Drei-Tage-Fieber

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Dr. med. Mira Seidel

Dr. med. Mira Seidel ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

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Das Drei-Tage-Fieber (Exanthema subitum) ist eine akut auftretende, hochansteckende Viruserkrankung, die durch Herpesviren ausgelöst wird. Kennzeichnend ist plötzlich ansteigendes, hohes Fieber, das drei bis vier Tage andauert. Anschliessend bildet sich ein Hautausschlag, der nach einigen Tagen wieder verschwindet. Erfahren Sie hier mehr über das Drei-Tage-Fieber.

Kinderkrankheit Drei-Tage-Fieber

Kurzübersicht

  • Symptome: Plötzlich auftretendes, rund drei (selten fünf) Tage anhaltendes Fieber, nach Fieber-Rückgang feinfleckiger hellroter Ausschlag am ganzen Körper, selten Lidschwellung, Darmentzündung, Husten, manchmal Fieberkrämpfe, selten beim Erwachsenen grippeähnlich
  • Ursachen und Risikofaktoren: Hochansteckende Viruserkrankung durch Humanes Herpesvirus 6 oder 7 (HHV-6, HHV-7), Ansteckung durch Speichel, Tröpfcheninfektion möglich, selten andere Übertragung, Gesunde oft Überträger
  • Diagnose: Anhand der typischen Symptome, Blutuntersuchung auf Antikörper möglich, eventuell molekularbiologischer Nachweis mittels PCR (Polymerasekettenreaktion)
  • Behandlung: In der Regel nicht erforderlich, wenn notwendig: Behandlung der Symptome, Fiebersenken mit Wadenwickel oder Paracetamol, viel trinken, bei Fieberkrämpfen Arzt konsultieren
  • Prognose: In der Regel gut, Krankheit verschwindet oft so schnell wie sie gekommen ist, nur selten Komplikationen

Was ist Drei-Tage-Fieber?

Das Drei-Tage-Fieber (auch: Dreitagefieber beziehungsweise 3-Tage-Fieber), das auch die Namen Roseola infantum, Dreitagefieberexanthem, Exanthema subitum oder "Sechste Krankheit" trägt, ist eine meist harmlos verlaufende Virusinfektion mit einem Herpesvirus – genauer gesagt mit dem Humanen Herpesvirus 6 (HHV-6) und mit dem Humanen Herpesvirus 7 (HHV-7).

Es tritt bei Babys und Kindern vorwiegend zwischen dem sechsten und 24. Monat auf. Im dritten Lebensjahr sind nahezu alle Kinder mit dem Virus in Kontakt gekommen. Das Drei-Tages-Fieber tritt nicht saisonal auf, Kinder infizierten sich ganzjährig damit.

Wie der Name verrät, geht es in vielen Fällen mit einem rund drei Tage dauernden Fieber und einem Hautausschlag einher.

Drei-Tage-Fieber beim Baby

Bei der Geburt werden die Antikörper der Mutter passiv auf das Neugeborene übertragen, die in den ersten Lebensmonaten einen eingeschränkten Nestschutz vor dem Drei-Tage-Fieber bieten. Vor dem dritten Lebensmonat tritt das Drei-Tage-Fieber deswegen nur sehr selten auf.

Drei-Tage-Fieber bei Erwachsenen

Das Drei-Tage-Fieber tritt bei Erwachsenen selten auf – die meisten haben bereits im Säuglingsalter die Erkrankung durchgemacht. Wenn, dann äussert es sich durch grippeähnliche Symptome, vergleichbar mit denen des Pfeifferschen Drüsenfiebers (Mononukleose).

Bei Erwachsenen mit geschwächtem Immunsystem ist eine sogenannte Pneumonitis möglich, bei der sich die Lunge chronisch entzündet.

Wie bei jeder Infektion mit Herpesviren bleiben die Viren lebenslang im Körper. Mediziner nennen das eine latente Infektion. Diese wird jedoch unter Umständen wieder aktiv – allerdings nur in sehr seltenen Fällen, wenn das Immunsystem stark beeinträchtigt ist, beispielsweise nach einer Immunsupression wegen einer Organtransplantation oder nach dem Empfang einer Knochenmarkstransplantation.

