Dyskalkulie-Test

Von , Arzt
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Ein Dyskalkulie-Test ist ein wichtiger Bestandteil der Diagnostik einer Rechenschwäche. Die Basis bilden Rechentests und Tests zur Intelligenzbestimmung. Für die Diagnose Rechenschwäche muss unter anderem eine deutliche Diskrepanz zwischen Intelligenz und Rechenleistung bestehen. Die Testergebnisse werden auch zur Verlaufskontrolle verwendet. Lesen Sie hier alles Wichtige zum Thema Dyskalkulie-Test!

Dyskalkulie: Kinder an Rechenschieber

Was tun bei Verdacht auf Dyskalkulie?

Wenn eine Rechenschwäche und somit der Verdacht auf Dyskalkulie bestehen, hilft ein Dyskalkulie-Test bei der genauen Feststellung. Dazu gibt es eine Reihe komplexer Testverfahren („Testbatterien“). Sie werden nicht immer nur schriftlich, sondern teilweise auch als strukturierte Interviews – bei Kindern auch mit den Eltern – durchgeführt.

Insgesamt existiert ein breites Spektrum von alters- und bildungsspezifischen Rechenschwäche-Tests. Dies ist sehr wichtig, denn nur so werden die Leistungen eines Betroffenen anhand einer möglichst passenden Vergleichsgruppe beurteilt. Es gibt jedoch nicht für alle Altersstufen und Schulformen einen gut validierten Dyskalkulie-Test, der eine sichere Diagnose ermöglicht.

Für Erwachsene ist es manchmal schwierig, einen spezialisierten Arzt für Erwachsenenpsychiatrie und Psychotherapie zu finden. Hier ist es mitunter hilfreich, die Tests bei einem entsprechend zertifizierten Therapeuten durchzuführen. Dieser arbeitet dann die Ergebnisse in die Diagnostik des betreuenden Arztes ein.

Eine Liste mit akkreditierten Dyskalkulie-Diagnostikern finden Sie zum Beispiel auf der Webseite des Verbandes Dyslexie Schweiz.

Im Internet findet man eine Reihe von Online-Tests. Das Dyskalkulie-Testen ist jedoch sehr komplex und sollte daher Spezialisten überlassen werden. Nur so bekommt man eine korrekte Auswertung.

Weitere Bausteine der Diagnostik

Ein Dyskalkulie-Test allein reicht nicht, um festzustellen, ob ein Betroffener eine Rechenschwäche hat oder nicht. Weitere Bausteine der Dyskalkulie-Diagnostik sind ein diagnostisches Gespräch, bei Kindern mit Einbindung der Eltern und Lehrer, sowie eine körperliche Untersuchung.

Welche Tests gibt es?

Um die Rechenschwäche zu objektivieren und die Leistungen in verschiedenen Teilbereichen des mathematischen Denkens zu beurteilen, werden alters- und bildungsspezifische Tests durchgeführt.

Rechentest

Rechentests erfassen nicht nur den Schulstoff, sondern fragen auch allgemeine mathematische (Basis-)Fähigkeiten ab. Man unterscheidet dementsprechend Lehrplan-basierte und Kriterien-basierte Testverfahren. Beispiele sind Heidelberger Rechentest, DEMAT, BADYS, BASI MATH, ZAREKI-K, TEDI-MATH, spielerische Dyskalkulie-Tests und andere. Welcher Dyskalkulie-Test im Einzelfall am besten geeignet ist, entscheidet der betreuende Spezialist. Dieser beobachtet den Betroffenen beim Lösen der Aufgaben, um damit dessen Denk- und Lösungsmechanismen zu verstehen.

Mit einem Rechenschwäche-Test lassen sich die Schwächen und Stärken des Betroffenen identifizieren. Der betreuende Spezialist nutzt die Ergebnisse gezielt für eine individuelle Behandlung. Mit vielen dieser Dyskalkulie-Tests wird auch der Therapieverlauf überwacht und festgehalten.

IQ-Test

Bei Verdacht auf Dyskalkulie muss ein kompletter Test des Intelligenzquotienten (IQ) durchgeführt werden. Definitionsgemäss ist der IQ von 100 der von der Vergleichsgruppe erreichte Durchschnitt. Erzielt ein Betroffener einen IQ unter 100, ist dies schlechter als der Durchschnitt. Für die Diagnose Dyskalkulie sollte mindestens ein Intelligenzquotient von 70 vorliegen, anderenfalls lässt sich die Rechenschwäche durch eine niedrige Intelligenz erklären.

Gängige Intelligenztests sind der Wechsler-Intelligenztest (WI), der Hamburg-Wechsler-Intelligenztest (HAWIK), die Kaufmann-Assessment Battery for children und der Intelligenztest-Struktur-Test. Diese Tests untersuchen nicht nur den Gesamt-IQ, sondern unterscheiden zwischen sogenannten Teilleistungen. Dadurch ist es möglich, zwischen verschiedenen Kompetenzen wie Sprachverständnis oder Arbeitsgedächtnis zu differenzieren.

Weitere Tests

Es gibt eine Vielzahl weiterer Tests, um weitere Merkmale wie Aufmerksamkeit, Motivation oder psychischen Zustand zu prüfen. Diese Tests sind wichtig, da Dyskalkulie oft zusammen mit Aufmerksamkeitsdefizitsyndromen oder Lese-Rechtschreibschwächen auftritt. Die Testauswahl trifft der betreuende Spezialist.

Wer zahlt den Test?

Die Dyskalkulie-Abklärung bei Kindern und Jugendlichen, die auch einen Rechentest umfasst, wird durch vom Kanton bezeichnete Fachstellen durchgeführt. Solche Stellen sind beispielsweise schulpsychologische Dienste, Erziehungsberatungsstellen, kinder- und jugendpsychiatrische Dienste oder die klinische Logopädie der (Kinder-)Spitäler. Abklärungen werden auch durch Psychologen und Psychotherapeuten mit entsprechender Ausbildung in eigener Praxis durchgeführt.

Mehr Informationen: www.verband-dyslexie.ch

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Clemens Gödel

Clemens Gödel ist freier Mitarbeiter der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
F81
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Born, A. & Oehler, C.: Kinder mit Rechenschwäche erfolgreich fördern, 6. Auflage, Verlag W. Kohlhammer, 2020
  • Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., unter: www.bvl-legasthenie.de (Abruf: 20.12.2021)
  • Freesemann, O.: Schwache Rechnerinnen und Rechner fördern, Dortmunder Beiträge zur Entwicklung und Erforschung des Mathematikunterrichts, Springer Fachmedien Wiesbaden 2014
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  • Ise, E. & Schulte-Körne, G.: Symptomatik, Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung, Z. Kinder-Jugendpsychiatr. Psychother. 41 (4), 2013: 271-282
  • Jacobs, C. & Petermann, F.: Dyskalkulie – Forschungsstand und Perspektiven, Kindheit und Entwicklung 12 (4), 197-211, 2003: 97-211
  • Narimani, M. et al.: The effectiveness of training acceptance / commitment and training emotion regulation on high-risk behaviors of students with dyscalculia, Int J High Risk Behav Addict. 2013;2(2)
  • Price, G.R. & Ansari, D.: Developmental dyscalculia, Handbook of Clinical Neurology, Vol. III (3rd series), 2013: 241-244, Pediatric Neurology Part 1
  • S3-Leitlinie: Diagnostik und Behandlung der Rechenstörung. Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie e.V. (DGKJP), unter www.awmf.org (Stand: 25.02.2018)
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