Ischias in der Schwangerschaft

Von , Ärztin
und , Wissenschaftsjournalistin
Aktualisiert am
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Carola Felchner

Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

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Viele Frauen klagen über Ischias-Schmerzen in der Schwangerschaft. Dabei handelt es sich aber nur selten um eine echte Ischialgie, also Schmerzsymptome, die vom Ischias-Nerv ausgehen. Lesen Sie hier, wodurch tiefe Rückenschmerzen in der Schwangerschaft entstehen, wie sich ihnen vorbeugen lässt und welche Möglichkeiten es für Betroffene gibt!

Schwangerschaft; Ischias

Was sind Ischias-Schmerzen in der Schwangerschaft?

In fast jeder zweiten Schwangerschaft klagen Frauen über tiefe Rückenschmerzen. Eine echte Ischialgie (umgangssprachlich "Ischias" genannt) tritt aber in weniger als einer von 100 Schwangerschaften auf.

In den meisten Fällen bleiben die Schmerzen im unteren Rücken bei Schwangeren im Detail ungeklärt. Mediziner vermuten aber, dass verschiedene Faktoren zusammenwirken und Schmerzen im Ischias-Bereich provozieren:

  • Schwangerschaftsbedingte Gewichtszunahme: Sie führt dazu, dass sich der Körperschwerpunkt nach vorne verlagert. Dadurch lastet mehr Gewicht auf der unteren Wirbelsäule.
  • Hormonelle Veränderungen: Schwangerschaftshormone bewirken, dass sich die Bandstrukturen u. a. im unteren Rücken und Becken lockern. Diese Bereiche verlieren dadurch an Stabilität, und die Knochen (zum Beispiel am Iliosakralgelenk) verschieben sich manchmal minimal. Das führt gegebenenfalls zu Muskelverspannungen, die Ischias-artige Schmerzen auslösen.
  • Venenstauung: Im Liegen drückt die Gebärmutter mit dem wachsenden Kind vermehrt auf die untere Hohlvene. Dadurch staut sich venöses Blut im kleinen Becken. Die Blutansammlung drückt gegebenenfalls auf den Ischiasnerv und sorgt für entsprechende Schmerzen.
  • Druck der wachsenden Gebärmutter: Die Gebärmutter selbst drückt auf das Gewebe über dem Ischiasnerv.

Zudem kommt es vor, dass während der Geburt der Ischiasnerv im kleinen Becken stark gedrückt oder gedehnt wird. In der Folge treten dann Schmerzen oder andere Ischias-Symptome auf.

Wie äussern sich Ischias-Schmerzen in der Schwangerschaft?

Generell klagen viele Frauen in der Schwangerschaft über Rückenschmerzen im Bereich der unteren Lendenwirbelsäule. Das betrifft insbesondere das letzte Schwangerschaftsdrittel, in dem das Gewicht des Kindes und somit der Bauchumfang der Schwangeren am stärksten zunehmen. Diese Schmerzen strahlen manchmal bis in die Beine aus, weshalb die Betroffenen sie häufig für Ischias-Schmerzen halten.

"Echte" Ischias-Schmerzen ziehen meist einseitig über das Gesäss bis in die Kniekehle, teilweise bis in den Knöchel oder den Fuss. Sie fühlen sich meist plötzlich einschiessend oder stechend an und werden manchmal von Kribbeln oder Taubheitsgefühlen begleitet.

Was hilft gegen Ischiasschmerzen?

Im Allgemeinen empfiehlt der behandelnde Arzt bei Schmerzen im Bereich des Ischias-Nervs oft Schmerzmittel. In der Schwangerschaft aber empfehlen sich solche Medikamente zum Schutz des ungeborenen Kindes nicht oder nur eingeschränkt. Eine Physiotherapie ist deshalb in der Schwangerschaft die bessere Option:

Ischias-Beschwerden lassen sich oft mit muskelentspannenden Massnahmen wie Massagen oder Wärmeanwendungen lindern. Auch krankengymnastische Übungen sind sinnvoll. Sie trainieren die Kraft der wirbelsäulennahen Muskulatur und entlasten damit die Lendenwirbelsäule in ihrer Haltearbeit. Ausserdem lernen Schwangere bei der Physiotherapie ein rückenschonendes Verhalten, zum Beispiel beim Heben von Lasten.

Manchmal kommen bei Ischias in der Schwangerschaft alternative Methoden zum Einsatz, beispielsweise Akupunktur. Vor der Anwendung empfiehlt es sich, Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme zu halten.

Ischias & Schwangerschaft: Vorbeugung

Bereits vor der Schwangerschaft ist es sinnvoll, Rückenschmerzen vorzubeugen: Wer regelmässig Sport treibt und dabei die Rumpfmuskulatur trainiert, ist für die besonderen orthopädischen Belastungen der Schwangerschaft besser gerüstet. Wenn Sie also planen, schwanger zu werden, empfiehlt es sich, frühzeitig Ihr Muskelkorsett zu stärken. So beugen Sie schmerzhaften Ischias-Symptomen in der Schwangerschaft vor.

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Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

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Mareike Müller
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Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

Carola Felchner
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Carola Felchner ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und geprüfte Trainings- und Ernährungsberaterin. Sie arbeitete bei verschiedenen Fachmagazinen und Online-Portalen, bevor sie sich 2015 als Journalistin selbstständig machte. Vor ihrem Volontariat studierte sie in Kempten und München Übersetzen und Dolmetschen.

ICD-Codes:
O99M54M51
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Deuschl, G. & Reichmann, H.: Gerontoneurologie. Georg Thieme Verlag, 1. Auflage, 2006
  • Heller, A.: Nach der Geburt: Wochenbett und Rückbildung. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2015
  • Katonis, P. et al.: Pregnancy-related low back pain. Hippokratia 2011;15(3):205-10
  • Krämer, J. & Grifka, J.: Orthopädie. Springer Verlag, 7. Auflage, 2005
  • Masuhr, K. F. et al.: Duale Reihe Neurologie. Georg Thieme Verlag, 7. Auflage, 2013
  • Sehmbi, H. et al.: Low Back Pain in Pregnancy: Investigations, Management, and Role of Neuraxial Analgesia and Anaesthesia: A Systematic Review. Gynecol Obstet Invest. 2017;82(5):417-436
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