Milchschorf

Von Christina Trappe
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Milchschorf beim Baby ist die erste Erscheinungsform einer beginnenden Neurodermitis – einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung. Der Begriff "Milchschorf" bezeichnet die schuppenden, gelb-bräunlichen Krusten im Bereich von Kopfhaut, Stirn und Wangen der Betroffenen. Damit verbunden ist ein juckender Hautausschlag, der sich manchmal auch auf andere Körperstellen des Babys erstreckt.  Lesen Sie hier alles Wichtige über Milchschorf!

Milchschorf beim Baby

Kurzübersicht

  • Symptome: Geschuppte Haut, rote Knoten und Bläschen, gelbe Kruste, insbesondere auf der Kopfhaut
  • Ursachen und Risikofaktoren: Erbliche Veranlagung und äussere Faktoren
  • Diagnostik: Körperliche Untersuchung, ob charakteristische Merkmale bestehen, Familienanamnese
  • Behandlung: Spezielle Cremes und Salben, die Entzündungen hemmen und den Juckreiz lindern
  • Verlauf und Prognose: Dauer bis zu zwei Jahren, möglicher Übergang hin zu anderen Symptomen der Neurodermitis
  • Vorbeugen: Stillen ist möglicherweise eine Methode, um vorzubeugen. Gute Hautpflege trägt dazu bei, einer Verschlechterung des Milchschorfs vorzubeugen.

Was ist Milchschorf?

Der Begriff Milchschorf bezeichnet gelb-bräunlich verkrustete Hautstellen am Kopf und im Gesicht vieler Säuglinge. Die Krusten erinnern in ihrem Aussehen an angebrannte Milch – daher der Name "Milchschorf". Vom Namen abgesehen haben die entzündlichen Hautveränderungen jedoch nichts mit Milch zu tun.

Milchschorf ist die erste Erscheinungsform einer beginnenden Neurodermitis (atopisches Ekzem). Er tritt meist bei Babys im Alter von drei bis sechs Monaten auf. In Einzelfällen entwickelt sich der Ausschlag auch schon früher. Meist handelt es sich dabei dann aber nicht um Milchschorf, sondern um ein seborrhoisches Ekzem (Kopfgneis) oder um eine andere Hautkrankheit. Ist die Ursache für das Ekzem beim Säugling nicht ganz eindeutig, spricht man von einem Eczema infantum.

Milchschorf als Vorbote für Neurodermitis

Über die Hälfte der Kinder mit Neurodermitis hatte als Baby Milchschorf als erstes Symptom. Manchmal entwickeln sich die ersten Anzeichen einer Neurodermitis jedoch erst im Schulalter. Etwa 10 bis 15 Prozent der Vorschulkinder sind zumindest zeitweilig von einem atopischen Ekzem betroffen. Damit zählt die Neurodermitis bei Kindern zu den am weitesten verbreiteten Hautkrankheiten.

Auffällig ist die häufige Verbindung von Neurodermitis, Heuschnupfen (allergischer Rhinitis) und allergischem Asthma. Diese drei Erkrankungen fassen Ärzte unter dem Begriff "atopischer Formenkreis" zusammen. Nicht selten tritt Milchschorf beim Baby als erster Vorbote auf, aus dem sich im Erwachsenenalter andere allergische Erkrankung entwickeln. Die atopischen Erkrankungen treten jedoch auch einzeln auf.

Wie äussert sich Milchschorf?

Babys mit Milchschorf entwickeln oft typische Symptome: Zunächst bildet sich ein rötlicher Hautausschlag, ein sogenanntes Exanthem, am Kopf des Kindes, der in manchen Fällen mit Knötchen und kleinen Blasen auf der Haut einhergeht. Meist sind die behaarte Kopfhaut, Stirn und Wangen betroffen. Hier blättern zunächst kleine, trockene Schuppen ab.

Als Milchschorf bezeichnet man die gelblichen bis braunen Krusten, die sich auf dem Ausschlag bilden. Bei vielen Säuglingen breitet sich das Ekzem auf die Arme, die Beine und den Oberkörper aus. Der Windelbereich ist selten betroffen.

