Leukämie bei Kindern

Von Nadja Graßmeier
und , Medizinredakteurin und Biologin
Aktualisiert am
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Leukämie bei Kindern unter 15 Jahren ist die häufigste Krebserkrankung in dieser Altersgruppe: Pro Jahr erkranken etwa 250 Kinder an Krebs, wovon ein Drittel Leukämien sind. Dabei sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen. Die meisten der kleinen Patienten haben eine akute Leukämie. Lesen Sie alles Wichtige über Leukämie bei Kindern!

Mädchen mit Leukämie trägt ein Kopftuch

Kurzübersicht

  • Symptome: Abgeschlagenheit, Fieber, Nachtschweiss, Blässe, rote und blaue Flecken, Zahnfleisch- und Nasenbluten, Bauchschmerzen, geschwollene Lymphknoten, häufige Infekte, mitunter Knochen- und Gelenkschmerzen
  • Diagnose: Blutuntersuchung, Knochenmarkspunktion, Ultraschall, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT) ab.
  • Ursachen: Die Auslöser für die Zellveränderungen sind grösstenteils unbekannt. Risikofaktoren sind: genetische Veranlagung, Immunschwäche, Infektionen, äussere Faktoren wie der Tabak- und Alkoholkonsum der Eltern, Strahleneinwirkung oder bestimmte Medikamente.
  • Behandlung: Bestrahlung, Chemotherapie, in manchen Fällen eine Stammzelltransplantation
  • Prognose: Mit frühzeitiger Behandlung und wenn das erkrankte Kind gut auf die Therapie anspricht, sind die Heilungschancen gut. In einigen Fällen kommt es zu einem Rückfall (Rezidiv).

Was ist Leukämie bei Kindern?

Leukämie ist ein Sammelbegriff für Krebserkrankungen, bei denen es zu einer krankhaften Veränderung der weissen Blutzellen (Leukozyten) kommt. Bei diesen Krebsformen ist das blutbildende System gestört, wodurch sich die weissen Blutkörperchen fehlerhaft entwickeln und unkontrolliert vermehren. Unter den Krebsarten, die bei Kindern vorkommen, sind Leukämien die häufigsten Formen.

Wie häufig kommt Leukämie bei Kindern vor?

In der Schweiz sind es vor allem Kleinkinder von einem bis vier Jahren und Kinder bis neun Jahren, bei denen Ärzte eine Leukämie diagnostizieren. Von allen Krebsarten beträgt der Anteil an Leukämien in diesen Altersgruppen im Durchschnitt 30 Prozent.

Die meisten der jungen Erkrankten haben eine akute Leukämie. Dabei handelt es sich in etwa acht von zehn Fällen um eine akute lymphatische Leukämie (ALL). Manchmal bezeichnen Ärzte diese auch als akute lymphoblastische Leukämie. Bei Kindern zwischen dem ersten und fünften Lebensjahr bricht diese Krankheit am häufigsten aus. Sie kommt aber auch bei Erwachsenen vor.

Mit einem Anteil von knapp 20 Prozent ist die akute myeloische Leukämie bei Kindern und Jugendlichen die zweithäufigste Form von Leukämie. In dieser Altersgruppe tritt die Krankheit meist schon in den ersten beiden Lebensjahren auf, also bei Säuglingen und Kleinkindern. Insgesamt erkranken an akuter myeloischer Leukämie (AML) aber hauptsächlich Erwachsene höheren Alters.

Nur sehr selten entwickelt sich eine chronische myeloische Leukämie oder eine chronische lymphatische Leukämie bei Kindern und Jugendlichen.

Welche Symptome treten auf?

Bei Krebserkrankungen des blutbildenden Systems ist die Zusammensetzung des Blutes krankhaft verändert. Deshalb ruft Leukämie bei Kindern Symptome hervor, die mit dem Blut und seinen Funktionen im Zusammenhang stehen. Mögliche Leukämie-Symptome bei Kindern sind zum Beispiel:

  • Blässe
  • Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • verminderte Leistungsfähigkeit
  • Schwäche
  • allgemeines Unwohlsein
  • Schwindel
  • Kurzatmigkeit

Diese Beschwerden entstehen bei Leukämie dadurch, dass die Krebszellen die gesunden roten Blutkörperchen verdrängen. So entwickelt sich eine Blutarmut (Anämie) mit den oben genannten Anzeichen.

Achtung: Eine Blutarmut (Anämie) wird auch durch viele andere Ursachen ausgelöst. Sie ist kein eindeutiger Hinweis auf Leukämie!

Oft sind weitere Leukämie-Symptome bei Kindern zu beobachten. Sie entstehen hauptsächlich durch den Mangel an gesunden weissen Blutkörperchen und Blutplättchen. Beispiele sind:

  • erhöhte Anfälligkeit für Infekte
  • Fieber
  • Nachtschweiss
  • geschwollene Lymphknoten
  • vergrösserte Leber und/oder Milz
  • Bauchschmerzen und Appetitlosigkeit (durch vergrösserte Milz und/oder Leber)
  • Neigung zu Blutungen wie Zahnfleisch- oder Nasenbluten, punktförmige Einblutungen in die Haut und Schleimhaut (Petechien) und vermehrt blaue Flecken (Hämatome)

Haben die Krebszellen andere Körperregionen und Organe befallen, treten weitere Beschwerden auf. Dazu zählen etwa Gelenk- und Knochenschmerzen bei Befall der Knochen. Siedeln sich Leukämiezellen im Gehirn an, ruft das mitunter Kopfschmerzen, Sehstörungen und Lähmungen hervor.

