Mesotheliom

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Dr. med. Mira Seidel

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Das Mesotheliom ist ein sehr seltener Tumor des Brustfells (Rippenfell oder Lungenfell), des Bauchfells oder des Herzbeutels. Er tritt besonders bei Menschen auf, die über eine lange Zeit mit Asbest Kontakt hatten. Es gibt gutartige und bösartige Formen. Die Behandlung besteht meist in einer Operation kombiniert mit einer Chemotherapie. Lesen Sie hier mehr über das Mesotheliom. 

Mesotheliom wird durch Asbest ausgelöst

Kurzübersicht

  • Prognose: Abhängig vom Typ des Mesothelioms, bei bösartigen Pleuramesotheliom meist ungünstig; spät erkannte Formen meist nicht mehr heilbar
  • Symptome: Atemprobleme und Schmerzen in der Brust, Husten, Gewichtsverlust, Fieber
  • Ursachen und Risikofaktoren: Einatmen von Asbeststaub; genetische Faktoren, asbestähnliche Fasern sowie bestimmte Viren, häufig sind Bau- oder Werftarbeiter betroffen
  • Diagnostik: Symptome, Krankengeschichte, Röntgen-, Ultraschalluntersuchungen, Magnetresonanz- und Computertomografie; unter Umständen Probennahme und Brustspiegelung per Endoskop
  • Behandlung: Wenn möglich, Operation, ergänzend Strahlen- und Chemotherapie. Oft ist keine Heilung, sondern nur noch Behandlung der Schmerzen möglich.
  • Vorbeugen: Früherkennungsuntersuchung für Betroffene, die Asbest ausgesetzt waren. Beim Umgang mit Asbest Arbeitsschutzbestimmungen beachten.

Was ist ein Mesotheliom?

Das Mesotheliom ist eine Wucherung (Tumor) des Mesothels. Das ist ein einschichtiges Epithelgewebe, das die Begrenzung von Körperhöhlen bildet wie Brustfell (Pleura, besteht aus Rippenfell und Lungenfell), Herzbeutel (Perikard) und Bauchfell (Peritoneum).

Es legt sich beim häufiger vorkommenden Pleuramesotheliom ("Brustfellkrebs") im Verlauf der Erkrankung meist als flächenhafter Tumor um die Lunge.

Wie die meisten Tumoren tritt das Mesotheliom in gutartiger (benigner) und bösartiger (maligner) Form auf. Letztere ist häufig die Folge eines längeren Umgangs mit Asbest (Asbestexposition). Die Latenzzeit ist lang: Zwischen der Asbestexposition und dem Auftreten der ersten Symptome vergehen bis zu 35 Jahre.

Wenn man beruflich Asbest ausgesetzt war und an einem bösartigen Mesotheliom erkrankt, gilt dies als anerkannte Berufskrankheit. In einigen Fällen werden Mesotheliome als "Asbestose" bezeichnet.

Allgemein beschreibt Asbestose aber eine "Asbeststaublungenerkrankung", die sich durch Vernarbungen der Lunge äussert und sich unter Umständen zu einem Mesotheliom entwickelt.

Bösartige Mesotheliome sind zu mehr als 80 Prozent Pleuramesotheliome, also Tumoren, die von der Pleura (Brustfell: Rippenfell und Lungenfell) ausgehen. Man spricht hierbei von Brustfellkrebs oder Rippenfellkrebs.

Etwa 20 Menschen pro eine Million Einwohner in Deutschland erkranken jährlich an einem Mesotheliom. In vielen Industriestaaten wurde Asbest verboten, dennoch scheint die Häufigkeit zuzunehmen. Männer erkranken drei- bis fünfmal häufiger an einem Mesotheliom als Frauen. Je höher das Alter, desto höher ist das Erkrankungsrisiko.

Eine Erklärung für den höheren Männeranteil ist, dass oft Bau- oder Werftarbeiter betroffen sind, die in der Vergangenheit mit Asbest gearbeitet haben, und in diesen Berufen der Männeranteil überwiegt.

