird.

Ansonsten hilft, dass Quallen meist in Schwärmen auftreten. Betrachtet man so etwa den Badestrand vor dem ersten Baden zunächst einmal bei Ebbe, erhält man einen Überblick über die Gefährdungslage. Sind Quallen in grosser Menge in der Nähe, werden bei Ebbe viele Quallen oder Teile von ihnen an den Strand gespült. Dann sucht man sich eventuell besser einen anderen Strandabschnitt zum Baden. Quallen bevorzugen ausserdem ruhiges Wasser. Starker Wellengang senkt das Risiko eines Quallenstichs.

In der Nacht lassen sich die Tiere bevorzugt treiben und geraten eher in Strandnähe – nächtliche Bäder sind damit etwas riskanter.

Die Portugiesische Galeere treibt mit ihrem Körper auf dem Wasser und zieht viele Meter lange, sehr giftige Tentakel hinter sich durchs Wasser. Verlassen Sie daher besser schnell das Wasser, wenn Sie den an einen durchsichtigen länglichen Ballon erinnernden Körper der Staatsquallenart auf dem Wasser treiben sehen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Martina Feichter
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Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

Andreas Fromm
Andreas Fromm

Andreas Fromm ist Fachautor für Notfallmedizin und lehrt seit 2018 als Dozent an der Berufsfachschule für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen der Feuerwehr Hamburg.

ICD-Codes:
T63
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Braun, R.W. et al.: Reise- und Tropenmedizin. Schattauer Verlag, 2. Auflage 2005
  • Freissmuth, M. et al.: Pharmakologie und Toxikologie. Springer-Verlag, 3. Auflage, 2020
  • Jelinek, T.: Kursbuch Reisemedizin. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage 2012
  • Krappitz, N.: Handbuch Reisemedizinische Gesundheitsberatung. Deutscher Ärzteverlag, 1. Auflage 2009
  • Kreiss, C. & Immel-Sehr, A.: Beratung aktiv – Selbstmedikation. Govi-Verlag, 23. Auflage, 2020
  • Ziegenfuß, T.: Notfallmedizin. Springer-Verlag, 8. Auflage, 2021
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