Hackenfuß

Von NetDoktor Redaktion
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Bei einem Hackenfuss (Pes calcaneus) handelt es sich um eine auffällige Fussfehlstellung, die vor allem bei Babys auftritt und meistens durch die Lage im Mutterleib verursacht wird. In einigen Fällen ist sie auch Symptom einer anderen Erkrankung. In den meisten Fällen lässt sich ein Hackenfuss gut behandeln. Lesen Sie hier, welche Therapie der Arzt empfiehlt!

Mutter massiert Babyferse

Kurzübersicht

  • Was ist ein Hackenfuss? Die Fussfehlstellung ist meistens angeboren, entsteht mitunter aber auch durch Krankheiten oder Unfälle. Der Fuss ist stark nach oben gebogen, im Extremfall liegen die Zehen am Schienbein an.
  • Behandlung: Bei Neugeborenen meistens spontane Ausheilung, Physiotherapie, Gips und Schienen, Operation, Spezialschuhe
  • Ursachen: Eingezwängte Position des Babys im Mutterleib, Virusinfektionen, genetische Ursachen, neurologische Erkrankungen, Unfälle
  • Diagnose: Beurteilung der sichtbaren Symptome, bildgebende Verfahren, Ganganalyse
  • Vorbeugen: Bei der häufigen primären Form nicht möglich, sorgfältige Behandlung von Vorerkrankungen und Verletzungen

Was ist ein Hackenfuss?

Bei einem Hackenfuss (Pes calcaneus) handelt es sich um eine spezielle Fehlstellung des Fusses. Sie ist entweder angeboren oder wird im Laufe des Lebens erworben. Dieser sekundäre Hackenfuss ist Folge einer anderen Erkrankung. In den meisten Fällen kommen Babys bereits mit einem Hackenfuss zur Welt. Seltener ist eine Kombination aus Hackenfuss und Knickfuss, die als Hacken-Knick-Fuss oder Knick-Hacken-Fuss (Pes valgocalcaneus) bezeichnet wird.

Geschätzt ist fast jedes zweite Neugeborene von einem Hackenfuss betroffen. Dabei ist die Fehlstellung unterschiedlich stark ausgeprägt. Im günstigsten Fall ist sie kaum erkennbar. Der angeborene Hackenfuss heilt in den meisten Fällen vollständig aus. Bei der sekundären Variante hängt die Prognose von der Grunderkrankung ab.

Symptome: So sieht ein Hackenfuss aus

Ein ausgeprägter Hackenfuss fällt auf. Der gesamte Fuss ist nach oben Richtung Schienbein gestreckt. Mediziner bezeichnen dieses Symptom als Dorsalextension. Diese Überstreckung führt dazu, dass es nicht möglich ist, den Fuss normal nach unten zu beugen (Plantarflexion). Im Extremfall liegen die Zehen am Schienbein an, sodass die Fusssohle nach aussen zeigt. Der Fuss sieht aus, als sei er eingeklappt worden. Er ist optisch also das Gegenteil vom Spitzfuss, bei dem die Zehen nach unten zeigen.

In der Regel beziehen sich die Verformungen nur auf die Weichteile, die Knochen sind nicht betroffen. Deswegen lässt sich diese Fehlstellung normalerweise gut behandeln. Ein angeborener Hackenfuss mit verformten Knochen ist hingegen sehr selten.

Beim Knick-Hacken-Fuss ist die Fusssohle ebenfalls nach oben Richtung Schienbein überstreckt. Zusätzlich ist das Fussgelenk leicht nach innen geknickt, weswegen sich die Sohle ein wenig nach aussen dreht.

Mögliche Beschwerden durch Folgeschäden

Bei einem deutlichen Hackenfuss ist es nicht möglich, normal zu gehen. Auch wenn die Fehlstellung weniger stark ausgeprägt ist, sollte sie unbedingt behandelt werden – wenn sie sich nicht von selbst zurückbildet. Das ist wichtig, um Folgeschäden zu vermeiden. Denn schon ein leichter Hackenfuss beeinflusst den gesamten Bewegungsapparat.

Das Gangbild verändert sich, die Beinmuskeln und Sehnen werden überstreckt. Das betrifft vor allem die Waden. Die Belastung auf der Ferse ist zu gross, weswegen Betroffene häufig Druckstellen bekommen. Das alles erschwert Bewegungen und verursacht Schmerzen. Insgesamt entwickelt sich ein Ungleichgewicht zwischen Muskeln und Gelenken. Viele Patienten nehmen instinktiv eine Schonhaltung ein, um die schmerzenden Bereiche zu entlasten. Das bringt weitere gesundheitliche Probleme mit sich, etwa im Rücken.

Wie wird ein Hackenfuss behandelt?

Die Behandlung des Hackenfusses hängt vor allem von der Ursache ab. Ein Hackenfuss beim Baby heilt meistens sogar ohne Therapie aus.