Krankheitsverlauf und Prognose

Das Mesotheliom ist bis heute, trotz aller zur Verfügung stehenden Mittel, nur in Ausnahmefällen heilbar. Verschiedene Faktoren beeinflussen die Prognose im Einzelfall, darunter Alter, Geschlecht, Tumorunterart ("Subtyp") und Tumorstadium.

Das Mesotheliom vom sogenannten "epithelialen Typ" hat beispielsweise eine günstigere Prognose. Ebenso eine günstigere Prognose haben jüngere Betroffene (unter 75 Jahre) und Frauen.

Eine Rolle für die Prognose spielt zum Beispiel auch, ob der Patient in seiner Aktivität eingeschränkt ist, sich noch selbst versorgt und selbst bestimmt lebt (Karnofsky-Index).

Auch Faktoren wie ein niedriger Hämoglobingehalt, ein hoher LDH-Spiegel ("böses" Cholesterin) oder ein hoher Spiegel an weissen Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten) beeinflussen die Prognose.

Bei der gutartigen Form existiert ein nur langsam wachsender Tumor, der nicht streut, also keine Metastasen bildet. Er lässt sich in der Regel operativ entfernen.

Bei der malignen (bösartigen) Form kommt es zu schnell wachsenden Tumoren, die anfangs Knötchen bilden und sich bei der häufigsten Form, dem Pleuramesotheliom zu grossen Platten entwickeln, die sich schliesslich wie ein Mantel um die Lunge legen. Diese Tumore wachsen in andere Gewebe und streuen ausserdem häufig in die Lunge und die Lymphknoten.

Auch beim Herzfell- oder Bauchfellkrebs ist die Prognose abhängig von diesen Faktoren.

Wie hoch ist die Lebenserwartung mit einem Mesotheliom?

Die Überlebenszeit bei Rippenfellkrebs (Pleuramesotheliom) beträgt im Allgemeinen nur rund vier bis zwölf Monate. Nur zwölf Prozent der Betroffenen mit negativen Prognosefaktoren (wie hohes Alter) überleben das erste Jahr. Ein Pleuramesotheliom ist eine sehr aggressive Krebsform, die meistens erst sehr spät diagnostiziert wird.

Im Endstadium des Rippenfellkrebs sind ausser der Pleura auch andere Köperregionen durch Metastasen betroffen. Das Pleuramesotheliom führt primär zu einer deutlich verschlechterten Atmung und massiven Atembeschwerden, die als schliessliche Todesursache möglich sind. Daneben nehmen Betroffene meist stark ab, der Allgemeinzustand verschlechtert sich, Schmerzen in der Brust und an weiteren Orten sind möglich.

Nachsorge

Nach Abschluss der Therapie sollten Mesotheliom-Patienten etwa alle zwei bis drei Monate zur ärztlichen Kontrolle gehen. Dabei achtet der Arzt auf tumorassoziierte Beschwerden und untersucht den Körper des Patienten. 

Welche Symptome treten bei einem Mesotheliom auf?

Die Rippenfellkrebs-Symptome sind sehr unterschiedlich. Zwischen den ersten auftretenden Symptomen und der letztendlichen Diagnose vergehen in manchen Fällen bis zu einem halben Jahr.

Die meisten Betroffenen mit einem Mesotheliom der Pleura berichten von Atemnot als erstem Symptom. Zudem sind Schmerzen im Bereich des Brustkorbs möglich, wenn die Zwischenrippennerven betroffen sind oder der Krebs auch die Brustwand betrifft.

In seltenen Fällen treten ein Zwerchfellhochstand oder ein Reizhusten auf. Ebenfalls selten zeigen sich bei Rippenfellkrebs sogenannte paraneoplastische Symptome wie beispielsweise Blutarmut, Gewichtsverlust, Fieber oder ein Spontanpneumothorax (plötzliches Eindringen von Luft in den spaltförmigen Raum zwischen Lungen- und Rippenfell).

