Milchschorf

Von Christina Trappe
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Milchschorf beim Baby ist die erste Erscheinungsform einer beginnenden Neurodermitis (atopisches Ekzem) - einer chronisch-entzündlichen Hauterkrankung. Der Begriff bezeichnet die schuppenden, gelb-bräunlichen Krusten im Bereich von Kopfhaut, Stirn und Wangen der Betroffenen. Damit verbunden ist ein juckender Hautausschlag, der sich auch auf andere Körperstellen des Babys erstrecken kann. Lesen Sie hier alles Wichtige über Milchschorf!

Milchschorf

Milchschorf: Beschreibung

Der Begriff Milchschorf bezeichnet gelb-bräunlich verkrustete Hautstellen am Kopf und im Gesicht vieler Säuglinge. Die Krusten erinnern in ihrem Aussehen an angebrannte Milch - daher der Name "Milchschorf". Davon abgesehen haben die entzündlichen Hautveränderungen nichts mit Milch zu tun.

Milchschorf ist die erste Erscheinungsform einer beginnenden Neurodermitis (atopisches Ekzem). Er tritt meist bei Babys im Alter von drei bis sechs Monaten auf. In Einzelfällen kann sich der Ausschlag auch schon früher entwickeln; meist handelt es sich dabei dann aber nicht um Milchschorf, sondern um ein seborrhoisches Ekzem (Kopfgneis) oder eine andere Hautkrankheit. Ist die Ursache für das Ekzem beim Säugling nicht ganz eindeutig, spricht man von einem Eczema infantum.

Milchschorf als Symptom für Neurodermitis

Über die Hälfte der Kinder mit Neurodermitis hatte als Baby Milchschorf als erstes Symptom. Manchmal entwickeln sich die ersten Anzeichen einer Neurodermitis jedoch auch erst im Schulalter. Etwa 10 bis 15 Prozent der Vorschulkinder sind zumindest zeitweilig von einem atopischen Ekzem betroffen. Damit zählt die Neurodermitis bei Kindern zu den häufigsten Hautkrankheiten. Die Anzahl der Kinder mit Milchschorf und Neurodermitis hat in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zugenommen. Bei vielen heilt die Erkrankung im Laufe der Schulzeit aus, während sie bei einigen bis ins Erwachsenenalter bestehen bleibt. Abhängig vom Klima sind im sonnenarmen Nordeuropa bis zu 25 Prozent der Menschen von Neurodermitis betroffen, während an den Küsten Südeuropas lediglich etwa 1 Prozent darunter leidet.

Auffällig ist die häufige Verbindung von Neurodermitis, Heuschnupfen (allergischer Rhinitis) und allergischem Asthma. Diese drei Erkrankungen fasst man auch unter dem Begriff atopischer Formenkreis zusammen. Nicht selten tritt Milchschorf beim Baby als erster Vorbote auf, aus dem sich später andere allergische Erkrankung entwickeln. Die atopischen Erkrankungen können aber auch einzeln auftreten.

Milchschorf: Symptome

Babys mit Milchschorf entwickeln oft typische Symptome: Zunächst bildet sich ein rötlicher Hautausschlag (Exanthem) am Kopf des Kindes, der mit Knötchen und kleinen Blasen auf der Haut einhergehen kann. Meist sind die behaarte Kopfhaut, Stirn und Wangen betroffen. Hier blättern zunächst kleine, trockene Schuppen ab. Als Milchschorf bezeichnet man die gelblichen bis braunen Krusten, die sich auf dem Ausschlag bilden. Bei vielen Säuglingen breitet sich das Ekzem auf die Arme, die Beine und den Oberkörper aus. Die Windelgegend ist in den meisten Fällen nicht betroffen.

Wie Neurodermitis selbst verursacht auch Milchschorf einen starken Juckreiz. Bei sehr jungen Babys äußert sich dies zunächst in häufigem Weinen und sehr unruhigen Nächten. Sobald das Baby beginnt, sich zu kratzen, verstärkt sich die Milchschorf-Entwicklung. Durch das Aufkratzen der Haut entstehen Eintrittspforten für Bakterien, was nicht selten sich zu größeren Entzündungsherden führt.

Milchschorf: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen für Milchschorf (und Neurodermitis) sind noch nicht abschließend geklärt; es gibt allerdings sowohl Hinweise auf eine genetische Veranlagung als auch auf äußere Risikofaktoren. Mediziner gehen davon aus, dass mehrere Faktoren gemeinsam für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich sind (multifaktorielle Genese).

Die erbliche Veranlagung für Neurodermitis und Milchschorf wird über mehrere verschiedene Gene an die Nachkommen weitergegeben. Leiden beide Eltern an Neurodermitis, erkrankt auch das Kind mit einer Wahrscheinlichkeit von 60 bis 80 Prozent daran. Jedoch entwickelt nicht jedes Kind mit einer entsprechenden Veranlagung Milchschorf und Neurodermitis.