Wie Neurodermitis selbst verursacht Milchschorf einen starken Juckreiz. Bei sehr jungen Babys äussert sich dies zunächst in häufigem Weinen und sehr unruhigen Nächten. Sobald das Baby beginnt, sich zu kratzen, verstärkt sich die Milchschorf-Entwicklung. Durch das Aufkratzen der Haut entstehen Eintrittspforten für Bakterien, was häufig zu grösseren Entzündungsherden führt.

Kopfgneis oder Milchschorf: Wo ist der Unterschied?

Kopfgneis, medizinisch seborrhoisches Ekzem genannt, ist ein roter Hautausschlag mit weichen, gelblichen Schuppen. Sie ziehen sich wie eine Schicht über die Kopfhaut. Der Ausschlag entsteht durch eine gesteigerte Aktivität der Talgdrüsen. Im Gegensatz zu Milchschorf entwickelt sich Kopfgneis bei Babys bereits vor dem dritten Lebensmonat. Ein weiterer Unterschied zwischen Milchschorf und Kopfgneis ist, dass das seborrhoische Ekzem in der Regel nicht juckt und kein Vorbote für Neurodermitis ist.

Welche Ursache hat Milchschorf?

Die Ursachen für Milchschorf sind – ebenso wie für Neurodermitis – noch nicht abschliessend geklärt. Es gibt allerdings sowohl Hinweise auf eine genetische Veranlagung als auch auf äussere Risikofaktoren. Mediziner gehen davon aus, dass mehrere Faktoren gemeinsam für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich sind und sprechen von einer multifaktoriellen Genese.

Die erbliche Veranlagung für Neurodermitis und Milchschorf wird über mehrere verschiedene Gene an die Nachkommen weitergegeben. Leiden beide Eltern an Neurodermitis, erkrankt das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent daran. Jedoch entwickelt nicht jedes Kind mit einer entsprechenden Veranlagung Milchschorf und Neurodermitis.

Ausschlag, Juckreiz und Milchschorf-Krusten bei Neurodermitis-Patienten entstehen durch verschiedene komplexe Vorgänge in der Haut. Meist liegt eine Kombination aus drei Faktoren vor:

  • Barrierestörungen: Babys mit Milchschorf haben eine Veranlagung für trockene Haut. Durch die obere Hautschicht (Epidermis) geht mehr Feuchtigkeit verloren als bei gesunden Babys. Die Haut ist durchlässiger und speichert weniger Wasser. Einerseits führt trockene Haut zu Juckreiz, andererseits ist sie anfälliger für schädliche Einflüsse und Allergene.
  • Immunologische Ursachen: Bei vielen Menschen mit Neurodermitis finden sich im Blut erhöhte Spiegel an Immunglobulin E (IgE). Diese Klasse von Antikörpern spielt bei der Entwicklung von Allergien eine grosse Rolle. Babys mit Milchschorf reagieren zum Beispiel oft allergisch auf Hühnerei oder Kuhmilch. Die Abwehrreaktionen finden auf der Haut statt und führen zu entzündlichen Prozessen.
  • Neurovegetative Ursachen: Das Nervensystem der Betroffenen reagiert empfindlicher auf verschiedene äussere Reize wie kaltes und trockenes Klima, Hautreizungen, zum Beispiel durch Wollstoffe, aber auch auf psychische Faktoren wie Stress, Trauer oder Angst. Diese Faktoren verstärken bei vielen Patienten die Neurodermitis.

Wie wird Milchschorf festgestellt?

Den wichtigsten Hinweis zur Diagnose von Milchschorf und Neurodermitis liefert dem Arzt das Hautbild des Babys. Bei Milchschorf zeigen sich:

  • Rote Knötchen und Blasen
  • Gelbliche, für Milchschorf typische Krusten
  • Eine feine Hautschuppung
  • Charakteristische Stellen, an denen das Ekzem auftritt, vor allem im Gesicht, auf der Kopfhaut, an Armen und Beinen

Zudem achtet der Arzt auf sogenannte Stigmata. Das sind Merkmale, die recht oft bei Milchschorf oder Neurodermitis und anderen atopischen Krankheiten auftreten. Dazu gehören etwa eine stärkere Linienbildung an Handflächen und Fusssohlen, eine doppelte Unterlidfalte (Dennie-Morgan-Zeichen) und eingerissene Ohrläppchen.