Spontane Ausheilung

Der Hackenfuss beim Baby ist eine häufige Fussfehlstellung. Ärzte müssen sie jedoch nicht automatisch behandeln, weil sie sich in vielen Fällen von selbst zurückbildet. Das passiert mitunter innerhalb weniger Tage nach der Geburt.

Massage und Physiotherapie

Normalisiert sich die Fussfehlstellung nicht kurz nach der Geburt, behandeln Mediziner den Hackenfuss beim Baby. An erster Stelle steht dafür die manuelle Mobilisierung: Muskeln und Bänder werden massiert und gedehnt, bis die Fusssohle in ihre normale Stellung zurückgekehrt ist.

Es ist empfehlenswert, dass Eltern diesen Prozess unterstützen, indem sie sich vom Physiotherapeuten Übungen zeigen lassen, die sie zu Hause mit ihrem Kind durchführen. Gegebenenfalls führen die Kinder, wenn sie älter werden, entsprechende Übungen unter Anleitung selbst aus. Das ist aber selten nötig.

Behandlung mit Gips oder Schienen

Die Therapie beim Hackenfuss des Babys wird in der Regel durch eine Behandlung ergänzt, die sich Redression nennt. Vereinfacht gesagt geht es darum, den Fuss in die korrekte Haltung zu zwingen und ihn dort solange zu fixieren, bis sich die Strukturen angepasst haben und der Fuss in dieser Stellung bleibt. Das erfolgt in zwei Phasen.

Im ersten Schritt drücken Mediziner den Fuss vorsichtig in die normale Position und halten ihn dort über spezielle Verbände oder einen Gips. Im nächsten Schritt erhält das Kind speziell angepasste Schienen für die Nacht. Sie fixieren den Fuss in einer überstreckten Stellung, die eigentlich dem Spitzfuss entspricht. So sorgen die Ärzte dafür, dass das Gelenk die nötige Beweglichkeit erhält.

Operation

Eine Operation ist beim angeborenen Hackenfuss des Babys nur sehr selten nötig. Häufiger setzen Mediziner sie bei der sekundären Form ein. Lässt sich die Fehlstellung nicht durch konservative Massnahmen beseitigen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, sie operativ zu behandeln. Dafür stehen den Chirurgen verschiedene Methoden zur Verfügung. Das sind die wichtigsten:

  • Die Achillessehne verbindet den Wadenmuskel mit dem Fersenbein. Bei einem Hackenfuss ist sie dauerhaft überdehnt. Es empfiehlt sich daher, sie zu verkürzen oder ihre Position zu verändern, um Zug auf die Fusssohle auszuüben.
  • Einen ähnlichen Effekt hat es, wenn Chirurgen zusätzliche Muskelsehnen im Bereich der Achillessehne einsetzen, um sie zu stärken und so den Muskelzug zu erhöhen.
  • Chirurgen entfernen in einigen Fällen ein Stück Knochen am Fersenbein (Rückfuss-Osteotomie), um dem Fuss die Normalstellung zu erleichtern.
  • Eine weitere Möglichkeit ist, den Fuss in die korrekte Position zu zwingen und dort dauerhaft zu fixieren. Ärzte versteifen dafür das Sprunggelenk beispielsweise mit einer Schraube (Arthrorise). Diese Variante schränkt die Mobilität der Patienten jedoch langfristig ein. Beispielsweise beim schnellen Gehen oder beim Laufen ist das spürbar.

Einlagen und Spezialschuhe

Ein Hackenfuss, der als Begleiterscheinung einer Erkrankung entsteht, ist nicht immer vollständig heilbar. Zur Behandlung gehört es daher beispielsweise, Einlagen oder Spezialschuhe zu tragen, um die Bewegungsabläufe zu verbessern und weitere Folgen für den Bewegungsapparat zu vermeiden.

Wie entsteht ein Hackenfuss?

Bei den möglichen Ursachen für einen Pes calcaneus ist es wichtig, zwischen den angeborenen und den erworbenen Varianten zu unterscheiden.

Angeborener Hackenfuss

Der angeborene Hackenfuss beim Baby ist entweder eine eigenständige Erkrankung oder tritt als Folge einer anderen Erkrankung auf. Dementsprechend gibt es verschiedene Ursachen.

Der häufige primäre Hackenfuss, der in den meisten Fällen problemlos ausheilt, wird vermutlich durch die Lage des Kindes im Mutterleib verursacht. Wenn aus Platzmangel Druck auf die Füsse des Babys ausgeübt wird, verharren diese zunächst in der entsprechenden Fehlstellung. Eine spontane Rückbildung innerhalb weniger Tage ist wahrscheinlich.

