Dupuytren-Kontraktur

Von , Ärztin
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Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

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Die Dupuytren-Kontraktur (auch Morbus Dupuytren, Dupuytrensche Kontraktur, Dupuytren-Krankheit) ist eine Erkrankung der Sehnen der Hand. Durch Verkürzungen der Sehnenstrukturen in der Hohlhand verlieren die Patienten die Fähigkeit, ihre Finger zu strecken. Mithilfe einer Operation lassen sich die Beschwerden verbessern. Oft treten die Symptome nach einer gewissen Zeit aber erneut auf. Lesen Sie hier alles über die Symptome und Behandlung der Dupuytren-Kontraktur!

Dupuytren-Kontraktur Handinnenfläche

Kurzübersicht

  • Behandlung: Je nach Schweregrad Operation
  • Ursachen und Risikofaktoren: Genetische Faktoren, kommt häufiger bei bestimmten Krankheiten wie Diabetes mellitus, Leberzirrhose oder Epilepsie vor
  • Krankheitsverlauf und Prognose:Krankheit schreitet im Einzelfall unterschiedlich schnell voran, erneutes Auftreten nach Operation ist möglich
  • Symptome: Verhärtungen in der Handfläche unterhalb von Ringfinger und kleinem Finger, gebeugte Fingerstellung, je nach Schweregrad ist eine Streckung der Finger nicht mehr möglich
  • Untersuchung und Diagnose: Anamnese, Tastuntersuchung

Was ist eine Dupuytren-Kontraktur?

Die Dupuytren-Kontraktur ist eine Erkrankung der Handsehnen, die nach Guillaume Dupuytren benannt wurde. Der französische Arzt berichtete im Jahr 1831 erstmals seinen Studenten von der Krankheit. Betroffen von der Dupuytren-Kontraktur sind hauptsächlich Männer jenseits des 50. Lebensjahrs.

Bei Frauen verläuft die Krankheit insgesamt milder und tritt erst im höheren Alter auf. Morbus Dupuytren ist vor allem bei Menschen mit nordeuropäischer Herkunft verbreitet.

Das Wort Kontraktur kommt von dem lateinischen "contrahere", das so viel heisst wie "zusammenziehen". Es beschreibt in der Medizin die Verkürzung oder Schrumpfung von Strukturen, zum Beispiel Muskeln oder Sehnen. Diese Veränderung schränkt die Beweglichkeit in den Gelenken ein.

Die Dupuytren-Kontraktur beschreibt ein Krankheitsbild an den Händen. Ähnliche Erkrankungen kommen am Fuss oder am Penis vor. Sie heissen dann Morbus Ledderhose (am Fuss) oder Induratio penis plastica (am Penis).

Was lässt sich gegen eine Dupuytren-Kontraktur machen?

Die Behandlung der Wahl ist die Morbus-Dupuytren-Operation. Es ist jedoch ratsam, diese nicht zu früh im Anfangsstadium durchzuführen. Zu einer Dupuytren-OP raten Ärzte, wenn es dem Patienten nicht mehr möglich ist, die betroffene Hand flach auf den Tisch zu legen. Dieser Zustand ist meistens im Stadium 1 bis 2 erreicht, also bei Kontrakturen über 30 Grad.

Eine konservative Behandlung, also die nicht-operative Therapie von Morbus-Dupuytren, etwa durch Übungen, erzielt bei der Dupuytren-Kontraktur keine nachweisbaren Erfolge. Durch alleinige Massagen oder Krankengymnastik lässt sich das Fortschreiten der Krankheit nicht aufhalten.

Auch eine Behandlung mit Salben oder alternative Behandlungsmethoden, etwa aus der Naturheilkunde, bringen keine Erfolge.

Operation

Bei der Dupuytren-Operation wird der verkürzte flächige Sehnenbereich (Aponeurose) der Handinnenfläche zickzackförmig gespalten. Diese Technik macht es möglich, dass keine oder wenig Narben durch die Operation entstehen. Ziel der Operation ist es, das gesamte verkürzte Gewebe zu entfernen.

