Hirntumor – Symptome

Von , Ärztin
und , Biologin und Medizinredakteurin
Aktualisiert am
Dr. med. R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Dr. Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

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Hirntumor-Symptome sind sehr vielfältig. Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Gefühlsstörungen oder Krampfanfälle sind häufig die ersten Anzeichen. Betroffene leiden anfangs meist unter sehr unspezifischen Symptomen. Wächst der Hirntumor sehr schnell, verstärken sich die bestehenden Symptome oft, und je nach Lage des Tumors kommen neue Beschwerden hinzu. Hier lesen Sie alles Wichtige über Hirntumor-Symptome.

Frau hält sich den Kopf Hirntumor Symptome

Welche Symptome treten bei einem Hirntumor auf?

Wie lange dauert es bis zu den ersten Anzeichen?

Bis ein Hirntumor Symptome verursacht, vergeht manchmal eine längere Zeitspanne. Oft löst ein von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als erst- oder zweitgradig eingestufter Hirntumor erst nach Monaten Symptome aus. Bei WHO-Grad 3 oder 4 entstehen die ersten Anzeichen für einen Hirntumor dagegen schon nach wenigen Wochen bis Tagen.

Wenn ein Hirntumor Symptome verursacht, hat das verschiedene Gründe:

Der Tumor nimmt – egal, ob gut- oder bösartig – meist sehr viel Platz ein. Mediziner bezeichnen diese Tumore als raumfordernd. Dadurch verdrängt der Tumor wichtige Strukturen im Gehirn und beeinträchtigt diese in ihrer Funktion. Es ist auch möglich, dass er in das umliegende Hirngewebe einwächst (statt es zu verdrängen) und es zerstört – je nach betroffenem Gebiet resultieren daraus entsprechende Symptome.

Ein raumfordernder Tumor lässt je nach Grösse in der Regel den Druck im Schädel ansteigen. Denn anders als in anderen Organen ist der Raum innerhalb des knöchernen Schädels begrenzt. So resultieren etwa neu auftretende Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen oft aus dem Druckanstieg und sind mögliche Anzeichen für einen Hirntumor.

Insbesondere bösartige Hirntumoren zerstören Teile des Nerven- beziehungsweise Hirngewebes, das die Tumorzellen befallen haben. So kommt es auch bei kleineren Tumoren, die wenig bis gar keinen Raum fordern, zu entsprechenden neurologischen Ausfällen und Symptomen.

Was sind typische Anzeichen für einen Hirntumor?

Die meisten Anzeichen (wie Kopfschmerzen, Schwindel etc.) sind sehr unspezifisch und treten auch bei vielen anderen Krankheitsbildern auf. Wenn sie aber mit der Zeit stärker werden und in Kombination auftreten, ist dies ein möglicher Hinweis auf einen Hirntumor.

Kopfschmerzen

Neu auftretende Kopfschmerzen, die über einige Tage oder Wochen immer heftiger werden und im Liegen zunehmen, sind ein verdächtiges und typisches Anzeichen, das meist zuerst bei Hirntumoren auftritt. Kopfschmerzen wegen eines Hirntumors äussern sich dadurch, dass sie nachts und in den frühen Morgenstunden auftreten. Sie bessern sich tagsüber häufig spontan.

Schmerzintensität oder Schmerzcharakter beschreiben Betroffene oft als ganz anders im Vergleich zu vorher erlebten Kopfschmerzen. Meistens lassen sich tumorbedingte Kopfschmerzen durch herkömmliche Schmerzmittel nur wenig oder gar nicht lindern, da der Druckanstieg im Schädel durch den wachsenden Tumor die Beschwerden auslöst.

Übelkeit und Erbrechen

Viele Menschen entwickeln bei einem Hirntumor Symptome wie Übelkeit und Erbrechen. Auch diese Beschwerden sind meist die Folge des erhöhten Hirndrucks. Oft ist den Betroffenen in den Morgenstunden übel, obwohl sie nichts gegessen haben. Für morgendliche Übelkeit gibt es aber auch andere Ursachen wie etwa eine gewöhnliche Magen-Darm-Infektion, Schwangerschaft oder Alkoholrausch.

