Lymphdrüsenkrebs – Symptome

Von 
und , Biologin und Medizinredakteurin
und , Medizinredakteurin und Biologin
Dr. med. Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die Symptome bei Lymphdrüsenkrebs sind abhängig vom Stadium und Typ des Lymphoms. Typisch sind eine schmerzlose Schwellung der Lymphknoten, beispielsweise am Hals. Hinzu kommt oft die sogenannte B-Symptomatik. Darunter versteht man die Kombination aus Fieber, ungewolltem Gewichtsverlust und nächtlichem Schwitzen. Lesen Sie hier alles Wichtige über Lymphdrüsenkrebs-Symptome.

lymphdrüsenkrebs

Welche Symptome treten bei Lymphdrüsenkrebs auf?

Grundsätzlich machen sich die beiden Hauptformen von Lymphdrüsenkrebs – das Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin) und die Non-Hodgkin-Lymphome (NHL) – durch sehr ähnliche Symptome bemerkbar. Art und Ausmass der Beschwerden variieren aber je nach Krankheitsstadium. Im frühen Stadium sind die Anzeichen für Lymphdrüsenkrebs meist nur diskret ausgeprägt und eher unspezifisch. Im weiteren Verlauf kommen bei Lymphdrüsenkrebs weitere Symptome je nach Organ- beziehungsweise Gewebe-Befall hinzu.

Lymphdrüsenkrebs-Symptome in der Übersicht

Frühes Stadium

Anhaltende, meist schmerzlose Schwellung der Lymphknoten

Allgemeine Symptome wie Schwäche, Müdigkeit, Leistungsknick sowie die sogenannte B-Symptomatik (= Fieber, Nachtschweiss und Gewichtsverlust)

Fortgeschrittenes Stadium

Befall des Knochenmarks mit resultierender Blutarmut (erkennbar etwa an Hautblässe), Infekt- und Blutungsneigung

Weitere Symptome je nach Organ-/Gewebe-Befall, z. B. Husten und Atembeschwerden, Bauchschmerzen und Verdauungsprobleme, Knochen- und Gelenkschmerzen

Was sind die ersten Anzeichen bei Lymphdrüsenkrebs?

Schwellung der Lymphknoten

Ein sehr häufiges erstes Anzeichen für Lymphdrüsenkrebs sind anhaltend vergrösserte Lymphknoten, die meistens nicht schmerzen. Typischerweise hält die Schwellung längere Zeit an (mehrere Wochen) und ist im Frühstadium oft das einzige Symptom. Betroffen sind zum Beispiel die Lymphknoten am Hals, im Nacken, in der Achselhöhle und/oder Leiste.

Eine Schwellung von Lymphknoten, die von aussen nicht sicht- und tastbar ist, ist ebenfalls möglich. So sind etwa bei manchen Lymphom-Erkrankten die Lymphknoten hinter dem Brustbein geschwollen. Bei Druck auf die Luftröhre kommt es dabei teilweise zu Reizhusten und Luftnot.

Geschwollene Lymphknoten sind kein spezifisches Anzeichen für Lymphdrüsenkrebs, sondern treten auch bei vielen Infektionskrankheiten auf. Sie sind dann aber meist druckempfindlich und bilden sich mit Abklingen der Infektion wieder zurück.

Allgemeine Symptome

Oft verursacht Lymphdrüsenkrebs im Frühstadium auch allgemeinere Symptome. Dazu zählen etwa Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Schwäche und verminderte Leistungsfähigkeit. Solche Beschwerden haben aber oft auch harmlose Ursachen (wie Stress und Schlafmangel) oder treten bei vielen anderen Erkrankungen auf (zum Beispiel bei einer Schilddrüsenunterfunktion).

Als weiteres unspezifisches Anzeichen für Lymphdrüsenkrebs tritt bei manchen Erkrankten Juckreiz am Körper auf.

B-Symptomatik

Viele Betroffene mit Lymphdrüsenkrebs weisen die sogenannte B-Symptomatik auf:

  • Fieber (> 38,5° C ohne Anzeichen für einen Infekt)
  • starker Nachtschweiss
  • ungewollter und unerklärlicher Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts

Die B-Symptomatik ist eine klassische Symptom-Kombination, die bei schweren, konsumierenden Erkrankungen auftritt – Erkrankungen, die in kurzer Zeit durch den Abbau von Fett- und Muskelgewebe zu Gewichtsverlust führen. Dazu zählen neben Lymphdrüsenkrebs beispielsweise auch andere Krebserkrankungen, Tuberkulose und eine HIV-Infektion beziehungsweise AIDS.

