Lipom

Von Nadja Graßmeier
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Ein Lipom ist ein Knubbel unter der Haut, der oft erst einmal beunruhigt. Sehr häufig ist die Ursache harmlos: Ein Lipom ist eine Neubildung aus Fettgewebe. Lipome müssen nicht unbedingt behandelt werden. Manchmal schmerzen sie aber, werden sehr gross oder stören optisch. Lesen Sie mehr über die Behandlungsmöglichkeiten und Ursachen des Lipoms.

Darstellung von Fettzellen

Kurzübersicht

  • Behandlung: Eine Therapie ist nicht zwingend erforderlich. Verursacht das Lipom Beschwerden, ist es sehr gross oder stört es ästhetisch, ist eine Entfernung beim Arzt meist gut möglich.
  • Prognose: Das Risiko, dass sich aus einem gutartigen Lipom ein bösartiger Tumor entwickelt, ist sehr gering. Nach der Entfernung treten Lipome gelegentlich wieder auf.
  • Symptome: Meist verursachen Lipome keine Beschwerden. Selten treten Schmerzen auf.
  • Ursachen: Die genauen Ursachen für Lipome sind bislang nicht geklärt.
  • Diagnostik: Tastuntersuchung, Ultraschall, Röntgenuntersuchung, in manchen Fällen Entnahme einer Gewebeprobe
  • Vorbeugen: Es gibt keine Möglichkeit, Lipomen vorzubeugen.

Was ist ein Lipom?

Ein Lipom ist ein gutartiger Tumor des Fettgewebes, der meist keine Beschwerden verursacht. Es wird daher auch als Fettgeschwulst bezeichnet. Das Lipom gehört zu den Weichteiltumoren. Es besteht aus Fettgewebszellen, die von einer Kapsel aus Bindegewebe eingeschlossen sind.

In der Regel ist ein Lipom harmlos, nur selten entsteht daraus ein bösartiger Tumor. Lipome kommen gehäuft ab dem 40. Lebensjahr vor, seltener bei Kindern. Männer bekommen diese Knubbel unter der Haut etwas häufiger als Frauen.

Lipome liegen meistens direkt unter der Haut (subkutan) und sind von aussen als runde oder ovale Knoten tastbar. Seltener wachsen sie in der Muskulatur oder im Bereich der Lendenwirbelsäule und des Kreuzbeins.

Tritt ein Lipom am Kopf auf, besteht die Möglichkeit, dass es sich um ein sogenanntes subfasziales Lipom handelt. Subfaszial bedeutet, dass es unter einer Bindegewebsschicht (Faszie) liegt, die einen Muskel umhüllt. Das subfasziale Lipom am Kopf wächst häufig am Übergang von der Stirn zu den Haaren.

Andere Stellen, an denen subfasziale Lipome oft vorkommen, sind der Nacken und der Bereich des Schulterblatts.

Das Lipom kommt sehr oft vor, hauptsächlich an den Armen und Beinen, den Schultern und im Nacken sowie am Bauch und an den Flanken. In seltenen Fällen treten mehrere Lipome gleichzeitig auf. Mediziner sprechen dann von einer Lipomatose. Auch im Rahmen der erblichen Erkrankung Neurofibromatose treten vermehrt Lipome auf.

Ein Lipom wächst langsam und wird meist nur wenige Zentimeter gross. In seltenen Fällen erreicht ein Lipom aber auch einen Durchmesser von mehr als zehn Zentimetern (Riesenlipom). Ab einer Grösse von zehn Zentimetern wird es von Ärzten als grosses Lipom eingestuft.

Eine Sonderform ist das Angiolipom. Dieses Lipom enthält Blutgefässe, die meist verstopft (thrombosiert) sind. Das Angiolipom verursacht oft Schmerzen. Vor allem junge Männer sind betroffen. In mehr als der Hälfte der Fälle treten mehrere Angiolipome gleichzeitig auf.

Eine weitere Sonderform ist das Spindelzell-Lipom, das vor allem bei Männern zwischen 45 und 60 Jahren vorkommt und sich meist am Rücken, Nacken oder an einer Schulter befindet. Das Spindelzell-Lipom verursacht meist keine Beschwerden.

