Nasenpolypen

Von , Ärztin
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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Nasenpolypen sind in der Regel gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut. Betroffene haben oft Schwierigkeiten, ausreichend Luft durch die Nase zu bekommen – mit verschiedenen Folgen. Nasenpolypen lassen sich mit Medikamenten behandeln oder durch eine Operation entfernen. Lesen Sie hier mehr über Symptome und Behandlung von Nasenpolypen.

Nasenpolypen stören die Nasenatmung

Kurzübersicht

  • Symptome: Eingeschränkte Nasenatmung, Schnarchen, häufige Infektionen, näselnde Stimme, Verlust von Geruchs- und Geschmackssinn
  • Behandlung: Abschwellen mit kortisonhaltigen Sprays, seltener Kortison in Tablettenform, operative Entfernung per Endoskop, zum Teil per Laser; Hausmittel: Dampfinhalation oder Nasenspülung
  • Ursachen und Risikofaktoren: Genaue Ursache unbekannt; chronische Nasenschleimhautentzündung begünstigt Entstehung; Risiken bei Asthmatikern, Schmerzmittel-Unverträglichkeit, Mukoviszidose
  • Diagnose: Krankenvorgeschichte, Untersuchung von Nase und Rachen (auch per Endoskop), eventuell Computertomografie
  • Prognose: Unbehandelt spontane Besserung oder Verschlechterung möglich; mit Medikamenten-Behandlung Besserung der Symptome nach einiger Zeit, nach Operation sofort; Wiederkehr der Polypen nach OP in drei von vier Fällen
  • Vorsorge: Nasenspülungen und Inhalationen (eventuell mit Kamillenblüten oder ähnlichem) helfen, Entzündungen zu vermeiden

Was sind Nasenpolypen?

Nasenpolypen sind weiche, in der Regel gutartige Wucherungen der Nasenschleimhaut, die in die Nasenhöhlen hineinragen. Sie spriessen aus der Schleimhaut, mit der sie über eine Art Stiel verbunden sind. Manche sind nur wenige Millimeter gross und stören nicht, andere wachsen zu ausgedehnten Gebilden heran, die die Nasenräume verlegen. Da das die Nasenatmung sowie häufig auch den Geruchssinn einschränkt, wird die Erkrankung oft als sehr lästig empfunden und mindert die Lebensqualität.

Neben Polypen in der Nase gibt es mehrere gleichnamige Krankheitserscheinungen im Körper, die aber nichts miteinander zu tun haben. Polyp beschreibt in der Medizin immer eine gestielte Ausstülpung einer Schleimhaut. Es gibt unter anderem Polypen im Darm und in der Gebärmutter. Anders als Nasenpolypen handelt es sich dabei oft um bösartige Geschwulste oder Vorstufen davon. In selteneren Fällen gibt es bösartige Wucherungen der Nase, die den Anschein von Nasenpolypen machen.

Umgangssprachlich spricht man auch bei vergrösserten Rachenmandeln, die oft bei Kindern auftreten, von Polypen. Sie haben aber mit den Polypen in der Nase (und anderen Schleimhäuten) nichts gemein.

Wie sehen Polypen in der Nase aus?

Polypen haben ein tropfenförmiges Aussehen und wachsen aus einem Stiel auf der Schleimhaut. In einigen Fällen werden sie so gross, dass sie mit blossem Auge in einem Nasenloch erkennbar sind. Die Farbe variiert dabei von grau-rosa bis zu einem glasigen, gelblichen Aussehen.

Anatomie: Wie ist die Nase aufgebaut?

Die Nase besteht aus linker und rechter Nasenhaupthöhle, die durch die Nasenscheidewand voneinander getrennt ist. An die Haupthöhlen schliessen sich je zwei Nasennebenhöhlen (Sinus) an, die über Ausführungsgänge mit der jeweiligen Nasenhaupthöhle verbunden sind. Haupt- und Nebenhöhlen sind mit einer Schleimhaut ausgekleidet, die unter anderem die Atemluft befeuchtet und filtert.

Welche Symptome treten auf?