Es gibt auch genetische Ursachen. Bei manchen Kindern besteht ein Ungleichgewicht in den Muskeln zwischen Unterschenkeln und Füssen. Die Wadenmuskeln sind dann im Verhältnis zu schwach ausgeprägt, weswegen die Muskeln im Bereich des Schienbeins und des Fussrückens den Fuss nach oben ziehen.

Auch eine Erkrankung der Nerven (neurologische Erkrankung) führt unter Umständen beim Baby zu einem Hackenfuss, wenn sie die Steuerung der entsprechenden Muskeln beeinträchtigt. Ein typisches Beispiel ist ein sogenannter offener Rücken (Spina bifida), also eine Fehlbildung der Wirbelsäule und des Rückenmarks, die möglicherweise zu Lähmungserscheinungen führt. Das Gleiche gilt für einen Hirnschaden. Er verringert in der Regel ebenfalls die Ansprache der Muskeln durch die Nerven.

Erworbener Hackenfuss

Der sekundäre Hackenfuss tritt im Prinzip in jedem Alter auf. Mögliche Ursachen sind Entzündungen, wie sie von der Viruserkrankung Poliomyelitis (Kinderlähmung) ausgelöst werden. Sie führen in vielen Fällen zu Lähmungen und damit auch zu einem Hackenfuss. Die Kinderlähmung gilt dank umfangreicher Impfungen in der Schweiz aber als ausgerottet. Einen ähnlichen Effekt löst beispielsweise die Autoimmunerkrankung Myasthenia gravis aus.

Ein Hackenfuss entsteht möglicherweise auch, wenn die Achillessehne verletzt oder womöglich durchtrennt wird. Sie trägt dazu bei, den Fuss in seiner Position zu halten. Eine wichtige Rolle spielen zudem die Wadenmuskeln. Werden sie verletzt oder nicht mehr richtig versorgt, weil der entsprechende Nerv etwa bei einem Unfall beschädigt wird, führt das häufig zu einem Ungleichgewicht in der Muskulatur und in der Folge zu Fehlstellungen des Fusses.

Eine Operation ist ebenfalls eine mögliche Ursache für einen Hackenfuss. Das gilt besonders dann, wenn die Ärzte eine andere Fussfehlstellung beseitigen möchten und die Korrektur zu intensiv ausfällt, etwa durch eine zu starke Verlängerung der Achillessehne. Auch ein permanent falsch gelagerter Fuss bringt unter Umständen Fehlstellungen mit sich.

Wie wird ein Hackenfuss festgestellt?

Der Arzt erkennt einen Hackenfuss beim Baby normalerweise schon durch die sichtbaren Symptome, also die nach oben gerichteten Zehen. Gegebenenfalls führt er zusätzliche Untersuchungen durch, um das Ausmass der Fussfehlstellung zu bestimmen. Dabei klärt er unter anderem die Frage, ob nur die Weichteile oder auch die Knochen verformt sind.

Bei einem Neugeborenen ist eine umfassende Diagnose vor allem dann relevant, wenn sich der Hackenfuss nicht nach wenigen Tagen zurückgebildet hat. Ein Teil der Untersuchungen ist zudem wichtig, um andere Erkrankungen als Ursache zu identifizieren oder auszuschliessen.

In einem Gespräch mit den Eltern oder den erwachsenen Betroffenen klärt der Arzt, welche relevanten Vorerkrankungen es gibt (Anamnese). Mit einer neurologischen Untersuchung prüft er die Funktion der Nerven und sucht nach Störungen beziehungsweise Ausfällen wie Lähmungserscheinungen.

Bildgebende Verfahren wie Röntgen, Ultraschall, Magnetresonanztomografie (MRT) und Computertomografie (CT) tragen dazu bei, das Ausmass des Hackenfusses genau zu bestimmen. Bei älteren Patienten ist eine Gangbildanalyse sinnvoll.

Ist die Erkrankung fortgeschritten, stehen eventuell weitere Untersuchungen an. Der Arzt schätzt ein, inwieweit es bereits zu Folgeschäden am Bewegungsapparat gekommen ist. Im Fokus stehen dabei Knie, Becken und Wirbelsäule.

Vorbeugen

Es ist nicht möglich, einem primären Hackenfuss bei Babys vorzubeugen. Werden während der Schwangerschaft Erkrankungen diagnostiziert, die unter Umständen zu einem sekundären Hackenfuss führen, etwa ein offener Rücken, werden diese umfassend behandelt.

Bei dem erworbenen Hackenfuss ist es zumindest in einem kleinen Rahmen möglich, der Fussfehlstellung vorzubeugen. Dafür ist es empfehlenswert, regelmässig Sport zu treiben und im Anschluss Muskeln und Bänder zu dehnen. Das sorgt für ein besseres Gleichgewicht der Muskulatur und erhält die Beweglichkeit.

Nach Verletzungen ist es wichtig, den Fuss für den Heilungsprozess in der richtigen Position zu fixieren, um einem Hackenfuss vorzubeugen.

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