Extrem selten ist ein Lipom hinter dem Bauchfell (retroperitoneal) zu finden.

Wie wird ein Lipom behandelt?

Zwar verschwinden Lipome nicht von alleine, aber eine Therapie ist nicht unbedingt erforderlich. Wenn die Fettgeschwulst den Betroffenen allerdings optisch stört, ihn schmerzt oder sehr gross ist, gibt es die Möglichkeit, dass ein Hautarzt oder Chirurg das Lipom entfernt. Hierfür gibt es verschiedene Möglichkeiten, je nachdem, wie gross das Lipom ist und an welcher Körperstelle es sich befindet.

Durch eine Operation lässt sich das Lipom vollständig samt seiner Bindegewebskapsel entfernen. Besonders einfach lassen sich Lipome herausschneiden, die direkt unter der Haut liegen: Dabei schneidet ein Chirurg die Haut über dem Lipom ein und drückt es heraus. Der Patient erhält dazu in der Regel eine örtliche Betäubung. Bei sehr grossen oder zahlreichen Lipomen ist gegebenenfalls eine Vollnarkose notwendig.

Etwas aufwendiger ist ein subfasziales oder muskuläres Lipom zu entfernen, da es zunächst unter dem Bindegewebe oder Muskel freigelegt werden muss. Dennoch reicht auch hier meist eine lokale Betäubung. Danach vernäht der Chirurg die Wunde und legt einen Druckverband an. Häufig bleibt danach eine Narbe.

Bei einer Lipomatose ist es oft möglich, mehrere Lipome entfernen zu lassen, ohne dass ein zweiter Eingriff nötig ist.

Ein Lipom entfernen zu lassen, ist in der Regel eine kleine Operation. Es ist ratsam, sich bewusst zu machen, dass auch kleine Operationen in seltenen Fällen mit Komplikationen verbunden sind. Wie bei den meisten operativen Eingriffen sind etwa folgende Komplikationen möglich:

  • Blutungen
  • Wundinfektionen
  • Wundheilungsstörungen

Ist eine Vollnarkose nötig, sind auch damit Risiken verbunden. Normalerweise treten Komplikationen aber selten auf.

Eine neuere Möglichkeit, ein Lipom zu entfernen, ist die Liposuktion (Fettabsaugung). Das bedeutet, dass das Lipom nicht herausgeschnitten, sondern abgesaugt wird. Der Vorteil dieses Verfahrens ist, dass weniger Narbengewebe entsteht als bei einer Operation.

Allerdings gelingt es nicht immer, das Lipom vollständig samt seiner Bindegewebskapsel abzusaugen. In diesem Fall besteht die Möglichkeit, dass das Lipom weiter wächst. Deshalb ist die operative Entfernung weiterhin meist die bevorzugte Therapie.

Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, welches Verfahren für Sie am besten geeignet ist.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Lipom-Entfernung nur in einigen Fällen. Dies ist davon abhängig, weshalb das Lipom entfernt wird. Sprechen Sie am besten mit Ihrem behandelnden Arzt darüber!

Ist ein Lipom gefährlich?

Das Lipom hat eine gute Prognose. Es besteht nur ein sehr geringes Risiko, dass sich aus dem gutartigen Lipom ein bösartiger Tumor entwickelt. Eine Behandlung ist meist nicht notwendig.

Wer sich an dem Knoten unter der Haut stört, hat die Möglichkeit, ihn durch einen Arzt entfernen zu lassen. Allerdings bilden sich Lipome in manchen Fällen immer wieder neu.

Welche Beschwerden verursacht ein Lipom?

Meist verursacht ein Lipom keine Symptome. Betroffene bemerken oft nur einen Knubbel unter der Haut, der sich prall und gummiartig anfühlt und leicht verschieben lässt. Manchmal verursacht es Schmerzen, wenn das Lipom gedrückt wird.