Alkoholschmerz

Bei einigen Betroffenen mit Morbus Hodgkin treten wenige Minuten nach dem Genuss von Alkohol Schmerzen in den Lymphknoten-Regionen auf, die vom Krebs befallen sind. Die Beschwerden halten manchmal stundenlang an und treten bereits bei kleinste Alkoholmengen auf. Die Ursache für diesen sogenannten Alkoholschmerz ist unbekannt.

Der Alkoholschmerz ist sehr selten: Er tritt nur beim Hodgkin-Lymphom auf und auch nur bei weniger als einem Prozent der Patienten. Dafür ist dieses Symptom aber sehr charakteristisch für Morbus Hodgkin!

Befall anderer lymphatischer Gewebe

Auch andere lymphatische Gewebe wie die Rachenmandeln sind häufiger von Krebs betroffen. Sie sind ebenfalls schmerzlos vergrössert – entweder zusätzlich zu den Lymphknoten oder anstelle davon. Das ist vor allem bei manchen Non-Hodgkin-Lymphomen der Fall: Es gibt dabei Formen, die primär von inneren Organen (wie dem lymphatischen Gewebe der Magenschleimhaut beim MALT-Lymphom) oder von der Haut (kutane T-Zell-Lymphome) ausgehen. Ein kutanes T-Zell-Lymphom (CTCL) erkennt man beispielsweise an einem anhaltenden und juckenden Hautausschlag, zeigt aber auch die für Lymphdrüsenkrebs typischen Symptome wie Fieber, Gewichtsverlust und Nachtschweiss.

Der Ausgangspunkt der Non-Hodgkin-Lymphome und auch des Hodgkin-Lymphoms sind aber die Lymphknoten.

Woran erkennt man Lymphdrüsenkrebs?

Ein Lymphdrüsenkrebszeigt zu Beginn nur wenige Symptome. Daher ist es meist schwer, die Erkrankung im Frühstadium zu erkennen und von anderen Erkrankungen zu unterscheiden. Wenn bei Ihnen ein oder mehrere Lymphknoten anhaltend geschwollen sind (über mehrere Wochen), sollten Sie aber vorsichtshalber einen Arzt aufsuchen – besonders dann, wenn Sie auch noch "B-Symptome" haben.

Denken Sie jedoch daran, dass die oben beschriebenen Symptome nicht ausschliesslich bei dieser bösartigen Erkrankung auftreten, sondern auch viele andere, mehr oder weniger harmlose, Ursachen möglich sind. Für eine sichere Diagnose ist es notwendig, potenziell befallenes Gewebe (etwa Lymphknoten) zu entnehmen und im Labor zu untersuchen.

Weitere Informationen zu den Untersuchungen lesen Sie im Beitrag Lymphdrüsenkrebs.

Befällt Lymphdrüsenkrebs auch andere Organe oder Gewebe?

Mit dem Fortschreiten der Erkrankung kommen meist weitere Anzeichen für Lymphdrüsenkrebs hinzu – je nachdem, in welchen Organen oder Geweben sich die Lymphomzellen ausbreiten. In die jeweiligen Organe und Gewebe gelangen die Krebszellen über den Blutweg.

Befall von Leber und/oder Milz

Wenn Krebszellen die Leber oder Milz befallen, vergrössert sich oft das betreffende Organ. Das stört zumeist die Verdauung und löst beispielsweise Völlegefühl und Übelkeit aus.

Eine Vergrösserung der Leber (Hepato-Megalie) ist bei vielen betroffenen Personen unter dem rechten Rippenbogen tastbar. Ein massiver Befall kann die Leberfunktion so stark beeinträchtigen, dass sie ihre zahlreichen Stoffwechselaufgaben nicht mehr richtig erfüllt.

Eine Vergrösserung der Milz (Spleno-Megalie) lässt sich unter dem linken Rippenbogen ertasten. Die Schwellung das Organs führt dabei oft zu Schmerzen im Oberbauch.

Befall der Lunge

Lungen-Metastasen von Lymphdrüsenkrebs bleiben in der Regel lange symptomarm. Im fortgeschrittenen Stadium treten Beschwerden abhängig von der betroffenen Region auf. Die Betroffenen klagen häufig über einen anhaltenden Husten, der trotz Behandlung nicht weggeht. Einige Erkrankte leiden auch an Schmerzen und Luftnot (Dyspnoe).

Befall des Nervensystems

Symptome des Nervensystems (neurologische Symptome) sind im fortgeschrittenen Stadium ebenfalls möglich. Je nachdem, welcher Teil des Gehirns vom Krebsbefall betroffen ist, unterscheiden sich die Symptome. Häufig sind Sprach- und Sehstörungen wie "Doppelbilder", aber auch die Persönlichkeit des Betroffenen verändert sich manchmal.

