Manie

Von , Studentin der Humanmedizin
und , Ärztin
Aktualisiert am
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Eva Rudolf-Müller

Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

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Die Manie ist eine psychische Erkrankung, bei der das Gefühlserleben und die Gefühlswelt der Betroffenen gestört sind. Klassische Anzeichen einer Manie sind ein übermässiges und unbegründetes Hochgefühl, das mit einem übersteigerten Selbstwertgefühl, einer masslosen Aktivität, Rastlosigkeit und der Gefahr, sich selbst und anderen Schaden zuzufügen, einhergeht. Dieser Zustand schlägt häufig innerhalb weniger Sekunden in Gereiztheit um. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Manie: Symptome, Ursachen, Behandlung und Prognose. 

Manie ist eine psychische Erkrankung

Kurzübersicht

  • Verlauf und Prognose: Auf ein übersteigertes Hochgefühl während der manischen Phase folgen oft Schuldgefühle. Nach einer manischen Episode ist die Rückfallwahrscheinlichkeit hoch
  • Symptome: Übersteigertes Selbstwertgefühl, übermässige Aktivität, innere Unruhe, Selbstüberschätzung, Sprunghaftigkeit etc., manchmal Wahnvorstellungen
  • Ursachen und Risikofaktoren: Gestörter Botenstoffwechsel im Gehirn, genetische Faktoren, äussere Einflüsse wie Trennung, Todesfall oder Umzug
  • Diagnostik: Gespräche mit Psychologen
  • Behandlung: Medikamente sowie Verhaltens- und Psychotherapie
  • Vorbeugen: Rückfallprophylaxe durch Behandlung mit Medikamenten sowie Verhaltens- und Psychotherapie

Was ist eine Manie?

Eine Manie ist eine psychische Störung, bei der die Gefühlswelt, das Erleben und die Äusserung der Gefühle einer Person gestört sind. Sie zählt zu den affektiven Störungen. Betroffene Personen leben phasenweise in einem intensiven, aber unbegründeten Hochgefühl, begleitet von übermässig guter Laune und einem gesteigerten Selbstwertgefühl.

Eine Manie tritt meist phasenweise auf, den symptomatischen Zeitraum bezeichnen Mediziner als manische Episode. In den Phasen zwischen zwei Episoden zeigen Betroffene keine Anzeichen der Manie.

Manien im Kindes- und Jugendalter sind selten. Bei den meisten Betroffenen stellt sich die erste manische Episode bis zum 25. Lebensjahr ein.

Die Manie tritt manchmal in Kombination mit den Krankheitszeichen einer Schizophrenie auf. Mediziner sprechen dann von einer schizoaffektiven Psychose.

Wenn sich manische mit depressiven Phasen abwechseln, sprechen Ärzte von einer manisch-depressiven Erkrankung oder bipolaren Störung.

Hypomanie

Eine abgeschwächte Form der Manie, bei der die Stimmungsschwankungen aber immer noch deutlich über dem Normalzustand liegen, wird als Hypomanie bezeichnet. Nicht immer ist eine Hypomanie behandlungsbedürftig. Werden Betroffene und ihr näheres Umfeld durch die Symptome einer Hypomanie nicht grundlegend beeinträchtigt, ist keine Therapie notwendig.

Zustände, die einer Hypomanie ähneln, werden auch häufig von Personen berichtet, die unter Schlafmangel leiden, wie beispielsweise von Menschen mit Nacht- oder Schichtdienst.

Wie verläuft eine manische Phase?

Während einer manischen Episode sind betroffene Personen besonders leistungsfähig, energiegeladen und euphorisch. Sie beginnen viele Dinge, brechen sie jedoch schnell wieder ab. Maniker tätigen Geschäfte impulsiv und schliessen unüberlegt Verträge ab. Die Betroffenen überschätzen die eigene Kraft, die eigene Attraktivität und die eigenen finanziellen Mittel oft beträchtlich und fügen auf diese Weise sich selbst oder ihren Mitmenschen unbeabsichtigt mitunter grossen Schaden zu.

Nach einer manischen Episode werden Betroffene häufig von Schuld- und Schamgefühlen überwältigt und versuchen, Dinge, die sie während der Manie getan haben, wieder rückgängig zu machen.

Wie bei anderen Krankheiten gilt auch bei der Manie: Je früher mit der richtigen Therapie begonnen wird, desto besser ist die Prognose. Nach einer ersten Krankheitsepisode liegt die Wahrscheinlichkeit für eine zweite Episode bei etwa 95 Prozent. Einem Rückfall lässt sich aber mit einer geeigneten medikamentösen Therapie vorbeugen (Rezidivprophylaxe).