Je nach Ort des Lipoms treten unter Umständen auch Schmerzen auf, wenn es bei Bewegungen gedrückt oder gedehnt wird. Das Angiolipom ist in manchen Fällen auch ohne äussere Einwirkungen schmerzhaft.

Wie entsteht ein Lipom?

Warum die Knoten unter der Haut entstehen, ist nicht bekannt. Möglicherweise fördert eine genetische Veranlagung, dass ein Lipom wächst. Bei einzeln auftretenden Lipomen wurde dies aber bisher nicht eindeutig als Ursache bewiesen.

Auch die Ursachen der Lipomatose, bei der viele Lipome gleichzeitig auftreten, sind noch nicht vollständig aufgeklärt. Häufig tritt die Lipomatose bei Patienten auf, die auch an Stoffwechselstörungen wie Diabetes mellitus oder einem zu hohen Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) leiden. Ob sie tatsächlich die Lipom-Ursachen sind, ist aber unklar.

Diskutiert wird ausserdem, ob zu hohe Blutfettwerte (Hyperlipidämie) möglicherweise zu Lipomen führen.

Es gibt eine erbliche Erkrankung, bei der Lipome teilweise vermehrt auftreten: die Neurofibromatose. Dabei wachsen neben sogenannten Neurofibromen, welche der Krankheit den Namen geben, manchmal auch viele Lipome. Je nach Krankheitstyp finden sie sich vor allem am Körper oder an den Armen und Beinen.

Wie wird ein Lipom festgestellt?

Für jeden, der einen Knoten unter der Haut bemerkt, ist es ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Denn nur so ist es möglich, einen bösartigen Tumor auszuschliessen. Der Arzt tastet dazu die Beule unter der Haut ab. Er achtet dabei darauf, ob sich diese leicht verschieben lässt und sich gut vom restlichen Gewebe abgrenzt.

Anschliessend folgt eine Ultraschall- und/oder Röntgenuntersuchung. Damit hat der Arzt die Möglichkeit, das Lipom von Zysten und anderen Neubildungen (zum Beispiel einem Fibrom) zu unterscheiden. Zudem ist erkennbar, wie gross der Knoten unter der Haut genau ist. Dies ist wichtig, da ein Lipom häufig grösser ist, als es sich durch die Haut ertasten lässt.

Lässt sich nach diesen Untersuchungen immer noch nicht sicher beurteilen, ob es sich bei der Beule unter der Haut tatsächlich um ein Lipom handelt, wird eine Gewebeprobe entnommen und unter dem Mikroskop feingeweblich untersucht.

Gelegentlich entsteht ein Lipom in der weiblichen Brust. In diesem Fall entnimmt der Arzt den Knubbel unter der Haut meist, um auszuschliessen, dass es sich um ein Liposarkom handelt. Dies ist ein bösartiger Weichteiltumor.

Kann man einem Lipom vorbeugen?

Da die Ursachen für die Entstehung von Lipomen noch weitgehend unbekannt sind, gibt es keine speziellen Massnahmen zur Vorbeugung. Grundsätzlich ist es ratsam, auf eine ausgewogene Lebensweise zu achten.

Dazu zählen der Verzicht auf Nikotin, ausreichend Flüssigkeit, eine gesunde Ernährung, viel und regelmässige Bewegung und genügend Entspannungs- sowie Erholungsphasen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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ICD-Codes:
D17
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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  • Herrmann K., Trinkkeller U.: Dermatologie und medizinische Kosmetik: Leitfaden für die kosmetische Praxis. Springer Verlag. 4. Auflage 2020.
  • Kopera D.: Lipome – Ursachen und Behandlungsoptionen. Hautnah, Online-Publikation (www.springermedizin.at; Abruf: 28.10.2013)
  • Müller M. et al.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste. 15. Auflage 2020
  • Plewig G. et al.: Braun-Falco’s Dermatologie, Venerologie und Allergologie. Springer Verlag, 7. Auflage 2018
  • Pschyrembel: Klinisches Wörterbuch. De Gruyter Verlag. 268. Auflage 2020
  • Sterry W.: Kurzlehrbuch Dermatologie. Thieme Verlag. 2. Auflage 2018
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