Patienten mit Nasenpolypen sind meist durch eine eingeschränkte Nasenatmung beeinträchtigt. Sie bekommen durch die Nase nicht ausreichend Luft und atmen deshalb öfter durch den Mund. Die Betroffenen schnarchen deswegen häufig, leiden unter Schlafstörungen und ihre Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt. Ausserdem wird die durch den Mund geatmete Luft nicht gefiltert, was in vielen Fällen häufige Infektionen auslöst.

Betroffene haben das Gefühl, ständig eine verstopfte Nase zu haben, was oft eine näselnde Stimme zur Folge hat. Bei Erkältungen läuft ihnen der Schleim häufig den Rachen hinunter. Ausserdem leiden die Patienten an wiederkehrenden Entzündungen der Nasennebenhöhlen (Sinusitis) und dumpfen Kopfschmerzen. Darüber hinaus ist oft das Riechvermögen eingeschränkt und dadurch der Geschmackssinn beeinträchtigt.

Nasenpolypen bei Kindern verursachen in vielen Fällen eine Mittelohrentzündung (Otitis media).

In seltenen Fällen handelt es sich bei scheinbaren Nasenpolypen um einen bösartigen Tumor. Symptome sind dann etwa Schmerzen und häufiges Nasenbluten. In solchen Fällen ist es ratsam, schnell einen Arzt aufzusuchen. Ein Anzeichen für eine mögliche bösartige Form ist auch, wenn die scheinbaren Nasenpolypen nur einseitig auftreten.

Wie werden Nasenpolypen behandelt?

Je nachdem, wie stark die Beschwerden durch die Nasenpolypen sind, bevorzugt man entweder eine konservative (medikamentöse) Therapie oder eine operative Behandlung der Nasenpolypen.

Behandlung mit Medikamenten

Wenn die Nasenschleimhaut nur wenig geschwollen ist und eher kleinere Nasenpolypen vorliegen, versucht der Arzt zunächst, die Polypen ohne Operation mit Medikamenten abschwellen zu lassen und damit zu entfernen.

Dazu gibt der Arzt oft kortisonhaltige Nasensprays, die abschwellend wirken. Auch eine Behandlung mit kortisonhaltigen Tabletten ist eine Möglichkeit sowie die Gabe von Antihistaminika.

Kortison hemmt die Aktivität von Entzündungszellen und lindert so die Entzündungsreaktionen, zu denen auch das Anschwellen der Nasenschleimhaut zählt. Wichtig ist, das Nasenspray oder die Medikamente regelmässig und über einige Monate hinweg anzuwenden.

Dabei ist Geduld gefragt: Häufig bessern sich die Symptome erst nach einigen Wochen der Anwendung.

Nasensprays oder -tropfen ziehen die Mediziner dabei Kortison in Tablettenform vor, da sie nur in der Nase wirksam sind und somit keine Nebenwirkungen in anderen Organen auslösen.

Eine eher neue Methode, Polypen zum Schrumpfen zu bringen, wendet man bei chronischen Entzündungen der Nasenwege und Nasennebenhöhlen an. Dazu spritzt man das monoklonale Antikörper-Präparat Dupilumab, welches gegen einen entzündungsvermittelnden Rezeptor eines Immunbotenstoffs (Interleukin-4) gerichtet ist. Dies wirkt entzündungshemmend und abschwellend.

OP als Therapiemöglichkeit

Wenn grosse Nasenpolypen die Atemwege blockieren oder es zu häufigen Infektionen kommt, ist es oft ratsam, die Wucherungen durch eine Operation zu entfernen.

Viele Patienten entscheiden sich in Abstimmung mit dem Arzt, ihre Nasenpolypen operativ entfernen zu lassen, wodurch sich die Nasenatmung sofort deutlich verbessert.

Bei einer solchen Operation entfernt der Chirurg in der Regel nicht nur die Polypen, sondern erweitert zusätzlich die Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen. Dies soll eine bessere Belüftung ermöglichen und für weniger Entzündungen sorgen.

Die Operation erfolgt in der Regel mit einem kleinen Eingriff per Endoskop (minimalinvasiv) unter Narkose durch die Nasennebenhöhlen. Bei modernen Verfahren entfernt man dabei die Nasenpolypen per Laser.

Die Methode per Laser soll zu einem geringeren Wiederauftreten der Polypen führen, die im Übrigen recht oft wieder entstehen.

