Katzenkratzkrankheit

Von , Arzt
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Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

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Die Katzenkratzkrankheit wird durch Bakterien ausgelöst. Der Erreger gelangt hauptsächlich über Kratzverletzungen von Katzen in den menschlichen Körper. Katzen selbst erkranken nicht oder nur leicht. Die Erkrankung verläuft in der Regel harmlos und heilt nach einigen Wochen von selbst aus. In bestimmten Fällen ist jedoch der Einsatz von Antibiotika sinnvoll. Lesen Sie hier alles über die Katzenkratzkrankheit, wen sie trifft und wie sie behandelt wird.

katzenkratzkrankheit Hände mit Kratzspuren

Kurzübersicht

  • Symptome: Lymphknotenschwellung, ggf. Fieber, allgemeines Krankheitsgefühl, evtl. Hautausschlag, seltener Vergrösserung von Milz und Leber, Bindehautentzündung, bei schweren Verläufen Blutvergiftung, Entzündung von Gehirn und Hirnhaut, Entzündung peripherer Nerven
  • Ursachen und Risikofaktoren: Infektion mit Bakterien (Bartonella henselae), Übertragung durch Katzen und Katzenfloh, kleine Hautverletzungen als Eintrittspforten, junge Katzen häufiger betroffen
  • Untersuchungen und Diagnose: Vorgeschichte (Katzenhaltung) und Symptome, Blutuntersuchung, Nachweis des Erregers aus Blut oder Gewebeproben (z.B. aus Lymphknoten), Nachweis von Antikörpern gegen den Erreger im Blut
  • Behandlung: Oft symptomatisch, fiebersenkende und schmerzstillende Medikamente, bei schwerwiegenderen Verläufen Antibiotika
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Abhängig vom Gesundheitszustand der betroffenen Person. Meist folgenlose Heilung, bei immungeschwächten Menschen schwerwiegende Krankheitsverläufe und Komplikationen möglich
  • Vorbeugen: Flohprophylaxe, Hygienemassnahmen im Zusammenleben mit Haustieren, möglichst kein Kontakt zwischen Katzen und Menschen mit Immunschwäche

Was ist die Katzenkratzkrankheit?

Die Katzenkratzkrankheit (cat scratch fever) ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien der Gattung Bartonella (Bartonella henselae) hervorgerufen wird. Die Hauskatze ist der Überträger des Erregers. Sie selbst erkrankt dabei nicht oder zeigt nur geringe Symptome.

Der Name der Krankheit geht auf den französischen Arzt Robert Debré zurück, der bei den Erkrankten Kratzverletzungen durch deren Hauskatzen feststellte. Die Katzenkratzkrankheit ist selten. Etwa sechs von 100.000 Einwohner erkranken pro Jahr daran, darunter mehr Männer als Frauen. Die Katzenkratzkrankheit ist weltweit verbreitet und tritt gehäuft im Herbst und Winter auf.

Was sind die Symptome der Katzenkratzkrankheit?

Nachdem sich ein Mensch mit dem Erreger infiziert hat, treten nach zwei bis zehn Tagen die ersten Symptome auf.

An der Hautstelle, an der das Bakterium in den Körper gelangt ist, entstehen zunächst kleine rot-braune Knötchen, die einer allergischen Reaktion ähneln und daher manchmal damit verwechselt werden. Die Knötchen jucken und schmerzen nicht und verschwinden nach einigen Tagen oder Wochen wieder.

Die Bakterien befallen im menschlichen Körper zunächst die Lymphknoten in der Nähe der Hautverletzung. Diese schwellen an und schmerzen manchmal auch. Schliesslich vergrössern sich auch die Lymphknoten am Hals oder in der Achselhöhle. Des Weiteren sind folgende Symptome möglich:  

Manchmal treten die Lymphknotenschwellungen im Verlauf der Katzenkratzkrankheit am ganzen Körper auf. Auch Leber und Milz schwellen gelegentlich an, was zu einem unangenehmen Druckgefühl im Oberbauch führt. Besonders schmerzhaft ist eine durch die Bakterien verursachte Bindehautentzündung (Konjunktivitis) am Auge.