Hauptziel der Operation ist die Wiederherstellung der Beweglichkeit der Hand und nicht die Heilung der Krankheit. Als Nebenwirkung der Operation kommen Schäden an Blutgefässen und Nerven vor.

Dupuytren-Behandlung nach einer Operation

Nach der Operation wird die Hand etwa fünf Tage lang durch eine Unterarmgipsschiene ruhiggestellt. Nach etwa zwei Wochen werden die Fäden gezogen. Wichtig ist, dass Betroffene früh nach dem Eingriff mit Rehabilitationsmassnahmen wie Ergotherapie und Physiotherapie beginnen, um die Beweglichkeit der Hand zu gewährleisten.

Bei einigen Patienten entwickelt sich ein Morbus Sudeck, eine schmerzhafte Funktionsstörung der Hand.

Ziele der postoperativen Dupuytren-Handtherapie sind:

  • Verhinderung oder Linderung von Ödemen, Kontrakturen und Wundheilungsstörungen
  • Erhalt der Streckfähigkeit, die durch die Dupuytren-Operation erreicht wurde
  • Schmerzreduktion bis Schmerzfreiheit
  • Wiederherstellung einer normalen Beweglichkeit und Kraft mit Stärkung der Funktionen wie etwa Greifen
  • Stärkung der Alltagsbewältigung und Erreichen einer normalen Arbeitsfähigkeit

Woher kommt eine Dupuytren-Kontraktur?

Die genaue Ursache der Dupuytren-Kontraktur ist bislang nicht bekannt. Es wird vermutet, dass genetische Einflüsse eine Rolle bei der Entstehung spielen. Wahrscheinlich beeinflussen die Gene auch den Verlauf der Erkrankung. So verläuft Morbus Dupuytren bei einigen Menschen deutlich schneller und stärker als bei anderen.

Neben der genetischen Komponente haben weitere Erkrankungen bei der Entstehung und dem Verlauf der Dupuytren-Kontraktur eine Bedeutung. Viele Patienten leiden zugleich an Diabetes mellitus. Auch Alkoholmissbrauch, Rauchen oder Krankheiten wie Epilepsie gehen häufiger mit der Dupuytren-Kontraktur ein.

Kann man durch eine Dupuytren-Kontraktur berufsunfähig werden?

Die Dupuytren-Kontraktur nimmt bei verschiedenen Patienten unterschiedliche Verläufe. In der Regel beginnt die Erkrankung mit einer Verhärtung der Handinnenfläche. Diese besteht mitunter über Monate bis Jahre ohne weitere Veränderungen. Anschliessend folgen meistens Einziehungen der Haut und Probleme bei der Fingerstreckung.

Bei einigen Patienten verläuft die Dupuytren-Kontraktur deutlich schneller als bei anderen. Auch nach erfolgreicher operativer Therapie besteht das Risiko, dass die Dupuytren-Kontraktur nach Jahren erneut auftritt.

In vielen Fällen lässt sich durch eine Operation die Funktionsfähigkeit der Hand wieder ausreichend herstellen, sodass es nicht zu einer Berufsunfähigkeit kommt. Die Einschätzung zur Berufsunfähigkeit hängt jedoch vom Schweregrad im Einzelfall ab.

Wie äussert sich eine Dupuytren-Kontraktur?

In der Regel verläuft die Dupuytren-Krankheit schmerzlos. Die Patienten bemerken zunächst am Ringfinger und kleinen Finger strangförmige Verhärtungen. Mit der Zeit verkürzen sich die Beugesehnen der betroffenen Finger. Dadurch sind die Finger in der Beugestellung fixiert. Patienten gelingt es immer schlechter, die Finger zu strecken.

Ausserdem vernarbt die Hohlhandfaszie (Palmaraponeurose), sodass sich auf der Handinnenfläche kleine Knoten tasten lassen.

