Vaskuläre Demenz

Von , Medizinredakteurin und Biologin
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

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Die vaskuläre Demenz entwickelt sich als Folge von Durchblutungsstörungen im Gehirn. Sie ist nicht immer klar von anderen Formen der Demenz zu unterscheiden, da auch Mischformen vorkommen – so etwa die Multiinfarktdemenz. Das ist eine durch mehrere und meist sehr kleine Blutgerinnsel im Gehirn ausgelöste Form der Demenz. Erfahren Sie hier mehr über die vaskuläre Demenz: Ursachen, Symptome, Diagnose, Therapie und Prognose!

Vaskuläre Demenz

Vaskuläre Demenz: Beschreibung

Eine "Vaskuläre Demenz" entsteht durch eine gestörte Blutversorgung des Hirngewebes. Je nach Mechanismus dieser Durchblutungsstörung unterscheiden Mediziner verschiedene Formen von vaskulärer Demenz. Demnach gibt es zum Beispiel die Multiinfarktdemenz, die durch mehrere kleine Hirninfarkte (ischämische Schlaganfälle) entsteht. Weitere Formen sind die Subkortikale vaskuläre Demenz und die Gemischte (kortikale und subkortikale) vaskuläre Demenz.

Die vaskuläre Demenz macht etwa zehn bis 15 Prozent aller Demenzerkrankungen aus. Weitere ungefähr 20 Prozent entfallen auf Mischformen der vaskulären und der Alzheimer-Demenz.

Vaskuläre Demenz: Symptome

Menschen mit vaskulärer Demenz fällt es schwer, zusammenhängend zu sprechen, aufmerksam zuzuhören und sich zu orientieren. Sie wirken dadurch oft verwirrt. Es treten auch Antriebs- und Konzentrationsstörungen sowie Stimmungsschwankungen auf. Letztere können sich etwa dadurch äussern, dass die Betroffenen sehr schnell zwischen Lachen und Weinen (oft ohne entsprechende Emotion) wechseln.

Die vaskuläre Demenz geht auch mit fokal-neurologischen Ausfällen einher (bedingt durch die Hirninfarkte): So können zum Beispiel Halbseitenlähmung, Gangstörung und gesteigerte Muskeleigenreflexe auftreten. Auch Störungen der Blasenentleerung (Miktionsstörungen) in Form von zwingendem (imperativem) Harndrang oder Inkontinenz sind möglich.

Persönlichkeit und Sozialverhalten werden durch die vaskuläre Demenz nicht beeinträchtigt. Gedächtnisleistungen sind von der Erkrankung oft nur gering betroffen – ganz anders als bei Alzheimer, der häufigsten Form von Demenz.

Vaskuläre Demenz: Ursachen und Risikofaktoren

Eine vaskuläre Demenz entsteht durch eine Minderdurchblutung im Gehirn (zerebrale Ischämie), die Nervenzellen absterben lässt. Verschiedene Mechanismen können eine solche Ischämie auslösen:

Die klassische Form von vaskulärer Demenz ist die Multiinfarktdemenz: Sie entsteht, wenn gleichzeitig oder zeitlich versetzt mehrere Hirninfarkte (ischämische Schlaganfälle) auftreten und dabei eine kritische Masse an Nervengewebe absterben lassen.

In anderen Fällen wird die vaskuläre Demenz durch einen einzelnen, manchmal auch nur kleinen Infarkt an einer strategisch wichtigen Stelle (wie dem Thalamus) verursacht, der zu einer Unterbrechung von Leitungsbahnen führt. Mediziner sprechen hier von "strategic infarct dementia".

Die Durchblutungsstörung kann auch durch eine Verdickung der Wände von kleinen Blutgefässen bedingt sein, die tiefer liegende Hirnbereiche mit Blut versorgen. Es kommt in der Folge zu kleinen Infarkten (Lakunen) und einer Schädigung von Nervenfasern (Marklagerschäden). Mediziner sprechen von der subkortikalen vaskulären Enzephalopathie (SVE).

Bei einigen Patienten ist die vaskuläre Demenz die Folge von kleineren oder grösseren Hirnblutungen (nach Hirninfarkten die zweite grosse Gruppe von Schlaganfall). Dann spricht man von "haemorrhagic dementia".

Daneben gibt es noch weitere, seltenere Formen der vaskulären Demenz.

Vaskuläre Demenz: Risikofaktoren

Verschiedene Faktoren begünstigen eine vaskuläre Demenz. Dazu zählen zum Beispiel Bluthochdruck, Herzerkrankungen, Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), erhöhter Cholesterinspiegel, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen.