Einseitige Pleuraergüsse oder Lungenfellverdickungen mit gleichzeitigen Brustschmerzen sind weitere mögliche Hinweise auf ein Mesotheliom.

Im Fall eines Bauchfell- oder Herzbeutelkrebs kommt es zu Ergüssen in diesen. Bei grösseren Ergüssen sind eine Einschränkung der Herzfunktion sowie entsprechende Schmerzempfindungen eine mögliche Folge.

Ursachen und Risikofaktoren

Bis zu 90 Prozent der Pleuramesotheliom-Fälle lassen sich auf eine Asbestexposition zurückführen. Ein Asbest-Verbot gibt es in Deutschland seit 1993. In der EU ist Asbest seit 2005 verboten. Dennoch wird Asbest weltweit weiterhin industriell eingesetzt, etwa als Dämmstoff in der Bauindustrie.

Es gelten arbeitsschutzrechtliche Grenzwerte für den Umgang mit Asbest, die sich nach der Anzahl Fasern pro Kubikmeter Luft berechnet. Im Arbeitsschutz gelten etwa Arbeiten mit 10.000 Fasern pro Kubikmeter als "Arbeiten mit geringer Exposition". Für Innenräume soll aber als Richtwert 0 Fasern pro Kubikmeter gelten.

Allerdings nehmen Forscher weitere Faktoren an wie genetische Veranlagung oder die Lebensumstände, da es auch Menschen gibt, die Asbest ausgesetzt waren, aber keinen Krebs entwickeln.

Etwa zehn bis 20 Prozent der Mesotheliom-Erkrankungen werden nicht durch Asbest verursacht, sondern zum Beispiel durch Zeolith (Erionit), eine asbestähnliche Faser. Daneben stehen weitere Faktoren im Verdacht, ein Mesotheliom auszulösen. Dazu gehören zum Beispiel die sogenannten SV-40-Viren, wiederholte Entzündungen sowie eine genetische Veranlagung für ein Mesotheliom. Von einigen genetischen Faktoren ist bereits bekannt, dass sie die Möglichkeit erhöhen, ein Mesotheliom zu entwickeln.

Ausserdem prüfen Experten, ob Nanowerkstoffe wie Nanotubes möglicherweise ebenfalls zu einem bösartigen Mesotheliom führen. Das gilt besonders für längere Nanoröhrchen, die über die Atmung aufgenommen werden und dann im Lungengewebe oft ähnlich wie Asbestfasern chronische Entzündungen auslösen.

Untersuchungen und Diagnose

Bei Anzeichen für ein Pleuramesotheliom ist Ihr Hausarzt oder ein Lungenfacharzt der erste Ansprechpartner. Um ein Mesotheliom zu diagnostizieren, fragt der Arzt genau nach den Symptomen und Ihrer Krankenvorgeschichte. Typische Fragen des Arztes sind beispielsweise:

  • Seit wann und wie häufig haben Sie Beschwerden, beispielsweise Husten?
  • Bekommen Sie schlecht Luft?
  • Haben Sie zähen Auswurf beim Husten?
  • Ist zusätzlich Fieber aufgetreten? Schwitzen Sie nachts stark?
  • Haben oder hatten Sie beruflich oder privat Kontakt mit Asbest?
  • Wohnen Sie oder arbeiten Sie in der Nähe von astbestverarbeitenden Fabriken?
  • Haben Sie sich in Gegenden mit natürlichem Asbestvorkommen aufgehalten?
  • Wohnen Sie in einem Altbau mit asbesthaltigen Bauteilen?

Bei Verdacht auf ein Mesotheliom ist eine Überweisung an ein erfahrenes Lungenzentrum sinnvoll. Um die Verdachtsdiagnose zu sichern, folgen weitere körperliche Untersuchungen.

Um die Grösse des Tumors zu erfassen, sind bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) möglich.

