Herzneurose

Von , Studentin der Humanmedizin
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Eine Herzneurose ist eine psychische Störung. Betroffene beklagen immer wieder Herzbeschwerden, für die man aber keine organische Ursache findet. Viele Patienten haben Angst, einen Herzinfarkt zu erleiden. Es kommt zu Panikattacken, Todesangst und nicht selten zu einem kompletten sozialen Rückzug. Lesen Sie hier, welche Ursachen eine Herzneurose haben kann und wie sie behandelt wird.

herzneurose

Kurzbeschreibung

  • Beschreibung: Eine Herzneurose (Da-Costa-Syndrom, Herzangst oder Kardiophobie) ist eine psychosomatische Erkrankung, die vor allem bei Männern über 40 Jahre auftritt.
  • Symptome: Typische Symptome sind Extrasystolen, Herzrasen, Stresssymptome und sozialer Rückzug.
  • Ursachen und Risikofaktoren: Dazu gehören zum Beispiel die frühe Trennung der Eltern in der eigenen Kindheit, Krankheiten und Todesfälle im sozialen Umfeld, Konflikte und Vorerkrankungen.
  • Untersuchungen und Diagnose: Um eine Herzneurose zu diagnostizieren, schliesst der Arzt körperliche Ursachen aus und führt eine ausführliche Patientenbefragung (Anamnese) durch.
  • Behandlung: Die Therapie einer Herzneurose zielt in erster Linie auf Symptomlinderung ab. Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie oder mithilfe von psychodynamischen Verfahren arbeitet man an den Ursachen. Medikamente sind zur Therapie kurzfristig denkbar.
  • Krankheitsverlauf und Prognose: Bei frühzeitiger Behandlung und guter sozialer Unterstützung ist eine schnelle Heilung von der Herzneurose möglich. Ist sie bereits chronisch, dauert es länger bis zur Genesung.

Herzneurose: Beschreibung

Die Herzneurose ist eine psychische Erkrankung. Sie hat zahlreiche weitere Namen, etwa Herzphobie, Herzangst, Kardiophobie oder Da-Costa-Syndrom. Betroffene klagen über verschiedene Herzbeschwerden und sind in der Regel überzeugt davon, an einer Herzerkrankung zu leiden. Sie leben oft in der ständigen Angst, einen Herzinfarkt zu bekommen.

Die Herzneurose oder Herzangst gehört zu den somatoformen, autonomen Funktionsstörungen. Das heisst, dass die körperlichen Beschwerden der Herzneurose keine körperliche Ursache haben, sondern psychisch bedingt sind. Nicht selten geraten Betroffene in einen Teufelskreis aus Angst und körperlichen Symptomen, den sie allein nicht mehr durchbrechen können.

Häufigkeit

In Deutschland leiden etwa 100.000 Menschen an Herzangst. Ungefähr 15 Prozent aller Patienten, die wegen Herzstörungen einen Arzt aufsuchen, haben eine Herzneurose; oft sind es Männer. Eine Herzneurose tritt vor allem bei den über 40-Jährigen auf. Jüngere Menschen leiden nur selten daran.

Herzneurose: Symptome

Wichtigstes Symptom bei einer Herzneurose ist die Angst vor Herzerkrankungen. Diese Angst begleitet die Betroffenen ständig und kann unter Umständen so stark werden, dass es zu Panikattacken und Todesangst kommt.

Zudem triggert oder verschlimmert sie weitere oder erneute körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Herzschmerzen oder Herzstolpern. Die Herzneurose beeinflusst das gesamte Leben der Betroffenen. Sie wird häufig begleitet von Panikattacken oder einer regelrechten Todesangst.

Betroffene sind überzeugt davon, dass sie tatsächlich an einer Herzkrankheit leiden. Ausserdem konzentrieren sich die Patienten sehr stark auf ihren Körper. Auch leichte Anzeichen, beispielsweise ein – ganz natürlich vorkommender – zusätzlicher Herzschlag (Extrasystole), werden als lebensbedrohliche Krankheiten interpretiert.

Es entsteht ein Kreislauf aus Sorgen und Symptomen: Bei Angstzuständen beschleunigt sich der Puls und der Blutdruck steigt. Damit einhergehen können Herzrasen, Herzschmerzen oder Herzstolpern. Ausserdem kann es zu Schwindel, Atemnot, Schwitzen und Zittern kommen. Die Betroffenen beklagen meist mehrere Symptome, die sich abwechseln.

Treten diese Symptome ausschliesslich im Rahmen einer Angst- oder Panikstörung auf, handelt es sich nicht um eine Herzneurose!