Befall der Knochen

Knochenschädigungen sind ebenfalls Symptome bei Lymphdrüsenkrebs, die vor allem im fortgeschrittenen Stadium auftreten. Der Knochen löst sich an den Stellen auf, die von Krebszellen befallen sind (Osteolyse) und verliert dadurch an Stabilität. Das Risiko für Knochenbrüche erhöht sich und treten dann auch spontan auf. Das bei der Osteolyse aus dem Knochen herausgelöste Kalzium gelangt ins Blut, wodurch dort die Kalzium-Konzentration ansteigt.

Typisch für das Multiple Myelom (Plasmozytom) – eine Form des Non-Hodgkin-Lymphoms - ist der sogenannte "Schrotschuss-Schädel". Dabei verursacht der Krebs viele kleine Löcher im Schädelknochen, was im Röntgenbild aussieht, als wäre der Patient mit einer Schrotflinte beschossen worden.

Weitere Lymphdrüsenkrebs-Symptome

Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium sind noch weitere Symptome bei einem grossen Tumor möglich – etwa wenn er auf benachbarte Strukturen drückt. Klemmt er beispielsweise den Lymph-Abfluss im Becken oder in der Leiste ab, bildet sich am Bein ein Lymph-Ödem. Blockiert ein Lymphom die Gallengänge innerhalb oder ausserhalb der Leber, entwickelt sich eine Gelbsucht (Ikterus). Übt die Krebsgeschwulst grossen Druck auf den Darm aus, sind meist Appetitlosigkeit und Erbrechen die Folgen.

Blutarmut, Infekt- und Blutungsneigung

Das Knochenmark spielt bei der Blutbildung eine zentrale Rolle. Wenn sich hier Lymphdrüsenkrebs-Zellen unkontrolliert ausbreiten, verdrängen sie die gesunden Blutzellen und es drohen verschiedene Funktionsstörungen:

  1. Blutarmut (Anämie) – bedingt durch einen Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozyten). Diese Blutzellen sind für den Sauerstofftransport im Blut zuständig. Ist ihre Zahl zu niedrig, entwickelt sich eine Blutarmut mit Symptomen wie Blässe, Müdigkeit und Schwäche.
  2. Infektanfälligkeit – bedingt durch einen Mangel an weissen Blutkörperchen (Leukozyten). Diese Blutzellen sind ein wichtiger Bestandteil des Immunsystems. Wenn infolge von Lymphdrüsenkrebs nicht mehr ausreichend gesunde Leukozyten gebildet werden, wird der Körper anfällig für Infektionen (etwa durch Pilze, Bakterien oder Viren).
  3. Blutungsneigung – bedingt durch einen Mangel an Blutplättchen (Thrombozyten). Diese Blutzellen sind für die Blutgerinnung notwendig. Zirkulieren zu wenige von ihnen im Blut, kommt es schneller zu Blutungen (wie Nasenbluten). Betroffene Patienten bekommen auch auffallend leicht "blaue Flecken" (Hämatome).

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Felicitas Witte
Autoren:
Dr. med.  Julia Schwarz

Dr. med. Julia Schwarz ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
C84C85C82C81C83
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Baenkler, H.-W. et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2021
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Morbus Hodgkin/Hodgkin-Lymphome, unter: www.krebsgesellschaft.de (Abrufdatum: 18.01.2022)
  • Deutsche Krebsgesellschaft: Non-Hodgkin-Lymphom: Basis-Infos für Patienten & Angehörige, unter: www.krebsgesellschaft.de (Abrufdatum: 18.01.2022)
  • Herold, G.: Innere Medizin, Eigenverlag, 2022
  • Kompetenznetz Maligne Lymphome: Allgemeine Einführung, unter: https://lymphome.de (Abrufdatum: 18.01.2022)
  • Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ): Lymphome: Hodgkin, Non-Hodgkin und multiples Myelom, unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 18.01.2022)
  • MSD Manual - Ausgabe für medizinische Fachkreise: Hodgkin-Lymphom (Morbus Hodgkin) (Stand: April 2018), unter: www.msdmanuals.com
  • MSD Manual - Ausgabe für medizinische Fachkreise: Non-Hodgkin-Lymphom (Stand: April 2018), unter: www.msdmanuals.com
  • Prinz, C.: Basiswissen Innere Medizin, Springer-Verlag, 2012
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: Maligne Lymphome, unter: www.pschyrembel.de (Abrufdatum: 18.01.2022)
  • S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO): Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Hodgkin Lymphoms bei erwachsenen Patienten (Stand: Oktober 2020)
  • Universitätsklinikum Ulm: Lymphome, unter: www.uniklinik-ulm.de (Abruf: 12.07.2021)
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