Auch das Nervensystem ist mitunter von dem Erreger befallen. Eine Hirnhautentzündung (Meningitis), Gehirnentzündung (Enzephalitis), Entzündungen der Augennerven oder des Rückenmarks sind die Folge.

Es ist möglich, dass Betroffene ausser den Lymphknotenschwellungen keine Beschwerden haben. Während die Symptome wie Fieber, Krankheitsgefühl oder Übelkeit recht bald wieder vergehen, halten die Lymphknotenschwellungen manchmal monatelang an und werden von manchen Betroffenen als kosmetisches Problem empfunden. Gefährlich sind sie allerdings nicht.

Was ist die Ursache der Katzenkratzkrankheit?

Ursache der Katzenkratzkrankheit sind Bakterien, genauer Bartonella henselae. Der Katzenfloh dient dabei als sogenannter "Vektor", denn er überträgt die Erreger von Tier zu Tier. Aufgrund des Übertragungsweges besteht für Katzenbesitzer ein etwas höheres Risiko als für Personen, die nicht mit Katzen leben. Insgesamt ist die Katzenkratzkrankheit jedoch recht selten.

Da gerade junge Tiere ansteckend sind, tritt die Katzenkratzkrankheit gehäuft in Haushalten mit sehr jungen Katzen auf. Aber auch durch ältere Tiere besteht ein potenzielles Übertragungsrisiko.

Die meisten Menschen, die an der Katzenkratzkrankheit erkranken, sind jünger als 21 Jahre oder im Kindesalter. Der Grund: Kinder haben oft einen innigen Kontakt zu den Haustieren, andererseits aber noch kein voll ausgereiftes Immunsystem. Auch erwachsene Menschen mit einer Immunschwäche erkranken öfter an der Katzenkratzkrankheit und zeigen dabei manchmal einen schwereren Verlauf.

Übertragung der Bakterien

Der Erreger der Katzenkrankheit erreicht hauptsächlich über drei Wege die Krallen der Katze:

  • Leckt das Tier seine Pfoten, gelangen die Bakterien, die sich in ihrem Speichel und in ihrem Blut befinden, an die Krallen.
  • Lässt sich ein Floh im Fell der Katze nieder und saugt ihr Blut, gelangen die Erreger in das Insekt. Mit dem Kot des Flohs werden sie wieder ausgeschieden und befinden sich dann im Fell der Katze. Die Einstichstelle juckt, weshalb die Katze sich kratzt. Der Kot des Flohs gelangt unter ihre Krallen.
  • Beleckt die Katze eine zuvor gekratzte oder anders vorgeschädigte Hautstelle des Menschen, gelangt der Erreger in den menschlichen Organismus.

Da der Katzenfloh auch Menschen befällt, ist eine direkte Übertragung des Erregers ebenfalls möglich, aber weitaus seltener. Eine Übertragung der Bartonella-Bakterien von Mensch zu Mensch ist dagegen noch nicht beobachtet worden.

Wie lässt sich die Katzenkratzkrankheit feststellen?

Die Symptome der Katzenkratzkrankheit sind sehr variabel. Zudem verursachen auch andere Krankheiten ähnliche, recht unspezifische Symptome. Deshalb ist für den Arzt wichtig zu wissen, wie sich die Krankheit entwickelt hat und ob sich Katzen im Haushalt befinden.

Weiterhin ist zur Diagnose der Katzenkratzkrankheit eine Blutentnahme sowie eine Blutuntersuchung notwendig. Hatte der Körper Kontakt mit dem Erreger der Katzenkratzkrankheit, bildet er spezifische Antikörper gegen das Bakterium. Diese lassen sich im Blut nachweisen. Mithilfe spezieller Verfahren gelingt es, den Erreger selbst in Blut- oder Gewebeproben nachzuweisen.