Wie äussert sich Drei-Tage-Fieber?

Die typischen Symptome beim Drei-Tage-Fieber sind plötzlich ansteigende Temperaturen von 39 Grad Celsius bis 41 Grad Celsius – ohne erkennbare Ursache. Wie der Name verrät, dauert das Fieber circa drei Tage. Bei einigen Kindern hält das Fieber bis zu fünf Tagen an, dann sinkt die Temperatur innerhalb von wenigen Stunden wieder auf den Normalwert.

Ausschlag

Nachdem das Fieber abgeklungen ist, entwickelt sich bei rund einem Viertel der Betroffenen sehr schnell (subito) ein feinfleckiger hellroter Ausschlag (Exanthem) am ganzen Körper. Der Ausschlag beim Drei-Tage-Fieber betrifft vor allem den Körperstamm und den Nacken. Die Flecken vereinigen sich in manchen Fällen und werden damit grösser.

Später ist es möglich, das sich der Ausschlag auf Arme und Beine ausbreitet. Des Weiteren tritt er auf den Schleimhäuten, vorwiegend auf dem weichen Gaumen auf.

In vielen Fällen verschwindet der Drei-Tage-Fieber-Hautausschlag so schlagartig, wie er gekommen ist, das heisst in wenigen Stunden bis höchstens zwei Tagen.

Andere Symptome

Neben dem Fieber und dem Hautausschlag zeigen manche Kinder auch andere Symptome, diese klingen aber normalerweise wieder ab, sobald der Ausschlag verschwunden ist:

  • Lidschwellungen
  • Gerötete Trommelfelle
  • Darmentzündung
  • Husten
  • Geschwollene Halslymphknoten
  • Vorgewölbte Fontanelle (beim Säugling)

Bei älteren Kindern ähnelt das Drei-Tage-Fieber – wie auch bei Erwachsenen – oft dem Pfeifferschen Drüsenfieber.

Fieberkrampf

In rund einem Drittel der Fälle einer Infektion ist das Drei-Tage-Fieber auch von einem Fieberkrampf begleitet. Dabei verliert das Kind das Bewusstsein und zuckt mit beiden Armen und Beinen. Das sieht sehr beunruhigend aus, meist hört der Fieberkrampf aber nach wenigen Minuten wieder auf und bleibt ohne Folgen. Trotzdem sollte nach einem solchen Vorfall dringend der Kinderarzt konsultiert werden.

In sehr seltenen Fällen kommt es beim Drei-Tage-Fieber zu Komplikationen wie einer Hirnhautentzündung, Lungenentzündung, Leberentzündung oder einer Netzhautentzündung.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Erreger des Dreitagefiebers sind Herpesviren (humanes Herpesvirus Typ 6, seltener Typ 7). Beim Herpesvirus Typ 6 (HHV-6) gibt es die zwei Untergruppen (Serotypen) A und B, wobei nur die B-Variante Krankheitswert hat. Etwa zehn bis 30 Prozent der Erkrankungen werden vom HHV-7 verursacht.

Unterschiedlich ist bei den beiden Erregern das durchschnittliche Erkrankungsalter. Während HHV-6 vor allem um den neunten Lebensmonat herum zum Drei-Tage-Fieber führt, löst HHV-7 deutlich später um den 26. Lebensmonat die Krankheit aus.

Wie ansteckend ist Drei-Tage-Fieber?

Das Herpesvirus wird vorwiegend über den Speichel übertragen – damit ist das Drei-Tage-Fieber in hohem Masse ansteckend. Möglicherweise überträgt sich das Virus über eine Tröpfcheninfektion beim Niesen, Husten oder Sprechen. Auch gesunde Kinder und Erwachsene, die mit dem Virus in Kontakt gekommen sind, sind mögliche Überträger.

