Schwanger nach Fehlgeburt

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Florian Tiefenböck

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

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Viele Frauen sind unsicher, wann es ihnen nach einer Fehlgeburt wieder möglich ist, schwanger zu werden. Auch drehen sich die Gedanken oft darum, ob die Schwangerschaft beim nächsten Mal problemlos verläuft. Noch grösser sind die Sorgen, wenn eine Frau bereits mehrere Fehlgeburten hatte. Hier erfahren Sie alles für eine gesunde Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt.

Schwangere mit Ultraschallbild

Wann kann man nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden?

Schwanger werden nach einer Fehlgeburt ist einer der grössten Wünsche vieler betroffener Frauen. Grundsätzlich ist das Risiko nach einer Fehlgeburt für einen erneuten Abort etwas höher. Aber: Nach einer einmaligen Fehlgeburt liegt die Wahrscheinlichkeit, dass eine erneute Schwangerschaft ohne Probleme verläuft, bei 85 Prozent.

Hatte eine Frau bereits zwei Fehlgeburten, beträgt laut Statistik das Risiko eines erneuten Aborts zwischen 19 und 35 Prozent. Nach drei Fehlgeburten steigt das Risiko auf 25 bis 46 Prozent. Die folgenden Informationen erklären, worauf es zu achten gilt, wenn Sie nach einer Fehlgeburt wieder schwanger werden wollen.

Schwanger nach Fehlgeburt: Welche Untersuchungen sind wichtig?

Bevor eine Frau nach einer Fehlgeburt erneut schwanger wird, sind einige Untersuchungen im Vorfeld ratsam. Dazu zählen neben der allgemeinen frauenärztlichen Untersuchung weitere umfangreiche Massnahmen:

Untersuchung des Erbguts

Sogenannte Chromosomen im Zellkern jeder Körperzelle tragen das Erbgut eines Menschen. Dieses wird an das Kind weitergegeben. Bestimmte Abweichungen im Erbgut steigern das Risiko für einen Abort. Humangenetiker untersuchen vor einer erneuten Schwangerschaft nach Fehlgeburt die väterlichen und mütterlichen Erbanlagen. Mediziner raten vor allem zu dieser Chromosomenanalyse, wenn es mehrmals zu einer Fehlgeburt gekommen ist.

Untersuchung des Hormonhaushalts

Schwankt der Gehalt bestimmter Hormone im Körper der Frau oder fehlt sogar ein bestimmtes Hormon, steigt das Risiko für eine Fehlgeburt. Eine besondere Rolle spielen Hormone des Zuckerstoffwechsels und der Schilddrüse. Erkrankungen wie eine Schilddrüsenüberfunktion oder Diabetes mellitus schränken unbehandelt möglicherweise die Fruchtbarkeit ein.

Um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen, ist es wichtig, dass diese Erkrankungen ärztlich behandelt werden. Genauso relevant für die Fruchtbarkeit nach einer Fehlgeburt ist die Bestimmung der weiblichen Geschlechtshormone. Dabei berücksichtigt der Arzt auch den Zyklus der Betroffenen.

Ausschluss von Infektionen

Um die Wahrscheinlichkeit für eine intakte Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt zu erhöhen, gilt es, Infektionen durch Viren, Bakterien oder Pilze auszuschliessen. Der Arzt entnimmt dazu einen Abstrich vom Gebärmutterhals und untersucht diesen auf Erreger. Zudem nimmt er Blut ab. Wird ein Erreger gefunden, so ist es wichtig, die Infektion vor einer erneuten Schwangerschaft zu behandeln.

Ultraschall

Ein weiterer Risikofaktor für eine Fehlgeburt sind Fehlbildungen der Gebärmutter. Diese lassen sich meist mit einer Ultraschalluntersuchung feststellen. Hat eine Frau bereits mehrere Fehlgeburten erlitten, so wird der Arzt die Gebärmutter durch die Scheide untersuchen (Hysteroskopie).