Letzte Gewissheit bei Verdacht auf ein Mesotheliom bringt eine feingewebliche Untersuchung des veränderten Gewebes durch die Entnahme einer Probe. Ausserdem erhärtet der Arzt den Verdacht oft durch eine Thorakoskopie (Brustspiegelung), bei der der Mediziner die Brusthöhle mittels eines Endoskops untersucht.

Bildgebende Verfahren

Um festzustellen, ob sich Wasser zwischen Lungen- und Rippenfell eingelagert hat (Pleuraerguss), wird der Brustkorb mittels Ultraschall untersucht (transthorakaler Ultraschall). Auch eine Pleurapunktion (siehe unten) erfolgt unter Ultraschall-Kontrolle.

Eine Computertomografie (CT) ist die beste Methode, ein Mesotheliom festzustellen und seine Ausdehnung zu erfassen. Ausserdem lässt sich mittels CT feststellen, ob der Tumor bereits Tochtergeschwülste (Metastasen) in den Lymphknoten gebildet hat.

Wird vermutet, dass sich der Tumor auf das Zwerchfell oder die Brustwand ausgebreitet hat, ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) möglich. Auch eine sogenannte Positronen-Emission-Tomographie (PET) bietet sich an, besonders um Fernmetastasen nachzuweisen.

Pleurapunktion

Bei einer Pleurapunktion führt der Arzt eine feine Nadel an den Rippen vorbei in den Pleuraspalt ein und zieht Flüssigkeit heraus. Bei mehr als der Hälfte aller Patienten mit Rippenfellkrebs lassen sich Krebszellen im Pleuraerguss nachweisen. Ein negatives Ergebnis schliesst ein Pleuramesotheliom jedoch nicht aus.

Nadelbiopsie

Bei der perkutanen Nadelbiopsie wird eine Nadel von aussen in den Körper vorgeschoben, um eine Gewebeprobe der betroffenen Stelle zu entnehmen. Das Ganze wird mittels Röntgenaufnahmen, Ultraschall, CT oder MRT überwacht, um die genaue Position der Nadel zu kontrollieren.

Thorakoskopie (Brustspiegelung)

Um die Diagnose zu sichern, ist häufig eine Thorakoskopie (Brustspiegelung) notwendig. Dabei wird die Pleurahöhle endoskopisch untersucht. Zudem lasst sich so während der Untersuchung etwas Tumorgewebe für die feingewebliche Diagnostik entnehmen.

Feingewebliche Diagnostik

Die Untersuchung der feingeweblichen Probe erfolgt in der Regel durch einen spezialisierten Lungenpathologen. Das Mesotheliom wird dabei histologisch in unterschiedliche Formen unterteilt:

  • Epitheliales Mesotheliom (50 Prozent aller Mesotheliom-Fälle)
  • Sarkomatöses Mesotheliom (25 Prozent)
  • Biphasisches Mesotheliom (24 Prozent)
  • Undifferenziertes Mesotheliom (1 Prozent)

Epithelial oder sarkomatös bezieht sich dabei auf die Zelltypen, die der Tumor bildet. Im epithelialen Fall bilden sich nur entartete Schleimhautzellen, im sarkomatösen Fall differenzieren sich die Zellen mit Fasern, Bindegewebe sowie zum Teil Muskel-, Knorpel- oder Knochenzellen.

Im biphasischen Fall kommen beide Formen vor, im undifferenzierten seltensten Fall bilden die Zellen keinen bestimmten Zelltyp aus.

Behandlung

Das Mesotheliom wird in der Regel in einem spezialisierten Zentrum behandelt, weil sowohl Diagnostik als auch Behandlung eine besondere Herausforderung darstellen.

Es gibt zwar eine standardisierte Leitlinie zur Behandlung des Pleuramesothelioms – wegen der relativen Seltenheit der Krebsart gibt es aber für den Effekt vieler Behandlungsmethoden nur wenige Daten.