Was sind die Symptome einer Manie?

Das bedeutendste Symptom einer Manie ist ein übersteigertes und ungewöhnlich intensives, aber meist unbegründetes Hochgefühl. Dieses tritt plötzlich auf und hält über mehrere Tage an. Mit diesem Hochgefühl gehen vor allem folgende Symptome einher:

  • Starke innere Erregung
  • Übersteigerte Aktivität
  • Grosse Unruhe
  • Gesteigerte Leistungsfähigkeit und Kreativität   
  • Ins Masslose gesteigertes Selbstbewusstsein
  • Realitätsverlust
  • Deutlich vermindertes Schlafbedürfnis
  • Distanzlosigkeit im Umgang mit anderen Menschen
  • Enthemmung
  • Mangelnde Rücksicht
  • Verminderte Gefahrenwahrnehmung
  • Herabgesetzte Sensibilität für die Bedürfnisse und Gefühle der Mitmenschen
  • Manchmal Vernachlässigung von Nahrungsaufnahme und Körperhygiene

Sprunghaftigkeit

Für Aussenstehende ist es oft schwierig, mit den Gedanken und Handlungen der betroffenen Personen Schritt zu halten. Deren innere Unruhe überträgt sich auf ihre Handlungen und ihre Gespräche mit anderen. Es ist schwierig, mit einem Maniker ein normales Gespräch zu führen. Maniker springen mit ihren Gedanken von einem Thema zu anderen und bleiben nie lange bei einer Sache.

Zusätzlich treten bei einer Manie Symptome wie starker Rededrang (Logorrhö) und eine verwaschene, undeutliche Sprache auf. Manchmal sprechen Maniker so schnell, dass es Zuhörern nicht möglich ist, sie zu verstehen.

Typisch für die Manie ist auch, dass zahllose Dinge auf einmal begonnen werden, aber nichts zu Ende geführt wird. Mit grosser Begeisterung gehen Betroffene von einer Sekunde auf die nächste eine neue Aufgabe an – und vergessen sie nach wenigen Minuten wieder.

Enthemmung

Eine für Maniker typische Enthemmung tritt in unterschiedlichen Bereichen des täglichen Lebens auf. Fast alle manischen Patienten werden distanzlos und beginnen, wahllos Fremde anzusprechen, verteilen Geschenke an fremde Personen oder laden ein ganzes Lokal auf einen Drink ein.

Häufig vorhanden sind bei einer Manie auch eine Enthemmung im sexuellen Bereich und eine gesteigerte sexuelle Lust (Libido). Eine sexuelle Enthemmung findet nicht nur in Bezug auf den eigenen Partner, sondern auch hinsichtlich wildfremder Personen statt. Betroffene überschätzen ihre eigene Attraktivität während einer Episode häufig.

Wahnvorstellungen

Bei manchen Betroffenen mit Manie treten neben diesen häufigen Symptomen auch etwas seltener vorkommende Wahnvorstellungen auf. Am häufigsten kommt es zum sogenannten Grössenwahn (Megalomanie). Der Übergang zwischen übersteigertem Selbstwertgefühl und Grössenwahn ist fliessend.

Bei Manien mit psychotischen Symptomen stellen sich ausserdem Wahnvorstellungen ein, die über mehrere Wochen lang als Realität verteidigt werden – selbst in Phasen, in denen die Manie abgeklungen ist. In sehr seltenen Fällen kommt es zu Halluzinationen oder Wachträumen.

Suizidgedanken

Manchmal ist der Realitätsverlust bei einer Manie so stark ausgeprägt, dass Betroffene Suizidgedanken entwickeln. Vor allem in diesem Stadium ist eine stationäre Behandlung in einer Psychiatrie notwendig. Durch die verminderte Fähigkeit, Gefahren richtig zu erkennen, gefährden Betroffene zum Beispiel im Strassenverkehr sich selbst und andere.

Was verursacht eine Manie?

Die genauen Ursachen der Manie sind nicht vollständig geklärt. Zurzeit wird die Ursache für eine Manie vor allem in einer Störung der Botenstoffe im Gehirn vermutet. Diese sogenannten Neurotransmitter sind für die Weitergabe von Nervenimpulsen verantwortlich. Bei einer Manie liegt in den meisten Fällen ein Ungleichgewicht dieser Transmitter vor. Die Botenstoffe Dopamin und Noradrenalin sind in höherer Konzentration als bei einem gesunden Menschen vorhanden.