Wie erfolgt die Diagnose?

Oft verursacht eine Leukämie bei Kindern (und anderen) in frühen Stadien keine spezifischen Beschwerden. Abgeschlagenheit, leichte Ermüdbarkeit, Fieber ohne erkennbare Ursache und andere Symptome haben unzählige mögliche Ursachen. Oft stecken harmlose Erkrankungen dahinter. Besonders wenn die Beschwerden länger anhalten, sollten Eltern mit ihrem Kind zum Arzt gehen.

Dieser erhebt zuerst im gemeinsamen Gespräch die Krankengeschichte des Kindes (Anamnese). Danach folgt eine gründliche körperliche Untersuchung. Besonders wichtig sind Blutuntersuchungen: Veränderte Blutwerte deuten oft schon auf eine mögliche Leukämie hin. Dann entnimmt der Arzt dem Kind mitunter etwas Knochenmark (Knochenmarkpunktion) und lässt es im Labor genauer analysieren. So lässt sich eine Leukämie bei Kindern sicher nachweisen. Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, welche Form der Krebserkrankung vorliegt.

Oft sind dann noch weitere Untersuchungen nötig. Sie dienen zum Beispiel dazu, festzustellen, ob der Krebs bereits andere Körperregionen befallen hat. Mehr über die verschiedenen Diagnoseschritte lesen Sie unter Leukämie: Untersuchungen und Diagnose.

Was sind die Ursachen?

Die Ursachen einer Leukämie bei Kindern (und anderen Altersgruppen) sind nicht vollständig geklärt. Vermutlich führt eine Kombination aus einer genetischen Veranlagung und verschiedenen Umweltfaktoren dazu, dass sich Blutzellen genetisch verändern und unkontrolliert zu vermehren beginnen. Das bedeutet: Es müssen mehrere Faktoren zusammenwirken, damit Leukämie bei Kindern entsteht.

Beispielsweise erhöhen verschiedene Chromosomenveränderungen das Leukämierisiko. So erkranken Kinder mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) deutlich häufiger an akuter lymphatischer Leukämie als Kinder mit unauffälligen Chromosomen. Auch angeborene oder erworbene Erkrankungen, die das Immunsystem stören und schwächen, steigern das Risiko für eine Leukämie.

Äussere Faktoren, die zur Entwicklung einer Leukämie bei Kindern (und anderen) beitragen, sind zum Beispiel radioaktive Strahlung (etwa Röntgenstrahlen) sowie Tabak- und Alkoholkonsum der Eltern. Auch bestimmte chemische Substanzen und Medikamente fördern die Krebsentstehung.

Im Einzelfall lässt sich meist nicht nachvollziehen, welche Auslöser genau für die Entstehung der Leukämie bei Kindern verantwortlich sind.

Mehr über die möglichen Auslöser von Blutkrebs lesen Sie unter Leukämie: Ursachen und Risikofaktoren.

Wie wird Leukämie bei Kindern behandelt?

Wie eine Leukämie bei Kindern (und anderen) im Detail behandelt wird, hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend ist vor allem, um welche Art von Leukämie es sich handelt und wie weit fortgeschritten sie schon ist. Auch das Alter und der Allgemeinzustand des Patienten sowie eventuelle Begleiterkrankungen beeinflussen den Therapieplan.

Prinzipiell wird eine Leukämie sehr oft mittels Chemotherapie behandelt. Manchmal ist eine Strahlentherapie des Kopfes sinnvoll. Damit lässt sich oft ein Krebsbefall des Gehirns verhindern oder behandeln. In einigen Fällen wird Leukämie bei Kindern mit einer Stammzelltransplantation behandelt. Das empfiehlt sich besonders dann, wenn Chemo- und Strahlentherapie nicht ausreichend wirken.

Mehr über die einzelnen Therapien lesen Sie unter Leukämie: Behandlung.

Wie ist bei Kindern mit Leukämie die Prognose?

Die Überlebenschancen von Kindern mit Krebserkrankungen sind in den vergangenen Jahrzehnten stark gestiegen. Besonders gut sind die Aussichten bei der häufigsten Form von Leukämie bei Kindern, also bei der akuten lymphatischen Leukämie (ALL): Etwa 90 Prozent der kleinen Patienten überleben die Erkrankung, und zwar langzeitig (15 Jahre und mehr).

Etwas schlechter ist die Prognose einer akuten myeloischen Leukämie bei Kindern: Hier liegt der Anteil der Langzeitüberlebenden bei etwa 73 Prozent.

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Martina Feichter
Autoren:
Nadja Graßmeier
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
C91C95C93C92C94D47
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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