Gelbfieberimpfung

Von , Ärztin
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Die Gelbfieberimpfung ist eine sichere Massnahme, um der unter Umständen tödlich verlaufenden Krankheit vorzubeugen. In der Regel ist sie gut verträglich. In einigen Ländern wird die Impfung für die Einreise zwingend vorgeschrieben. Reisende können sich in der Schweiz in offiziellen Gelbfieberimpfstellen immunisieren lassen. Erfahren Sie hier alles Wissenswerte zur Gelbfieberimpfung.

gelbfieber

Gelbfieberimpfung: Wer sollte geimpft werden?

Grundsätzlich ist eine Gelbfieberimpfung für die einheimische Bevölkerung in Gelbfieber-Endemiegebieten besonders wichtig, da ein hundertprozentiger Schutz vor der Übertragung durch Mückenstiche selbst bei grosser Achtsamkeit kaum gewährleistet werden kann. Wenn etwa 60 bis 90 Prozent der Bevölkerung eines Endemiegebietes geimpft sind, lassen sich Ausbrüche der Erkrankung verhindern.

Eine Impfung ist aber auch für Reisende wichtig, die in Gelbfieber-Endemiegebiete kommen. In einigen Ländern besteht sogar eine Impfvorschrift: Ohne einen entsprechenden Nachweis dürfen Sie ein solches Land nicht bereisen (auch kein Transit). Empfehlenswert ist die Impfung allerdings nicht nur für Länder, in denen sie vorgeschrieben ist, sondern für alle Länder mit einem potenziellen Gelbfieber-Infektionsrisiko. Für welche Länder eine Gelbfieberimpfung sinnvoll, beziehungsweise zwingend vorgeschrieben ist, erfahren Sie bei Ihrem Reisemediziner.

Ablauf der Gelbfieberimpfung

Die Gelbfieberimpfung ist eine aktive Impfung mit einem Lebendimpfstoff. Das bedeutet, dass dem Körper abgeschwächte Gelbfieber-Viren gespritzt werden. Dadurch, dass die Erreger abgeschwächt sind, können sie in der Regel kein Gelbfieber auslösen. Das Immunsystem des Patienten entwickelt in den Tagen nach der Gelbfieberimpfung Antikörper gegen die Viren und bekämpft diese. Dadurch "lernt" das körpereigene Abwehrsystem, die Gelbfieber-Viren zu vernichten. Eingesetzt wird der sogenannte 17D-Gelbfieber-Impfstoff, der bereits seit über 70 Jahren wirksam verwendet wird.

Wie oft wird geimpft?

Man geht davon aus, dass durch die Gelbfieberimpfung die Immunität gegen Gelbfieber ein Leben lang bestehen bleibt. Es reicht eine einzelne Impfdosis. Die meisten Patienten sind bereits zehn Tage nach der Gelbfieberimpfung immun. Sie sollte daher mindestens zehn Tage vor der Abreise durchgeführt werden. Bis 2016 hat die WHO Ländern, in denen eine aktuelle Impfung gegen Gelbfieber bei der Einreise vorgeschrieben war, Zeit gegeben, um anzuerkennen, dass eine einmalige dokumentierte Impfung lebenslangen Schutz bietet.

Länderspezifische Einreisebedingungen können sich jedoch ändern. Daher ist es wichtig, sich rechtzeitig vor einer geplanten Reise entsprechend zu erkundigen und die Impfung gegebenenfalls (alle zehn Jahre) auffrischen zu lassen.

Bei folgenden Personen kann es laut Experten ausserdem sinnvoll sein, die Impfung alle zehn Jahre zu wiederholen. Dazu gehören etwa:

  • Kinder, die bei der Erstimpfung unter zwei Jahre alt waren.
  • Frauen, die in der Schwangerschaft die Impfung erhalten haben.
  • HIV-Infizierte
  • Personen, die zeitgleich eine MMR-Impfung erhalten haben.

Wo wird geimpft?

Eine Besonderheit der Gelbfieberimpfung liegt darin, dass sie nur spezielle Ärzte und Impfzentren für Reisemedizin durchführen dürfen. Diese Ärzte, die meist Tropenmediziner sind, erhalten dafür eine Zertifizierung durch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dürfen anschliessend weltweit die Gelbfieberimpfung durchführen. Sie ist die einzige Impfung, die dieser speziellen Anforderung unterliegt.