Sehstörungen

Sehen bedeutet, mit dem Auge bestimmte Bilder wahrzunehmen. Dafür fängt die Netzhaut im Auge die Informationen ein und sendet sie über die Sehbahn bis in das Sehzentrum im Hinterkopf. An praktisch jeder Stelle dieses Weges ist es möglich, dass ein Hirntumor Symptome im Sinne von Sehstörungen auslöst. Meistens fällt ein bestimmtes Areal im Gesichtsfeld aus – Betroffene nehmen es einfach als schwarzen Fleck wahr. Mediziner nennen das Gesichtsfeldausfälle.

Am Anfang bemerken Erkrankte solche Symptome oft gar nicht, weil das menschliche Gehirn die fehlenden Bildinformationen berechnet und das Bild weitestgehend vervollständigt. Erst bei grösseren Arealen gelingt dies nicht mehr und ein schwarzer Fleck entsteht.

Sehstörungen zeigen sich mitunter auch dadurch, dass Betroffene Bilder doppelt sehen.

Sehstörungen treten besonders oft bei einem Hypophysenadenom auf. Das ist ein gutartiger, in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) wachsender Hirntumor. Ein Anzeichen für diese Art von Geschwulst ist, dass die Sicht wie bei Scheuklappen von aussen her eingeschränkt ist.

Weitere neurologische Ausfälle

Neben Sehstörungen deuten auch andere neurologische Ausfälle auf einen Hirntumor hin. Mögliche Symptome im Sinne neurologischer Ausfälle sind zum Beispiel Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle (etwa an einzelnen Gliedmassen) oder Sprachstörungen. Ebenso typisch sind Zuckungen beispielsweise der Augenlider und plötzliches Kribbeln. Weiterhin sind Schluckstörungen oder eine veränderte Geschmackswahrnehmung mögliche tumorbedingte Symptome. Betroffene leiden oft unter Schwindel und Schwerhörigkeit oder Ohrenpfeifen (Tinnitus).

Krampfanfall

Ein neu auftretender epileptischer Krampfanfall ist vor allem bei Kindern oft eines der allerersten Hirntumor-Symptome, das vorrangig bei primären Hirntumoren auftritt. Die Erkrankten erleiden dabei entweder einen fokalen oder einen generalisierten Krampfanfall. Ein fokaler Anfall schlägt sich in einem bestimmten Organbereich nieder. Beispielsweise zuckt ein Arm oder ein Bein. Dieser Anfallstyp geht mitunter in einen generalisierten Anfall über, bei dem der gesamte Körper betroffen ist. Meistens verlieren Betroffene während eines Krampfanfalls das Bewusstsein.

Hormonelle Störungen

Hirntumor-Symptome treten auch in Form verschiedenster hormoneller Störungen auf. Das ist beispielsweise bei einem Hypophysenadenom der Fall: Die Hypophyse ist eine wichtige Drüse im Gehirn, die Hormone produziert, welche die Funktion anderer Hormondrüsen im Körper regulieren. Ein Tumor der Hypophyse greift hier störend ein. Mögliche Folgen sind Symptome, die etwa den Schlaf-Wach-Rhythmus, das Körperwachstum oder die Sexualität betreffen.

Solche hormonellen Störungen sind aber unspezifische Symptome, da sie auch bei anderen Erkrankungen vorkommen.

Beeinträchtigung des Gedächtnisses

Ein bösartiger Prozess im Kopf verursacht teilweise auch kognitive Symptome. Hirntumor-Erkrankte sind beispielsweise in ihrer Aufmerksamkeit beeinträchtigt und schlechter in der Lage, sich bestimmte Dinge zu merken. Konzentrationsstörungen und Vergesslichkeit haben aber viele mögliche Ursachen wie zunehmendes Alter und bedeuten nicht zwangsläufig, dass Betroffene einen Hirntumor haben.

Veränderungen der psychischen Gesundheit

Es ist möglich, dass ein Hirntumor die psychische Gesundheit beeinträchtigt. So sind manchmal Depression, Teilnahmslosigkeit (Apathie) und Angst auf die Erkrankung zurückzuführen.

Persönlichkeitsveränderungen

Persönlichkeitsstörungen zählen ebenfalls zu den Symptomen, die möglicherweise auf einen Hirntumor zurückzuführen sind. Meist fällt das den Betroffenen selbst gar nicht auf, wohl aber ihren Mitmenschen. Erkrankte sind zum Beispiel leichter reizbar oder weniger konzentriert und leichter abgelenkt.