Bei einigen Neurodermitikern werden auch die Augenbrauen zu den Seiten hin sehr dünn (Hertoghe-Zeichen) oder die Lippen sind stärker gefurcht, werden schnell trocken und rissig. Bei Kindern treten zudem recht oft Ekzeme an den Fingerkuppen und Zehen auf, die manchmal mit Pilzerkrankungen verwechselt werden.

Die Krankengeschichte des Patienten und der Familie, die (Familien-)Anamnese, hilft dem Arzt ebenfalls bei der Einschätzung, ob hinter einem Ekzem beim Baby Milchschorf steckt. Dazu fragt der Arzt im Anamnesegespräch zum Beispiel, ob Eltern oder Geschwister des Säuglings an Neurodermitis oder einer anderen atopischen Erkrankung leiden. Auch Vorerkrankungen und Komplikationen in den ersten Lebensmonaten des Babys liefern wertvolle Hinweise für die Diagnose.

Weitere Untersuchungen sind zur Diagnose von Milchschorf und Neurodermitis meist nicht notwendig. In unklaren Fällen schliesst eine histologische Untersuchung der Haut andere Hauterkrankungen aus. Bei Blutuntersuchungen finden sich in vielen Fällen erhöhte IgE-Spiegel.

Was tun bei Milchschorf?

Ob Sie Milchschorf von der Kopfhaut des Babys entfernen sollten und wie Sie ihn behandeln, lesen Sie im Beitrag Milchschorf entfernen

Wie verläuft Milchschorf?

Milchschorf zeigt sich mehrere Monate und bis zu zwei Jahre lang auf der Haut. Typischerweise verlagern sich die Symptome der Neurodermitis im Krankheitsverlauf: Nach dem ersten Lebensjahr treten die Ekzeme vermehrt in Arm- und Kniebeugen, am Hals und in der Leistengegend auf.

In manchen Fällen entwickelt sich anschliessend eine chronische Form der Neurodermitis. Bei vielen Kindern heilt sie aber innerhalb der ersten beiden Lebensjahre aus, sodass mit dem Milchschorf gleichzeitig die anderen Symptome abklingen.

Vorbeugen

Milchschorf entwickelt sich bei lang gestillten Kindern seltener als bei Babys, die mit dem Fläschchen gefüttert werden. Möglicherweise ist das Stillen ein Faktor, der beim Vorbeugen von Milchschorf eine Rolle spielt.

Babys, die nur leicht ausgeprägten Milchschorf haben, profitieren von einer sorgfältigen Hautpflege, die verhindert, dass das Kind sich kratzt und sich die betroffenen Stellen entzünden. Spezielle Salben tragen dazu bei, einer Verschlechterung des Milchschorfs vorzubeugen. Besprechen Sie mit Ihrem behandelnden Kinderarzt, welche Salben sich für Ihr Kind am besten eignen.

Autoren- & Quelleninformationen

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ICD-Codes:
L21L20
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • European Centre of Allergy Research Foundation (ECARF): Neurodermitis (Stand: 2017), unter: www.ecarf.org (Abrufdatum: 20.01.2022)
  • Gortner, L. & Meyer, S.: Duale Reihe Pädiatrie. Thieme Verlag, 5. Auflage, 2018
  • Kinder- und Jugendärzte im Netz: Kopfgneis verschwindet meist von selbst, unter: www.kinderaerzte-im-netz.de (Abrufdatum: 20.01.2022)
  • Moll, I.: Dermatologie. Thieme Verlag, 8. Auflage, 2016
  • Plewig, G. et al.: Braun Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer Verlag, 7. Auflage, 2018
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 20.01.2022)
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