Anomalien der Gebärmutter lassen sich in der Regel gut operativ beheben. Dadurch erhöhen sich unter Umständen die Chancen, nach einer Fehlgeburt erfolgreich schwanger zu werden. Auch Fehlbildungen der Eierstöcke werden mittels Ultraschalls aufgedeckt.

Antikörpernachweis

Antikörper sind Eiweisse des Immunsystems. Sie wirken normalerweise gegen unerwünschte Eindringlinge. Es kommt jedoch vor, dass sie sich gegen körpereigene Strukturen richten. Dies wirkt sich unter Umständen auch auf eine Schwangerschaft aus: Die befruchtete Eizelle wird angegriffen, und es kommt zum Abort.

Das können Sie nach einer Fehlgeburt selbst tun

Nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden, ist grundsätzlich möglich. Dazu ist es hilfreich, auf einige Punkte zu achten.

Lassen Sie sich Zeit!

Läuft der Zyklus nach einer Fehlgeburt wieder normal ab, ist biologisch eine Schwangerschaft möglich. Ärzte raten jedoch davon ab, sofort nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden. Zum einen ist es wichtig, dass der Körper sich nach einem Abort richtig erholt. Zum anderen benötigen viele Frauen Zeit, um eine Fehlgeburt seelisch zu verarbeiten.

Eine gute seelische Verfassung wirkt sich positiv auf eine Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt aus.

Wann treten Eisprung und Periode nach einer Fehlgeburt wieder auf?

Theoretisch ist es schon im nächsten Monat nach einer Fehlgeburt möglich, dass sich der Zyklus mit Eisprung und Periode wieder normalisiert hat. Bei manchen Frauen dauert es aber auch etwas länger, bis sich Zyklus und die erste Periode nach einer Fehlgeburt wieder eingependelt haben. Eine erneute Schwangerschaft ist mitunter auch möglich, wenn noch kein Zyklus mit Periode aufgetreten ist.

Wann der beste Zeitpunkt ist, um es mit einer neuen Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt zu versuchen, sollten Sie am besten individuell mit Ihrem Arzt besprechen.

Vermeiden Sie Risiken

Es gibt einige vermeidbare Risikofaktoren für eine Fehlgeburt. Dazu zählen beispielsweise Rauchen und Alkohol. Auch von übermässiger körperlicher Belastung bei der Arbeit oder von Extremsport wird abgeraten. Sind Sie nach einer Fehlgeburt erneut schwanger, ist es ratsam, sich besonders konsequent an diese Empfehlung zu halten.

Schaffen Sie sich ein stabiles Umfeld

Bei einer Schwangerschaft nach einer Fehlgeburt haben betroffene Frauen oft Angst vor einem erneuten Abort. Reden Sie mit ihrem Partner oder guten Freunden über Ihre Bedenken. Manchen werdenden Müttern helfen auch Gespräche mit Hebammen und deren Vorbereitungskurse.

Gehen Sie regelmässig zu Ihrem Frauenarzt

Nehmen Sie die regelmässigen Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchungen wahr. Risiken wie Infekte lassen sich so frühzeitig erkennen und beseitigen. Nicht jede Blutung ist ein Anzeichen für eine Fehlgeburt. Aber jede Auffälligkeit ist ernst zu nehmen. Fragen Sie bei allen Beschwerden in der Schwangerschaft auf jeden Fall Ihren Arzt nach Rat.

Bei allen möglichen Risiken sollten Sie sich auf jeden Fall immer bewusst machen: Sie sind grundsätzlich in der Lage, nach einer Fehlgeburt wieder schwanger zu werden und ein gesundes Kind auf die Welt zu bringen.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Prof. Dr. med. Martin Kolben
Autor:

Florian Tiefenböck hat Humanmedizin an der LMU München studiert. Im März 2014 stieß er als Student zu NetDoktor und unterstützt die Redaktion seither mit medizinischen Fachbeiträgen. Nach Erhalt der ärztlichen Approbation und einer praktischen Tätigkeit in der Inneren Medizin am Uniklinikum Augsburg ist er seit Dezember 2019 festes Mitglied des NetDoktor-Teams und sichert unter anderem die medizinische Qualität der NetDoktor-Tools.

ICD-Codes:
O03O06
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
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