Vaskuläre Demenz: Diagnose

Bei Verdacht auf eine vaskuläre Demenz (oder eine andere Art der Demenz) wird der Arzt zuerst im Gespräch mit dem Patienten und oft auch mit Angehörigen die Krankengeschichte erheben (Anamnese):

Er lässt sich die Beschwerden schildern und fragt nach aktuellen oder früheren Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Erkrankungen der Hirngefässe, Bluthochdruck, erhöhten Blutfettwerten und Diabetes. Er erkundigt sich auch nach dem Nikotin- und Alkoholkonsum des Patienten. Ausserdem fragt der Arzt, in welchem Ausmass der Patient körperlich aktiv ist und ob er irgendwelche Medikamente einnimmt.

Körperliche Untersuchung

Auf das Anamnesegesräch folgt die körperliche Untersuchung. Bei Verdacht auf eine vaskuläre Demenz prüft der Arzt besonders sorgfältig den Herz-Kreislauf-Status (Blutdruck, Herzaktion, Herzgeräusche, Herzgrösse etc.) und den neurologischen Status (Tast- und Gleichgewichtssinn, Koordination, Motorik und Kraft sowie Reflexe).

Neuropsychologische Untersuchung

Besonders wichtig für die Diagnose Vaskuläre Demenz ist auch die neuropsychologische Untersuchung. Dabei werden verschiedene Tests durchgeführt, um die Hirnleistungsstörung erfassen zu können ("Demenztests" wie Uhrentest, MMST und DemTect). Solche Defizite sind bei vaskulärer Demenz aber sehr uneinheitlich.

Bildgebung

Bildgebende Untersuchungen wie Computertomografie (CT) und Kernsprintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) sind wichtig, um andere Ursachen für die Symptome auszuschliessen. Das können zum Beispiel Hirntumore, Hirnblutungen oder ein "Wasserkopf" (Hydrozephalus) sein. Charakteristische Gewebeveränderungen können auch darauf hinweisen, welche vaskuläre Demenz-Variante vorliegt, also zum Beispiel eine Multiinfarktdemenz oder eine Demenz infolge eines Infarkts in wichtigen Hirnschaltstellen (strategischer Infarkt).

Eine Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Blutgefässe kann eventuelle Verengungen (Stenosen) und Verschlüsse aufzeigen.

Labortests

Routinemässig wird bei Verdacht auf eine vaskuläre Demenz auch eine Blutprobe des Patienten untersucht. Parameter wie Blutsalze (Elektrolyte), Blutzucker und Leberwerte sind wichtig, um Risikofaktoren für Gefässschäden zu erkennen, die man medizinisch behandeln kann. Ausserdem lassen sich anhand der Blutuntersuchungen andere Demenz-Ursachen (wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder eine Leberfunktionsstörung) erkennen.

Bleiben die Befunde uneindeutig, wird auch eine Probe der Hirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus der Lebenwirbelsäule entnommen (Lumbalpunktion) und im Labor untersucht. Auf diese Weise lassen sich zum Beispiel entzündliche beziehungsweise immunologische Erkrankungen des Gehirns als Grund für die Symptome ausschliessen.

Gentests

Eine vaskuläre Demenz kann mit verschiedenen genetisch bedingten Gefässerkrankungen einhergehen. Manche davon lassen sich mit molekulargenetischen Verfahren nachweisen. Solche Gentests sollten aber nur bei begründetem Verdacht durchgeführt werden.

Vaskuläre Demenz: Therapie

Die vaskuläre Demenz lässt sich nicht ursächlich behandeln. Mit verschiedenen Therapiemassnahmen kann man aber versuchen, die Symptome zu lindern.

Medikamente

Gegen die vaskuläre Demenz selbst gibt es keine Medikamente, die zugelassen sind und deren Wirksamkeit wissenschaftlich belegt ist. Im Einzelfall werden aber Medikamente gegen die psychiatrischen Symptome gegeben. Solche Präparate haben keine spezifische Zulassung für die vaskuläre Demenz, werden hier also im "off-label-use" angewendet.

Manchmal sind bei vaskulärer Demenz sogenannte Acetylcholinesterase-Hemmer und Memantin hilfreich. Diese Medikamente werden als Antidementiva vor allem bei Alzheimer angewendet.

Es gibt auch Hinweise, dass ein bestimmter Extrakt aus Ginkgo-Blättern (Ginkgo biloba EGb761) bei vaskulärer Demenz wirksam ist.