Sehr selten kommt eine Ansteckung durch Organtransplantation, Bluttransfusionen, Geschlechtsverkehr oder die Muttermilch vor. Hat sich das Kind infiziert, bricht das Drei-Tage-Fieber etwa nach fünf bis fünfzehn Tagen (manchmal bis zu 17 Tagen) aus (Inkubationszeit).

Nach dem Abklingen der Symptome, also nach dem Fieber und dem Verschwinden des Hautausschlages, sind die Kinder oft zwar noch einige Tage erschöpft und quengelig, aber in der Regel nicht mehr ansteckend.

Während der akuten Krankheitssymptome ist es ratsam, Besuche zu vermeiden. In eine Kita etwa geht das Kind nach überstandener Infektion idealerweise erst wieder symptomlos und fit.

Untersuchungen und Diagnose

Bei jedem Infekt mit hohem Fieber und unklarer Ursache bei Ihrem Kind ist es ratsam, einen Arzt für Kinder- und Jugendheilkunde aufzusuchen, um ernste Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Vor allem, wenn es länger als drei Tage fiebert, sich sehr krank fühlt oder sehr hohes Fieber hat.

Um zu diagnostizieren, ob ein Drei-Tage-Fieber vorliegt, wird der Arzt Sie genau zur Krankengeschichte befragen und anschliessend eine ausführliche Untersuchung durchführen. Mögliche Fragen des Arztes sind:

  • Wann und wie schnell ist das Fieber aufgetreten?
  • Wie hoch ist das Fieber? Wann haben Sie das letzte Mal Fieber gemessen?
  • Seit wann haben Sie den Hautausschlag beobachtet?
  • Kratzt das Kind sich am Ausschlag?
  • Haben Sie einen Fieberkrampf beobachtet? War das Kind dabei bei Bewusstsein? Beschreiben Sie den Vorfall genau.

Bei einem typischen Verlauf lässt sich das Drei-Tage-Fieber anhand der Symptome eindeutig diagnostizieren. In manchen Fällen wird der Arzt zur besseren Diagnostik, etwa bei untypischem Verlauf, das Blut untersuchen. Im Blutbild zeigen sich während der Fieberphase erhöhte weisse Blutkörperchen (Leukozytose). Sobald das Fieber abklingt und der Ausschlag auftritt, zeigen sich im Blutbild daraufhin erniedrigte weisse Blutkörperchen (Leukopenie).

Genauer ist das Drei-Tages-Fieber mit dem Nachweis von spezifischen IgM-Antikörpern oder von HHV-IgG-Antikörpern mit speziellen Tests zu diagnostizieren. Der HHV-6-Nachweis in Blut, Urin, Speichel und Nervenwasser erfolgt mit der Polymerasekettenreaktion (PCR).

Dabei muss ein positiver Befund immer zusammen mit den Symptomen interpretiert werden. Denn Spuren der Viren sind auch bei Menschen nachweisbar, die die Erkrankung bereits durchgemacht haben.

Bei einem Fieberkrampf wird es eventuell nötig, eine Hirnhautentzündung (Meningitis) auszuschliessen, auch wenn diese selten vorkommt. Dabei führt der Arzt eine Lumbalpunktion durch, bei der er Nervenwasser aus dem Spinalkanal (Rückenmarkskanal) entnimmt.

Ähnliche Erkrankungen

Es ist wichtig, das Drei-Tage-Fieber mit seinem typischen Verlauf zu kennen, um es von anderen ähnlichen Krankheiten, die Fieber oder Ausschlag auslösen, zu unterscheiden. Dies gilt insbesondere für Masern, Röteln und allergische Hautreaktionen auf Medikamente (Arzneimittel-Exanthem).

Das Drei-Tage-Fieber beginnt beispielsweise nicht mit den Symptomen Husten, Schnupfen und Lichtempfindlichkeit, wie es bei Masern der Fall ist.

Bei Masern steigt die Körpertemperatur im Gegensatz zum Drei-Tage-Fieber an, wenn der Ausschlag beginnt. Beim Drei-Tage-Fieber hingegen sinkt die Körpertemperatur wieder auf den normalen Wert, wenn das Kind den Ausschlag bekommt.