Eine andere diagnostische Methode ist, den Erreger aus einer Blutprobe „anzuzüchten“. Bis zu einem eindeutigen Ergebnis dauert es allerdings einige Wochen. Manchmal ist eine Gewebeprobe (Biopsie) aus einem geschwollenen Lymphknoten erforderlich, um die Krankheit sicher festzustellen.

Welche Therapie hilft gegen die Katzenkratzkrankheit?

Die Katzenkratzkrankheit heilt in den meisten Fällen von allein aus, sodass eine spezielle Behandlung nicht nötig ist. Bei Symptomen wie Fieber und Schmerzen helfen Schmerzmittel wie Ibuprofen. Kühlende Auflagen lindern zusätzlich die Schmerzen in geschwollenen Lymphknoten.

Manchmal dauert die Katzenkratzkrankheit länger an oder die Beschwerden sind sehr ausgeprägt. Dann setzen Ärzte meist Antibiotika ein, um den Krankheitsverlauf zu verkürzen.

Wie ist der Verlauf bei der Katzenkratzkrankheit?

In den meisten Fällen verläuft die Katzenkratzkrankheit harmlos. Selten treten Komplikationen auf, etwa wenn die Bakterien die Knochen, das Herz oder die Lunge befallen und dort Entzündungen verursachen.

Weil die Bartonella-Bakterien auch die roten Blutkörperchen attackieren, gehen diese manchmal zugrunde. Wenn sich die Erreger zudem im Blut stark vermehren, besteht das Risiko einer Blutvergiftung (Sepsis) und Blutarmut (Anämie). Eine Blutvergiftung ist lebensgefährlich und muss auf einer Intensivstation behandelt werden.

Die Katzenkratzkrankheit bei Immunschwäche

Menschen mit einer Immunschwäche haben ein erhöhtes Risiko, sich mit der Katzenkratzkrankheit anzustecken. Die Krankheit verläuft dann unter Umständen schwer oder ruft untypische Symptome hervor.

Die bazilläre Angiomatose

Wenn die Abwehrkräfte zum Beispiel im Rahmen einer HIV-Infektion geschwächt sind, besteht die Möglichkeit, dass das Bakterium Bartonella die sogenannte bazilläre Angiomatose auslöst. Der Erreger vermehrt sich in den kleinsten Blutgefässen der Haut und von Organen wie Leber, Milz, Auge, sowie von Lymphknoten und Nervensystem.

Die winzigen Blutgefässe fangen an zu wachsen und erscheinen in der Haut als kleine dunkelrote bis violette Knötchen. Sie kommen einzeln oder in Gruppen vor und sind teilweise über den gesamten Körper verteilt. Im Verlauf brechen die Knötchen auf, bluten und entzünden sich. An der Leber entstehen mitunter kleine blutgefüllte Hohlräume (Zysten).

Gibt es eine Vorbeugung gegen die Katzenkratzkrankheit?

Als wichtigste vorbeugende Massnahme gilt es, einem Flohbefall bei Hauskatzen zuvorzukommen. Vor allem Katzen mit Zugang zum Freien und Kontakt zu anderen Tieren haben ein höheres Risiko, von Flöhen befallen zu werden. Bestimmte Präparate, meist zum Auftragen, wehren Flöhe und zugleich Zecken ab. Es ist ratsam, sich vor einer Anwendung bei einem Tierarzt über ein geeignetes Präparat beraten zu lassen.

Grundsätzlich ist es empfehlenswert, im Zusammenleben mit Haustieren auf eine sorgfältige Hygiene zu achten. Nach Kontakt mit der Katze ist es ratsam, sich die Hände zu waschen. Menschen mit einer Immunschwäche sollten sich als wichtigste vorbeugende Massnahme gegen die Katzenkratzkrankheit sowie zum Schutz vor anderen übertragbaren Erkrankungen von Katzen fernhalten. 

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Marian Grosser
Marian Grosser

Marian Grosser studierte in München Humanmedizin. Daneben hat der vielfach interessierte Arzt einige spannende Abstecher gewagt: ein Philosophie- und Kunstgeschichtestudium, Tätigkeiten beim Radio und schließlich auch für Netdoktor.

ICD-Codes:
A28
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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