In vielen Fällen lässt sich das Mesotheliom durch die Behandlung nicht heilen, die Patienten gewinnen aber Lebenszeit und Lebensqualität. In einigen Fällen lindert man zumindest die Schmerzen (palliative Behandlung).

Wenn es möglich ist, entfernt der Arzt den gesamten Tumor bei einer Operation. Als Nachsorge bestrahlt man Operationswunde und Operationskanal und führt eine Chemotherapie durch. Von den Zellen des Mesothelioms ist bekannt, dass sie in die Operationswunde hineinwachsen.

In der Regel gilt es als belegt, dass eine einzige Therapiemethode wie eine Operation nicht ausreicht, um den aggressiven Tumor zu bekämpfen. Daher kombinieren die Mediziner meist Operationen und anschliessende Chemo- oder Strahlentherapie.

Für die Behandlung eines Mesothelioms stehen verschiedene Methoden zur Verfügung: Chirurgische Therapie, Chemotherapie, Bestrahlungen und Pleurodesen (Brustfell und Lungenfell werden chirurgisch miteinander verbunden).

Chirurgische Therapie

Da das Pleuramesotheliom sich häufig multifokal, das heisst an mehreren Stellen gleichzeitig, entwickelt und diffus ausdehnt, sind meist nur grossflächige chirurgische Eingriffe sinnvoll. Man unterscheidet zwei operative Methoden: Die Pleurektomie/Dekortikation (PD) und die extrapleurale Pneumonektomie (EPP).

Bei der Pleurektomie/Dekortikation wird nur die Lungenauskleidung, also die Pleura entfernt. Die Lunge selbst bleibt erhalten. Je nach Grösse des Tumors entfernt der Chirurg in einigen Fällen auch den Herzbeutel (Perikard) und das Zwerchfell.

Der Vorteil dieser weniger radikalen Methode ist, dass sich der Patient schneller erholt. Da bei dieser Methode aber nicht das ganze Krebsgewebe entfernt wird und noch Tumorgewebe im Körper verbleibt, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass sich ein erneutes Mesotheliom bildet (Rezidiv).

Bei jungen Patienten mit gutem Allgemeinzustand ist eine sogenannte extrapleurale Pleuropneumonektomie eventuell sinnvoll. Sie ist die radikalere Methode, da dabei die Lungenflügel zusammen mit Lungen- und Brustfell sowie das Zwerchfell auf der betroffenen Seite entfernt werden. Das Zwerchfell wird mit Gore-Tex-ähnlichem Material rekonstruiert.

Bei der extrapleuralen Pleuropneumonektomie handelt es sich um eine grosse fünf bis achtstündige Operation. Sie schränkt die Leistung des Patienten massiv ein. Die Operation findet in der Regel daher nur in frühen Mesotheliom-Stadien und nur an spezialisierten Zentren statt.

Chemotherapie 

Bei der Chemotherapie behandelt der Arzt das Mesotheliom mithilfe von Zytostatika (Zellwachstumhemmern), die über die Vene in regelmässigen Abständen verabreicht werden. Dabei unterscheidet man die Induktions-Chemotherapie von der adjuvanten Chemotherapie.

Bei der Induktions-Chemotherapie wird eine hohe Dosis von Zytostatika zu Beginn der Behandlung gegeben. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen führt dies dazu, dass sich das Mesotheliom teilweise zurückbildet. Eine adjuvante (helfende) Chemotherapie wird im Anschluss an die chirurgische Therapie durchgeführt. Sie zeigt ähnliche Erfolgsraten.

Für die Chemotherapie wird meist eine Kombination aus den beiden Zytostatika Cisplatin und Pemetrexid verwendet. Damit lassen sich die höchsten Überlebenschancen und die beste Lebensqualität erreichen.

In einigen Fällen therapiert der Arzt zusätzlich mit dem Antikörper-Präparat Bevacizumab, das die Neubildung von Blutgefässen hemmt, die besonders in Tumoren in der Regel verstärkt stattfindet.