Mögliche Nebenwirkungen der Gelbfieberimpfung

Viele Menschen fürchten bei Impfungen Nebenwirkungen oder Impfreaktionen. Gelbfieberimpfung-Nebenwirkungen sind glücklicherweise selten und der Gelbfieber-Impfstoff gilt als sicher und gut verträglich. Dennoch muss jeder Patient über potenzielle Gelbfieberimpfung-Nebenwirkungen vor der Impfung vom Arzt mündlich aufgeklärt werden.

Allgemein kann es nach drei bis vier Tagen nach einer Gelbfieberimpfung zu grippeähnlichen Symptomen kommen. Das liegt daran, dass der Gelbfieberimpfstoff abgeschwächte, aber grundsätzlich funktionsfähige Viren enthält.

Eine spezifische Gelbfieberimpfung-Nebenwirkung ist eine allergische Reaktion gegen Hühnereiweiss. Denn die Gelbfieberimpfung ist besonders reich an Hühnereiweiss und kann daher bei Menschen mit einer Hühnereiweissallergie zu schweren allergischen Reaktionen führen.

Wer darf nicht geimpft werden?

Bei Menschen mit einer Hühnereiweissallergie muss geklärt werden, ob die Impfung zwingend notwendig ist. Gegebenenfalls kann die Impfung dann unter besonderen Sicherheitsmassnahmen durchgeführt werden.

Da es sich um eine Lebendimpfung handelt, sollten auch Personen mit einer ausgeprägten Immunschwäche (zum Beispiel durch AIDS) nur in Ausnahmefällen geimpft werden. Denn ein normal funktionierendes Immunsystem ist wichtig, um den Impfschutz aufzubauen. Ausserdem kann eine Lebendimpfung bei einer Immunschwäche unvorhersehbare Folgen haben.

Bei Personen über 60 Jahren ist vorher ebenso der Nutzen und das Risiko der Impfung abzuwägen, da es in sehr seltenen Fällen zu schweren Impf-Nebenwirkungen kommen kann.

Nicht geimpft werden sollten ausserdem Frauen während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie Säuglinge unter neun Monaten.

Was passiert, wenn nicht geimpft werden kann?

Wenn aus medizinischen Gründen eine Gelbfieberimpfung nicht durchführbar ist, kann eine Impfbefreiung im internationalen Impfausweis eingetragen werden. Allerdings sind die Länder mit einer Impfpflicht nicht zur Anerkennung dieser Impfbefreiung verpflichtet. Das bedeutet, dass im schlechtesten Fall bei Einreise ins Zielland eine Pflicht zur Nachimpfung, Quarantäne oder gar eine Zurückweisung erfolgen kann.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Andreas Ploch
Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
A95
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Bundesamt für Gesundheit (BAG): Gelbfieber, unter: www.bag.admin.ch (Abruf: 17.11.2021)
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Gelbfieberimpfung und Gelbfieberimpfstellen, unter: www.sozialministerium.at (Abruf: 17.11.2021)
  • Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Impfplan Österreich 2021, unter: www.sozialministerium.at (Abruf: 17.11.2021)
  • Herold, G. et al.: Innere Medizin, 2017
  • Hof, H. & Dörries, R.: Duale Reihe Medizinische Mikrobiologie, Georg Thieme Verlag, 4. Auflage, 2009
  • Infovac - Die Informationsplattform für Impffragen: Aktuelle Änderung der Gelbfieberimpfempfehlung, unter: www.infovac.ch (Abruf: 17.11.2021)
  • Infovac - Die Informationsplattform für Impffragen: Gelbfieber, unter: www.infovac.ch (Abruf: 17.11.2021)
  • Privates Tropeninstitut Dr. Gontard GbR: "Gelbfieber", unter: https://tropeninstitut.de (Abruf: 30.12.2019)
  • Robert Koch-Institut: RKI-Ratgeber "Gelbfieber", unter: www.rki.de (Abruf: 17.11.2021)
  • Robert Koch-Institut: "Schutzimpfung gegen Gelbfieber: Häufig gestellte Fragen und Antworten" (Stand: 25.10.2016), unter: www.rki.de
  • Robert Koch-Institut: STIKO: Wissenschaftliche Begründung zur Änderung der Gelbfieber-Impfempfehlung aufgrund der Änderungen in den Regelungen der IGV zu Gelbfieber, unter: www.rki.de (Abruf: 17.11.2021)
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): Background Paper on Yellow Fever Vaccine, unter: www.who.int (Abruf: 17.11.2021)
  • Weltgesundheitsorganisation (WHO): "Yellow fever", unter: www.who.int (Abruf: 30.12.2019)
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