Die Dupuytren-Kontraktur betrifft häufig beide Hände. Dabei ist die Ausprägung der Kontrakturen an den Händen mitunter unterschiedlich.

Wie erkennt man eine Dupuytren-Kontraktur?

Sollten Sie Spannungen in der Hohlhand spüren und Probleme beim Bewegen, insbesondere beim Strecken der Finger, haben, suchen Sie einen Facharzt für Orthopädie auf. Dieser befragt Sie beim Verdacht auf Morbus Dupuytren zunächst ausführlich nach Ihrer Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei stellt er gegebenenfalls folgende Fragen:

  • Haben Sie Einschränkungen beim Bewegen der Hände?
  • Seit wann bestehen die Beschwerden?
  • Sind beide Hände von den Beschwerden betroffen?
  • Ist ein Blutsverwandter von Ihnen an der Dupuytren-Krankheit erkrankt?

Anschliessend untersucht Ihr Arzt Sie körperlich. Er schaut sich Ihre Hände an, um mögliche Einziehungen der Haut festzustellen. Danach tastet er Ihre Handinnenfläche ab, um knotige Veränderungen oder Verhärtungen auf der Handfläche oder entlang der Fingerbeugeseiten zu erspüren.

Er bewegt Ihre Finger nacheinander, um die Stärke der Bewegungseinschränkungen zu beurteilen.

Dupuytren-Kontraktur: Stadieneinteilung

Die Dupuytrensche Kontraktur wird in verschiedene Stadien eingeteilt. Eine gängige Klassifikation ist die nach Tubiana. Sie erfasst die Stärken der Kontrakturen aller Finger und wird wie folgt eingeteilt:

  • Stadium 0: keine Beschwerden
  • Stadium 1: Kontrakturen zwischen 0 und 45 Grad
  • Stadium 2: Kontrakturen zwischen 45 und 90 Grad
  • Stadium 3: Kontrakturen zwischen 90 und 135 Grad
  • Stadium 4: Kontrakturen über 135 Grad

Ähnliche Krankheitsbilder

Von einer möglichen Dupuytren-Krankheit muss der Arzt andere Erkrankungen abgrenzen. Dazu zählen unter anderem:

  • Kallus (Neubildung von Knochensubstanz, zum Beispiel nach einem Bruch)
  • Zysten (mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume)
  • Rheumatoide Arthritis ("Gelenkrheuma")
  • Sogenannte intrinsische Kontrakturen (vom Gelenk oder der Gelenkhaut ausgehend, nicht von den Sehnen oder Muskeln)
  • Überbeine in der Handinnenfläche (palmare Ganglien)
  • Sehnenscheidenentzündung (Tendosynovitis)
  • Geschwulst (Tumor)

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Autor:
Mareike Müller
Mareike Müller

Mareike Müller ist freie Autorin in der NetDoktor-Medizinredaktion und Assistenzärztin für Neurochirurgie in Düsseldorf. Sie studierte Humanmedizin in Magdeburg und sammelte viel praktische medizinische Erfahrung während ihrer Auslandsaufenthalte auf vier verschiedenen Kontinenten.

ICD-Codes:
M72
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Koesling, C., Bollinger Herzka, T.: Ergotherapie in der Orthopädie, Traumatologie und Rheumatologie. Thieme Verlag, 2. Auflage 2018
  • Kopp, J., Horch, R. E.: Morbus Dupuytren – Diagnostik und Therapie. Chirurgische Allgemeine (CHAZ), 2003, Jahrgang 4, Nr. 5 & 6
  • Müller, M. et al.: Orthopädie und Unfallchirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste, 3. Auflage 2019
  • Niethardt, F. U., Pfeil, J.: Duale Reihe Orthopädie. Thieme Verlag, 9. Auflage 2022
  • Universitätsklinikum Heidelberg, unter: www.klinikum.uni-heidelberg.de (Abrufdatum: 15.02.2022)
  • Universitätsklinikum Münster, unter: www.klinikum.uni-muenster.de (Abrufdatum: 15.02.2022)
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