Bestrahlung

Eine Bestrahlung (Strahlentherapie, Radiatio) wird vorbeugend bei Patienten mit Mesotheliom im Bereich von Stichkanälen und nach Operationen eingesetzt, damit sich dort lokal kein Rezidiv bildet. Zudem ist eine Bestrahlung oft hilfreich, die Schmerzen zu reduzieren.

Im Allgemeinen wird jedoch von einer Bestrahlung abgesehen, da sich der Tumor meist komplex ausbreitet und damit eine hohe Strahlendosis erfordert. Das Risiko, dass dabei Lunge und Herz zusätzlich geschädigt werden, ist zu gross. In einigen Fällen sind radioaktive Strahlen auch als mögliche Ursache eines Mesothelioms beschrieben worden.

Pleurodese

Bei schlechtem Allgemeinzustand und weit fortgeschrittener Erkrankung ist eine Talkpleurodese sinnvoll. Dabei werden die Brustfellblätter (Lungen- und Rippenfell) mit Talkpuder miteinander verklebt. Bei Flüssigkeit im Pleuraraum (Pleuraerguss) lassen sich die Beschwerden dadurch deutlich verbessern. Eine Pleurodese ist bereits im Rahmen einer diagnostischen Brustspiegelung (Thorakoskopie) möglich.

Vorbeugung

Besonders für Betroffene einer Asbestose, also einer Lungenerkrankung nach Kontakt mit Asbest, gibt es als Früherkennungsuntersuchung mittlerweile einen Bluttest. Dieser registriert die Biomarker Calretinin und Mesothelin als charakteristische Marker für ein Mesotheliom.

Insbesondere für Menschen, die in der Vergangenheit Asbest eingeatmet haben oder damit beruflich oder privat viel Umgang hatten, sind regelmässige Kontrollen und Früherkennungen wichtig. Symptome zeigen sich bei Pleuramesotheliomen in der Regel erst in recht fortgeschrittenem Stadium der Erkrankung mit dann schlechten Prognosen.

Darüber hinaus sind vorbeugende Massnahmen für Menschen die mit Asbest arbeiten – wie etwa bei der Sanierung alter Gebäude – im Arbeitsschutz vorgeschrieben. Das sind je nach Belastung etwa Atemschutz und andere Techniken, die das Einatmen von Asbeststaub verhindern.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Dr. med. Mira Seidel
Dr. med.  Mira Seidel

Dr. med. Mira Seidel ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
D19C45
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Hiddemann, W.: Die Onkologie: Teil 1: Epidemiologie – Pathogenese – Grundprinzipien der Therapie. Springer Verlage, 2. Auflage, 2013
  • Johnen, G. et al.: Prediagnostic detection of mesothelioma by circulating calretinin and mesothelin – a case-control comparison nested into a prospective cohort of asbestos-exposed workers. Scientific Reports – Nature. 2018; 8:14321
  • Neumann, V. et al.: Malignes Pleuramesotheliom, Inzidenz, Ätiologie, Diagnostik, Therapie und Arbeitsmedizin. Deutsches Ärzteblatt, Volume 110, Issue 18 (2013): 319-26
  • Opitz, I. & Weder W.: Das maligne Pleuramesotheliom – Diagnostik, Staging und Therapie. Schweiz Med Forum, Volume 14, Issue 13 (2014): 265-268
  • Scherpereel, A. et al.: ERS/ESTS/EACTS/ESTRO guidelines for the management of malignant pleural mesothelioma. European Respiratory Journal; 2020 ;55(6):1900953
  • Thomas, C.: Grundlagen der klinischen Medizin. Anatomie, Physiologie, Pathologie, Mikrobiologie, Klinik / Pathologie – Histopathologie: Lehrbuch und Atlas zur Befunderhebung und Differenzialdiagnostik. Schattauer Verlag, 14. Auflage, 2005
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