Der typische Hautausschlag beim Drei-Tage-Fieber breitet sich zuerst am Rumpf und nur selten auf das Gesicht aus. Bei Masern und Röteln ist es genau umgekehrt.

Behandlung

Das Drei-Tage-Fieber wird rein symptomatisch behandelt. Steigt beim Drei-Tage-Fieber die Temperatur über 38,5 Grad Celsius, hilft es, wenn Sie Ihrem Kind Bauch- oder Wadenwickel machen oder ihm nach Absprache mit dem Kinderarzt fiebersenkende Medikamente wie Paracetamol geben. Kinder mit Drei-Tage-Fieber fühlen sich dann meist besser.

Auch wenig Bekleidung (zum Beispiel nur Windel und Body) hilft, die Körpertemperatur zu regulieren. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind ausreichend trinkt, denn durch das Fieber verlieren vor allem Babys und Kleinkinder viel Flüssigkeit.

Fieberkrämpfe sind vermutlich die Folge der plötzlichen Temperaturerhöhung. Treten sie auf, sollten Sie Ihr Kind auf den Boden legen, damit es ungehindert atmet und sich nicht verletzt. Rufen Sie sofort Ihren Arzt an und berichten Sie von dem Vorfall, auch wenn der Anfall nur kurz war und sich das Kind anschliessend wieder erholt hat. Eventuell empfiehlt er, das Kind stationär im Krankenhaus behandeln zu lassen.

Generell gilt: Konsultieren Sie Ihren Kinderarzt, wenn das Kind länger als drei Tage fiebert, sich sehr krank fühlt oder sehr hohes Fieber hat.

Krankheitsverlauf und Prognose

Die Prognose ist beim Drei-Tage-Fieber günstig. Es geht meist schnell vorüber und die Kinder erholen sich rasch, nachdem das Fieber abgeklungen ist. Bei vielen nimmt die Krankheit nicht den typischen, beschriebenen Verlauf. Die Virusinfektion löst nur eine abgeschwächte Form des Drei-Tage-Fiebers aus, die oft sogar unbemerkt bleibt.

Tritt ein Fieberkrampf auf, wird dies oft als lebensbedrohlich empfunden. Aber: Ein Fieberkrampf zählt nicht zu den Epilepsien und hinterlässt keine Dauerschäden beim Kind.

Bis zum Ende des zweiten Lebensjahrs haben fast alle Kinder diese Virusinfektion durchgemacht – bemerkt oder unbemerkt. In der Regel hinterlässt das Drei-Tage-Fieber eine lebenslange Immunität – Ausnahmen sind Extremsituationen für das Immunsystem, etwa eine Organtransplantation. Dann ist es möglich, dass das Drei-Tage-Fieber mehrmals auftritt.

Komplikationen treten beim Drei-Tage-Fieber nur selten auf.

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Petra May
Autor:
Dr. med. Mira Seidel
Dr. med.  Mira Seidel

Dr. med. Mira Seidel ist freie Autorin der NetDoktor-Medizinredaktion.

ICD-Codes:
B08
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Doerr, H. & Gerlich, W.: Medizinische Virologie. Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Hofmann, F. & Tiller, F.: Praktische Infektiologie: Erreger, Diagnose, Therapie, Prävention. Ecomed Medizin, 3. Auflage, 2011
  • Siegenthaler, W.: Siegenthalers Differenzialdiagnose: Innere Krankheiten – vom Symptom zur Diagnose. Georg Thieme Verlag, 21. Auflage, 2017
  • Sitzmann, F. C.: Pädiatrie, Duale Reihe. Georg Thieme Verlag, 5. Auflage, 2018
  • Speer, C. & Gahr, M.: Pädiatrie. Springer Verlag, 5. Auflage, 2020
  • Traupe, H. & Hamm, H.: Pädiatrische Dermatologie. Springer Verlag, 2. Auflage, 2006
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