Auch andere Organe können betroffen sein

Die Beschwerden bei einer Herzneurose können auch auf andere Organsysteme übergreifen: Typisch sind Verdauungsbeschwerden und Magenschmerzen. Auch Schlafstörungen sind ein häufiges Begleitsymptom der Herzneurose.

Wichtig zu beachten ist, dass sich aus einer Herzneurose im Laufe der Zeit eine tatsächliche Herzerkrankung entwickeln kann. Sie kann aber auch ein Begleitsymptom einer körperlichen Erkrankung sein: Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben, entwickeln sehr oft eine Herzneurose aus Angst vor einem erneuten Infarkt.

Sprechen Sie nach einem solchen Erlebnis, etwa einem Herzinfarkt, unbedingt mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin offen über Ihre Ängste und Sorgen. So kann man Ihnen frühzeitig helfen und die Situation medizinisch richtig einschätzen – und Sie können einer Herzneurose vorbeugen sowie möglicherweise weitere Folgen verhindern.

Sozialer Rückzug

Eine Herzneurose ist vor allem ein psychisches Problem. Aus diesem Grund leiden Betroffene auch seelisch. Die Angst verdrängt im Alltag die meisten anderen Empfindungen. Betroffene leiden unter innerer Unruhe, leben in einer ständigen Schonhaltung und haben oft depressive Symptome.

Sie versuchen unter Umständen auch, jede Art von körperlicher Anstrengung, Aufregung oder Stress zu vermeiden, aus Angst und Überzeugung, dass es sonst zu einem Herzinfarkt kommt.

Meist wird auch das soziale Umfeld wie die Familie oder Arbeitskollegen miteinbezogen. Betroffene glauben, allein nicht überleben zu können. Viele Erkrankte verlieren jegliches Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten und Stärken. Angehörige und Freunde wissen oft nicht, wie sie sich richtig verhalten sollen.

Wer an einer Herzneurose leidet, fühlt sich trotz aller Aufmerksamkeit, die ihm zuteilwird, die meiste Zeit unverstanden und ist überzeugt, dass ihm niemand, auch kein Arzt, helfen kann.

In der Folge ziehen sich viele Betroffene von selbst zurück. Manchmal wenden sich auch Freunde aus Rat- und Hilflosigkeit immer mehr von dem Betroffenen ab. Die soziale Einsamkeit verstärkt die Symptome der Herzneurose.

Es gibt keinen Grund, eine Herzneurose als psychische Erkrankung zu leugnen. Es handelt sich um eine Krankheit, die Symptome auslöst und eine medizinische Behandlung notwendig macht. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt über Ihre Beschwerden und Ängste, nur dann kann man Ihnen helfen. Die Einordnung als psychische Erkrankung bedeutet keineswegs eine Herabstufung Ihres Leidens!

Herzneurose: Ursachen und Risikofaktoren

Eine Herzneurose ist eine psychosomatische Erkrankung. Das bedeutet, dass die auftretenden Symptome keine körperliche Ursache haben, sondern eine psychische.

Es gibt verschiedene Theorien, wo die Ursachen einer Herzneurose zu suchen sind:

Ursachen in der Kindheit: Die Fachliteratur beschreibt häufig ein gestörtes Verhältnis der Eltern zu ihrem Kind als Risikofaktor für eine Herzneurose im späteren Leben. Dabei können verschiedene Arten von Beziehungen eine Rolle spielen: Mütter werden oft als übermässig beschützend und dominant beschrieben. Ebenso kann aber auch eine frühe Trennung oder eine Vernachlässigung Grund für die Störung sein, wodurch Kinder keine Möglichkeit haben, Bewältigungsstrategien zu erlernen.

Krankheiten im sozialen Umfeld: Wissenschaftler gehen davon aus, dass das Risiko für eine Herzneurose grösser ist, wenn bereits ein naher Verwandter oder eine Person aus dem engen Freundeskreis an einer Herzneurose oder an tatsächlichen Herzbeschwerden gelitten hat. Dadurch wird ein ängstlicher Umgang mit dem Herzen vorgelebt und von Betroffenen übernommen.

Todesfälle: Auch Todesfälle im Umfeld können eine Herzneurose verursachen. Der Tod eines Angehörigen oder Bekannten macht den Betroffenen ihre eigene Sterblichkeit bewusst. Viele haben Angst vor dem Tod und reagieren darauf mit einer übermässigen Vorsicht und der Befürchtung, auch bald sterben zu müssen.

