Ohrentzündung

Von , Ärztin
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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Eine Ohrentzündung (Otitis) ist eine Entzündung im Ohr oder Gehörgang. Entsprechend der anatomischen Aufteilung des Ohrs unterscheidet der Arzt zwischen Aussen-, Mittel- und Innenohrentzündung. Sie werden durch Bakterien, Viren oder Pilze ausgelöst. Je nach Art der Ohrentzündung unterscheiden sich die Symptome mitunter deutlich voneinander. Hier lesen Sie alles Wichtige zur Ohrentzündung.

Ohrentzündungen unterscheiden sich je nachdem, wo sie auftreten

Kurzübersicht

  • Behandlung: Bei einer Ohrentzündung kommen Ohrentropfen, Antibiotika und in einigen Fällen bekannte Hausmittel zum Einsatz.
  • Symptome: Zu den typischen Symptomen einer Ohrentzündung gehören Ohrenschmerzen, Fieber und allgemeine Abgeschlagenheit.
  • Ursachen und Risikofaktoren: In der Regel entsteht eine Ohrentzündung durch eine Infektion mit Bakterien.
  • Diagnostik: Um eine Ohrentzündung zu diagnostizieren, untersucht der Arzt den Gehörgang und das Trommelfell mittels einer Ohrenspiegelung.
  • Verlauf und Prognose: Meist klingt eine Ohrentzündung durch die Gabe von Antibiotika innerhalb weniger Tage wieder ab. Gelegentlich kommt es zu Komplikationen wie einer Mastoiditis.
  • Vorbeugen: Abschwellende Nasensprays verbessern die Belüftung des Ohrs bei einer Erkältung und tragen dazu bei, einer Ohrentzündung vorzubeugen. Für Kinder empfiehlt die Eidengenössische Kommission für Impffragen (EKIF) zudem eine Pneumokokken-Impfung.

Was ist eine Ohrentzündung?

Bei einer Ohrentzündung (Otitis) handelt es sich um die Entzündung einer Struktur des Ohrs. Man unterteilt sie der Anatomie nach in eine Aussen-, Mittel- und Innenohrentzündung. Diese Übersicht zum Aufbau des Ohres hilft, die verschiedenen Strukturen besser zu verstehen:

Das Ohr

Das Ohr ist sowohl Hör- als auch Gleichgewichtsorgan. Es besteht aus drei Teilen: Für das Hören sind äusseres Ohr, Mittel- und Innenohr zuständig, für den Gleichgewichtssinn ausschliesslich das Innenohr.

Das äussere Ohr setzt sich aus der Ohrmuschel und dem äusseren Gehörgang zusammen und grenzt mit dem Trommelfell ans Mittelohr. Die Drüsen, die sich im Gehörgang befinden, dienen dazu, das Ohrenschmalz zu produzieren. Das tötet Bakterien und Pilze ab und verhindert, dass Fremdkörper wie zum Beispiel Insekten ins Ohr eindringen. Der äussere Gehörgang ist  nach vorne unten abgeknickt. Um bei der Ohrenspiegelung (Otoskopie) freie Sicht auf das Trommelfell zu haben, muss der Arzt das Ohr deshalb nach hinten oben ziehen.

Das Trommelfell bildet die Grenze zwischen äusserem Ohr und Mittelohr. Es besteht aus einer Membran, die durch eingehende Schallwellen in Schwingung gebracht wird. Diese Schwingung überträgt es weiter ins Mittelohr, wo es ist mit den Gehörknöchelchen Hammer, Amboss und Steigbügel verbunden ist. Sie liegen in der sogenannten Paukenhöhle, einem mit Luft gefüllten Raum im Schädelknochen.

Die Gehörknöchelchen verstärken die Wirkung der Trommelfell-Schwingungen. Ein Luftkanal zwischen dem Mittelohr und dem Nasenrachenraum (Ohrtrompete, Eustachische Röhre) sorgt dafür, dass das Mittelohr ausreichend belüftet wird und eventuell entstehende Flüssigkeit abfliesst.