Zudem beeinflussen mehrere Genveränderungen die Entstehung einer bipolaren Störung mit manischen Episoden. Allerdings sind diese Gene auch bei vielen gesunden Menschen verändert, sodass sie nicht als alleinige Ursache einer Manie infrage kommen. Selbst bei einer Veränderung dieser Gene müssen also weitere Faktoren hinzukommen, damit sich eine Manie entwickelt.

In vielen Fällen gehen einer manischen Episode Veränderungen oder bedeutsame Ereignisse im Leben der betroffenen Personen oder naher Angehöriger voraus. Das sind zum Beispiel Ereignisse wie:

  • Jobwechsel
  • Arbeitslosigkeit
  • Das Ende einer Beziehung
  • Trauerfall
  • Umzug

Es ist aber auch möglich, dass eine Manie ohne ein auslösendes Ereignis entsteht.

Wie wird eine Manie festgestellt?

In den seltensten Fällen nehmen Betroffenen die Symptome der Manie selbst wahr. Manische Phasen werden eher als befreiend und bereichernd empfunden. Während einer manischen Episode fehlt meist jegliche Krankheitseinsicht. In der symptomfreien Zeit plagen die Betroffenen zwar häufig Schuld- und Schamgefühle, aber die Krankheit als solche anzuerkennen fällt den meisten sehr schwer. In der Regel sind es Angehörige, die zur Abklärung der Symptome motivieren.

Obwohl die Manie eine manifeste und ernstzunehmende Erkrankung ist, wird sie nicht mit körperlichen Untersuchungen diagnostiziert. Eine Diagnose der Manie erfolgt durch Gespräche mit einem Hausarzt oder einem Psychiater sowie durch eine eingehende Befragung des Betroffenen und seiner Angehörigen. Für die Diagnosestellung ist es hilfreich, wenn Personen, bei denen eine Manie vermutet wird, ein Gefühlstagebuch oder einen Stimmungskalender führen.

Wie wird eine Manie behandelt?

Die Behandlung der Manie setzt sich meist aus zwei Bausteinen zusammen: der medikamentösen Behandlung und einer Psycho- oder Verhaltenstherapie.

Medikamentöse Behandlung

Um die akuten Symptome einer Manie zu mildern und neuen manischen Episoden vorzubeugen, werden Medikamente wie Lithiumpräparate, Antiepileptika oder atypische Neuroleptika verabreicht. Sie beeinflussen die Transmitteraktivität im Gehirn und lindern die Symptome. In der Akutphase der Manie kommen ausserdem Sedativa zum Einsatz. Sie dämpfen die Rastlosigkeit und gesteigerte Unruhe der Betroffenen.

Zur langfristigen Therapie einer Manie und vor allem zur Vermeidung eines Rückfalls (Rezidiv) nehmen die Betroffenen meist auch in der symptomfreien Zeit Medikamente wie beispielsweise Lithiumcarbonat ein.

Psychotherapie

Begleitend zur medikamentösen Behandlung erfolgt bei einer Manie eine Psycho- oder Verhaltenstherapie. Dabei lernen Betroffene, Frühwarnzeichen einer manischen Episode bei sich zu erkennen, stimulierende Reize während einer Manie zu vermeiden und mit einer akuten Krankheitsphase richtig umzugehen.

Betroffene werden dazu angehalten, ihren gewohnten Tagesablauf beizubehalten, normalen Tätigkeiten strukturiert nachzugehen und einen festen Schlafrhythmus zu behalten. So lassen sich während einer akuten Episode die Symptome verringern. Für das Umfeld wird der Umgang mit Betroffenen einfacher.

Wie lässt sich einer Manie vorbeugen?

Es ist nicht möglich, der Entstehung einer Manie vorzubeugen. Dennoch lassen sich Rückfälle und wiederholte manische Episoden durch eine gut eingestellte medikamentöse Therapie sowie die kontinuierliche Psycho- und Verhaltenstherapie vermeiden oder in ihrer Intensität abschwächen.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autoren:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

Eva Rudolf-Müller
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Eva Rudolf-Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion. Sie hat Humanmedizin und Zeitungswissenschaften studiert und immer wieder in beiden Bereich gearbeitet - als Ärztin in der Klinik, als Gutachterin, ebenso wie als Medizinjournalistin für verschiedene Fachzeitschriften. Aktuell arbeitet sie im Online-Journalismus, wo ein breites Spektrum der Medizin für alle angeboten wird.

ICD-Codes:
F31F30
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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