Konflikte und Probleme: Ungelöste Probleme und Konflikte im Alltagsleben können ebenso zur Entstehung der Herzneurose beitragen. Sie beeinflussen die Herzfunktion auf eine normale Art und Weise: Das Herz schlägt schneller. Diese natürliche Reaktion wird häufig als schwere Erkrankung fehlinterpretiert. Dadurch rücken die anderen Konflikte erneut in den Hintergrund.

Vorerkrankungen: Eine Herzneurose kann auch die Folge einer vorherigen Erkrankung sein. So entwickeln beispielsweise Menschen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, oft eine überwältigende Angst vor einem erneuten Infarkt.

Wie entwickelt sich eine Herzneurose?

Alle diese Theorien haben eine Gemeinsamkeit: Menschen mit einer Herzneurose sind meist sehr sensibel, unsicher und haben wenig Selbstvertrauen. Sie interpretieren eine ganz normale Reaktion des Herzens häufig falsch und deuten sie als Zeichen einer schwerwiegenden Krankheit.

Das Herz reagiert sehr empfindlich auf alle seelischen Veränderungen: Bei Angst, Stress oder Problemen im Alltag fängt es beispielsweise an, stärker zu schlagen als gewöhnlich. Oft schwitzt man auch vermehrt oder fängt an zu zittern.

Bei einer Herzneurose werden diese Symptome überbewertet. Die Betroffenen beginnen in der Folge, stärker als andere Menschen auf Veränderungen in ihrem Körper zu achten. Daraus entwickelt sich ein Teufelskreis aus falsch interpretierten Herzaktionen, den die Patienten und Patientinnen nicht allein überwinden können.

Veranlagung

Die meisten Betroffenen bringen ausserdem eine bestimmte körperliche Veranlagung mit, welche die Entstehung einer Herzneurose begünstigt. Während andere Menschen bei Stress und Belastung Magenbeschwerden, Migräne oder Schlafstörungen entwickeln, reagieren Menschen mit einer Herzneurose mit Herzproblemen.

Herzneurose: Untersuchungen und Diagnose

Die Diagnose einer Herzneurose ist schwierig und kann sich über viele Jahre hinziehen. Betroffene gehen davon aus, dass ihre Beschwerden eine körperliche und damit eine nachweisbare Ursache haben. Tatsächlich liegt die Ursache der Herzneurose aber in der Psyche. Man kann sie somit weder mit bildgebenden noch mit messtechnischen Untersuchungen nachweisen.

Grundlegend für die Diagnose einer Herzneurose ist, dass ein Herzspezialist (Kardiologe) keine körperliche Ursache der Beschwerden feststellen kann. Man spricht medizinisch von funktionellen Körperbeschwerden, wenn eine eindeutige Ursache ausgeschlossen wurde.

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung werden in der Regel zuerst ein Ruhe-EKG und ein Belastungs-EKG angefertigt. Diese Untersuchungen sind schmerzfrei. Man zeichnet damit die Herzaktivität auf und kann Herzrhythmusstörungen zum Beispiel klar erkennen.

Auch eine Blutuntersuchung wird zur Abklärung einer Herzneurose vorgenommen.

Stellt man bei diesen ersten Untersuchungen keine Fehlfunktionen fest, können aufwändigere Untersuchungen durchgeführt werden, etwa eine Herzkatheteruntersuchung, eine Kernspintomografie (MRT) oder ein Herzultraschall.

Findet man nach der Auswertung dieser Untersuchungen keine organische Ursache für die Beschwerden, erhärtet sich der Verdacht, dass ihnen eine psychische Ursache und damit eine Herzneurose zugrunde liegt. Entscheidende Hinweise für die Diagnose liefert ein ausführliches Gespräch mit dem Patienten. Hierfür wird in der Regel ein Psychiater oder ein Psychologe hinzugezogen.

Psychiatrisches Erstgespräch

Menschen mit Herzneurose sind stark auf das eigene Herz und ihre Angst vor der Krankheit fokussiert. Sie fühlen sich durch ihre Symptome sehr belastet. Manchmal berichten Betroffene von einer konkreten Angst, etwa vor einem Herzinfarkt, vor Luftnot oder vor dem eigenen Tod. In manchen Fällen ist das Thema der Angst weniger eindeutig greifbar.

Typisch für die Herzneurose ist auch, dass Betroffene gerne und viel von sich erzählen und ausführlich über ihre Beschwerden berichten. Die Symptome sind auch nicht unbedingt auf das Herz beschränkt. So können auch Probleme mit der Verdauung, mit dem Magen oder Schlafstörungen die Betroffenen belasten. Auch von vorausgegangenen psychischen Beschwerden berichten sie häufig.

