Hundeallergie

Von , Studentin der Humanmedizin
Aktualisiert am
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Eine Hundeallergie ist eine Überempfindlichkeit des Immunsystems gegen bestimmte Stoffe, die von Hunden in Speichel, Urin und Drüsensekreten abgegeben werden. Eine Hundeallergie zeigt sich durch Symptome wie gerötete Augen, Niesreiz und eine laufende Nase. Je nach Schwere der Symptome wird eine Hundeallergie unterschiedlich behandelt. Lesen Sie hier alles Wichtige zur Hundeallergie.

Hundeallergie

Kurzübersicht

  • Symptome: Niesen, Husten, Hautausschlag
  • Behandlung: Medikamente zur Linderung der Symptome, Hyposensibilisierung
  • Ursachen und Risikofaktoren: Bestimmte Eiweisse, die von Hunden freigesetzt werden (Allergene) treffen auf überempfindliches Immunsystem
  • Diagnostik: Prick-Test, Blutuntersuchung
  • Verlauf und Prognose: Gut, wenn Betroffene den Kontakt mit Hunden vermeiden, in schweren Fällen entsteht als Folge der Allergie eine Asthma-Erkrankung
  • Vorbeugen: Den Kontakt zu Hunden und deren Besitzern meiden

Was ist eine Hundeallergie?

Die Hundeallergie ist eine Überempfindlichkeit gegen bestimmte, eigentlich harmlose Eiweisse, die von Hunden abgegeben werden. Diese Eiweisse sind im Speichel, Urin sowie Haut- und Talgdrüsen zu finden. Sie befinden sich somit auf Hautschuppen und Haaren des Hundes. Gelangen die Allergene in die Atemwege und auf die Schleimhäute des Menschen, rufen sie bei manchen eine allergische Reaktion hervor.

Umgangssprachlich ist häufig von einer "Hundehaarallergie" die Rede. Doch dieser Begriff ist irreführend. Denn es sind nicht die Hundehaare selbst, die eine Allergie auslösen, sondern Partikel, die an ihnen kleben.

Die Hundeallergie ist die zweithäufigste Allergie gegen Tierhaare nach der Katzen-Allergie. Alle Hunde produzieren Allergene. Es gibt keine Hunderasse, auf die das nicht zutrifft, obwohl immer wieder entsprechende Gerüchte im Umlauf sind. Im Unterschied zur Katzenallergie, bei der Betroffene meist gegen alle Arten von Katzen allergisch sind, besteht eine Hundeallergie mitunter auch nur gegen einzelne Rassen. So sind beispielsweise mehr Menschen gegen Boxer allergisch als gegen Pudel.

Einige wenige Menschen mit Hundeallergie zeigen auch beim Kontakt mit Katzen Anzeichen einer Allergie. Hund und Katze produzieren grundsätzlich verschiedene Eiweisse. Einige davon ähneln sich jedoch in ihrer Grundstruktur. Wesentlich häufiger kommt es vor, dass Menschen mit Katzenallergie allergische Symptome bei dem Kontakt mit Hunden entwickeln. Dieses Phänomen wird als Kreuzallergie bezeichnet.

Erfahren Sie hier mehr zum Thema Katzenallergie.

Wie äussert sich eine Hundeallergie?

Bei einer Hundeallergie treten die Symptome direkt nach dem Kontakt mit den Allergenen auf. Die Hundehaarallergie ist eine Allergie vom Soforttyp. Das bedeutet, dass sofort nach dem Kontakt mit dem Allergen bei der Hundehaarallergie Symptome auftreten. Um allergische Symptome auszulösen, ist kein direkter Kontakt mit Hunden nötig. Die Hunde-Allergene übertragen sich auch durch die Luft, über Gegenstände oder andere Personen.

Die Symptome bei einer Hundeallergie hängen davon ab, wo der Kontakt mit den Allergenen geschieht. Gelangen sie bei einem Allergiker in die Augen, entwickeln sich rote, brennende oder juckende Augen bis hin zu einer Bindehautentzündung. Werden sie eingeatmet und gelangen sie etwa in die Nase, erinnern die Symptome an einen Heuschnupfen. Es kommt zu vermehrter Sekretproduktion, die Schleimhäute schwellen an. Häufig besteht ein dauerhafter Niesreiz.

Auch die Schleimhäute im Hals schwellen an. Dadurch entstehen Hustenreiz, Schluckbeschwerden und Halskratzen. Auf der Haut zeigen sich bei manchen Allergikern Rötungen oder Schwellungen.

Im Vergleich zu denen einer Katzenallergie sind die Symptome der Hundeallergie häufig weniger stark ausgeprägt. Bleibt eine Allergie lange Zeit unbehandelt, besteht die Gefahr, dass sich die Symptome im Laufe der Zeit verschlimmern. In seltenen Fällen – vor allem, wenn eine Hundeallergie lange nicht therapiert wird oder bei sehr hoher Allergen-Exposition – drohen Asthmaanfälle mit Atembeschwerden und Atemnot oder sogar ein anaphylaktischer Schock.