Manchmal spitzen sich auch bestehende Persönlichkeitsmerkmale zu oder flachen ab. Diese Symptome treten oft schleichend ein und veranlassen Betroffene meistens erst spät, zu einem Arzt zu gehen.

Besonderheit bei Kindern mit Hirntumor

Babys und Kleinkinder, die bereits an einem Hirntumor leiden, haben oft einen vergrösserten Kopf (Hydrozephalus), im Volksmund Wasserkopf genannt. Dieser entsteht durch Flüssigkeitsansammlungen im Gehirn und zwischen den Hirnhäuten. Dadurch benötigt das Gehirn mehr Platz und der Schädel vergrössert sich. Kinder mit einem Hydrozephalus sind meist zusätzlich durch Entwicklungsstörungen wie geistige Behinderungen gekennzeichnet.

Für einen vergrösserten Kopf kommen aber auch andere Erkrankungen als Ursache infrage. So sind Geburtsfehler oder Hirnblutungen ebenfalls mögliche Auslöser.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie eins oder mehrere der genannten Symptome feststellen.

Manche Symptome weisen auf die Lage des Tumors hin

Die Lage des Tumors im Gehirn lässt sich oft daran erkennen, wo am Körper Symptome auftreten. Verursacht ein Hirntumor Symptome bevorzugt auf der linken Körperseite, sitzt er wahrscheinlich in der rechten Hirnhälfte. Dagegen weisen Symptome auf der rechten Seite in der Regel auf einen Tumor in der linken Gehirnhälfte hin. Bei Anzeichen, die einer spezifischen Stelle (= einem Herd) im Gehirn zuzuordnen sind, sprechen Mediziner von fokalneurologischen Herd-Symptomen. Weist der Betroffene etwa eine Sprachstörung (Aphasie) auf, deutet dies auf eine Schädigung des Sprachzentrums hin.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Johannes Pichler
Autoren:
Dr. med. R. Schwarz
Dr. med.  R. Schwarz

Dr. Schwarz studierte Medizin in Würzburg, wo sie auch ihre Promotion abschloss. Nach sehr vielseitigen Aufgaben während der medizinischen praktischen Ausbildung (PJ) u.a. in der Inneren Medizin und Chirurgie ist sie nun als Fachärztin für Radiologie tätig.

Dr. rer. nat. Monique Amey-Özel
Dr.  Monique Amey-Özel

Dr. Monique Amey-Özel hat Biologie an der Universität Bonn studiert und in den Neurowissenschaften promoviert. Sie war mehrere Jahre in der Forschung und als Lehrbeauftragte u.a. im Fach Anatomie an medizinischen Ausbildungseinrichtungen tätig. Sie beriet als Pharmareferentin Ärzte in verschiedenen Indikationen und ist nun als Medizinredakteurin verantwortlich für die Erstellung medizinischer Texte sowohl für Fachkreise als auch interessierte Laien.

ICD-Codes:
D43C70C72C71D33
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bender, A. et al.: Kurzlehrbuch Neurologie, Urban & Fischer, 3. Auflage, 2018
  • Deutsche Hirntumorhilfe e.V.: www.hirntumorhilfe.de (Abrufdatum: 27.10.2021)
  • Deutsche Krebsgesellschaft (DKG): Früherkennung von Hirntumoren, unter: www.krebsgesellschaft.de (Abrufdatum: 24.11.2021)
  • Deutsche Krebshilfe e.V.: www.krebshilfe.de (Abrufdatum: 27.10.2021)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Hirntumoren, unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 24.11.2021)
  • Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ): Hirntumoren, unter: www.krebsinformationsdienst.de (Abrufdatum: 25.11.2021)
  • Koleva, M., De Jesus, O.: Hydrocephalus, in: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing 2021 (Abrufdatum: 25.11.2021)
  • Louis, D.N. et al.: The 2016 World Health Organization Classification of Tumors of the Central Nervous System: a summary, Acta Neuropathol 2016;131:803-820.
  • Louis, D.N. et al.: The 2021 WHO Classification of Tumors of the Central Nervous System: a summary, Neuro Oncol 2021;23(8):1231-1251.
  • S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN): Gliome (Stand: Februar 2021), unter: www.awmf.org
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