Ausschlag, Juckreiz und Milchschorf-Krusten bei Neurodermitis-Patienten entstehen durch verschiedene komplexe Vorgänge in der Haut. Meist liegt eine Kombination aus drei Faktoren vor:

  • Barrierestörungen: Babys mit Milchschorf haben eine Veranlagung für trockene Haut. Durch die obere Hautschicht (Epidermis) geht mehr Feuchtigkeit verloren als bei gesunden Babys; die Haut ist durchlässiger und kann weniger Wasser speichern. Einerseits führt trockene Haut zu Juckreiz, andererseits ist sie anfälliger für schädliche Einflüsse und Allergene.
  • Immunologische Ursachen: Bei vielen Menschen mit Neurodermitis finden sich im Blut erhöhte Spiegel an Immunglobulin E (IgE). Diese Klasse von Antikörpern spielt bei der Entwicklung von Allergien eine große Rolle. Babys mit Milchschorf reagieren zum Beispiel oft allergisch auf Hühnerei oder Kuhmilch. Die Abwehrreaktionen finden auf der Haut statt und führen zu entzündlichen Prozessen.
  • Neurovegetative Ursachen: Das Nervensystem der Betroffenen reagiert empfindlicher auf verschiedene äußere Reize wie kaltes und trockenes Klima, Hautreizungen (z.B. durch Wollstoffe), aber auch psychische Faktoren wie Stress, Trauer oder Angst. Diese Faktoren verstärken bei vielen Patienten die Neurodermitis.

Milchschorf: Untersuchungen und Diagnose

Den wichtigsten Hinweis zur Diagnose von Milchschorf und Neurodermitis liefert dem Arzt das Hautbild des Babys:

  • rote Knötchen und Blasen
  • gelbliche Milchschorf-Krusten
  • feine Schuppung der Haut
  • charakteristischen Stellen, an denen das Ekzem auftritt (vor allem Gesicht, Kopfhaut, Arme und Beine)

Zudem achtet der Arzt auf sogenannte Stigmata - Merkmale, die recht oft (wenn auch nicht immer) bei Milchschorf bzw. Neurodermitis und anderen atopischen Krankheiten auftreten. Es gehören dazu etwa eine stärkere Linienbildung an Handflächen und Fußsohlen, eine doppelte Unterlidfalte (Dennie-Morgan-Zeichen) und eingerissene Ohrläppchen. Bei einigen Neurodermitikern werden auch die Augenbrauen zu den Seiten hin sehr dünn (Hertoghe-Zeichen) oder die Lippen sind stärker gefurcht und werden schnell trocken und rissig. Bei Kindern treten auch recht oft Ekzeme an den Fingerkuppen und Zehen auf, die manchmal mit Pilzerkrankungen verwechselt werden.

Die Krankengeschichte des Patienten und der Familie - die (Familien-)Anamnese - hilft dem Arzt ebenfalls bei der Einschätzung, ob hinter einem Ekzem beim Baby Milchschorf steckt. Dazu fragt der Arzt im Anamnesegespräch zum Beispiel, ob Eltern oder Geschwister des Säuglings an Neurodermitis oder einer anderen atopischen Erkrankung leiden. Auch Vorerkrankungen und Komplikationen in den ersten Lebensmonaten des Babys können wertvolle Hinweise für die Diagnose liefern.

Weitere Untersuchungen sind zur Diagnose von Milchschorf und Neurodermitis meist nicht notwendig. In unklaren Fällen kann eine histologische Untersuchung der Haut andere Hauterkrankungen ausschließen. Bei Blutuntersuchungen finden sich in vielen Fällen erhöhte IgE-Spiegel.

Milchschorf: Behandlung

Ob Sie Milchschorf von der Kopfhaut des Babys entfernen sollten und wie Sie ihn behandeln können, lesen Sie im Beitrag Milchschorf entfernen?

Milchschorf: Krankheitsverlauf und Prognose

Milchschorf tritt selten vor dem dritten Lebensmonat auf, kann dann aber mehrere Monate und bis zu zwei Jahre andauern. Typischerweise verlagern sich die Symptome der Neurodermitis im Krankheitsverlauf: Nach dem ersten Lebensjahr treten die Ekzeme vermehrt in Arm- und Kniebeugen, am Hals und in der Leistengegend auf.

In manchen Fällen entwickelt sich anschließend eine chronische Form der Neurodermitis. Bei vielen Kindern heilt sie aber innerhalb der ersten beiden Lebensjahre aus, sodass mit dem Milchschorf auch die anderen Symptome abklingen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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ICD-Codes:
L21L20
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