Das Innenohr wird auch als Labyrinth bezeichnet. Darin liegen die knöcherne Schnecke für das Hören sowie die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans.

Einteilung der Ohrenentzündung       

Je nachdem, welcher Abschnitt des Ohres entzündet ist, unterscheidet der Arzt zwischen:

  • Gehörgangsentzündung (Otitis externa): Entzündung des äusseren Ohres
  • Mittelohrentzündung (Otitis media): Entzündung des Mittelohres
  • Innenohrentzündung (Otitis interna): Sie wird normalerweise als Labyrinthitis bezeichnet.

Gehörgangsentzündung (Otitis externa)

Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Gehörgangsentzündung.

Mittelohrentzündung (Otitis media)

Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Mittelohrentzündung.

Welche Hausmittel helfen bei einer Ohrentzündung?

Eine Ohrentzündung wird je nach Art und Ursache unterschiedlich behandelt. Bei einer Ohrentzündung stehen Medikamente wie schmerzstillende Ohrentropfen, Antibiotika und Glukokortikoide ("Kortison") sowie operative Eingriffe zur Verfügung. Abschwellende Nasensprays verbessern bei einer Erkältung die Belüftung im Ohr.

Viele Menschen setzen bei einer Ohrentzündung zudem auf Hausmittel. Manche verwenden Wadenwickel, um das Fieber zu senken. Andere wärmen das Ohr mit Rotlicht oder legen ein Säckchen mit Zwiebeln darauf. Bisher konnte die Wirkung dieser Hausmittel gegen Entzündungen im Ohr allerdings nicht wissenschaftlich belegt werden.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Mehr über die Behandlung einer Entzündung im äusseren oder mittleren Ohr lesen Sie in den Beiträgen Gehörgangsentzündung und Mittelohrentzündung.

Welche Symptome treten bei einer Ohrentzündung auf?

Da das Ohr mit vielen Nervenbahnen durchzogen und die Haut über Knorpel und Knochen sehr dünn ist, ist eine Ohrentzündung immer sehr schmerzhaft. Das betroffene Ohr ist überwärmt. In einigen Fällen treten Hörminderung und Schwindel auf. Häufig kommen Krankheitsanzeichen wie Fieber oder Abgeschlagenheit hinzu. Wenn die Ohrentzündung im Rahmen einer Erkältungskrankheit auftritt, verursachen manchmal zusätzlich die Nasennebenhöhlen Beschwerden. Die Lymphknoten schwellen an, andere Atemwegsbeschwerden, wie zum Beispiel Husten, kommen hinzu.

Wie entsteht eine Ohrentzündung?

In den meisten Fällen löst eine Infektion mit Bakterien eine Entzündung im Ohr aus. Pilzbefall oder Viruserkrankungen kommen selten als Ursache vor. Beim Baden oder Schwimmen gelangen Krankheitserreger leicht in den Gehörgang und rufen hier unter Umständen eine Entzündung hervor.

Als weitere Ursachen einer Ohrentzündung kommen kleine Verletzungen infrage. Sie entstehen zum Beispiel, wenn das Wattestäbchen beim Reinigen zu tief in den Gehörgang geschoben wird. Menschen, die häufig In-Ear-Kopfhörer tragen, und Personen, die grundsätzlich anfälliger für Infekte sind, haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für eine Ohrentzündung.

Ohrentzündung: Untersuchungen und Diagnose

Wenn Patienten mit Ohrenschmerzen einen Arzt aufsuchen, stellt dieser zunächst ausführliche Fragen zur Krankheitsgeschichte (Anamnese). So fragt er zum Beispiel:

  • Wann sind die Beschwerden aufgetreten?
  • Hatten Sie ähnliche Beschwerden bereits in der Vergangenheit?
  • Haben Sie Fieber?
  • Fühlen Sie sich abgeschlagen?
  • Ist Ihnen schwindelig?
  • Hören Sie auf einem Ohr schlechter?
  • Leiden Sie an einer anderen Grunderkrankung wie Diabetes oder nehmen Sie Medikamente?