Zieht sich die Diagnose über viele Jahre hin, wird bei den meisten Betroffenen ein Wechsel aus „guten“ und „schlechten“ Zeiten deutlich. Im normalen Alltag oder wenn sich andere Probleme häufen, zum Beispiel am Arbeitsplatz, verschlimmern sich meist auch die Herzprobleme. Im Urlaub hingegen geht es den Betroffenen meist viel besser. Auch sehr schnelle Stimmungswechsel können auftreten.

Schwierigkeiten

Eine Herzneurose kann ein Begleitsymptom einer tatsächlichen Herzerkrankung sein. Ebenso kann sich aber auch bei Patienten, die zunächst keine organischen Beschwerden haben, aus einer Herzneurose eine organische Erkrankung entwickeln.

Hinzu kommt eine weitere Schwierigkeit: Die Mehrzahl der Patienten lehnt die Vorstellung strikt ab, dass ihre Beschwerden eine psychische Ursache haben könnten. Die Betroffenen beharren auf einer organischen Ursache. Liefert die körperliche Untersuchung aber keine Erklärung dafür, verlieren sie schnell das Vertrauen in ihren Arzt und suchen weitere Ärzte auf.

Typisch für eine Herzneurose ist auch, dass die Patienten und Patientinnen das Gefühl haben, von der ganzen Welt missverstanden zu werden und nicht genügend Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch die Furcht, sich mit den tatsächlichen Problemen auseinanderzusetzen, kann eine Rolle spielen.

Sprechen Sie es offen an, wenn Sie sich nicht verstanden fühlen. Seien Sie aufgeschlossen für eine vorgeschlagene Therapie, auch wenn sie die Psyche behandelt. Sie können davon nur profitieren.

Herzneurose: Behandlung

Da eine Herzneurose psychisch bedingt ist, findet die Behandlung bei einem Psychiater, einem Psychotherapeuten oder einem Arzt für psychosomatische Medizin und Psychotherapie statt.

Der erste Schritt wird beim Hausarzt oder Facharzt für Herzkrankheiten (Kardiologen) gemacht. Dieser muss, nachdem eine körperliche Ursache der Beschwerden ausgeschlossen werden konnte, den Patienten vorsichtig mit dem Gedanken an eine psychische Ursache vertraut machen.

Da Betroffene dies oft vehement abstreiten und auf einer organischen Ursache beharren, kann die Aufklärung viele Wochen oder sogar Jahre in Anspruch nehmen. Patienten, die sich unverstanden fühlen, wechseln häufig den Arzt.

Dann werden alle Untersuchungen wiederholt und der Beginn der Behandlung verzögert sich erneut. Wichtig ist, dass der Patient von ärztlicher Seite ernst genommen wird und die Beschwerden nicht als Einbildung abgetan werden. Hilfreich dabei sind ausführliche Aufklärungsgespräche über Häufigkeit, Folgen, Verlauf und Hintergründe einer Herzneurose.

Wechseln Sie nicht zu häufig den Arzt. Selbstverständlich dürfen Sie jederzeit eine Zweitmeinung einholen, aber eine Vielzahl von Ärzten zu konsultieren, bringt selten einen Mehrwert. Sie belasten sich dadurch immer mehr und verlieren kostbare Zeit, die besser in eine Heilbehandlung investiert werden könnte.

Verbesserung der Symptome

Im nächsten Schritt kümmert sich der behandelnde Arzt um die Verbesserung der Herzneurose-Symptome, beispielsweise das Herzrasen.

Dazu gehören die Vermittlung von Entspannungstechniken (wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training), Strategien zur Krankheitsbewältigung und andere förderliche Verhaltensweisen, die Betroffene anwenden können, wenn es zu (vermeintlichen) Herzproblemen kommt.

Behandlung der zugrunde liegenden Probleme

Grundlage der Behandlung der Herzneurose ist eine Psychotherapie. Wichtig ist dabei, den Betroffenen klarzumachen, dass die auftretenden Symptome zwar durchaus spürbar sein können, aber nicht körperlich bedingt und meist harmlos sind.

Je nach Problematik und Persönlichkeit des Patienten stehen zwei Optionen zur Wahl: die kognitive Verhaltenstherapie und psychodynamische Therapien, zum Beispiel die Psychoanalyse. Auch eine Kombination von Elementen aus beiden Therapieformen ist möglich.

In schweren Fällen einer Herzneurose ist eine stationäre Behandlung notwendig. Die Behandlung findet dann auf einer psychosomatischen Station statt. Je nach Verlauf ist auch eine Rehabilitation nach einer Therapie sinnvoll.

Kognitive Verhaltenstherapie

Im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie lernen Menschen mit Herzneurose Strategien, um sich beim Auftreten von Herzproblemen anders verhalten können.