Was kann man gegen eine Hundeallergie tun?

Bei Hundeallergien sind die Symptome im Allgemeinen schwächer ausgeprägt, als bei anderen Allergien. In vielen Fällen reicht es deshalb zur Behandlung schon aus, besondere Risikofaktoren zu meiden. Bei einer Hundeallergie gilt es in erster Linie, jeglichen Kontakt zu Hunden zu vermeiden. Bei einer schweren Hundeallergie muss ein Hund, der mit im Haushalt lebt, abgegeben werden.

Hundehaltern, bei denen die Hundeallergie im Laufe des Lebens aufgetreten ist, fällt es oft schwer, sich von ihrem Haustier zu trennen. Ist die Hundeallergie nur leicht ausgeprägt, ist dies auch nicht unbedingt nötig. Aber es ist wichtig, den Kontakt zum Hund zu reduzieren. Allergiker vermeiden es besser, dass der Hund ihnen über das Gesicht leckt, lassen ihn nicht auf dem Schoss sitzen und waschen sich nach jeder Berührung gründlich die Hände.

Medikamente

Verschiedene Medikamente wie Antihistaminika oder Kortison-Präparate kommen bei Bedarf zur Anwendung. Diese Hundeallergie-Tabletten lindern Symptome, beseitigen aber nicht die Ursache. Manche Allergiker nehmen sie vorbeugend ein, etwa wenn der Besuch eines Hundehalters geplant ist.

Hyposensibilisierung

Geht die Hundeallergie mit einer deutlichen Einschränkung der Lebensqualität einher oder bestehen sehr starke Symptome, kommt auch eine Hyposensibilisierung infrage. Dabei wird das Allergen, auf das der Körper reagiert, über einen Zeitraum von mehreren Jahren in steigenden Dosen direkt verabreicht. Es wird entweder unter die Haut (subkutan) gespritzt oder unter die Zunge (sublingual) getropft.

Die Wirkung lässt sich am einfachsten anhand des Prinzips der Gewöhnung erklären: Durch die Verabreichung immer höherer Dosen toleriert der Körper grössere Mengen des Allergens und reagiert auf geringere Dosen nicht mehr mit Symptomen. Treten im Laufe des Lebens nach einer Hyposensibilisierung erneut Symptome auf, besteht die Möglichkeit, die Behandlung zu wiederholen.

Wie kommt es zu einer Hundeallergie?

Die Ursache einer Hundeallergie sind bestimmte Eiweisse, sogenannte Allergene, die von Hunden mit ihrem Speichel, Urin und über Hautdrüsen freigesetzt werden. Diese Eiweisse haften an Hautschuppen und Haaren des Hundes. Von da aus gelangen sie entweder in die Raumluft, auf Gegenstände oder durch direkten Kontakt sofort zum Menschen.

Die Hunde-Allergene sind eigentlich harmlose Substanzen. Die tatsächliche Ursache der Hundeallergie liegt in einer Überreaktion des Immunsystems. Kommt das Immunsystem das erste Mal mit den Substanzen in Kontakt, treten noch keine Symptome einer Allergie auf. Allerdings erkennt das Immunsystem die Stoffe als körperfremd und stuft sie als schädlich ein. Deshalb bildet es Antikörper gegen sie.

Bei einem erneuten Kontakt mit den Allergenen werden die Antikörper aktiviert. Diese stimulieren nun Zellen im Körper, die unter anderem Histamin ausschütten. Histamin löst im Köper eine Schwellung der Schleimhäute, eine verstärkte Schleimproduktion und eine Erweiterung der Blutgefässe aus.

Um bei einer Hundeallergie Symptome zu entwickeln, müssen Betroffene noch nicht einmal direkten Kontakt zu Hunden haben. Die Allergene werden durch Luft und durch Tierbesitzer, die die Hundehaare und Hautschuppen an ihrer Kleidung tragen, übertragen. Hohe Konzentrationen an Allergenen finden sich daher auch an öffentlichen Plätzen wie Schulen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln. Eine Hundeallergie tritt demnach in einigen Fällen auch bei Personen auf, die noch nie persönlichen Kontakt zu einem Hund hatten.

Wie wird eine Hundeallergie diagnostiziert?

Bei dem Verdacht auf eine Hundeallergie ist der Hausarzt oder ein Allergologe der richtige Ansprechpartner. In einem ersten Gespräch erfasst dieser die Krankengeschichte (Anamnese). Die Patienten schildern die Symptome detailliert. Um die Art der Symptome und die möglichen Ursachen einzugrenzen, stellt der Arzt eventuell Fragen wie:

  • Treten die Beschwerden vorwiegend drinnen oder auch draussen auf?
  • Haben Sie dauerhaft Beschwerden oder eher schubweise?
  • Haben Sie Haustiere?
  • Gab es in Ihrer Familie Personen mit ähnlichen Beschwerden?