Wie lange man nach einer operativen Entfernung der Nasenpolypen krank ist beziehungsweise wie lange man im Krankenhaus bleibt, hängt individuell von der Operation ab. Oft bleiben die Patienten einige Tage im Krankenhaus.

In jedem Fall sollte man sich ein paar Tage lang schonen und schwerere körperliche oder sportliche Betätigung sogar für mehrere Wochen unterlassen.

Alternative Heilmethoden

In der Alternativmedizin kommt bei Nasenpolypen auch die Homöopathie zum Einsatz. Das Konzept der Homöopathie und ihre spezifische Wirksamkeit sind jedoch umstritten und durch Studien nicht eindeutig belegt.

Auch die traditionelle chinesische Medizin (TCM) kennt Heilmethoden gegen Nasenpolypen. Neben Akupunktur, deren Wirkung sich schulmedizinisch-wissenschaftlich nur schwer belegen lässt, gibt es eine Reihe von pflanzlichen Präparaten aus der TCM, sogenannte Phytotherapeutika. Auch wenn es für viele dieser Präparate häufig keine wissenschaftlich belegten Wirkmechanismen gibt, zeigen pflanzliche Präparate oft Wirkung.

Das gilt auch für einige alte Hausmittel wie etwa Aufgüsse mit Kamillenblüten, die oft eine abschwellende und entzündungshemmenden Wirkung zeigen. Generell gelten Dampfinhalationen oder Nasenduschen mit speziellen isotonen Salzlösungen als durchaus wirksame Hausmittel zum Abschwellen kleinerer Nasenpolypen beziehungsweise der Nasenschleimhaut.

Sie sind auch zur Vorbeugung bei einer bekannten Neigung zu Nasenpolypen geeignet.

Hausmittel haben ihre Grenzen. Wenn die Beschwerden über einen längeren Zeitraum bestehen, nicht besser oder sogar schlimmer werden, sollten Sie immer einen Arzt aufsuchen.

Ursachen und Risikofaktoren

Polypen in der Nase sind Wucherungen, die von einer anhaltend entzündeten Nasenschleimhaut ausgehen. Unter dem Mikroskop sieht man Flüssigkeitseinlagerungen und körpereigene Entzündungszellen. Der genaue Entstehungsmechanismus ist noch unbekannt. Chronische Entzündungen begünstigen ihre Entstehung aber.

Ein Nasenpolyp wächst meist aus einer der Nasennebenhöhlen heraus in die Nasenhaupthöhle. Hauptsächlich entstehen die Nasenpolypen in der Kieferhöhle (Sinus maxillaris) oder den Siebbeinzellen (Cellulae ethmoidales). Sie treten aus den Ausführungsgängen aus und liegen meistens im mittleren Nasengang unter der mittleren Nasenmuschel.

Wer ist von Nasenpolypen besonders betroffen?

Nasenpolypen sind weit verbreitet. Männer sind häufiger betroffen als Frauen, Kinder haben Nasenpolypen seltener, meist nur bei einer Vorbelastung mit der erblichen Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Polypen entstehen zwar grundsätzlich bei Menschen in jedem Alter, in der Regel sind Patienten aber älter als 30 Jahre.

Bisher ist bekannt, dass es einige Krankheiten gibt, bei denen Betroffene häufiger Polypen in der Nase entwickeln – beispielsweise Patienten mit Asthma bronchiale. Von ihnen leiden bis zu 40 Prozent auch unter Nasenpolypen. Etwa 25 Prozent der Patienten mit Nasenpolypen reagieren allergisch auf Acetylsalicylsäure (ASS). Generell sind Menschen mit einer Schmerzmittelunverträglichkeit statistisch häufiger betroffen.

Häufige Ursache für die Bildung von Nasenpolypen ist eine Neigung der Schleimhaut zu Entzündungen (unter anderem als genetische Prädisposition). Auch Krankheiten wie Mukoviszidose, die unter anderem an einer Fehlfunktion der Schleimhäute leiden, sind häufiger von Nasenpolypen betroffen. Auch eine verkrümmte Nasenscheidenwand begünstigt die Entstehung von Polypen.