Mit geeigneten Medikamenten sollten zudem relevante Risikofaktoren für Gefässschäden und vaskuläre Grunderkrankungen (wie erhöhte Blutfettwerte, Bluthochdruck etc.) behandelt werden. Damit sollen weitere Gefässschäden und Infarkte vermieden werden.

Nicht-medikamentöse Behandlung

Eine vaskuläre Demenz sollte – wie andere Demenzformen – auch auf nicht-medikamentöse Weise behandelt werden. Beispielsweise können kognitives Training, Ergotherapie, Musik- und Tanztherapie bei Demenz sinnvoll sein. Bei Gangunsicherheit sollten Betroffene Gehhilfen und ein regelmässiges Gehtraining erhalten. Bei Problemen mit der Kontinenz ist unter anderem ein konsequentes Toilettentraining ratsam.

Auch bei vaskulären Risikofaktoren und Grunderkrankungen sind nicht-medikamentöse Massnahmen wichtig. So wird der Arzt dem Patienten zum Beispiel empfehlen, künftig auf das Rauchen zu verzichten und die Ernährung umzustellen (weniger tierische, mehr pflanzliche Fette etc.).

Vaskuläre Demenz: Verlauf und Prognose

Die vaskuläre Demenz nimmt keinen einheitlichen Verlauf – die zugrunde liegenden Krankheitsmechanismen können ja sehr unterschiedlich sein. Meist treten die Symptome plötzlich auf (vaskuläre Demenz nach Schlaganfall) und verschlechtern sich oft schubweise. Manche vaskuläre Demenz-Formen schreiten aber auch langsam fort.

Beeinflusst wird der Krankheitsverlauf (ebenso wie die Symptomatik) auch dadurch, dass nicht immer eine rein vaskuläre Demenz vorliegt. Oft leiden Patienten an einer Mischform, also zum Beispiel Alzheimer-Demenz plus vaskuläre Demenz. Lebenserwartung und Verlauf lassen sich dann kaum vorhersagen.

Generell gilt, dass die Lebenserwartung der Patienten in vielen Fällen verkürzt ist. Vaskuläre Demenz-Patienten sterben oft an Erkrankungen wie Lungenentzündung, Schlaganfall oder akuter Durchblutungsstörung des Herzens (akutes Koronarsyndrom = übergeordneter Begriff für Herzinfarkt und instabile Angina pectoris).

Autoren- & Quelleninformationen

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Wissenschaftliche Standards:

Dieser Text entspricht den Vorgaben der ärztlichen Fachliteratur, medizinischen Leitlinien sowie aktuellen Studien und wurde von Medizinern geprüft.

Vorlage:
Dr. med. Alexander Reinshagen
Autor:
Martina Feichter
Martina Feichter

Martina Feichter hat in Innsbruck Biologie mit Wahlfach Pharmazie studiert und sich dabei auch in die Welt der Heilpflanzen vertieft. Von dort war es nicht weit zu anderen medizinischen Themen, die sie bis heute fesseln. Sie ließ sich an der Axel Springer Akademie in Hamburg zur Journalistin ausbilden und arbeitet seit 2007 für NetDoktor - zuerst als Redakteurin und seit 2012 als freie Autorin.

ICD-Codes:
F01
ICD-Codes sind international gültige Verschlüsselungen für medizinische Diagnosen. Sie finden sich z.B. in Arztbriefen oder auf Arbeitsunfähigkeits­bescheinigungen.
Quellen:
  • Becker-Pfaff, J. & Engel, S.: Fallbuch Psychiatrie, Georg Thieme Verlag, 2. Auflage, 2010
  • Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. Selbsthilfe Demenz: "Andere Demenzformen", unter: www.deutsche-alzheimer.de (Abruf: 09.07.2021)
  • Internetportal der Berufsverbände und Fachgesellschaften für Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie et al.: "Was ist Demenz?", unter: www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org (Abruf: 09.07.2021)
  • Internetportal "Wegweiser Demenz" vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: "Weitere Demenzformen", unter: www.wegweiser-demenz.de (Abruf: 09.07.2021)
  • Mahlberg, R. & Gutzmann, H.: Demenzerkrankungen: erkennen, behandeln und versorgen, Deutscher Ärzteverlag, 1. Auflage, 2009
  • Pschyrembel Online, Klinisches Wörterbuch: www.pschyrembel.de (Abruf: 09.07.2021)
  • S1-Leitlinie "Vaskuläre Demenzen" der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, https://www.awmf.org (Stand: 2016)
  • S3-Leitlinie "Demenzen" der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde sowie der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (Stand: 2016)
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