Anschliessend untersucht der Arzt das Ohr. Dabei achtet er vor allem auf Rötungen, Schwellungen und Ausfluss. Danach tastet er das Ohr ab, um zu sehen, ob die Berührungen schmerzhaft sind.

Des Weiteren führt der Arzt eine Ohrenspiegelung (Otoskopie) durch. Dabei zieht er das Ohr an der Ohrmuschel nach hinten oben, um freie Sicht auf das Trommelfell zu haben. Er schaut sich mit einer Lupe den äusseren Gehörgang und das Trommelfell an. Auch hier sucht er nach Rötungen, Schwellungen, Ausfluss oder Fremdkörpern.

Zur Abklärung einer Ohrentzündung werden gelegentlich Hörtests sowie Prüfungen des Gleichgewichtsinns durchgeführt.

Wie verläuft eine Ohrentzündung?

Durch die Einnahme von Antibiotika klingen bakterielle Ohrentzündungen in der Regel innerhalb von ein paar Tagen wieder ab. In manchen Fällen breitet sich die Entzündung jedoch aus und es kommt zu Komplikationen. Zu den häufigsten Komplikationen von Entzündungen des Ohres zählt die Mastoiditis. Hierbei entzünden sich die Zellen des knöchernen Warzenfortsatzes. Weitere mögliche schwere Komplikationen sind zum Beispiel Eiteransammlungen im Inneren des Schädels sowie eine Hirnhautentzündung (Meningitis).

Wie lässt sich einer Ohrentzündung vorbeugen?

Es gibt Möglichkeiten, einer Ohrentzündung vorzubeugen. Bei einer Erkältung führt der Einsatz von Nasentropfen oder Nasensprays dazu, dass die Schleimhäute abschwellen und das Ohr besser belüftet wird. Ebenfalls sollten erkältete Kinder nicht ins Schwimmbad gehen und nicht mit nassen Haaren in Zugluft geraten.

Pneumokokken-Impfung

Die Eidengenössische Kommission für Impffragen (EKIF) empfiehlt, Kinder gegen Pneumokokken zu impfen. Durch die Verbreitung der Pneumokokken-Impfung hat sich die Erkrankungsrate von Mittelohrentzündungen (Otitis media) bei Kindern verringert.

Lesen Sie hier mehr zur Pneumokokken-Impfung.

Autoren- & Quelleninformationen

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Mareike Müller
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Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
H65H67H60
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Adam, D. & Lode, H. : Atemwegsinfektionen, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2003
  • Aumüller et al.: Duale Reihe Anatomie, Georg Thieme Verlag, 5. aktualisierte Auflage, 2020
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): Schweizerischer Impfplan 2021, unter: www.bag.admin.ch (Abruf am 24.01.2022)
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Impfplan Österreich 2021, unter: www.sozialministerium.at (Abruf am 24.01.2022)
  • Deutscher Berufsverband der Hals-Nasen-Ohrenärzte: Akute Mittelohrentzündung, unter: www.hno-aerzte-im-netz.de (Abruf am 07.12.2021)
  • Gesundheitsinformation.de: Was können Eltern bei einer Mittelohrentzündung tun?, unter: www.gesundheitsinformation.de (Abruf am 07.12.2021)
  • Paulsen, F. & Waschke, J.: Sobotta Atlas der Anatomie des Menschen, Urban & Fischer Verlag, 24. Auflage, 2017
  • Reiß, M.: Facharztwissen HNO-Heilkunde: Differenzierte Diagnostik und Therapie, Springer Verlag, 2009
  • Sk2-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin: Ohrenschmerzen, (Stand: 2014), unter: www.awmf.org
  • Zenner, H.-P.: Praktische Therapie von HNO-Krankheiten, Schattauer Verlag, 2. Auflage, 2008
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