Aufgrund der Vielzahl möglicher Ursachen bei einer Allergie und auch, weil die Symptome häufig noch auf andere Erkrankungen hinweisen, gestaltet sich die Diagnosestellung bei einer Allergie manchmal schwierig. Nach dem ersten Gespräch findet eine körperliche Untersuchung statt. Unter anderem werden dabei die Haut, die Augen und die Atemwege untersucht. Die Lunge wird abgehorcht und der allgemeine Gesundheitszustand überprüft.

Unter Umständen bittet der Arzt den Patienten, ein zweites Mal zu kommen und in der Zwischenzeit ein Allergie-Tagebuch zu führen. In ein Allergie-Tagebuch tragen Sie Folgendes ein:

  • Wann und wo die Beschwerden auftraten
  • Was Sie dabei gerade gemacht haben
  • Was Sie an dem Tag gegessen und getrunken haben
  • Welche Medikamente Sie eingenommen haben
  • Was denkbare Ursachen wären

Hat der Arzt eine Verdachtsdiagnose gestellt, führt er einen Allergie-Test durch. Als Allergie-Test wird heute meist der sogenannte Prick-Test angewandt. Dabei werden mögliche Allergene auf die Haut, meist am Unterarm, getropft und die Haut darunter leicht angeritzt. Besteht eine Hundeallergie, rötet sich die Haut unter dem entsprechenden Allergen innerhalb von 15 bis 20 Minuten, schwillt an und bildet eventuell Pusteln. Besteht keine Allergie, zeigen sich bei dem Prick-Test kaum oder gar keine Hautveränderungen.

Zusätzlich wird bei einigen Patienten eine spezielle Blutuntersuchung durchgeführt, ein sogenannter RAST-Test. Dabei wird das Blut auf Antikörper getestet, die auf eine Allergie hinweisen. Über ein normales Blutbild lassen sich ausserdem Entzündungen und Infektionen des Körpers, die mit ähnlichen Symptomen wie eine Hundeallergie einhergehen, ausschliessen.

Bei unsicheren Befunden wird schliesslich noch ein Provokationstest durchgeführt. Dazu wird das vermutete Allergen direkt auf die Nasenschleimhäute aufgetragen. Der Provokationstest wird heute nur noch selten angewandt, da er im Extremfall sehr schwere allergische Reaktionen hervorruft. Nach dem Test ist zudem eine Nachbeobachtung von mindestens einer halben Stunde nötig.

Wie verläuft eine Hundeallergie?

Krankheitsverlauf und Prognose einer Hundehaarallergie hängen in erster Linie vom Verhalten der Betroffenen ab. Wird die Ursache der Allergie, sprich der Kontakt zu Hunden, konsequent gemieden und auf eigene Hunde verzichtet, reduzieren sich die Symptome in der Regel deutlich. Besteht weiterhin eine Exposition, drohen sich die Symptome im Laufe des Lebens zu verschlimmern. Im Extremfall entwickelt sich aus einer Hundeallergie Asthma bronchiale mit dauerhaften Beschwerden.

Nach einer Hyposensibilisierung besteht in der Regel eine günstige Prognose. Werden Allergie-Auslöser in Zukunft vermieden, haben Betroffene einer Hundeallergie gute Chancen, ein beschwerdefreies Leben zu führen.

Wie lässt sich einer Hundeallergie vorbeugen?

Die einzige Möglichkeit, bei einer Hundeallergie den Allergie-Symptomen vorzubeugen, ist es, den Kontakt mit den Tieren zu vermeiden. Experten empfehlen daher Betroffenen, sich zum Beispiel nicht das Büro mit Hundebesitzern zu teilen, Menschen mit Hunden möglichst nicht zu Hause zu empfangen und selbst nicht die Wohnung von Hundehaltern zu betreten. Kinder mit einer Hundeallergie sitzen in der Schule besser nicht neben Klassenkameraden, die einen Hund haben, und vermeiden es, Hunde zu streicheln und mit ihnen zu spielen.

Allerdings ist bisher nicht eindeutig belegt, dass eine Kontaktvermeidung zu den Tieren die Symptome einer Hundeallergie zuverlässig verhindert.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
J30
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Allergieinformationsdienst: Wie kann man Tierhaarallergien vorbeugen?, unter: www.allergieinformationsdienst.de (Abrufdatum: 13.01.2022)
  • Ärzteverband Deutscher Allergologen e.V.: www.aeda.de (Abrufdatum: 13.01.2022)
  • Grever, G. & Röcken, M.: Taschenatlas Allergologie. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage 2008
  • Heppt, W.J. & Bachert, C.: Praktische Allergologie. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage 2010
  • Saloga, J. et al.: Allergologie-Handbuch: Grundlagen und klinische Praxis. Schattauer Verlag, 2. Auflage 2011
  • Trautmann, A. & Kleine-Tebbe, J.: Allergologie in Klinik und Praxis. Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2013
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