Wichtig sind vor allem bewegungstherapeutische Elemente: Betroffene erfahren dabei, dass ihr Herz körperliche Anstrengungen verkraftet, ohne Schaden zu nehmen. Auch die Rückkehr zu einem normalen Alltag mit leichten Sporteinheiten wie Joggen, Walking oder Schwimmen gehört dazu.

So gewinnen die Patienten und Patientinnen das Vertrauen in den eigenen Körper zurück und lernen, Ängste besser zu bewältigen. Damit schwindet auch die Befürchtung, einen Herzinfarkt zu erleiden, und die Betroffenen trauen sich wieder mehr zu – körperlich wie seelisch.

Psychodynamische Verfahren

Psychodynamische Verfahren basieren darauf, dass der Patient erkennt, wie seine persönliche Geschichte und wichtige Bezugspersonen mit der Entstehung der Herzneurose zusammenhängen. Die Verarbeitung solcher Erfahrungen und der Gewinn an seelischer Stabilität und Selbstvertrauen können es ihm ermöglichen, die Symptome zu überwinden.

Medikamentöse Therapie

Zu Beginn der Herzneurose-Therapie können die Herzbeschwerden zusätzlich mit Medikamenten behandelt werden. Betablocker (Betarezeptorenblocker) dämpfen zum Beispiel das Herzrasen.

Auf Dauer sollten sie aufgrund verschiedener Nebenwirkungen aber nicht eingenommen werden. In manchen Fällen werden auch Beruhigungsmittel (Tranquilizer) oder Antidepressiva verschrieben. Gerade die Beruhigungsmittel sind zur Dauertherapie nicht geeignet, da sie abhängig machen können.

Herzneurose: Krankheitsverlauf und Prognose

Wie bei den meisten anderen Krankheiten gilt auch bei der Herzphobie: Je früher die Krankheit erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen!

Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt, kann eine Herzneurose mithilfe einer Psychotherapie oft vollständig geheilt werden. Die Therapie nimmt unter Umständen aber viele Jahre in Anspruch. Hinzu kommt, dass eine Herzneurose nur selten früh erkannt wird. So dauert es oft mehrere Jahre, bis Betroffene die richtige Behandlung erhalten.

Je länger die Beschwerden einer Herzneurose andauern, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie chronisch werden. Das erschwert die Therapie. Eine chronische Herzneurose entwickelt sich bei etwa der Hälfte aller Betroffenen.

Da sich aus einer Herzneurose auch eine echte Erkrankung des Herzens entwickeln kann, ist es notwendig, dass Betroffene sich während der Psychotherapie regelmässig einer körperlichen Untersuchung unterziehen. So kann bei organischen Veränderungen sofort mit einer entsprechenden Behandlung begonnen werden.

Psychotherapeutische Massnahmen helfen auch dann noch, wenn die Herzneurose schon seit mehreren Jahren besteht. Selbst wenn die Beschwerden damit nicht vollständig verschwinden – die Betroffenen können so immerhin Strategien entwickeln, um mit den funktionellen Beschwerden besser umzugehen und wieder mehr an die eigenen Stärken zu glauben.

Das verbessert die Lebensqualität von Herzneurose-Patienten deutlich.

Die Prognose und der Krankheitsverlauf bei einer Herzneurose sind ausserdem von der Unterstützung des sozialen Umfelds abhängig. Mit Verständnis, Unterstützung und Offenheit ist ein Anfang gemacht. Geben Sie dem erkrankten Menschen das Gefühl, dass Sie ihn und seine Beschwerden ernst nehmen und helfen möchten.

Autoren- & Quelleninformationen

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Datum :
Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Christiane Fux
Autor:
Sophie Matzik

Sophie Matzik ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
F40
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Berger, M.: Psychische Erkrankungen: Klinik und Therapie, Urban & Fischer Verlag, 4. Auflage, 2011
  • Deutsches Kollegium für Psychosomatische Medizin (DKPM) und Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie e.V. (DGPM): S3-Leitlinie „Umgang mit Patienten mit nicht-spezifischen, funktionellen und somatoformen Körperbeschwerden, Stand 2018 (Abruf 30.10.2023)
  • Dilling, H. et al.: Internationale Klassifikation psychischer Störungen: ICD-10 Kapitel V (F) Klinisch-diagnostische Leitlinien, Hans Huber Verlag, 9. Auflage, 2013
  • Lieb, K. et Frauenknecht, S.: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie, Urban & Fischer Verlag, 9. Auflage, 2019
  • Morschitzky, H.: Somatoforme Störungen: Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund, Springer Verlag, 2. Auflage, 2007
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