Als Risikofaktoren für die Entstehung von Polypen in der Nase gelten damit:

  • Allergie gegen Schmerzmittel
  • Asthma
  • Bronchitis
  • Kartagener-Syndrom (seltene Erbkrankheit mit den Symptomen Nasenpolypen, spiegelbildliche Anordnung der Organe, Aufweitungen der Bronchien)
  • Mukoviszidose (zystische Fibrose)

Untersuchungen und Diagnose

Um Nasenpolypen zu diagnostizieren, befragt Sie Ihr Arzt zunächst ausführlich zu Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dazu stellt er Ihnen unter anderem folgende Fragen:

  • Bekommen Sie durch Ihre Nase gut Luft?
  • Leiden Sie häufiger an Entzündungen der Nasennebenhöhlen?
  • Läuft Ihnen häufig die Nase?
  • Leiden Sie an Asthma oder Bronchitis?

Bei der Untersuchung spiegelt der Arzt zunächst die Nase. Dabei führt er eine kleine trichterförmige Zange in ein Nasenloch ein und leuchtet mit seiner Stirnlampe hinein. Er beurteilt das Aussehen der Nasenschleimhaut und erkennt, ob in der Nasenhaupthöhle Polypen sind. Ausserdem untersucht der Arzt in vielen Fällen auch die hintere Nase, indem er einen Spiegel in den Mund einführt und nach oben in den Rachen richtet.

Eine weiterführende Untersuchung ist die sogenannte Endoskopie. Dazu führt der Arzt einen kleinen Schlauch mit einer Kamera in die Nase ein. So begutachtet er die Ausführungsgänge der Nasennebenhöhlen und stellt so eventuelle Polypen fest.

Mithilfe einer Computertomografie (CT) lassen sich unter Umständen die genauen Ausmasse der Polypen bestimmen. Mit diesen Informationen hat der Chirurg später bessere Planungsmöglichkeiten, um eine eventuelle Operation zu planen.

Welche Krankheiten kommen noch infrage?

Meistens treten Nasenpolypen beidseitig auf. Sind sie ausschliesslich einseitig vorhanden, nimmt man meist unter örtlicher Betäubung eine Gewebeprobe, die der Arzt im Labor untersuchen lässt. Dabei stellt man fest, ob es sich um Polypen oder eine andere Art von Wucherung handelt. Grundsätzlich grenzt ein Arzt Nasenpolypen von anderen möglichen Krankheiten ab (die sogenannte Differenzialdiagnose).

Dazu zählen:

  • Meningoenzephalozele (Vorfall von Gehirngewebe, häufig angeboren)
  • Juveniles Nasenrachenfibrom (Geschwulst im Nasenrachen, hauptsächlich bei männlichen Jugendlichen)
  • Papillom oder Plattenepithelkarzinom der Nase (andere Geschwülste der Nase)
  • Aspergillom (Schimmelpilzbefall)

Krankheitsverlauf und Prognose

Da Nasenpolypen langsam wachsen, gewöhnen sich Patienten oft an die Symptome und suchen erst spät einen Arzt auf. Mit der richtigen Therapie lassen sich die Beschwerden oft lindern.

Eine operative Entfernung der Nasenpolypen bessert häufig schnell die Beschwerden. Dennoch wachsen bei etwa 75 Prozent der Patienten in den ersten Jahren nach der Entfernung erneut Nasenpolypen. Deshalb ist es ratsam, auch nach einer Nasenpolypen-OP dauerhaft kortisonhaltige Nasensprays zu verwenden.

Diese verhindern oft, dass erneut Polypen in der Nase auftreten. Im Verlauf lässt sich mithilfe einer Computertomografie feststellen, ob die medikamentöse Therapie tatsächlich wirkt. Liegt den Nasenpolypen eine andere Erkrankung zugrunde, sollte diese behandelt werden.

Vorbeugen

Wenn Sie bekanntlich häufiger an Polypen in der Nase leiden, achten Sie auf eine regelmässige Nasenpflege. Dazu zählen Inhalationen und Salzwasser-Nasenduschen. So wird die Schleimhaut der Nase angefeuchtet, mögliche Krankheitserreger wie zum Beispiel Bakterien lassen sich herausspülen, womit das Risiko, an einer Nasennebenhöhlenentzündung zu erkranken, sinkt.

Bewährt haben sich auch Inhalationen mit Aufgüssen aus Kamillenblüten oder ähnliche Hausmittel.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Rainer Jund
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
J33
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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